pdf pdf         
filmstreifen Fotostrecke Java     filmstreifen Fotostrecke Bali

Wandfries

Indonesien April/Mai 2014
Im Land der Götter, Tempel und Vulkane

Indonesien vom 17. April – 18. Mai 2014

17.04.2014      Frankfurt – Singapur

Wieder einmal sitzen wir in freudiger Erwartung auf ein neues Abenteuer in Frankfurt am Flughafen. Diesmal warten wir auf unseren Flug nach Jakarta über Singapur. Den ersten Schreck haben wir bereits hinter uns, denn beim Quick Check-In spuckt der Automat für mich kein Weiterflug-Ticket von Singapur bis Jakarta aus. Naja, also wenn ich vier Wochen in Singapur bleiben soll, dann muss Uwe mir nur die Kreditkarte da lassen…. Seine Begeisterung darüber hält sich allerdings in Grenzen. Auch am Lufthansa-Schalter bekommt es die Dame nicht hin, mir mein Ticket auszudrucken. Immerhin sieht sie meine Flug- und Sitzplatzreservierung und meint, dass alles in Ordnung ist. Na, wenn die das sagt, dann wird es wohl so sein. Was bedeutet da schon so ein Papierschnipsel? Außerdem bleibt so eine gewisse Spannung, denn in Singapur haben wir nur eineinhalb Stunden Zeit, um ein solches Problem zu lösen. Eigentlich hatten wir ja einen Direktflug gebucht, aber da war die Lusthansa anderer Meinung und hat uns einfach umgebucht. Aber gut, einem geschenkten Gaul …., schließlich verfliegen wir diesmal unsere „mühsam“ erworbenen Flugmeilen und bekommen den Flug umsonst. Da darf man einfach nicht so anspruchsvoll sein.

Aber wieso schon wieder Indonesien, da waren wir doch im letzten Jahr? Zu viel haben wir auf unserer Reise im letzten Jahr nicht gesehen und das Land hat uns neugierig auf Mehr gemacht. Diesmal wollen wir bekannte und weniger bekannte Ziele auf den Inseln Java und Bali kennen lernen. Unsere Reiseagentur Sunda-island hat uns mit viel Kompetenz eine Reise nach unseren Vorgaben zusammengestellt und wir sind gespannt, was uns erwartet. Wir werden allein mit einem Fahrer und deutschsprachigen Guide unterwegs sein, was uns absolute Flexibilität ermöglicht. Noch eine Woche vor Abreise haben wir unseren Reiseplan ein wenig umgestellt, was für die Agentur kein Problem war und kompetent umgesetzt wurde. So sind wir voller Erwartungen. Dank Internet und zahlreichen Mailkontakten haben wir eine Menge guter Tipps und einen umfangreichen Reiseplan im Gepäck. Inzwischen sind die Tempelanlagen auf Java nach dem letzten Vulkanausbruch des Vulkans Kelud im Februar 2014 wieder gereinigt. Eine dicke Schicht Vulkanasche hatte die sensationellen Tempelanlagen überzogen und wir haben gebangt, dass sich der Vulkan schnell wieder beruhigt.

Unser Gepäck – immerhin sind wir vier Wochen unterwegs – haben wir auf elegante Art und Weise „verschlankt“, in dem wir die Stative und Stativköcher quasi als Handtasche nehmen. Das bringt etliche Kilo Gewichtsersparnis und hat beim Check-In schon mal problemlos funktioniert.


18.04.2014      Singapur – Jakarta („Alila Jakarta Hotel“)

Pünktlich um 16 Uhr Ortszeit landet der Lufthansa-Airbus A380-800 auf dem Changi-International Airport in Singapur. Zuvor musste der Pilot noch ein paar Ehrenrunden drehen, denn – mal wieder – ist hier gerade ein heftiger Wolkenbruch nieder gegangen. Dafür hat es 32 Grad Celsius mit entsprechend hoher Luftfeuchte. Inzwischen haben wir 6 Stunden Zeitverschiebung hinter uns gebracht, wurden im Flugzeug auf antarktistaugliche Temperaturen herunter gekühlt und fühlen uns wie ein Klappmesser im Etui. An Schlaf war kaum zu denken, denn die Maschine war bis auf den letzten Sitzplatz ausgebucht und es herrschte eine bisher nie erlebte Unruhe.

In Singapur haben wir nun erst einmal das Problem mit meiner fehlenden Bordkarte für den Weiterflug zu klären. Zum Glück sind die Menschen hier extrem freundlich und hilfsbereit, so dass das Problem rasch gelöst wird.

Noch schnell ein paar Sequenzen „Mister Bean“ geschaut, der im Wartebereich die Zeit bis zum Boarding überbrückt, dann dürfen wir auch schon in der nächsten Maschine – diesmal der Singapur Airline – Platz nehmen. Hier stehen nun jedem Passagier drei Sitzreihen zur Verfügung. So sitzen im letzten Drittel der Maschine gerade mal 15 Leute und im mittleren Teil sind es auch nicht viel mehr. Wir haben eine Stewardess zur persönlichen Verfügung. Was für ein Luxus und Jammer, dass wir nur knapp zwei Stunden fliegen!

Jakarta empfängt uns mit einem grandiosen Sonnenuntergang. Rasch haben wir die Einreiseformalitäten abgewickelt, das 30-Tage-Visum (oh, das wird aber diesmal knapp!) für 25 US-Dollar erstanden und unser Gepäck in Empfang genommen. Direkt am Ausgang wird uns auch schon ein Schild mit unseren Namen entgegen gestreckt und mit einem breiten Grinsen im Gesicht begrüßt uns unser Fahrer. Der telefoniert sich dann mit unserem Guide zusammen. Als wir aus der Abflughalle ins Freie treten, ist das, als ob jemand eine heiße Decke über uns hüllt. Ach ja, das hatten wir schon verdrängt, wie schwül-warm es hier ist.

Der Fahrer, fährt einen kleinen Minibus vor, in dem wir jede Menge Beinfreiheit haben und der auch einen ordentlichen Kofferraum hat. Das Fahrzeug ist sehr gepflegt. Das ist doch schon mal ein guter Start.

Ohne Umwege bringen uns die Beiden in unser Hotel „Alila Jakarta Hotel“, ein schickes Boutique-Hotel. Schnell besprechen wir noch den Plan für den morgigen Tag, dann können wir unser Zimmer beziehen und erst einmal in Indonesien ankommen. Aus unserem Zimmerfenster in der 17. Etage haben wir einen schönen Blick auf die umliegende Gegend und so gibt es gleich mal die ersten Fotos. Dann reicht es aber sogar uns, denn langsam stellt sich die Müdigkeit ein.


19.04.2014      Jakarta – Bogor („Novotel Bogor“)

Noch vor 6 Uhr stehen wir Hufe scharrend am Frühstücksbuffet, das bereits fertig ist und ein sehr vielversprechendes Angebot bereit hält. Es bleiben keine Wünsche offen. Frisch gestärkt stehen wir um 7 Uhr abfahrbereit in der Lobby und auch Guide und Fahrer sind megapünktlich.

Noch bevor der Verkehr so richtig chaotisch wird, haben wir Jakarta in südlicher Richtung verlassen. 50 Kilometer und eine Stunde später erreichen wir Bogor. Die Stadt liegt am Fuß der Berge Salak und Gede im javanischen Hochland. Bogor ist bekannt für seinen weltberühmten Botanischen Garten der an den Palast anschließt. Im Orchideenhaus wachsen über 880 Orchideenarten. Highlight sind die wilden Flughunde. Der heutige „Istana Bogor“ (Palast von Bogor), elegant und weiß inmitten üppiger Rasenflächen stammt aus dem Jahr 1856. Heute beherbergt das Gebäude eine große Kunstsammlung. So zumindest steht es im Reiseführer.

Wir fahren direkt zum botanischen Garten „Rayun Bogor“. Dort herrscht bereits Hochbetrieb. Die Beiden fahren mit uns in den Park hinein und liefern uns direkt am Orchideenhaus ab. Dann machen wir uns allein auf den Weg, während uns unser Guide Pri in der Zwischenzeit Obst besorgt und für uns Geld tauschen geht. Der Fahrer wartet am Haupteingang auf uns.

Im Orchideenhaus soll es über 880 verschiedene Orchideenarten geben. Wir sehen etwa 15 verschiedene Sorten; also jetzt nicht soo eine üppige Blütenpracht, wie man es sich vorstellt. Es überwiegt stattdessen die Farbe Grün-Gelb der verschrumpelten Bulben. Dafür sind wir hier allein. Und wieder läuft das Wasser als Rinnsal in die Po-Ritze als wir uns dem Fotografieren der Pflanzen widmen. Den hier reichlich vorhandenen Moskitos ist es dabei völlig gleichgültig, dass wir uns gerade in Autan gebadet haben. Sie genießen den für sie exotischen Snack in tiefen Zügen.

Nachdem wir jede Blüte; oder zumindest die, die nicht auf der heimischen Fensterbank erblühen, abgelichtet haben, machen wir uns auf den Weg durch den Park.

Pri drückt uns noch die soeben besorgten Früchte in Form von zuckersüßen Minibananen, Schlangenhautfrüchten und Mangostane als Marschverpflegung in die Hand. Auch Geld hat er für uns derweil gewechselt und uns so zum Millionär gemacht. Aus 200 Euro wurden 3 Millionen indonesische Rupien. Fein säuberlich ist jede Million zusammen getackert. Als Faustregel gibt er uns gleich noch den Tipp: Auf hohen Gelscheinen sind jeweils zwei Männerportraits abgebildet und auf niedrigen Scheinen – ein Mann! Das macht den Umgang mit diesem Spielgeld etwas leichter.

Wir laufen nun durch den Botanischen Garten, der heute, zum Wochenende, eher an eine Volksfestmeile erinnert. Überall sitzen große Gruppen von jungen Leuten, Großfamilien und Schulklassen. Es ist die Hölle los. Kaum haben wir uns ein paar hundert Meter bewegt, läuft uns der Schweiß schon wieder in Strömen überall hin. Dabei ist es noch nicht einmal 10 Uhr.

Am Seerosenteich machen wir noch ein paar Fotos von den großen Amazonica-Seerosenblättern und ein paar Lotusblüten, die sich aber auch lieber bedeckt halten und nicht ihr Innerstes Preis geben wollen. Dann schlendern wir gemütlich zum Haupttor. Ein paar Mal sprechen uns junge Leute an und möchten uns interviewen, aber Sorry Leute, wir kollabieren gleich, so heiß ist uns. Da können und wollen wir nicht labern, auch wenn das nicht sehr höflich ist.

Längst ist uns klar, dass wir heute die hier lebenden Flughunde nicht entdecken werden. Das können wir uns bei dem Trubel abschminken. Am eingezäunten ehemaligen Präsidentenpalast bestaunen wir die immense Anzahl von Hirschen, die sich im Garten frei bewegen und sogar am Zaun füttern lassen. Dann suchen wir uns eine Bank im Schatten. Kaum haben wir uns niedergelassen kommt winkend unser Fahrer auf uns zugelaufen. Schnell wirft er die Klimaanlage im Auto an und kühlt uns wieder auf normale Betriebstemperatur herunter. Derweil beobachten wir, wie sich am orange blühenden Busch an der Straße unzählige prächtige Schmetterlinge laben. Es ist ein Kommen und Gehen aller Farben, Größen und Formen. Ich also wieder raus und ran an die Flattermänner. Viel Glück habe ich dabei allerdings nicht. Die Falter sind einfach zu aktiv.

Inzwischen hat sich auch der Guide wieder eingefunden und so fahren wir zur Gong-Factory (Jl. Pancasan). Hier kann man noch den Gongmachern bei der Arbeit zusehen, wenn sie Gongs und andere Gamelan-Instrumente (traditionelle Instrumente) in echter Handarbeit herstellen. Eine extrem harte körperliche Arbeit, die Bronzeblöcke so lange mit einem ein Kilo schweren Vorschlaghammer heiß zu schmieden, bis ein wunderbar klingendes Klanggefäß in Form einer Schüssel entsteht. Gegen eine kleine Spende wird uns bereitwillig alles erklärt.

Während wir noch den Gongmachern bei der Arbeit zusehen, verdunkelt sich der Himmel und binnen kürzester Zeit ergeht sich ein Wolkenbruch, der sämtliche Straßen in reißende Bäche verwandelt. Es ist wie Weltuntergang und wir können keinen Schritt aus dem Bretterverschlag der Gongfabrik tun. Wieder rettet uns unser Fahrer, diesmal mit einem simplen Regenschirm. Unglaublich, dieser Wetterumschwung binnen kurzer Zeit. Doch Bogor ist berühmt dafür, dass es hier nachmittags regnet, denn die Stadt im javanischen Hochland ist von Bergen umgeben und hat den Ruf, die regenreichste Stadt Javas zu sein. Schließlich trägt Bogor den Spitznamen „Kota Hujan“ (Regenstadt). Gut nur, dass wir früher als vereinbart von unserer Tour durch den botanischen Garten zurückgekehrt waren, sonst wären wir jetzt nass bis auf die Haut und reif für einen Schleudergang.

Nach dem Besuch der Gong-Factory bringen uns die Beiden zu unserem Hotel, das etwas außerhalb von Bogor liegt. Das Novotel Bogor hat einen schönen Garten und auch die Zimmer sind groß und gepflegt. Allerdings wimmelt es hier von Kindern und so ist es entsprechend lebhaft. Wir bummeln noch etwas durch den Garten, erkunden das Hotel und lassen den Tag gemütlich ausklingen. Am Abend gibt es ein üppiges Buffet mit riesengroßer Auswahl. Es schmeckt hervorragend. Wir machen noch einen letzten Rundgang durch den Garten mit seinen hübschen Steinskulpturen und treffen sogar noch auf ein kleines Fröschlein. Der ist quasi unser „Betthupferl“, bevor wir satt und zufrieden in den Tiefschlaf sinken …. möchten, denn vor unserem Fenster dudelt noch eine Band, die mit zunehmender Stunde immer mehr zur Höchstform aufläuft. Gut, dass wir Ohropax dabei haben.


20.04.2014      Bogor – Puncak Pass („Puncak Pass Resort„)

Auch hier im Hotel ist das Frühstücksbuffet schon weit vor der offiziellen Eröffnung fertig bestückt und ebenso vielfältig, wie das Abendbuffet. Neben dem obligatorischen Eiern in jeder Form werden auch mehrere warme Gerichte angeboten. Gebratene Nudeln mit Gemüse und gebratener Reis gehören ebenso zur Standardausstattung. Aber auch klitzekleine Pellkartoffeln in Salzkruste schmecken lecker und verschiedene Brot- und Müslisorten gibt es auch. Alle Voraussetzungen für eine solide Tagesbasis sind also vorhanden.

Pünktlich um 7 Uhr holen uns Fahrer und Guide dann am Hotel ab. Wir haben eigentlich heute nur 30 km zu fahren. Es geht weiter hinauf in die Berge zum Puncak Pass. Schon herrscht auch wieder dichter Verkehr.

Unser Guide überredet uns zu einer „fakultativen“ Extratour zu einem Gebiet mit sieben Wasserfällen „Curug 7 Cilember“ (Wisatawan Mancanegara). Er besorgt uns die Eintrittskarten und will 200.000 Rupien (13 Euro). Als wir ihn bitten, uns die Eintrittskarten zu geben, damit wir anschließend noch in das kleine Schmetterlingshaus gehen können, hat er angeblich keine. Komisch. Erst beim Verlassen des Parks wird uns klar, dass uns der Bursche gerade 200 % des Eintrittspreises abgeknöpft hat, denn tatsächlich kostet der Eintritt 50.000 Rupien pro Person.

Wir machen uns auf den Weg und rasch wird offenkundig, dass es keine gute Idee war, heute zum Sonntag hier her zu kommen. Prozessionsähnlich pilgern Menschen in Massen zu den Wasserfällen. Zudem ist der Weg mit unregelmäßigen Steinen gepflastert, die nass, schmierig und damit extrem glatt sind. Man läuft wie auf Schmierseife. Das Gelände dient offenbar auch noch als Campingplatz und den nutzen viele Kinder und Jugendliche zum Übernachten. Überall stehen Zelte und liegen Teppiche auf dem Boden. Am ersten Wasserfall herrscht dann auch schon ein großer Menschenauflauf. Wir haben trotz viel Geduld keine Chance, die Wasserfälle ohne Menschen fotografieren zu können. Steil auf extrem matschigem Boden geht es weiter zu den nächsten Wasserfällen. Längst sehen unsere Hosen und Schuhe aus wie …. und wir eiern buchstäblich durch den üppig grünen Regenwald. Am nächsten Wasserfall dann der gleiche Menschenauflauf und bevor wir unseren Weg fortsetzen können, müssen wir den Bach erst noch überqueren. Der führt im Moment so viel Wasser, dass nur Schuhe ausziehen und durchwaten in Frage kommt. Darauf haben wir gerade keinen Bock und drehen um. Ohnehin besteht bei jedem Schritt die Gefahr, zu stürzen und das können wir jetzt nicht gebrauchen. So umwerfend sind die Wasserfälle dann auch wieder nicht. An einem ruhigen Tag lohnt sich sicherlich ein Ausflug hier her, aber auf keinen Fall am Wochenende oder Feiertag.

Da wir für das kleine Schmetterlingshaus die Eintrittskarten benötigen, müssen wir erst runter zum Parkplatz. Dort macht derweil unser Fahrer ein Nickerchen. Äußerst freundlich und hilfsbereit hilft er uns, unsere Sachen zu verstauen. Vom Guide ist weit und breit nichts zu sehen und es dauert eine Ewigkeit, bis er endlich heran telefoniert ist. Jetzt den ganzen Weg noch einmal zurück zu laufen für die paar Schmetterlinge, dazu haben wir keine Lust. Also treten wir die Rückfahrt an.

Auf unsere Frage, wieso der Guide den doppelten Eintrittspreis von uns verlangt hat, kommt er ziemlich ins eiern. In aller Deutlichkeit machen wir ihm klar, dass wir nicht verar… werden wollen. Mal sehen, ob diese Lektion geholfen hat. Vertrauensbildend war diese Aktion jedenfalls nicht. Überhaupt geht es uns ziemlich auf den Zeiger, dass er uns ständig noch irgendwelche fakultativen Programme anbietet und uns permanent die Ohren voll heult, dass die für uns wichtigen Programmpunkte nicht in seinem Budget sind. Hier wird noch mal ein klärendes Gespräch von Nöten sein.

Ein sehr schmaler Fahrweg führt uns noch einmal durch kleine Dörfer und vorbei an ersten bescheidenen Reisterrassen, bevor wir dann wieder die vielbefahrene Hauptstraße erreichen, die aufgrund des starken Verkehrs jeweils einseitig für zwei Stunden gesperrt und damit zur Einbahnstraße wird.

Durch dichten Verkehr, der aufgrund vieler Mopeds und Motorräder sehr chaotisch ist, bewegen wir uns in angenehmer Reisegeschwindigkeit immer höher die gewundene Passstraße hinauf. Viel von der schönen Landschaft sehen wir leider nicht, denn links und rechts der Straße herrscht dichte Bebauung vor. Auffallend ist, dass jeder hier irgendwie versucht, zu Geld zu kommen, in dem er anbietet, was in seinen Fähigkeiten und Kräften liegt. So gibt es unzählige Essensstände, andere haben winzige Werkstätten für Reifen oder Motor oder Autowasch-„anlagen“. Wieder andere bieten in Plastiktrinkflaschen abgefülltes Benzin für die Mopeds an oder halten ein Schild mit der Aufschrift „Villa“ in der Hand, was bedeutet, dass sie im Hinterland irgendwo Gästezimmer vermieten. Für uns, die wir nicht fahren müssen, ist das Tempo ideal, denn so kann man in Ruhe die vielen Eindrücke rechts und links der Straße aufnehmen.

Als wir uns weiter dem Puncak-Pass nähern, sehen wir auch die ersten zart grünen Teeplantagen und einige terrassierte Felder. An besonders schönen Aussichtspunkten machen wir einen kleinen Fotostopp.

Auf der Kuppe des Berges auf 1500 Metern Höhe erreichen wir dann das Puncak-Ressort; unser Hotel für die nächsten beiden Nächte. Warum wir allerdings hier zwei Nächte bleiben wollten, ist uns auch nicht mehr so richtig klar, aber dafür kann die Agentur nichts, denn dieser Einfall ist auf unserem „Mist“ gewachsen.

Zum Einchecken sind wir um 12 Uhr noch zu früh, so dass wir erst einmal zu Mittag essen. Wir haben die Wahl, zwischen Buffet und Karte. Da wir ohnehin kaum hungrig sind, ist es uns egal und wir wählen Buffet, was einem echten Abenteuer gleicht: Gelierte weiße Suppe, kleine dünne Fische in Bananenblätter gewickelt und nicht viel dicker als ein Pappendeckel, gekochte Lunge, Kleinteile bzw. Knochen von Täubchen, fermentierte rote Bohnenmatsche, kross gebratene winzige Fische mit Erdnüssen, die wie Chips schmecken, extrem scharfe grüne Bohnen mit Tofu, fermentierte grüne Erbsen und gegrillte Sate-Spieße mit Fleisch. Mutig testen wir uns durch die Töpfe und wissen anschließend, dass wir nichts verpasst hätten. Für den kleinen Hunger taugen die ebenfalls kleinen Fleischspieße.

Nun versuchen wir noch die Nachtisch-Abteilung und haben auch dabei viel Spaß. Für unseren Geschmack wirklich essbar bzw. esswürdig ist auch hier nichts. Aber wir sind auch weit und breit die einzigen Europäer.

Um etliche Erfahrungen reicher können wir zwei Stunden später endlich unser kleines Zimmer beziehen. Schon jetzt lässt sich resümieren: Dieses Hotel kann man mit ruhigem Gewissen auslassen. Die vier Sterne, mit denen sich das Hotel schmückt, sind längst verglüht. Die Toilettenspülung plätschert wie ein Wasserfall, die Pipi vom Vorgänger steht noch auf der Klobrille, das Mobiliar ist schon recht betagt. Dafür können wir im Foyer einem Schnitzer bei der Herstellung von Stabpuppen-Köpfen zusehen. Eine wirklich filigrane Arbeit.

Bei schönem Wetter hat man von hier oben eine tolle Aussicht ins Tal, aber leider ziehen gerade Wolken über uns hinweg und in wenigen Minuten herrscht dicke Nebelsuppe, die von Regenschauern abgelöst wird. Na gut, dann nutzen wir die Zeit eben zur Erholung. Wir leisten uns ein kleines Nachmittagsnickerchen und werden wach, als es bereits dämmert. Die Wolken hängen noch immer über dem Pass – also nichts verpasst. Heute Abend leben wir von unseren Reserven – auf den Rippen und aus der Obsttüte, denn auf ein weiteres Abenteuer beim Abendessen haben wir heute keine Lust mehr.

Hoffen wir mal, dass wir morgen etwas mehr Glück mit dem Wetter haben, wenn wir nach Cibodas fahren.


21.04.2014      Puncak Pass („Puncak Pass Resort„)


Gerade pünktlich zum Sonnenaufgang um 5:30 Uhr werden wir wach. Heute morgen haben wir klaren Blick ins Tal und auf den Vulkan Gunung Gede mit schönem Morgenrot.

Sonnenaufgang mit Blick auf Cibodas und den Gunung Gede

Nach dem Frühstück wollen wir auf kürzestem Weg in den Gede-Pangrango-Nationalpark. Dort gibt es am Fuß des Vulkans Gede einen üppigen Regenwald, in dem es auch Frösche, Insekten und sogar Gürteltiere sowie einen schönen Wasserfall geben soll. Das möchten wir natürlich nicht verpassen. So ärgert es uns schon, dass es hier erst ab 7 Uhr Frühstück gibt und dann sind Guide und Fahrer auch noch unpünktlich, so dass wir erst verspätet starten können. Zu allem Überfluss weiß dann der Guide noch nicht einmal, wo wir hin müssen. Obwohl wir ihm klar und deutlich gesagt haben, dass wir zuerst in den Nationalpark möchten, lässt er beim Botanischen Garten halten und will uns dort zu einem künstlich angelegten Wasserfall schicken. Während er uns den Lageplan des Botanischen Gartens erklärt, „wandern“ die Wasserfälle plötzlich von Nordost nach Südwest – sprich, er hat keinen Plan. Wir kriegen fast einen Vogel, denn unsere heiß begehrten Frösche sind eigentlich nachtaktiv und warten nicht bis 10 Uhr, bis Familie Kretzschmar den Weg in den Wald findet. Erst als wir den Parkangestellten des Botanischen Gartens erklären, wo wir hin möchten, bringen die es unserem deutschsprachigen Guide bei. Nur gut, dass wir genaue Vorstellungen haben von dem, was wir sehen möchten. Nicht auszudenken, wie wir sonst verschaukelt würden. Als wir dann endlich den Weg zur Nationalparkverwaltung gefunden haben, geht das Ganze in die nächste Episode. Will uns der Guide einen Polizisten (natürlich in Zivil) mitgeben. Auf unsere Frage, ob es hier irgendwie gefährlich ist, bekommen wir zur Antwort, dass er uns das nicht sagen dürfe. He, was ist das für eine Auskunft? Das hätten wir doch gelesen, wenn es hier ein Problem gäbe. So ist für uns klar, wenn wir hier noch Jemanden mitnehmen, dann einen englischsprachigen Naturführer, der uns Tiere findet. Das ist natürlich ein „frommer“ Wunsch. Es wird hin und her debattiert und irgendwann mit irgendwem telefoniert. Wir warten und warten, bis uns der Kragen platzt und wir uns auf den Weg machen. Es besteht keine Pflicht, einen Guide mitzunehmen und wir brauchen auch keinen. Basta.

Der Weg in den Nationalpark entspricht haargenau der Beschreibung, die wir von anderen Reisenden im Internet gefunden hatten. Viel falsch machen kann man hier nicht, denn die Wege sind beschildert und es gibt nur einen Abzweig. Der Gede- Pangrango NP liegt am bewaldeten Fuß zweier Vulkane, die man auch besteigen kann, wenn man die nötige Energie dafür hat. Fünf bis sieben Stunden bräuchte man bis zum aufgebrochenen Krater des noch aktiven Gunung Gede in 2.958 m und sechs bis acht Stunden dauert es bis auf den perfekten Kegel des Gunung Pangrango. Die beiden Vulkane sind in Form eines “Sattels” in knapp 2400 m Höhe miteinander verbunden. Für diese Ochsentour fühlen wir uns aber einfach zu alt und begnügen uns gern mit dem wunderschönen üppigen Bergregenwald. Wir wandern gemütlich einen breiten, etwas holprig gepflasterten Weg entlang und genießen die Ruhe und üppige Natur. Wir bestaunen uns unbekannte Blüten, die köstlich nach Aprikose und Papaya duften, lauschen dem Zirpen der Grillen und hören unbekannte Vögel zwitschern.

In einer einstündigen Wanderung sollten wir den Cibeureum Wasserfall erreicht haben. Wir sind noch keine 20 Minuten unterwegs, als es heftig zu regnen beginnt. Der Regenwald macht seinem Namen alle Ehre. Zum Glück überrascht es uns ganz in der Nähe einer Schutzhütte, so dass wir uns dort für die nächsten zwei Stunden unterstellen können. Das Wasser stürzt in Fluten vom Berg und die wenigen Wanderer – fast ausschließlich junge Leute – die hin und wieder vorbei kommen, sind nass bis auf die Haut. Wir haben zwar Regencapes dabei, aber die bringen bei dem Wolkenbruch nicht wirklich viel. So üben wir uns in Geduld. Wenigstens erhöht der Regen wieder etwas unsere Chance, Frösche zu sehen.


Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis der Regen nachlässt und wir endlich weiter wandern können. Wir kommen an einem idyllischen See vorbei, laufen an einem Waldbach entlang und werden immer mal wieder in mystische Nebelschwaden gehüllt. Es ist wunderschön hier und dieser Regenwald einfach sehenswert.

Als wir am Cibeureum-Wasserfall ankommen, ist es schon wieder nass. Diesmal liegt es am Wind, denn der treibt feinen Sprühnebel direkt auf uns zu. Da wird das Fotografieren eine echte Herausforderung und ist nur mit Teamwork zu meistern. Kamera ausrichten, Bildausschnitt einstellen, die Wassertropfen von der Linse putzen, schnell scharf stellen und abdrücken. So geht das Spiel bei jedem Bild. Nach ein paar Fotos sind wir patschnass. Aber dafür ist der Wasserfall sehr imposant und gleich nebenan ist noch ein zweiter Wasserfall, nicht minder schön. In unmittelbarer Nähe gedeiht üppiger Baumfarn, mehrere Meter hoch.

Das schönste hier ist aber, dass nur ganz wenige Menschen da sind. Nach den gestrigen Menschenmassen eine echte Wohltat.

Als wir gemütlich den Rückweg antreten, beginnt es wieder zu regnen. Wir nehmen es gelassen, die „Frisur“ ist ohnehin futsch und der Regen ist ja warm, so dass man auch feucht nicht friert. Aufmerksam betrachten wir immer wieder die Vegetation und hören auch mehrfach Frösche. Als Uwe dann eine Froschsichtung meldet, halte ich das für einen Scherz. Wie groß ist die Chance hier bei dieser dichten Vegetation einen daumennagelgroßen grünen Frosch auf einem Blatt zu entdecken? Er meint es aber wirklich ernst und hat einen ganz jungen, aber doch schon gelbfüßigen Frosch entdeckt. Wir freuen uns wie die Schneekönige. Da ist es uns doch piepegal, dass es wieder in Strömen regnet. Der Kleine wird ausgiebig abgelichtet. Zum ersten Mal sehen wir auch, dass ein Frosch noch den Schwanz aus seiner Lurchzeit trägt. Mit zunehmendem Alter wird er noch dunkelgrüner und noch schöner gezeichnet werden, aber dieser Kleine krönt dennoch unseren Tag.

Total happy kehren wir zum Auto zurück. Zwar würde heute noch ein Besuch des Botanischen Gartens, der sich hier gleich nebenan befindet, auf dem Programm stehen, doch der fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Der Botanische Garten von Cibodas (Kebun Raya Cibodas) ist eine Erweiterung des Bogor-Gartens in die Gebirgsregion hinein und hier kommt auch das javanische Edelweiß vor, aber so wichtig ist uns dieser Garten dann doch nicht, dass wir hier noch bei dem jetzt wieder strömenden Regen herumlaufen müssen. Dagegen betrachten wir beim Vorbeifahren noch interessiert die unzähligen kleinen Gärtnereien, die hier alle möglichen Zierpflanzen und Ziersträucher bzw. -bäume züchten. Manche sind richtige Kunstwerke, so künstlerisch wurden sie getrimmt. Auch unzählige Bonsai-Bäume werden hier gezüchtet und verkauft. Es gibt richtige Prachtexemplare für vergleichsweise wenig Geld zu kaufen. Allerdings sind die leider etwas unhandlich und sowieso ist es ja verboten, Pflanzen nach Deutschland einzuführen.

Unser Guide fährt jetzt mit uns noch in das Restaurant „Sindanglaya“ in Cibodas, wo wir unser verspätetes Mittagessen einnehmen können. Wir sind ein wenig skeptisch und besichtigen erst einmal die Toiletten. Die sind blitzsauber, was immer ein zuverlässiges Indiz für die Qualität bzw. Sauberkeit einer Küche ist. Hier können wir mit ruhigem Gewissen essen. Uns werden eine wirklich leckere Hühnersuppe mit viel Fleischeinlage, der obligatorische Reis und vier verschiedene Gerichte sowie ein Obstteller und ein Desserteller serviert. Alles schmeckt hervorragend. Am Ende stellt sich noch der Inhaber des Restaurants bei uns mit Handschlag und in Deutsch vor und schenkt Jedem von uns ein Päckchen hiesigen Tees, der sich später als sehr lecker entpuppt. Wir sind sprachlos.

Nun bringen uns Guide und Fahrer zurück zum Hotel Puncak Resort, wo wir zufrieden die Erlebnisse des Tages verdauen können. Morgen geht es dann weiter nach Bandung.


22.04.2014      Puncak Pass – Bandung („Grand Hotel Preanger“)

Nach einem schnellen Frühstück brechen wir zur Weiterfahrt nach Bandung auf. Unterwegs machen wir noch ein paar Zwischenstopps an terrassierten Feldern und dem Präsidentenpalast in Cibodas.

Präsidentenpalast in Cibodas

Am Fluss Ramnagar treffen wir ein paar Affen, die offenbar gelernt haben, dass es sich lohnt, an der Straße herumzulungern. Es fällt auch diesmal etwas für sie ab, denn der Guide füttert sie mit Nüssen. Wir finden, dass das keine gute Idee ist, aber davon will er nichts wissen.

Unterwegs kommen uns ständig schwer beladene LKW entgegen, die Marmor geladen haben. Später sehen wir dann den Berg, an dem Marmor abgebaut wird. Der Berg wird richtiggehend abgetragen. Ihn hüllt eine dicke Staubwolke ein.

Ansonsten war die knapp vierstündige Fahrt – abgesehen vom chaotischen Verkehr und einigen unfotogenen Reisfeldern – wenig spektakulär. In Bandung checken wir im Grand Hotel Preanger ein, einem Artdeko-Bau aus dem Jahr 1929. Das Hotel wurde sehr chic modernisiert. Inzwischen ist unser Guide auf einen neuen Dreh gekommen. Er macht überall eine Riesenwelle und verkauft uns als wichtige Fotografen. Das führt dazu, dass wir überall vom Manger persönlich begrüßt werden, Extrawürste bekommen und der Guide nichts bezahlen muss. Im Hotel bekommen wir das Zimmer mit dem besten Ausblick und die Zusage, von der Suite im letzten Stockwerk aus Nachtaufnahmen von der Stadt machen zu dürfen. Allerdings wissen wir da noch nicht, dass sich das nicht lohnt.Unterwegs kommen uns ständig schwer beladene LKW entgegen, die Marmor geladen haben. Später sehen wir dann den Berg, an dem Marmor abgebaut wird. Der Berg wird richtiggehend abgetragen. Ihn hüllt eine dicke Staubwolke ein.

Mit Pri haben wir verabredet, dass er uns um 13 Uhr abholt, wir dann noch schnell Essen gehen und danach die Udjo-Aufführung ansehen. Er ist auch pünktlich da und bringt uns dann in eine typische Touristenabsteige. Wie immer gehe ich zuerst auf der Toilette und schon da ist klar, dass hier reinste Massenabfertigung erfolgt. Busweise werden die Touris angekarrt und lieblos abgefüttert. Alles ist unsauber, laut und ohne jeden Charme. Es geht nur ums schnelle Geld, also nichts, was man braucht.

Wir bitten Pri, ein anderes Lokal zu besuchen, aber dem fällt maximal ein anderer Tisch für uns ein. Ohne sich auch nur mit uns abzustimmen, lässt er uns ein ungenießbares Futter servieren. Panierte Fischgrätenstückchen, Tofu, Gemüse und zum Glück noch ein paar Hühnchen-Sate-Spießchen sowie eine Hühnersuppe und natürlich wieder den obligatorischen Reis. Viel ist nicht dabei, was wir essen können und am Ende sind wir weder satt noch froh. Nach dieser Pleite fragt er auch noch, wie das Essen war; schon frech! Diesmal macht Uwe die klare Ansage, dass wir in so eine Absteige nicht noch einmal gehen werden. Morgen wollen wir etwas Richtiges zu Essen.

Anschließend werden wir zu der Bambusaufführung „Saung Angklung Udjo“ gebracht. Auch hier stehen wieder eine Menge Reisebusse; die gleichen übrigens, deren Passagiere vorher in dem Restaurant abgefüttert wurden. Ein Kompensationsgeschäft, von dem ausschließlich die Guides und Veranstalter sowie der Restaurantbesitzer etwas haben.

Wieder zieht Pri seine Masche mit den Fotografen ab, spart damit den Eintritt und wir werden vom Management gepampert. Einfach nur peinlich! Wie uns Pri auf der Hinfahrt erklärt hatte, sind das 500 Waisenkinder, die wir anschließend mit Bonbons füttern und mit Trinkgeld belohnen sollten. Hier lässt man echt nichts aus, um den Touris das Geld aus der Tasche zu ziehen!

Bevor die Aufführung beginnt, wird uns noch vorgeführt, wie die eigenartig aussehenden Bambusinstrumente hergestellt werden. Eindrücklich führt uns der Meister höchstpersönlich vor, wie man einfachen Bambusstücken einen so schönen Klang entlockt – vorausgesetzt allerdings, man verwendet schwarzen Bambus.

Später in der Aufführung spielt erst ein Puppenspieler ein kurzes Stück (normalerweise dauern solche Puppenspiele sechs bis sieben Stunden), dann tanzen Kinder. Die spätere Vorführung des Bambusinstruments ist zwar anfangs interessant, dann aber recht langatmig, zumal sie unter Einbeziehung der Zuschauer erfolgt. Ein Glück, dass wir unsere Kameras in den Händen haben. Etwas mehr als eineinhalb Stunden zieht sich die Aufführung. Irgendwann haben wir dann genug von der Touri-Show und gehen. Die nächsten kulturellen Shows, die Pri uns schon als zusätzliche fakultative Leistungen angekündigt (oder besser angedroht hatte), kann er sich auf jeden Fall wohin schieben. Wir haben endgültig genug von seinen Vorschlägen. Das Ganze hat mit Tradition und Volkskunst überhaupt nichts mehr zu tun und dreht sich nur noch um Kommerz.

Wir lassen uns zurück zum Hotel bringen und freuen uns auf ein vernünftiges Abendessen. Nach dem Essen laufen wir noch eine Runde um den Block, aber die angeblich so tolle „Shoppingmeile“ Jl. Braga entpuppt sich als uninteressante Fressmeile. Da werden wir morgen noch einmal einen Versuch starten, denn ob sich Bandung, die drittgrößte Stadt Javas, zu Recht als Mode- und Shoppingparadies schimpft, wollen wir selbst erleben.

Für heute hatten wir genug Erlebnisse. Morgen geht unser Aufenthalt in Bandung in die nächste Runde.


23.04.2014      Bandung („Grand Hotel Preanger“)

Wieder starten wir früh, denn wir möchten zum Vulkankrater Tangkuban Prahu im Preanger-Hochland. Durch dichten Stadtverkehr kämpft sich unser Fahrer mühsam voran. Bandung hat 2,4 Millionen Einwohner und die scheinen hier alle am Straßenverkehr teilzunehmen. Besonders die vielen Mopeds sorgen für ein Gewusel, das an einen Ameisenhaufen erinnert und man fragt sich permanent, welchen Regeln dieses Gewusel folgt. Die Straße zu überqueren ist ähnlich abenteuerlich wie in indischen Großstädten und wehe, man muss links bzw. hier rechts (die haben ja auch das Lenkrad auf der falschen Seite) abbiegen, da würde man als Deutscher auf der Kreuzung verhungern. Naja, wir sind froh im Auto zu sitzen und dem Treiben verhältnismäßig entspannt zuschauen zu können.

Nach knapp zwei Stunden haben wir den Vulkankrater erreicht. Wir genießen den besonderen Luxus, dass man bis an den Kraterrand heran fahren kann. Der Himmel ist wolkenlos strahlend blau, die letzten Schatten aus dem offenen Krater verziehen sich gerade und es sind noch so gut wie keine Besucher da. Wohl wissend, dass sich hier das Wetter ganz schnell ändert, nutzen wir die günstigen Fotobedingungen. Anfangs müssen wir sogar eine Jacke anziehen, denn hier im Hochland auf 1830 Meter ist es merklich kühler.

Wir können aus verschiedenen Positionen vom Kraterrand den kleinen Krater-„Matsch“-See und dampfende Fumarolen fotografieren und bekommen einen Überblick über die Kraft dieser Naturgewalten. Auch der Blick ins gegenüberliegende Tal und die angrenzenden Berge bis hin zum qualmenden Vulkan Papandayan sind atemberaubend. Vor uns präsentiert sich ein tolles Panorama. Doch der blaue, wolkenlose Himmel hält nicht lange vor, denn schon bald ziehen erste Wolken auf, die später von Nebelschwaden abgelöst werden. Auch dafür ist der Krater bekannt.

Dieser gut erschlossene Krater ist natürlich auch stark frequentiert. Ruhe ist hier Fehlanzeige. Es gibt Imbissbuden, unzählige Souvenirverkäufer mit zum Teil irrwitzigen Dingen und ein Infozentrum. Auf einem schmalen Pfad kann man den Vulkan auch umrunden, aber das verkneifen wir uns, denn wir stehen bereits an den besten Fotospots mit dem richtigen Licht.

Als der Nebel kommt, machen wir uns auf den Weg zu den sprudelnden Geysiren und dampfenden Fumarolen des Kawah Domas. Zwar ist dieses Gebiet in der Hand einer „Mafia“, die überhöhte Eintrittsgelder kassiert und einem eine „Guidepflicht“ (mit ihren eigenen Guides) aufzwingt, aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. 300.000 IRp (19,28 Euro) sind wirklich etwas sehr überteuert, aber wir haben Zeit und sind neugierig auf das Gebiet. Außerdem wehrt sich unser Guide mit fadenscheinigen Ausreden so sehr dagegen, dass wir erst recht neugierig werden. Uns wird ein Guide zur Seite gestellt, der mein Stativ trägt (schon mal sehr gut, das können wir beibehalten) und dann laufen wir den insgesamt 2,8 km langen, sehr gut ausgebauten Weg. Die Strecke ist wunderschön, führt durch einen richtigen Märchenwald und der Guide empfiehlt mir Fotospots. Der hat ein richtiges Händchen dafür. Immer wieder verzaubern uns die alten, windschiefen Bäume und der mit saftig grünem Moos bewachsene Hohlweg. Schon nach 500 Metern wissen wir, dass sich diese Investition, trotz ihrer unverschämten Höhe, gelohnt hat.

Das Schönste hier ist aber, dass eine göttliche Ruhe herrscht. Nur die Vögel zwitschern und Grillen zirpen. Wir legen immer wieder Fotostopps ein und mein Assistent baut mir geduldig das Stativ auf und ab, um es danach wieder gelassen bis zum nächsten Fotostopp zu schleppen. Können wir diesen Mann bitte dauerhaft mieten? Unterwegs sehen wir dann sogar in den hohen Bäumen schwarze Affen einer Gibbonart. Leider sind sie sehr scheu und lassen sich nicht anlocken, aber immerhin haben wir sie gesehen.

Nach einer schönen gemütlichen Wanderung stehen wir an einem Aussichtspunkt oberhalb des zweiten Vulkankraters. Hier liegt überall zersprengtes Gestein, es stinkt nach faulen Eiern, sieht aus wie eine Mondlandschaft und qualmt aus allen Ritzen. Außerdem haben wir von hier oben eine schöne Fernsicht auf die umliegenden Teeplantagen und angrenzenden Berge.

Blick auf den Kawah Domas

Nach einem kurzen Weg abwärts stehen wir auf dieser mondähnlichen Kraterlandschaft. Hier brodelt in mehreren Löchern der Schlamm, sprudeln Geysire und dampfen gelbe Schwefel-Fumarolen. Das Ganze wirkt wie eine Hexenküche. Man merkt dem Boden an, dass wir nur 75 m über dem Magma stehen. In einem Becken kommt das sprudelnde Wasser mit angeblich 120 Grad Celsius aus dem Boden geschossen und verdampft teilweise in großen stinkenden Schwaden. Unser Guide nimmt uns mit über die Absperrung und führt uns auf die andere Seite des sprudelnden Beckens. Hier hat man zwar einen noch besseren Blick in das Becken, aber der Wind treibt den Schwefeldampf genau auf mich zu und ich stehe in einer Wolke aus stinkendem, ziemlich warmem Wasserdampf. Ich hoffe, das ist für irgendetwas gut. Dann laufen wir vorsichtig hinter dem Guide her, der gut auf uns aufpasst. Überall fließen kleine heiße Wasserbäche oder stehen heiße blubbernde Pfützen. Es ist faszinierend.

Dann zeigt uns der Guide wunderschöne gelbe, auskristallisierte Schwefel-Fumarolen. Werden die angeleuchtet, dann glitzern sie wie Kristalle. Als ich mich beim Fotografieren hinknien will, bin ich ziemlich schnell wieder oben. Mann ist der Boden heiß. Schon habe ich Sorge, dass die Gummifüße vom Stativ schmelzen. So führt uns der Guide noch zu einigen interessanten Plätzen, bevor wir die Kraterlandschaft wieder verlassen.

Noch einmal laufen wir durch schönen alten Wald, bevor wir unterhalb des Berges den Parkplatz erreichen, wo uns unser Guide und der Fahrer wieder aufnehmen. Diese Tour hat sich wirklich gelohnt und wir möchten den schönen Weg und die tollen Kratererlebnisse nicht missen.

Anschließend fahren wir durch bergige Landschaft, die mit sattgrünen Teeplantagen bestückt ist. Ein sehr schöner Anblick, wie die symmetrisch und in graphischen Mustern angelegten Teefelder sich über die Berghügel ziehen. Auch hier legen wir einen ausgiebigen Fotostopp ein.

Heute stehen noch die heißen Quellen von Ciater an, die sich aber als allgemeine Badestellen für unzählige Einheimische entpuppen und einem Vergnügungs- bzw. Freizeitpark ähneln. Hier sind wir ganz schnell wieder weg.

Nun bringt uns Pri in ein Restaurant, das hübsch gelegen, aber auch wieder für Große Touristengruppen ausgelegt ist. Damit wir heute etwas Essbares haben, werfen wir selbst einen Blick in die Speisekarte. Marinierten Fisch, Gemüse, recht scharfen gebratenen Reis und mariniertes Hühnchen sättigen zumindest unseren Hunger, auch wenn wir letztes Jahr auf unserer Indonesienreise wesentlich besser gegessen haben.

Auf dem Rückweg fährt uns unser Fahrer noch durch die „Jeansstraße“ Jl. Cihampelas. Schnell wird uns klar, dass wir hier nichts brauchen.
Wir lassen uns gegen 16:30 Uhr im Hotel absetzen und nutzen die Zeit, unsere Fotos des heutigen Tages zu sichern und zu sichten.


24.04.2014      Bandung („Grand Hotel Preanger“)

Es hat die Nacht über heftig geregnet. Heute Morgen ist es diesig, regnet aber zumindest nicht mehr. Wie jeden Morgen weckt uns um 4:30 Uhr der „Vorbrüller“ der benachbarten Moschee. Wenn man den als Nachbar hat, bekommt man senile Bettflucht. Als ob die ihre Religion nicht in aller Ruhe ausüben können, ohne damit Ihr Umfeld zu tyrannisieren.

Wie jeden Tag starten wir nach einem kräftigen und sehr reichhaltigen Frühstück zum heutigen Tagesprogramm. Heute Morgen fahren wir zum Vulkankrater Kawah Putih in Ciwidey. Dort treffen wir nach zwei Stunden Fahrzeit ein. Pünktlich mit unserer Ankunft beginnt es wieder zu regnen. Wir laufen trotzdem los, denn im Moment sind noch wenig Menschen unterwegs. Wie auch gestern steigt uns weit, bevor wir den Krater sehen können, bereits der nach faulen Eiern stinkende Schwefelgeruch in die Nase. Hier scheint die Konzentration an Schwefel höher zu sein, denn es kratzt erst einmal im Hals.

Nun ziehen dicke Nebelschwaden über uns hinweg, aber zum Glück ist das nur eine Drohgebärde, denn kurz darauf zeigt sich wieder die Sonne. Vor uns liegt ein milchig weißer Kratersee, der seinem Namen alle Ehre machte, denn Putih heißt „Weiß“. In dem stark nach Schwefel riechenden Wasser stehen einige abgestorbene Bäume und auf dem Wasser schwimmen gelbe Schwefelpartikel. Der See selbst liegt in einem Vulkankrater, den man bequem über einen gut ausgebauten kurzen Weg erreicht. Auch hier kann man mit dem Auto ziemlich nah an den Krater heran fahren. Es sind noch wenige Menschen hier, so dass wir in aller Ruhe fotografieren können.

Als wir genug Fotos vom milchig türkis schimmernden Wasser gemacht haben, wandern wir noch oberhalb des Sees zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen schönen Ausblick auf den See und die umliegende Landschaft hat. Kaum haben wir hier unsere Fotos im Kasten, beginnt es schon wieder zu Regnen. Echt schade, denn hier am Kraterrand sind auch viele Teeplantagen. Dafür treffen wir am Aussichtspunkt eine schwarze Manguste und auch Affen sehen wir wieder in den Bäumen turnen. Näher identifizieren lassen sie sich aber aufgrund der Höhe nicht. Trotzdem freuen wir uns, sie gesehen zu haben. Auch Zimtbäume, die die aromatische Zimtrinde liefern und Kaffeesträucher gedeihen hier. Überhaupt ist die Vegetation am Kraterrand wieder sehr üppig und schön.

Nachdem wir zum Parkplatz zurück gelaufen sind, setzen wir unsere Fahrt fort. Es geht weiter zum Pantenggang-See. Dieser See befindet sich ca. 15 Minuten vom Vulkankrater entfernt. Auf der Fahrt dorthin kommen wir an den wunderschönen Teeplantangen von Rancabali vorbei. Die sanften Hügel und das frische Grün sind eine Augenweide. Leider gibt es hier aber auch viele Hochspannungsmasten und tief hängende Strom- oder Telegraphenleitungen, die diesen imposanten Anblick etwas stören.

Der Patenggang-See ist nichts Besonderes. Er ist hübsch in die Landschaft eingebettet, aber nichts, was man unbedingt sehen muss. Hier findet gerade eine Hochzeitsfeier statt und der Fotograf setzt das Brautpaar aufwendig in Szene. Wir schließen uns mal schnell an und schießen auch ein Foto vom noch sehr jungen Brautpaar.

Nachdem wir uns am See ein wenig umgesehen haben, brechen wir zur Rückfahrt auf. Wir halten noch einmal bei den Teeplantagen und versuchen uns an ein paar Aufnahmen.

In den Dörfern am Hang des Vulkans wird viel Gemüse angebaut und im Moment gibt es auch überall erste Erdbeeren. Da die aber noch genauso sind wie bei uns die ersten spanischen Erdbeeren, widerstehen wir diesen Früchtchen. Dafür fasziniert uns die Anbauweise. Die Pflanzen werden in ca. 40 bis 50 cm hohen Säcken bzw. Ballen gezogen, so dass man sich bei der Ernte nicht so weit runter bücken muss. Außerdem hängen die Früchte nicht im Dreck und der Weg für die Schnecken ist auch etwas beschwerlicher. Echt genial!

Nun sind wir verkehrstechnisch ja schon ziemlich abgehärtet und haben auch schon einige sehr abenteuerliche Fortbewegungsmittel und Transportweisen gesehen, aber was wir auf der sehr kurvenreichen Strecke durch das Bergland sehen, macht uns fassungslos. Vor uns fährt ein Mini-LKW, dessen Ladefläche zu einer Garküche umgebaut wurde. Und zur Krönung des Ganzen ist die auch noch während der Fahrt in Betrieb, denn der junge Mann wendet irgendwelche Speisen in heißem Fett. Wir wollen nicht wissen was passiert, wenn der Fahrer scharf bremsen muss. Unfassbar!

In einem Dorfrestaurant essen wir und sind überrascht, wie wohlschmeckend die Speisen sind. Ist aber auch kein Wunder, denn hier werden auch nicht massenhaft Touristen abgefüttert.

Der extrem dichte Verkehr macht dann die Heimfahrt ins Hotel nach Bandung zu einer ziemlich zähflüssigen Angelegenheit. Es geht oft nur im Schritttempo vorwärts. Für uns ist es aber spannend, das Treiben rechts und links der Straße zu beobachten. Man kann es gar nicht alles erfassen, was einem hier so an exotischen Eindrücken und fremden Lebensgewohnheiten geboten wird. Es ist unglaublich faszinierend!

Nach diesem ereignis- und erlebnisreichen Tag muss noch ein äußerst leckeres Süßstückchen aus der Hotel-Patisserie mit, bevor wir müde ins Bett fallen, um neue Kräfte für unser morgiges Vorhaben zu sammeln.


25.04.2014      Bandung – Garut („Hotel Kampung Sampireun“)

In aller Frühe verlassen wir das sehr schöne Hotel in Bandung, um unsere Fahrt nach Garut, weiter in den Osten Javas fortzusetzen. Da heute auch die Besteigung des noch aktiven Vulkans Papandayan ansteht, haben wir die ältesten Klamotten an, die der Kleiderschrank her gab und so sehen wir ein wenig underdressed aus in diesem schicken Haus. Aber egal, dazu muss man stehen.

Gern hätten wir die Besteigung des Papandayans gleich morgens gemacht und so war es eigentlich auch vorgesehen, aber unsere kurzfristige Planänderung zugunsten von mehr Zeit am Borobudur-Tempel hat nun dieses straffe Tagesprogramm ergeben.

Zuerst besuchen wir in Leles, 10 km nördlich von Garut, noch einen sehr alten Hindutempel, der in einer schönen Landschaft mit vielen Gemüse-, Reisefeldern und Bambushainen liegt. Der alte Hindu-Tempel Candi Cangkuang aus dem 8. Jh. befindet sich auf einer Insel im Situ Cangkuang, einem stillen kleinen See mit vielen Lotusblüten. Hier können wir die lokale Bevölkerung beim Fischen beobachten. Dazu schwimmen viele Menschen im See und treiben die Fische in ein ausgeworfenes Netz. Ein interessantes Erlebnis.

Mit einem sehr stabilen Bambusfloss, dass für viele Passagiere ausgelegt und in traditioneller Bauweise gebaut ist, werden wir auf die Insel mit dem kleinen Tempel übergesetzt. Wir müssen noch eine Menge Kioske passieren, die aber glücklicherweise alle noch geschlossen sind. Vor dem Tempel befinden sich noch einige traditionelle Wohnhäuser, dann sehen wir den Tempel in einem kleinen Wäldchen liegen. Daneben befindet sich ein islamisches Grab. Der Tempel ist hübsch, aber nichts Besonderes.

Wir setzten unsere Fahrt nach Garut fort, bestaunen unterwegs das emsige Treiben an der Straße und sind immer wieder neu beeindruckt von diesem Land mit seinen vielen Facetten.

Besonders interessant ist für uns der Umgang mit dem Reis. Die Ernte und Weiterbearbeitung, bis zum Reiskorn fasziniert uns. Allerdings sollte man beim Verzehr nicht unbedingt über diesen Prozess nachdenken. So werden die Reiskörner auf Bastmatten oder Plastikplanen – oft direkt an der Straße – in der Sonne zum Trocknen ausgebreitet. Ist der Reis trocken genug, wird er in einer Reismühle von der Schale befreit. In der Trocknungsphase werden die Reiskörner mehrfach gewendet; oft mit den nackten Füßen. Auch ist mir jetzt völlig klar wie es sein kann, dass Reis knirscht.

Wieder einmal staunen wir darüber, wie dicht der Fuß der Vulkane besiedelt ist, denn noch immer gelten diese Vulkane hier als nicht ungefährlich, aber die Fruchtbarkeit der vulkanischen Böden zieht die Menschen einfach an.

65 Kilometer südöstlich von Bandung erreichen wir die Provinzhauptstadt Garut und vom kleinen Ort Cisurupan aus wollen wir den Gunung Papandayan (2622 m) besteigen. „Eine gut ausgebaute Straße (9 km) führt fast bis zur Kraterregion. Vom Parkplatz aus sind es etwa 1,5 km zu Fuß bis zum ersten der vier Krater.“ So zumindest steht es im Reiseführer und davon gehen wir aus.

Gegen 11 Uhr kommen wir am Fuß des Vulkans Papandayan an, der einer von 129 aktiven Vulkanen Javas ist. Dieser Stratovulkan hat einen mehrere Hundert Meter hohen umlaufenden Wall und erreicht eine maximale Höhe von 2665 Metern. Der Innenraum mit den vier Kratern liegt zwischen 2200 und 2300 Meter hoch. Sein letzter Ausbruch war im Jahr 2002.

Unser lokaler Guide Asep wartet bereits auf uns. Unser Guide Pri hat mal wieder keine Ahnung und kann uns keine vernünftigen Informationen zur bevorstehenden Wanderung geben. Er erzählt uns etwas von 1,5 km laufen oder Motorrad fahren und von leichtem Weg. Wir sind nicht scharf aufs Motorrad fahren, sehen auch keinen Grund darin und entscheiden uns fürs Laufen. Asep trägt mal wieder die Stative und wir laufen los; nicht ahnend, was uns erwartet. Erst unterwegs erfahren und erleben wir, dass der Weg zweidreiviertel Stunden steil eine extrem kaputte Straße hinauf führt. „Gut ausgebaut“ ist also schon eine ganze Weile her. Schon auf diesem steilen Stück bis zum eigentlichen Parkplatz, den aber nur noch 4×4-Fahrzeuge und Motorräder erreichen können, sterben wir bald. Immerhin hat es Sonnenschein und 34 Grad Celsius, bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Zweimal werden wir grinsend von anderen Touristen überholt, die sich auf Motorrädern hochfahren lassen. Schon die Motorräder brauchen ihre letzte Kraft, während wir noch nicht einmal genug Energie zum Fluchen übrig haben. Am liebsten würden wir jetzt unseren Mister Pri an den Ohren hier hoch zerren.

Als wir oben auf dem Parkplatz ankommen, haben wir 6 km steilen Aufstieg mit 800 Höhenmetern hinter uns. Ab hier sind es ca. 1,5 km bis zum Golden Kawah, dem ersten der vier Vulkankrater.

Eigentlich ist es nicht schwierig, den Vulkan zu besteigen, denn nun ist der Weg nicht mehr steil. Lediglich das viele Geröll und die herumliegenden Steine machen das Laufen etwas beschwerlich. Kaum haben wir nach dem Parkplatz 500 Meter zurückgelegt, beginnt es in Strömen zu Regnen. Um nicht – trotz Regenjacken und -capes total durchnässt zu werden – laufen wir zurück und stellen uns in einer der Hütten unter. Mist, unsere alten Hosen sind aus Baumwolle und die in nassem Zustand sind eklig. Außerdem braucht der Stoff ewig, bis er wieder trocken ist. Asep bringt uns Tee und Kaffee zum Aufwärmen, dann heißt es, geduldig auszuharren, bis sich die grauen Wolken auf 2.030 Metern Höhe wieder verzogen haben. Unterm schützenden Dach sind wir nun aber die, die grinsen, als die Touris, die bergauf cool an uns vorbeigefahren sind, im kurzen weißen T-Shirt mit Shorts bekleidet patschnass von ihrer Tour zurückkehren und als Miss und Mister Wetshirt taugen. Ja, irgendwie ist das Leben dann doch gerecht.

Als der Regen aufhört, machen wir uns noch einmal auf den Weg. Nun gelten Vulkane ja schon seit Menschengedenken als Feuer speiende, beeindruckende aber auch gefürchtete Naturschauspiele. Auch wir begegnen diesem Vulkan mit Respekt und einer großen Portion Vorsicht. Täglich hatten wir uns vor diesem Besuch auf der offiziellen Seite zu Vulkanaktivitäten volcanodiscovery.com über die aktuelle Lage informiert und die angegebenen Gefahrenstufen studiert. Nun sind wir extrem gespannt, was uns erwartet.

Die Umgebung gleicht einer Mondlandschaft: Wüsten aus Ablagerungen von Glutströmen, Asche und Gesteinsschutt, verkohlte Vegetation, umgerissene, halb begrabene Baumstümpfe, stinkende Bäche in verschiedenen Farben, sprudelnde Schlammquellen, laut zischende Fumarolen, ein grünblauer Kratersee, und gewaltige Schwefelablagerungen erwarten uns.

Auf den ersten Blick ist diese Geröll- und Gesteinswüste unspektakulär. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man in den Gesteinen rote Streifen und Flecken, gelbe Tupfer und Adern von Schwefel, regelrecht „verrostete“ Steine mit viel Eisengehalt und allerlei lila und rosa farbige Gesteine.

Nach einer Stunde Fußmarsch durch eine Mondlandschaft aus mit grauen Felsblöcken übersäten Schlammströmen erreicht man als erstes den sogenannten „Goldenen Krater“ (Kawah Mas), wo mehrere Solfataren geräuschvoll für Schwefelbildungen sorgen. Der Krater ist ein 100 bis 200 Meter breiter Hügel, der durch zwei zehn bis zwanzig Meter tiefe Täler seitlich begrenzt wird. Wir müssen also etwas klettern, um das Schwefelfeld zu erreichen.

Zuerst sehen wir ein paar Spalten und Löcher, aus denen zischend übelriechende Gase, 120 bis 450 Grad heiß, unter hohem Druck austreten. Das hört sich an wie ein Dampfstrahler, mit dem man Gebäude reinigt. Der beißende, übelriechende Geruch deutet auf Schwefelwasserstoff, Salzsäure und Schwefeldioxid hin. Es geht zu, wie in einem brodelnden Freiluftlabor. Man kann die vulkanischen Aktivitäten hören. Gespeist wird diese irdische Hölle von einem Magmakörper im Untergrund, der die tieferen Schichten permanent aufheizt. Wir fühlen uns wie in einer Hexenküche. Zum Teil ist der Boden richtig warm oder es pfeift warme Luft aus irgendwelchen Ritzen, so dass auch unsere Hosen bald wieder trocken sind.

Schwefel ist das beherrschende Element dieser vulkanischen Küche. Aus den mit Schwefelwasserstoff angereicherten Gasen (Solfataren) entsteht durch Oxidation, Abkühlung und Sublimation Schwefel mit regelrechten wunderschönen gelben Schwefelsäulen. Aber auch andere Sulfate wie weißer Gips oder Eisensulfide kommen vor. Sie prägen das atemberaubende Farbenspiel am Boden der Caldera, von dem wir gar nicht genug bekommen.

Da der Wind günstig steht, und meist die stinkenden Gase von uns weg treibt, können wir in Ruhe die schönen Schwefelfumarolen fotografieren und uns dabei von unten den Po wärmen lassen. Asep hat eine Engelsgeduld mit uns und freut sich, dass uns diese einmalige Kraterlandschaft in gewaltiger Kulisse so gut gefällt. Überall dampft, brodelt und blubbert es nach Kräften.

Etwa einen Kilometer vom goldenen Schwefelhügel entfernt liegen die drei neuen Krater. Auch diese Krater (Baru, Nanglak und Manuk) stoßen übel riechende, beißende Schwefelgase aus.

Dort befindet sich auch eine surreale Endzeitlandschaft, ein Wald von trostlosen nackten Baumskeletten in einem hellgrauen Aschefeld. Es sind die Überreste eines Waldes, der unter einem Aschesturm begraben wurde. Unterhalb des Aschefeldes, näher am Calderawall, befindet sich einer der vulkanischen Kraterseen, der eine gelbgrüne Farbe hat, die wahrscheinlich durch gelösten Schwefel und Eisenchlorid verursacht wird.

Leider zieht schon wieder Regen auf und dicke Nebelschwaden ziehen über uns hinweg, als wir am farbigen Kratersee stehen. Dabei ist gerade dieser See besonders schön. Oberhalb des Sees pfeift und zischt es wieder brodelnd aus mehreren Fumarolen. Schwefeldämpfe entweichen in großen, grauen Nebelschwaden. Zum Glück ist der Regen nicht so heftig, so dass wir dennoch fotografieren können. Bis zum letzten Licht nutzen wir die Zeit.

Der faszinierend grüne Kratersee des Vulkans Papandayan

Erst als Asep zum Aufbruch drängt, laufen wir über die Geröllfelder zum Parkplatz zurück. Die letzten 500 Meter ist es fast dunkel. Nun kommen uns zwei Motorradfahrer mit kleinen Taschenlämpchen entgegen und geleiten uns das letzte Stück des Weges. Geduldig hatten die Jungs auf uns gewartet. Längst ist uns klar, dass wir den Weg zurück – wenn auch extrem ungern – auf die Dienste des Motorrad-Shuttles zurückgreifen müssen. Asep hat sich unsere Stative unter den Arm geklemmt. Die sind dort wohl inzwischen angewachsen. Sehr vorsichtig und langsam bringen uns die Jungs nach unten. Wohl ist uns dennoch nicht bei dieser Fahrt. Auf dem letzten Drittel des Weges geht auch noch das Scheinwerferlicht meines Motorradpiloten kaputt. Mit dem lapidaren Satz „my light is dead“ fährt er im matten Scheinwerferlicht seines Kumpels, der Uwe als Sozius hat, diese extrem steile und total marode Straße in stockdunkler Nacht hinunter. Ein Höllentrip, für den ich unseren Mister Pri am liebsten erwürgen würde. Schließlich haben wir durch den mühsamen Aufstieg gut zwei Stunden verloren.

Am Fuß der Straße warten Fahrer und Guide auf uns. Die Jungs liefern uns wohlbehalten ab – mindestens genauso erleichtert wie wir – ihre wertvolle Fracht unbeschadet übergeben zu können. Wir entlohnen sie und den Guide mit einem fürstlichen Trinkgeld und lassen uns müde aber voller toller Eindrücke zu unserem Hotel Kampung Sampireun bringen.

Den für heute eventuell noch geplanten Besuch der schönen Wasserfälle Curug Orok müssen wir uns nun leider abschminken. Ohnehin hat Mister Pri keinen Schimmer, wo die sind. Er war der Meinung, die befinden sich im Vulkankrater.

Im Hotel Kampung Sampireun angekommen, regnet es wieder, so dass wir die schöne Anlage an einem See gar nicht mehr würdigen können. Rasch ziehen wir uns um und machen uns etwas frisch, um noch zu Abend essen zu können.

Erst jetzt, nachdem wir wieder in unserem Bungalow sind, können wir die tolle und liebevolle Einrichtung hier so richtig würdigen. Ein riesiges Bad, Freiluftdusche (ok, die gibt es draußen gerade auch), ein riesiges Bett – alles aus Bambus und Naturmaterialien gefertigt und liebevoll dekoriert. Eine sehr schöne Unterkunft, in der wir sicherlich komaähnlich schlafen werden.


26.04.2014      Garut – Wonosobo („Kresna Gallery Hotel“)

Von wegen komaähnlich schlafen … Wir befinden uns in Moslemland und da beginnt um 3 Uhr morgens der koranlesende „Vorbrüller“ seine lautstarke Ruhestörung. Aber die kommt nicht nur aus einer, sondern mittlerweile aus drei Richtungen. Eine Stunde lang werden wir beschallt. Uwe formuliert es kurz und treffend: „Die sind doch nicht ganz sauber.“ Es ist wirklich kein Wunder, wieso viele der Terroristen muslimischer Glaubensrichtung sind. Bekanntlich macht permanenter Schlafentzug aggressiv. Können die nicht ihren Allah bei Tag anrufen, oder pennt der da? Als ob man nachts um 3 eine bessere Verbindung hat!?

Noch nicht einmal mit Ohropax schlafen wir wieder so richtig ein. Gut, dass wir uns heute erst für eine Abfahrt um 8 Uhr entschieden haben. So bleibt uns heute Morgen auch noch etwas Zeit, um die schöne Anlage am See und den üppigen Garten drum herum zu bewundern. Hier wurden auch die traditionellen Pfahlhäuser Javas nachgebaut. So sehen wir die ebenfalls noch. In dem See schwimmen unzählige große und kleine Goldfische, die auch als Speisefische dienen.

Heute haben wir ca. 280 km bis nach Wonosobo zurückzulegen. Dafür ist ein ganzer Fahrtag vorgesehen, so dass wir uns von der gestrigen Anstrengung erholen können. Unterwegs machen wir ein paar Fotostopps für einige Landschaftsaufnahmen, dann kann ich mich um unser Reisetagebuch kümmern.

Um 13 Uhr ordnet unser Mister Pri eine Pinkel- und Essenpause an. Wir protestieren beim Anblick der Kaschemme und als ich auf Toilette gehe ist endgültig klar, dass wir hier nichts essen werden. Die Toilette, die Mister Pri stolz als Sitz-Toilette anpreist, hat schon eine dicke „Fellmütze“ und ich habe Sorge, dass sie sich gleich bewegt. Schon der Deckel ist dick mit Moos überzogen, die Brille sieht nicht besser aus und vom Rest schweige ich lieber, denn eine Wasserspülung gibt es nicht. Dazu wird mit einem Becher geschöpft. Ich habe so etwas unhygienisches noch nicht gesehen. Wenn es mit der Hygiene in der Küche auch so zugeht, dann kann man gleich nach dem Essen eine Imodium gegen Durchfall mit einnehmen, denn der lässt dann nicht mehr lange auf sich warten.

Natürlich haben wir vollstes Verständnis dafür, dass der Fahrer essen muss, aber als der signalisiert, dass er auch noch keinen Hunger hat, verstehen wir unseren Stopp noch weniger. Aber klar, der Inhaber und Mister Pri kennen sich. Zu Dritt sitzen wir also schon mal im Auto und warten auf ihn, so dass er keine andere Wahl hat, als wieder einzusteigen.

Als er uns später unterwegs nochmals fragt, ob wir Hunger haben, sagen wir schon vor lauter Angst, wieder in so ein Loch geführt zu werden, nein. Ihm fehlt völlig das Fingerspitzengefühl, was man Europäern zumuten kann. Dabei haben wir überhaupt nichts gegen einheimische Küche einzuwenden – ganz im Gegenteil; auch das möchten wir kennen lernen – aber nicht zu jedem Preis. Unser Reiseplan sieht Durchfall-Tage nicht vor.

Da unser Fahrer noch nie in Wonosobo war, verfährt er sich unterwegs gnadenlos. Wir fahren schon die zweite große Runde, verlieren mehr als eine Stunde Zeit und Mister Pri schläft, statt dem Fahrer bei der Suche nach dem Weg behilflich zu sein. Eine Straßenkarte haben die Beiden nicht und so sucht der Fahrer tapfer nach dem richtigen Weg. Inzwischen sind wir schon fast 400 km gefahren.

Nach 12 Stunden Fahrt erreichen wir endlich Wonosobo – mit leerem Magen und im Dunklen. Das ist die reinste Diätkur mit ihm. Im Kresna Galery Hotel, einem Hotel im gediegenen Kolonialstil aus dem Jahr 1918, checken wir ein. Es ist wohl das beste Haus am Platz, hat aber leider ein gründliches Refreshing nötig. Dafür ist das Restaurant sehr gediegen und man kann erahnen, was das Hotel für eine Geschichte hat. Sehr sehenswert ist die Bildergalerie, die über das gesamte Hotel verteilt ist und zu der auch einige Gemälde aus der Eröffnungszeit gehören. Zum Teil hängen hier wunderschöne Bilder.

Mit Heißhunger stürzen wir uns auf die Speisekarte und schlagen uns dann den Bauch voll. Eigentlich ist es für das Abendessen schon zu spät – mittlerweile schon 20:30 Uhr – aber irgendwann müssen wir auch mal etwas zu uns nehmen. Wenn man bedenkt, dass wir eigentlich heute Nacht sehr früh zu einer recht anstrengenden Sonnenaufgangswanderung zum Berg Sikunir aufbrechen sollten, dann sind wir heilfroh, diese Wanderung „abgewählt“ zu haben. Die Knochentour zum Papandayan hat uns schon an unsere Grenzen geführt.

Wonosobo dient als guter Ausgangspunkt für den Besuch des Dieng-Plateaus, das wir morgen Früh kennenlernen werden.


27.04.2014      Wonosobo – Dieng Plateau – Borobudur („Plataran Resort & Spa“)

Auch heute starten wir früh, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass mittags der Regen kommt. Eigentlich ist die Regenzeit längst vorbei, doch daran hält sich leider das Wetter nicht.

Das Dieng-Plateau – auch Hochland von Dieng, ist ebenfalls vulkanischen Ursprungs. Hier können wir wieder staunen, wie intensiv diese fruchtbare vulkanische Erde durch die lokale Bevölkerung genutzt wird. Obwohl die Berge bis in 2000 Meter Höhe reichen, bleibt kein Fleckchen Erde ungenutzt. Überall wird Gemüse, wie z. B. Weißkohl, Kartoffeln, Peperoni, Karotten, Zwiebeln, Kürbis, Gurken u. v. m. angebaut. Auch Obst, wie Papayas, Bananen, Ananas gibt es reichlich und sogar Erdnüsse gedeihen hier. Es ist unglaublich, wie exzessiv diese steilen Hänge in Form von kleinen Terrassen in körperlicher Schwerstarbeit mühsam von Hand bewirtschaftet werden.

Auch wir erleben heute Morgen die poetisch schöne Beschreibung dieses Gebietes:“Wenn ich an Dieng denke, dann an diese besondere Stimmung morgens, wenn der Nebel langsam verschwindet, die Luft kalt und klar ist und der Tau auf den endlosen Gemüsefeldern glitzert.“, denn genau so ist es heute auch.

Langsam kämpft sich unser Fahrer durch den schleppenden Verkehr, denn die Straße ist sehr schmal und kurvig. Oben auf dem Plateau – einer sumpfigen Caldera – angekommen, treffen wir auf unseren lokalen Guide Asep (so scheinen alle Guides zu heißen). Der führt uns zuerst zum Arjuna-Komplex, der aus fünf Tempeln besteht. Da es noch relativ früh ist, sind noch nicht so viele Leute hier, aber die lassen leider nicht lange auf sich warten.

Wir schauen uns die kleinen Hindu-Tempel an und laufen dann noch zu dem kleinen Tempel Candi Gatotkaca. Von hier aus haben wir auch einen schönen Überblick über die Arunja-Tempelanlage.

Danach bringt uns Asep zum Kawah Sikidang. Das ist schon wieder ein vulkanischer Krater, aus dem blubbernd und brodelnd Gase und Schlamm an die Erdoberfläche austreten. Der Geruch ist immer der Gleiche und schön warm, wie bei einer Fußbodenheizung, ist es auch. Hier wird die Wärme bzw. der Druck, der aus der Erde kommt, sogar aufgefangen und genutzt.

Anschließend bringt uns Asep zum ca. 1,5 km südlich von Dieng gelegenen Telaga Warna (Farbiger See). Dieser See macht seinem Namen alle Ehre und schimmert je nach Lichteinfall in verschiedenen Schattierungen. Erst bringt uns Asep auf einen Berg, den wir schnaufend erklimmen. Von hier haben wir einen schönen Überblick. Danach laufen wir noch ein Stück den Pfad entlang, der um den See führt.

Eigentlich wollen wir auf dem Rückweg noch ein paar Fotos dieser spektakulären Kulisse machen, aber schon schiebt sich wieder Nebel über die Berge und verhüllt diese schöne Landschaft. Schade, eigentlich hätten wir fürs Dieng-Plateau noch etwas mehr Zeit gebraucht, um auch diese wahnsinnige Landschaft so richtig würdigen zu können.

Unser Weg führt uns zurück nach Wonosobo und von da weiter nach Borobudur. Auf diesen Ort sind wir schon ganz besonders gespannt, denn hier erwartet uns nicht nur eine ganz besondere Sehenswürdigkeit sondern auch ein hammermäßiges Hotel.

Nur 60 km später, die gefühlt wie 400 km sind und nach einer Straße, die teilweise mehr aus Löchern als aus Asphalt besteht, erreichen wir gegen 14:30 Uhr – wieder mit leerem Magen – das „Plataran Resort und Spa Borobudur“. Hier, mit Blick auf den berühmten Borobudurtempel, bekommen wir einen idyllisch gelegenen Bungalow mit eigenem Garten; von fremden Blicken geschützt und mitten in der Natur. Es ist ein Traum und wir sind heilfroh, dass wir hier die nächsten zwei Nächte verbringen werden.

Blick von unserem Hotel auf die Tempelanlage

Wir sind im ganzen Hotel die einzigen Gäste, so dass sich das gesamte Personal um uns kümmert. Voller Hochgenuss gönnen wir uns erst einmal ein ordentliches Mittagessen. Kurze Zeit später gibt es dann gleich noch den „Afternoon-Tea“ mit ofenwarmem Kuchen. Was will man mehr? Nur eines – schöneres Wetter, denn im Moment regnet es. Das ist zwar in unserem idyllischen Bungalow sehr gemütlich, aber nicht so ganz optimal.


 

Auf der großen Terrasse vor dem Restaurant machen wir es uns gemütlich und es dauert nicht lange, bis uns die ersten Tiere vor die Linse springen. Es wird uns nicht langweilig. So vergeht die Zeit rasch. Außerdem müssen wir heute früh ins Bett, denn morgen Früh dürfen wir den Sonnenaufgang auf dem Borobudurtempel genießen.


28.04.2014      Borobudur („Plataran Resort & Spa“)

Man muss schon abgehärtet und/oder bekloppt sein, um so früh aufzustehen. Egal, wir tun es und im Foyer wartet bereits ein Aufwachkaffee und Kuchen auf uns, bevor wir starten. Wir werden zum Hotel Manahora gebracht und in stockdunkler Nacht durch das Hotel auf das Gelände der Tempelanlage geleitet. Vorher gab es noch für jeden einen Sarong. Zusammen mit uns sind ca. 60 weitere Besucher unterwegs. Am streng bewachten Eingang der Tempelanlage haben wir unsere Not, denn unser Mister Pri ist mal wieder weg und wir haben keine Eintrittskarten von ihm bekommen. Die sollen wir aber hier vorzeigen. Uwe platzt fast! Mit Müh und Not und gutem Zureden werden wir doch eingelassen.

Noch sehen wir gar nichts und so erklimmen wir im Dunklen hastig die hohen Stufen dieses berühmten Tempels bis zur obersten Etage. Als wir oben ankommen, schnappen wir ganz schön nach Luft.

Borobudur ist die größte buddhistische Tempelanlagen der Welt und die wohl eindrucksvollste historische Stätte Indonesiens. In den Jahren 775 bis 856 waren ca. 30.000 Steinschleifer und Bildhauer, sowie 15.000 Träger mit der Errichtung dieses Tempels beschäftigt, der in Ehrfurcht und Bewunderung versetzt. Die riesige Tempelanlage misst 123 m x 123 m und die 10 Stufen des Monuments sind mit 1.460 sehr detailgetreuen Steinreliefs verziert, die die Kosmologie des Buddhismus erklären. Kaum vorstellbar, dass dieser faszinierende Tempel aus dem 9. Jh. lange Zeit unter Vulkanasche verschüttet war und erst 1815 wieder “entdeckt” wurde. Heute ist das Monument aus der Zeit der Sailendra Dynastie UNESCO Weltkulturerbe und gehört zu den größten Sehenswürdigkeiten Indonesiens.

Auch wir hatten im Vorfeld Angst, den Borobudurtempel in Asche vorzufinden, denn als im Februar diesen Jahres der nahe Vulkan Kelud (ca. 200 km) ausbrach, wurde eine große Menge Vulkanasche ausgestoßen, die den Tempel mit einer zentimeterdicken Schicht bedeckte. Davon ist jedoch glücklicherweise heute nichts mehr zu sehen.

Tempelanlage

Der Tempel mit der Form eines Mandala erhebt sich auf vier Ebenen 35 Meter in die Höhe. Als endlich die Sonne aufgeht und sich langsam die letzten Nebelschwaden lichten, haben wir einen schönen Rundumblick über die dicht bewachsene Ebene und die Vulkankette im Hintergrund. Ein imposanter Anblick. Den Sonnenaufgang auch fotographisch in Szene zu setzen, kann man allerdings vergessen, denn es stehen einem einfach zu viele Menschen im Weg herum.

Erst als die meisten Besucher frühstücken gehen (das ist im stolzen Sondereintrittspreis für den Sunrise mit enthalten), wird es etwas ruhiger um die herrlichen Stupas, die trotz ihrer gewaltigen Größe so filigran wirken. Jetzt ist es richtig schön hier oben. Eine ganze Weile können wir uns relativ ungestört bewegen, doch Geduld ist immer wieder gefragt, wenn die Fotos menschenleer sein sollen.

So richtig lässt sich die Sonne erst einmal nicht blicken und nach einiger Zeit regnet es mal wieder. Das führt aber dazu, dass alle Besucher das Weite suchen – außer zweien; und das sind wir.

Zum Glück hält der Regen nicht lange an. Dafür trudeln schon die ersten Busse ein und speien neue Touristenströme aus. Gegen 10 Uhr wird es oben bei den Stupas so voll, dass wir uns auf die unteren Stufen verziehen, um die herrlichen Wandreliefs zu betrachten und zu verstehen, wofür die einzelnen Stufen stehen. Die umlaufenden Reliefs sind mit einer solchen Präzision und Detailtreue gearbeitet, dass man nur staunen kann. Selbst Perlenketten, Fingernägel und Haarschmuck lassen sich trotz des Alters der Reliefs noch gut erkennen. Und auch auf diesen Ebenen findet man immer wieder die beeindruckenden Buddhafiguren.

Inzwischen knallt die Sonne mit voller Kraft vom Himmel, unsere Wasservorräte sind aufgebraucht und Schatten ist sehr rar. Uns läuft der Schweiß. Nun noch ein paar Aufnahmen vom Gesamtkomplex gemacht, dann laufen wir zurück zum Hotel.

Tempelanlage

An der Rezeption lassen wir nach Pri telefonieren, der es sich im Hotelrestaurant gemütlich gemacht hat. Mann, hat der einen coolen Job. Sein ganzes Tagewerk bestand darin, uns vom Hotel abzuholen und hier her und nun wieder zurück in unser tolles Hotel zu bringen. Dort nehmen wir erst einmal ein ordentliches Mittagessen zu uns. Die netten Service-Jungs freuen sich über Abwechslung, wir essen lecker und anschließend machen wir es uns auf der Terrasse mit Blick auf den Borobudurtempel gemütlich. Als sie merken, wie sehr uns die hiesige Tierwelt interessiert, schleppen sie uns der Reihe nach begeistert Kleingetier als Fotomotive an. Wir bekommen diverse Frösche, eine Gottesanbeterin, eine bildhübsche Spinne und Ameisen „serviert“ und sie sind total fasziniert über die Bildergebnisse. Wir freuen uns über die stolze Ausbeute.

So verprassen wir im Laufe des Nachmittags mal eine Million indonesische Rupien, halten einen Plausch mit Manager und Chefkoch, bekommen zum Abendessen ein Wunschmenü in Form von glasierten Sate-Spießen (Grillspießen) und leckeren Mini-Kartoffeln und genießen die Cocktails des Hauses. So können wir beim nächsten Diättag wenigstens von den Reserven leben.

Blick auf die Tempelanlage

29.04.2014      Borobudur – Yogyakarta („The Phoenix Hotel“)

Am Morgen werden wir ohnehin vom „Vorbrüller“ geweckt (die Moslems sind wirklich überall), so dass wir pünktlich zum Sonnenaufgang auf die Hotelterrasse gehen können. Um 5:30 Uhr geht die Sonne auf und wir genießen die Stille hier oben. Leider ist vom Borobudurtempel nicht viel zu sehen, denn eine dichte Wolkenschicht hüllt alles in mystische Atmosphäre. Grillen zirpen, die Hähne der Umgebung krähen, Vögel zwitschern in allen Tonlagen und die Frösche quaken. Ganz langsam kämpft sich dann die Sonne durch die Wolken.

Wir genießen noch einmal ein tolles Frühstück hier, das nur für uns zubereitet wird und nehmen schweren Herzens von diesem wunderschönen Hotel Abschied. Hier hätten wir es noch ein paar Tage ausgehalten, doch unsere Reise führt uns nun weiter nach Yogyakarta. Endlich machen wir auch mal einen Stopp an einem der lebhaften Wochenmärkte. Hier fallen wir natürlich auf wie bunte Hunde aber überall sind die Händlerinnen sehr freundlich und obwohl wir kein Wort verstehen, haben beide Seiten viel Spaß. Immer wieder werden wir zum Probieren aufgefordert. Viele der hier angebotenen Lebensmittel haben wir in unserem Leben noch nicht gesehen.

Den nächsten Halt machen wir an zwei kleinen buddhistischen Tempeln; dem Candi Pawon und Candi Mendut. Der Tempel Candi Pawon befindet sind mitten in einer Wohnsiedlung; also nicht wirklich gute fotografische Bedingungen. Außerdem ist es heute besonders schwül und heiß (ca. 38 Grad Celsius) und wir suchen rasch den Schatten bzw. das wohlklimatisierte Auto. Den Candi Mendut zieren ebenfalls sehr schöne Steinfiguren. Im Inneren des Tempels gibt es eine große Buddhafigur aus Bronze.

In der Nachbarschaft des Tempels befindet sich noch ein buddhistisches Zentrum, doch dort interessieren uns am meisten die großen Lotusblüten und die wunderschönen Blüten des Kanonenkugelbaums.

Auch in einer Silberwerkstatt machen wir noch kurz Halt. Wir können den Silberschmieden bei ihrer kunstvollen Arbeit zuschauen und natürlich gibt es auch einen großen Showroom. Hier ist das Angebot so riesig, dass wir einfach nur überfordert sind. Aber wunderschöne Stücke sind auf jeden Fall dabei.

Am Mittag haben wir die Großstadt Yogyakarta erreicht. Wir checken im Hotel Phönix ein. Das ist wieder ein sehr gediegenes, wunderschönes Kolonialhotel aus dem Jahr 1918. Es gefällt uns hier auf Anhieb. Anschließend bringt uns Mister Pri in ein Restaurant, das auf die Massenabfertigung von Touristen spezialisiert ist. Wir bekommen ein reichliches Mittagessen und brauchen heute mal nicht zu hungern.

Für den Nachmittag steht der Besuch der Tempelanlage Prambanan an. Diese Tempelanlage entstand ungefähr zeitgleich mit dem Borobudur Tempel im 9. Jh. Schon bald nach seiner Fertigstellung wurde der Tempel verlassen und begann zu verfallen, bis er im 20. Jahrhundert wieder aufgebaut wurde.

Der mit 47 m höchste Tempel ist Shiva, dem Zerstörer gewidmet, die beiden anderen großen Tempel den Göttern Brahma, dem Erschaffer und Wishnu, dem Erhalter. Zahllose kleinere Tempel, teilweise in Ruinen, machen die Anlage zu einer der größten Südostasiens. Prambanan ist seit 1991 UNESCO Weltkulturerbe.

Als wir die große Tempelanlage ansteuern, die in einen weitläufigen Park eingebettet ist, vergeht uns der Spaß. Es ist heute nicht nur extrem heiß sondern hier wimmelt es auch von Menschen. An ein vernünftiges Foto der Tempelanlage ist nicht zu denken, zumal mehrere der Tempel an mehreren Stellen eingerüstet sind. Wir entschließen uns, zuerst die hinteren, nördlich der Prambanan-Tempelanlage gelegenen Candi Lumbung, Candi Bubrah und den großen Candi Sewu zu besuchen. Betroffen nehmen wir zur Kenntnis, dass das letzte Erdbeben 2006 hier ganze Arbeit geleistet hat. Viele der kleinen Tempel der Anlage Candi Sewu liegen noch in Schutt und Asche, wobei das wörtlich zu nehmen ist, denn auch der Ausbruch des Vulkans Kelud hat hier mit großen Mengen von Lavaasche eine Verwüstung angerichtet. Noch viel schlimmer aber ist, dass durch das Erdbeben die meisten Tempel nur noch als Trümmerhaufen existieren. Nur vereinzelt wurden die Tempel der Sewu-Anlage bisher wieder aufgebaut.

Die Tempel Candi Bubrah gibt es ebenfalls nur noch als Trümmerwüste. Hier hat das Erdbeben keinen Stein übereinander gelassen, was auch nicht wirklich schwer ist, denn die Steine sind nicht mit Mörtel verbunden, sondern wurden früher lose aufeinander gesetzt. Immerhin sind Tempel der Anlage Candi Umbung überwiegend eingerüstet; da an deren Wiederaufbau gearbeitet wird.

Vorteil der weiter entfernt liegenden kleineren Tempel ist es, dass kaum Menschen hin kommen. So arbeiten wir uns in aller Ruhe vor bis zur Tempelanlage Prambanan. Leider wird diese mächtige Gesamtkulisse ebenfalls durch noch teilweise eingerüstete Tempel etwas beeinträchtigt. Beeindruckend ist dieser Komplex aber dennoch.

Wir bleiben bis zum Sonnenuntergang, um dann noch ein paar Fotos von der angeleuchteten Rückseite des Tempelkomplexes machen zu können. Sehr gern hätten wir noch die berühmten Ramayana-Tanzvorführungen gesehen, die als Freilichtaufführung vor der Kulisse der Prambanantempel stattfinden. Leider finden diese Aufführungen erst ab Mai wieder statt, so dass wir ein paar Tage zu früh hier sind.

Prambanan-Tempel
Prambanan-Tempel

Schon im Dunklen suchen wir nach Guide und Fahrer, die uns auf dem Parkplatz wieder in Empfang nehmen und zum Hotel zurück bringen. Hier trennen sich dann unsere Wege, denn ab morgen haben wir einen neuen Guide und einen neuen Fahrer. Dem Fahrer und seinem komfortablen Fahrzeug trauern wir etwas nach, beim Guidewechsel macht sich dagegen Erleichterung breit. Die ewigen Diskussionen und seine Inkompetenz gehen uns gehörig auf den Nerv. Es kann also nur besser werden.

Und das wird es auch! Im Hotel wird uns unser neuer Guide Kelik vorgestellt. Der ist das ganze Gegenteil von Mister Münchhausen; bescheiden, kompetent und auf unser Wohl bedacht. Wir besprechen den Ablauf der weiteren Reise, planen den nächsten Tag und sind erleichtert, nun in guten Händen zu sein und die Reise endlich genießen zu können.

Bei einem leckeren Cocktail und einem Schokoladenkuchen in der Hotelbar freuen wir uns auf den morgigen Tag.


30.04.2014      Yogyakarta („The Phoenix Hotel“)

Überpünktlich holen uns der neue Guide und der neue Fahrer vom Hotel ab. Heute steht erst einmal eine Stadtrundfahrt auf dem Programm.

Yogyakarta gilt als Kulturhauptstadt Indonesiens. Hier gibt es den Sultanspalast (Karaton) zu sehen, der als perfektes Beispiel traditioneller javanischer Architektur gilt. Der Tempelkomplex ist einen Quadratkilometer groß und in ihm leben mehr als 25.000 Menschen. Er besteht nicht nur aus Pavillons, Höfen und Gebäuden, sondern einer ganzen Siedlung, die einem kleinen Stadtteil ähnelt.

Wir bitten Kelik, zuerst das Wasserschloss Taman Sari besuchen zu können, damit dort noch nicht so viele Menschen sind. Da das aber erst um 9 Uhr öffnet, führt er uns erst einmal in die unterirdische Moschee Sumur Gumuling. Hier können wir bestaunen, mit welchen bautechnischen Raffinessen schon 1761 gearbeitet wurde. Man kann sich gut vorstellen, wie der Hofstaat hier lustwandelte, denn das Wasserschloss diente dem ersten Sultan als Lustschloss.

Es gibt einen Unterwassertunnel, einen Gebetsraum und ein unterirdisches Wasserbecken.

So ganz nebenbei erfahren wir auch noch etwas über die hiesige Pflanzenwelt, denn Kelik erklärt uns die hier vorkommenden Pflanzen und Früchte. Wir laufen durch schmale Gassen, können den in diesem Stadtteil lebenden Menschen buchstäblich durch die offenen Türen ins Wohnzimmer schauen und sehen die bescheidenen Lebensverhältnisse, die für uns Europäer undenkbar wären.

Anschließend besichtigen wir auch die ehemaligen Sultansgemächer, die zum Wasserschloss gehören sowie die wunderschöne Badestelle. Obwohl das Erdbeben von 2006 überall große Schäden angerichtet hat, kann man einen guten Überblick gewinnen, wie die Sultansfamilie früher gelebt hat. Immerhin herrscht der Sultan jetzt bereits in der 10. Generation, wobei der jetzige Sultan das Schicksal seiner königlichen Mitstreiter fast überall auf der Welt teilt – zu sagen hat er nichts mehr. Sein Job besteht lediglich noch in Repräsentationsaufgaben.

Um die heute noch genutzten Gemächer der Sultansfamilie und quasi das Kernstück des Sultanspalastes (Keraton oder Kraton) anzusehen, bekommen wir eine Palastführerin zur Seite gestellt. In exzellentem Deutsch führt sie uns durch die einzelnen Räume und erklärt uns deren Bedeutung und Sinn. Ihre Informationen sind sehr interessant; nicht zu viel und nicht zu wenig. So bekommen wir einen interessanten Einblick in das höfische Leben.

Der Palast – ein weitläufiger Komplex von Höfen, Hallen und Pavillons – wurde im Jahr 1755 im traditionellen javanischen Baustil erbaut. Nach dem javanischen Kalender entspricht dies dem Jahr 1682, das am Eingangstor des Goldenen Pavillons durch zwei in entgegengesetzte Richtung blickende Schlangen und ein Wappen dargestellt wird.

Die Schlange steht für das Baujahr des Palastes im Jahr 1755 -  Sultanspalast

Die wichtigsten Gebäude des Palastes, im mittleren Hof gelegen, sind der Bangsal Kencono oder der Goldene Pavillons mit seinem anschließenden Proboyekso-Pavillon. Der Goldene Pavillon ist, wie die meisten Hallen hier ein offenes Bauwerk. Er ist üppig mit edlen Schnitzereien verziert und reich vergoldet. Sein Dach wird von ebenfalls mit feinen Schnitzereien verzierten Balken getragen. Gekrönt wird das Ganze von einem Kristall-Lüster aus venezianischem Glas. Hier empfing der Sultan königliche Gäste, hier wurden Tanzaufführungen von besonders ausgebildeten höfischen Tänzern aufgeführt und Bälle und Banketts zu großen Staatsanlässen abgehalten. Um diese wunderschöne Decke fotografisch richtig in Szene setzen zu können, müssten wir uns jetzt eigentlich hier auf den massiven Holztisch legen, um kopfüber fotografieren zu können. Verständlicherweise geht das natürlich auf keinen Fall und so geben wir uns alle Mühe, das Beste aus dieser Situation zu machen.

Heute ist der Kraton nicht mehr der Sitz der Macht, aber er beherbergt auch heute noch eine Menge wertvoller Geschenke hochrangiger Gäste aus aller Welt. So sind hier unter anderem die königliche Sammlung wertvoller lederner Wayang-Puppen, königliche Kutschen und eine Menge wertvoller Gegenstände aus der ganzen Welt zu besichtigen. Da wundert es uns auch nicht, hier Meißner Porzellan, venezianisches Glas, holländische Keramik, Schweizer Uhren und vieles mehr zu entdecken.

Sehr interessant finden wir auch die vielen, traditionell gekleideten Palastwächter, die es hier gibt. Es sind überwiegend ältere Männer im dunklen Batik-Sarong, mit engem Jackett, Batik-Kopfbekleidung und einem Kris (Dolch) im Sarong, die im Alter hier im Palast noch ein Einkommen finden und dem Ganzen eine gewisse „Echtheit“ verleihen.

Nach unserem Besuch im Sultanspalast fahren wir zum Vogel- und Tiermarkt, etwas außerhalb der Stadt. Hier darf man nicht sehr zart besaitet sein, denn neben unzähligen Vögeln in zum Teil extrem engen, verschmutzten Käfigen – oft zu mehreren zusammengepfercht – kann man hier auch jede Menge junge Hunde, kleine Kätzchen, Hasen Mäuse, Schlangen, Flughunde, junge Eichhörnchen, Affen, Tokos, Echsen und junge Eulen zusammengepfercht in Käfigen sehen. Es zerreißt einem das Herz.

Auch Zierfische, Tauben, Hühner und Enten werden verkauft und (Lebend-)Futter sowie Zubehör für das jeweilige Getier gibt es auch. Man ist als Tierfreund ja schon versucht, die Käfige zu öffnen und den Tieren ihre Freiheit zu schenken. Vögel; besonders wenn sie schön singen, sind in Indonesien als Haustiere extrem beliebt und jeder hat mindestens einen oder gleich mehrere Vogelkäfige in oder an seinem Haus hängen.

Wir verlassen den Vogel- und Tiermarkt ziemlich betroffen und fahren zur Tempelanlage Candi Sambisari, die sich fast 8 Meter unterhalb der Erdoberfläche befindet. Ein Reisbauer hat zufällig beim Bestellen seines Feldes diese Tempelanlage entdeckt, die erst 1966 ausgegraben wurde. Wir sind überrascht, wie gepflegt diese Anlage ist. Besucher verirren sich hierher wenig.

Nun bringt uns der Guide erst einmal in ein nettes kleines Restaurant inmitten von Reisterrassen, wo wir – endlich mal ohne vorherige Endlosdiskussion – gut und reichlich zu essen bekommen. Es geht doch!

Nach dem Mittagessen werden wir zur Tempelanlage Candi Plaosan gefahren. Auch hier hat das Erdbeben ganze Arbeit geleistet. Die meisten Tempel sind nur noch Steinhaufen. Schade, denn auch diese Anlage vereint hinduistische und buddhistische Merkmale. Anders als der nahe gelegene Prambanan-Tempel ist dieser Komplex jedoch kaum besucht. Anhand der wenigen, noch erhaltenen Skulpturen erklärt uns der Guide gut verständlich die Bedeutung dieser Anlage und der einzelnen Skulpturen. Anschließend sind wir uns einig, dass wir so viele Informationen wie heute die ganzen letzten zwei Wochen nicht erhalten haben. Inzwischen taucht die Sonne die Tempel in ein schönes Licht, es ist nicht mehr ganz so heiß und von Zeit zu Zeit weht ein kühlendes Lüftchen. 34 Grad Celsius und die feuchte Hitze sind schließlich etwas gewöhnungsbedürftig.

Nun müssen wir uns beeilen, um pünktlich zum Sonnenuntergang am Kraton Ratu Boku zu sein. Gut, dass man fast bis hoch auf den Hügel fahren kann. Von den Ruinen der großen Tempelanlage aus dem 9. Jh. auf einer Anhöhe hat man einen schönen Blick über Prambanan mit dem Mt. Merapi im Hintergrund. Noch sitzen nur ein paar Besuch vor den Resten der Tempelanlage, die ein schönes Motiv im Sonnenuntergang geben könnte. Wir bauen uns ebenfalls auf und warten. Es ist nicht so einfach, ein Foto ohne Menschen zu bekommen, denn immer wieder treffen neue Besucher ein, die alle durch die Reste des Tors steigen. Wieder brauchen wir viel Geduld. Kelik ist dann so nett, den Besucherstrom von der anderen Seite umzuleiten. Leider ist der Sonnenuntergang längst nicht so spektakulär wie gestern. Kaum ist die Sonne unter gegangen, werden wir dann auch von der Security aufgefordert, das Gelände zu verlassen.

Sonnenuntergang am Kraton Ratu Boku

Im unterhalb des Ratu Boku gelegenen Hotels trinken wir noch einen Tee, genießen den Ausblick über die Ebene mit abertausenden Lichtern zu unseren Füßen und erfreuen uns am lauten Keckern eines benachbarten Toko.

Durch einen hektischen Abendverkehr werden wir sicher und wohlbehalten zum Hotel zurück gebracht. Rasch packen wir noch eine Reisetasche um, damit der Fahrer die schon mal mit dem Auto mitnehmen kann, während wir morgen Früh mit dem Zug weiter nach Jumlang fahren. Der Fahrer dagegen fährt schon heute Nacht, um uns morgen am Bahnhof Jumlang wieder abholen zu können.


01.05.2014      Yogyakarta – Blitar („Hotel Tugu Blitar“)

Wieder ist die Nacht früh um, denn bereits um 6:30 Uhr werden wir am Hotel abgeholt. Heute steht eine Zugfahrt an und wir sind gespannt, was uns da erwartet. Von Indien sind wir in dieser Hinsicht ja schon einiges gewöhnt. Weit vor der vereinbarten Zeit ist der Guide mit einem anderen Fahrer da, so dass wir ohne Zeitverzug aufbrechen können. Wir erreichen den Hauptbahnhof von Yogyakarta in wenigen Minuten und sind erst einmal erstaunt, wie sauber es hier ist. Auf die Bahnsteige darf nur, wer im Besitz einer Fahrkarte ist. Der Zug steht schon bereit und wir suchen uns unseren Platz in der ersten Klasse. Die Sitzreihen sind weit auseinander, was viel Beinfreiheit garantiert und auch sonst macht das Ganze keinen üblen Eindruck. Etwa fünf Stunden werden wir mit diesem Expresszug unterwegs sein. Das erste Klasse-Abteil füllt sich so nach und nach mit Europäern, die – wie wir – mit ihrem Guide unterwegs sind.

Unsere Fahrt verläuft ohne besondere Vorkommnisse und so gegen 11 Uhr am Bahnhof von Jumlang erwartet uns bereits unser Fahrer mit dem restlichen Gepäck. Nun haben wir noch eine ca. 6-stündige Autofahrt bis Blitar vor uns.

In einem kleinen Straßenrestaurant essen wir zu Mittag. Es gibt unterschiedliche Gerichte, wir bekommen sie erklärt und wählen aus. Das funktioniert prima, alles sieht sehr sauber aus und schmeckt auch sehr gut. Für die leckeren Maisfladen bitte ich die Köchin sogar um das Rezept, was sie natürlich ganz besonders freut.

Nun fahren wir zum Vulkan Kelud. Unterwegs sehen wir bereits die Ausläufer des Vulkans, der große Massen von Asche ins Tal gespült hat. Dieser nasse Vulkanschlamm wird nun von den Menschen aus dem Fluss geschaufelt, auf LKWs geladen – natürlich alles in Handarbeit – und als Baustoff verkauft. Das scheint ein wichtiger Geschäftszweig zu sein, denn überall wird rege gearbeitet.

Der Vulkan Kelud hat noch im Februar diesen Jahres die gesamte Region mit einer dicken Ascheschicht überzogen. Vor jedem Haus liegt auch jetzt noch ein großer Berg zusammengefegter Vulkanasche von durchschnittlich ca. 6 qm. Die nutzen die Menschen nun gleich als Baumaterial. Da der Vulkan noch immer vor sich hin grummelt, sind die letzten 5 km bis zu seiner Kuppe gesperrt, doch auch so sehen wir auf 2200 Metern Höhe das Ausmaß des Ausbruchs. Vorher war im Krater ein Kratersee und der wurde beim Ausbruch mit weggespült. Tiefe Täler und Schlammlawinen ergießen sich den Berg hinunter und der Wald drum herum ist verbrannt. Es sieht aus wie eine Mondlandschaft. Vereinzelt qualmt es noch aus der Erde. Leider ziehen in dieser Höhe mal wieder Regenwolken durch, so dass es sehr neblig ist und auch noch zu regnen beginnt. Fotografisch leider keine guten Voraussetzungen, aber dennoch eine interessante Erfahrung. Angst, dass der Vulkan ausbrechen könnte, haben wir Beide nicht, aber einen großen Respekt vor den Kräften der Natur. Und so geht es wohl auch den hier lebenden Menschen, denn obwohl sie immer damit rechnen müssen, dass der Vulkan wieder ausbricht, leben sie hier und bauen bis an seine Kraterwände Ananas, Kaffee, Gemüse und anderes Obst an.

Auf dem Rückweg führt uns der Fahrer die Wirkung eines natürlichen Magnetfeldes vor. Obwohl es bergauf geht und er keinen Gang eingelegt hatte, fährt das Fahrzeug
bei eingeschaltetem Motor nach oben.

Wir setzen unsere Fahrt fort und besuchen unterwegs noch den Tempelkomplex Candi Penataran. Da hier aber gerade große Festzelte aufgebaut werden, ist das leider nicht sehr fotogen.

So setzen wir bald darauf die Fahrt bis Blitar fort. Im Ort besucht der Guide mit uns noch das Grab des ersten Präsidenten Sukarno. Es ist ihm ein Anliegen, an seinem Grab zu beten, wie es auch unzählige andere Menschen tun. Danach besucht er mit uns noch das Museum. Wir sind überrascht, wie gut er sich mit den geschichtlichen Ereignissen auskennt. Auf dem Rückweg zum Auto laufen wir durch den indonesischen Ikea. Direkt angeschlossen an den Ausgang des Grabes reiht sich in Schlangenlinie ein Verkaufsstand an den anderen. Es gibt keine Möglichkeit, rechts oder links auszubrechen und immer wieder folgt eine neue Reihe Verkaufsstände. Wir laufen eine gefühlte Ewigkeit durch dieses Budenlabyrinth und Jeder möchte uns natürlich etwas verkaufen.

Als wir endlich wieder das Auto erreicht haben, bringt uns der Fahrer ins Gästehaus des ersten Präsidenten, denn das ist jetzt ein Hotel, in dem wir heute übernachten werden. Hört sich gut an, nur muss man wissen, dass der Herr Präsident nur bis 1967 amtiert hat und seitdem wurde nicht mehr viel an diesen Räumen gemacht. So kommt uns auch beim Einchecken erst mal einer der Angestellten mit der Pestizid-Pumpe entgegen und versprüht noch schnell überall eine Ladung Gift. Als wir dann das Zimmerchen betreten, trifft uns fast der Schlag. Ein kleines, finsteres Loch und das „Badezimmer“ ist total versifft. Die Bettwäsche ist dunkelgrau, das Mobiliar wackelt schon, wenn man es ansieht und alles ist unsauber. Die Krönung aber sind die Lichtschalter, von denen man schon die Krätze bekommt, wenn man sie nur ansieht. Haben die auch eine „Fellmütze“ oder ist es einfach nur Dreck – bloß nicht drüber nachdenken. Nun ist das schon das beste Haus im ganzen Ort mit vier Sternen, also meckern zwecklos. Sind wir im Personaltrakt gelandet? Dabei sind wir die einzigen Gäste hier. Wir ergeben uns unserem Schicksal und beschließen, möglichst schnell die Augen zu schließen. Um kurz nach 6 Uhr liegen wir im Bett, haben um Mitternacht fast ausgeschlafen, schaffen die Nacht aber doch ganz gut und „freuen“ uns morgens auf das Frühstück.


02.05.2014      Blitar – Kalibaru („Margo Utomo Guesthouse“)

Das Frühstück passt dann auch zum Gesamtbild dieser Lokalität. Der junge Keller fährt sich mehrfach ungeniert mit der rechten Hand über seine Rotznase, um damit dann unsere Messer aus der Besteckschublade zu holen; einfach lecker! So nehmen wir morgens schon einen großen Schluck aus der Whiskyflasche, um von innen zu desinfizieren und fühlen uns dabei wie Alkoholiker.

Zum Glück sind Guide und Fahrer überpünktlich, so dass wir schnell starten können. Heute steht wieder ein Fahrtag auf dem Programm, was für uns Entspannung bedeutet. Wir machen das eine oder andere ausgedehnte Nickerchen und genießen ansonsten die Gegend. Eigentlich sind nur 300 km zu absolvieren, aber die Strecke hat es in sich. Erst müssen wir enge Serpentinenstraßen hoch, dann wieder runter. Um nichts in der Welt möchten wir hier selbst fahren müssen. So können wir in Ruhe das Treiben auf und neben der Straße beobachten. Endlich haben wir auch die Möglichkeit, eine der mobilen Reismühlen in Betrieb zu sehen. Nun wissen wir wenigstens, wie der Weg vom „fußgewendeten“, luftgetrockneten Reiskorn zum weißen Korn funktioniert.

Mittagessen bekommen wir in einem schönen Restaurant. So gut und reichlich haben wir bei unserem Mister Pri nicht ein einziges Mal gegessen. Dabei gab es ein fertiges Menü, das aus unterschiedlichen Gerichten besteht.

Noch einmal machen wir unterwegs eine Kaffeepause, dann erreichen wir Kalibaru. Hier gibt es viele Obst- und Gemüseplantagen, die wir uns morgen ansehen werden.

Das Margo Utomo Guesthouse ist zwar auch nicht so besonders komfortabel, aber schön in einen großzügigen Garten eingebettet. Unser Zimmer ist einfach, aber groß und sauber; für eine Nacht vollkommen in Ordnung. Zur Begrüßung bekommen wir ein Tamarindengetränk; das schmeckt vielleicht gut! Endlich mal nicht der obligatorische Tee oder Saft.

Im großen Garten vertreten wir uns noch etwas die Beine, lassen dann aber den holländischen Gästen den Vortritt, die sehr gefräßigen Mücken zu füttern.


03.05.2014      Kalibaru – Ijen („Ijen Resort“)

Eigentlich ist es müßig, es immer wieder zu erwähnen, aber es erleichtert: Wie jeden Tag werden wir um 4 Uhr morgens wach gebrüllt Und wir fragen nur verschlafen: Warum tun die das??? Kann Allah nicht wie alle normalen Menschen arbeiten? Hilft aber nichts, wach sind wir trotzdem. So haben wir am Morgen noch Gelegenheit, uns im üppigen Garten des Hotels umzusehen, bevor wir über die benachbarte Plantage geführt werden. Unser Guide ist sehr interessiert an allem und wir müssen immer schmunzeln, wenn er uns begeistert von „frischen Kuhen“ erzählt, die auch auf dem angrenzenden Farmgelände leben. Er ist echt süß, total bescheiden und unheimlich intelligent. So werden uns die vielfältigen Pflanzen der Farm erklärt. Wir sehen wunderschöne, riesengroße Passionsblumen, grüne Vanilleschoten, Kaffeesträucher, Muskatnussbäume, Gewürz-Nelkenbäume, Zimtbäume, Papayabäume, Kakaosträuche, Tamarindenbäume, Salak- bzw. Schlangenhautfrucht-Sträucher (oder besser Palmen) und eine Menge anderer Nutzpflanzen.

Es ist sehr interessant, denn vieles davon kannten wir bisher nicht.

Im Anschluss an den Farmbesuch machen wir einen Rundgang über den regionalen Markt. Auch hier ist es für uns wahnsinnig interessant, die regionalen Produkte kennenzulernen. Die Menschen sind extrem nett zu uns, lassen uns probieren und haben auch nichts gegen ein Foto – im Gegenteil, sie bedanken sich noch dafür.

Nun bietet uns der Guide noch den Besuch einer Kautschuk- und Kakaoplantage an. Für ziemlich teure 300.000 IRp (ca. 19 Euro) werden wir durch den Betrieb geführt. Es gibt nicht viel zu sehen, denn die Kakaobohnen sind noch nicht reif und von der Kautschukproduktion sieht man auch nicht viel. Am meisten faszinieren die alten holländischen Maschinen aus dem Jahr 1929, die noch immer ihren Dienst tun.

Interessant ist es schon, wie der Kautschuk verarbeitet und zu Gummi getrocknet wird. Schade, dass wir die Kakaoproduktion nur theoretisch erfahren können. Anschließend bekommen wir noch einen leckeren Kaffee und gebackene Bananen serviert. Klar, dass jetzt auch der Verkauf gefördert werden soll. Aber da wir sowieso den sehr guten indonesischen Kaffee mitnehmen möchten, kaufen wir ihn eben hier. So sind alle zufrieden.

Auf dem Rückweg machen wir noch Halt an einem Recyclinghof. Dort werden in echter Handarbeit aus Altmetall neue Küchengeräte hergestellt. Das ist sinnvolle Rohstoffnutzung und wirklich eine tolle handwerkliche Leistung.

Nun fahren wir weiter zum Ijen-Resort, der letzten Station unserer Reise auf der Insel Java, denn danach werden wir nach Bali übersetzen. Am frühen Nachmittag erreichen wir das Ressort, das wunderschön inmitten von Reisterrassen gelegen ist. Von unserem Bungalow schauen wir auf die Vulkankette und die Reisterrassen; ein malerischer Ausblick.

Wir sehen uns noch etwas um, machen ein paar Fotos und gehen dann früh schlafen, denn heute Nacht um 12 Uhr werden wir zur Nachttour abgeholt. So klickern uns die Millionen Frösche, die in den Reisterrassen leben, begleitet vom Keckern der Geckos in den Schlaf.


04.05.2014      Ijen („Ijen Resort“)

Überpünktlich erwarten uns ein regionaler Guide und ein Jeepfahrer sowie unser Guide zur „Blue-Flames-Tour“ auf den Vulkan Ijen. Dort wird noch Schwefel abgebaut, der nachts in blauen Flammen steht. Dieses Naturschauspiel gibt es nur zweimal auf der Welt zu sehen und wir möchten es nun hier mit eigenen Augen erleben. Außerdem gibt es im Vulkankrater einen sauren Kratersee, der hochprozentige Schwefelsäure enthält (ph-Wert von 0,5; zum Vergleich: Batteriesäure hat einen ph-Wert von 1,0 und Wasser hat einen ph-Wert von 7,0).

Auf dem Weg zum Ijen Krater, der sich auf 2.148 m Höhe befindet, fährt man zuerst durch einen Regenwald, von dem wir aber in der Dunkelheit mal wieder nur eins sehen: Regen. Es ist zum Verrückt werden, denn immer wenn wir uns auf den Weg zu einem Vulkan machen, regnet es.

Als wir am Parkplatz der Kraterregion ankommen, trifft uns fast der Schlag. Nachts um 1 Uhr herrscht hier Hochbetrieb. Der Parkplatz steht rappelvoll mit Autos. Wir können gar nicht glauben, dass sich so viele Menschen auf den Weg zum Vulkan machen, denn der Weg dorthin ist sehr beschwerlich. Ausgestattet mit Stirnlampen beginnen wir den steilen, 2 stündigen Aufstieg, der es in sich hat. Unterwegs begegnen wir dann den ersten Arbeitern, die bis zu 70 kg Schwefelabbruch auf ihren Schultern tragen. Unvorstellbar, dass sie diese Strapazen tagtäglich aushalten. Wir schnaufen bergauf wie alte Dampfmaschinen und nach jeder Kurve, der ein neuer, steiler Weg nach oben folgt, hoffen wir, dass es die letzte Steigung ist. 3 km ist dieser Weg nur lang, aber dabei sind 600 Höhenmeter zu bewältigen und davon 2/3 steil bergauf. Dabei überholen wir ganze Gruppen von Wanderern, wobei es sich meist um Schulklassen mit jungen Leuten oft in Flipflops handelt.

Um nicht hier schon die Lust zu verlieren, benutze ich einen alten Bergsteigertrick (keine Ahnung, ob es ein Bergsteigertrick ist, aber es funktioniert): Bloß nicht nach oben schauen sondern immer stupid hinter dem Guide herlatschen. Inzwischen sind wir in unseren Regenjacken patschnass geschwitzt. Als wir endlich den Kraterrand in noch stockdunkler Nacht erreicht haben, ist hier oben ein volksfestähnlicher Massenauflauf.

Am Kraterrand des Ijen-Vulkans

Mir schwant, dass der Abstieg in den 600 Meter steil nach unten gehenden Kraterkessel nichts für Leute mit Höhenangst ist. So beschließen wir, dass ich mir das Ganze von oben ansehe und Uwe mit dem Guide allein in den Krater zu den blauen Flammen geht und sich dort auch den Schwefelabbau genauer ansieht. Das hat den Vorteil, dass Uwe seinen schweren Rucksack nicht mitnehmen muss und so auf dem steilen, mühsamen Weg voller Geröll wendiger ist. Die beiden setzen mich also am Kraterrand auf 2.200 Meter ab. Schon hier ist es mir auf dem exponierten Stein zu hoch, denn es geht steil abwärts und als die Beiden weg sind, rutsche ich etwas in eine Nische. Zum Glück hat es inzwischen aufgehört zu regnen. Ich sitze hier in 2.200 Metern Höhe, um mich herum herrscht dichter Nebel, so dass ich die blauen Flammen nur ganz kurz sehen kann, es herrschen gefühlten 5 Grad Celsius (viel mehr sind es auch in Echt nicht), der Wind bläst mir ordentlich um die Ohren, ich bin nassgeschwitzt, zittere inzwischen wie Espenlaub, sitze auf einer dünnen Plastiktüte, habe zwei Rucksäcke zu bewachen, so dass ich mich keinen Zentimeter vom Fleck rühren kann, habe nichts im Magen, zu allem Überfluss hat Uwe auch noch versehentlich die falsche Optik mitgenommen, so dass ich kein einziges Bild machen kann und frage mich: Was will man mehr?

Mein Mann scheint da unten offenbar im Fotorausch zu sein und schwitzt sich einen ab, während ich hier auf dem Berg erfriere. Längst sind die meisten Menschen aus dem Krater wieder zurück, nur von Uwe und dem Guide keine Spur. Schon überlege ich, dem nächsten Europäer, der in den Krater absteigt, ein paar „freundliche“ Worte an meinen Mann mit auf den Weg zu geben… Ich warte und warte… Nach vier Stunden Warten steht Uwe dann völlig nassgeschwitzt wieder vor mir – glücklich, voller grandioser Eindrücke und total erschöpft. Ich bin erleichtert, aber dennoch fällt sein Empfang ziemlich frostig aus, denn ich bin total durchgefroren. Die unweigerlich kommende Erkältung habe ich mir hart erarbeitet. Mein Mann hat da unten einfach die Zeit vergessen. Naja, kann ich mir schon vorstellen…

Inzwischen hat der Nebel immer mehr die Oberhand gewonnen und der Kratersee ist überhaupt nicht mehr zu sehen. Das ist mir jetzt allerdings auch egal, denn ich will nur noch warm werden und das gelingt am Besten auf dem Weg zum Parkplatz. Sch… Krater! (Obwohl der eigentlich nicht dafür kann..)

Auf dem Weg zurück erzählt mir Uwe begeistert von seinen Erlebnissen da unten und so dauert es nicht lange, da habe ich meinen Ärger auch wieder vergessen. Er hat sehen können, wie der Schwefel mit einer Temperatur von 120 Grad Celsius aus der Erde austritt, in Rohre geleitet wird, an diesen langsam abkühlt und dabei zu einer festen Masse wird. Diesen festen Schwefel brechen dann die Männer mit Brechstangen in großen Stücken ab. Träger laden die großen Schwefelblöcke in ihre Körbe, die sie dann den steilen Weg aus dem Krater hochschleppen. Die beladenen Schwefelkörbe, die bis zu 70 kg schwer sind, schleppen sie dann bis zur Wiegestation auf halber Höhe des Vulkans. Eine echte Knochenarbeit, die an Sklaverei erinnert. So geht das Tag für Tag und Nacht für Nacht, denn die Männer arbeiten rund um die Uhr.

Die Arbeiter im Krater, die den Schwefel abbrechen, stehen den ganzen Tag in hoch konzentrierten Schwefeldämpfen, die die Atemwege reizen. Meist tragen sie noch nicht einmal Gasmasken. Uwe dagegen war froh, eine Gasmaske dabei zu haben, denn so war er nicht den Schwefeldämpfen ausgesetzt.

Auf dem Rückweg hat dann auch endlich die Sonne die Oberhand gewonnen, so dass ich so langsam wieder auftaue. Unterwegs machen wir noch einen Stopp an der Behausung der Schwefelarbeiter. Es ist unvorstellbar, unter welchen Bedingungen die hier hausen. Dabei ist dieser Schwefelabbau so überflüssig wie nur was. Der Schwefel wird überwiegend dafür verwendet, den braunen Rohzucker weiß zu machen. In die Zündholzherstellung geht dagegen nur eine ganz kleine Menge des abgebauten gelben Rohstoffs. Für uns steht nun fest, in Zukunft wird nur noch brauner Zucker gekauft. Der schmeckt genauso und erspart diesen völlig sinnlosen Prozess und die Schinderei. Bis zu 70 kg schleppt so ein Träger den extrem steilen Weg aus dem Krater hoch und dann im Schaukelschritt hinunter zur Wiegestation. Zwei- bis dreimal täglich geht jeder Träger diesen Weg. Hier kann man mit ruhigem Gewissen von Schwefelsklaven sprechen. Aber wenigstens verdienen sie für diesen Knochenjob ganz gut.

Wir werden zurück zum Resort gebracht, stoppen noch an den Reisfeldern, als wir sehen, dass hier gerade die neuen Felder mit Wasserbüffeln bestellt werden und ich lande beim Balancieren auf den schmalen Wegen der Terrassen auch noch mit einem Schuh im Wasser. Igitt! Das ist heute voll mein Tag!

Gegen 10 Uhr sind wir wieder im Resort und lassen nun den Tag ruhig angehen. Das war für heute wirklich genug Action. Mit ein paar Glas frisch gepresstem Orangensaft versuche ich der sicheren Erkältung doch noch vorzubeugen. (Und das habe ich auch geschafft. Die Erkältung bekam statt dessen Uwe.)


05.05.2014      Ijen – Bali – Sanda (“Boutique Villas”)

Heute endet unsere Zeit auf Java. In der noch verbleibenden Zeit werden wir Bali erkunden. So holen uns Guide und Fahrer recht früh vom Hotel ab. Eine reichliche Stunde später sind wir am Hafen von Gilimanuk, wo wir mit der Fähre von Java nach Bali übersetzen. Die Beiden kommen auch noch mit, so dass unser Gepäck bequem im Auto transportiert wird. Eigentlich dauert die Überfahrt nur wenige Minuten, aber irgendwie herrscht hier Chaos. Wir dümpeln ewig vor dem Hafen, bevor das Schiff endlich anlegen darf. So sind fast eineinhalb Stunden vergangen. Hinzu kommt, dass wir in Bali die Uhr um eine Stunde vorstellen müssen. Damit geht uns heute noch eine Stunde verloren.

Nach der Überfahrt treffen wir unseren neuen Guide und Fahrer. Wir verabschieden uns von Kelik und Joko und sind gespannt, was uns nun erwartet. Der neue Guide ist noch verhältnismäßig jung, ein intelligentes Bürschchen und recht umgänglich. Nun ergeht erst einmal ein Redeschwall über uns, der hoffentlich irgendwann endet, denn wenn wir täglich so zugetextet werden, dann ist bald der Speicher voll und das System steigt aus.

Schon nach den ersten zurückgelegten Kilometern besuchen wir einen Tempel. Der Pulaki Tempel beherbergt eine Schar Affen, die hier Narrenfreiheit haben. So wurden alle Schreine und Tempelanlagen vergittert, weil die Affen nur Unsinn anrichten und alles klauen. Da sitzt dann auch der Priester in einem vergitterten Käfig, während draußen die Affen umher toben und sich munter vermehren. Wir bekommen für den Besuch des Tempels einen Sarong und eine Scherpe umgebunden – macht 5.000 Spielgeldzettel für Jeden. Das fängt ja gut an! Da beginnt der Betriebswirt dann auch zu rechnen, ab wie viel Tempelbesuche sich ein eigener Sarong rechnet, denn wir haben noch einige Tempel auf dem Programm.

Weiter geht die Fahrt bis zum Pura Dalem Melanting, dem nächsten Tempel, der besonders von Geschäfts- und Kaufleuten aufgesucht wird. Ein schöner bunter Tempel, der für gute Geschäfte verantwortlich ist. Hier kostet uns der Leihsarong die nächsten 10.000 IRP.

Nun steht ein Besuch der Atlas-Perlenfarm in Gerokgak an. Die Farm ist jedoch relativ klein und der Besuch ernüchternd. Wir werden in einen fensterlosen Raum geführt, vor einen Fernseher gesetzt und die Dame verschwindet wieder. Nun lassen wir uns vom Fernseher 10 Minuten anbrüllen, bis das junge Mädchen zurück kommt. Derweil fühlen wir uns wie senile Senioren. Theoretisch wussten wir vorher schon, wie das mit den Perlen geht und hatten eigentlich gehofft, dass uns das vorgeführt wird. Nun kommt ein zweites junges Mädchen in den Raum und führt uns kurz und knapp mit ein paar Handgriffen vor, wie der Fremdkörper, der der Kern der Perle wird, in die Auster eingebracht wird. Dabei entscheidet schon die Größe des Kerns über die spätere Größe der Perle, die von der Auster im günstigsten Fall nach ca. 2 Jahren mit einer ein Millimeter dicken Perlmuttschicht überzogen wird. Auch das Herauslösen der Perle wird uns rasch gezeigt. Ein spannender Moment und ein tolles Gefühl, eine solche Perle in den Händen halten zu können.

Auf der Perlenfarm wird eine Auster geerntet und eine wunderschöne Perle zu Tage gefördert

Klar, nun geht es schleunigst in den Showroom, wo edle Stücke zu total überteuerten Preisen ausgestellt sind. Außerdem sind die Schmuckstücke alle auf hiesige Hals- und Handgelenkgrößen gefertigt und die Ringe entsprechen eher Kindergrößen. Ha, da hat Mann aber heute richtig gespart! Eigentlich Schade, denn nach der Ijen-Aktion hatte ich eine ziemlich gute Ausgangsbasis.

Danach geht es weiter nach Pupuan mit Stop an einigen Aussichtspunkten. Hier liegen uns schöne Reisterrassen zu Füßen. In einem kleinen Straßenrestaurant unterwegs essen wir zu Mittag. Auch wenn hier mit sehr einfachen Mitteln gekocht wird, schmeckt es doch gut und geht auch noch schnell. So haben wir das mit dem Essen auch gleich erledigt.

Eigentlich steht heute noch in Pupuan der Air Terjun Blahmantang-Wasserfall auf dem Programm, der sich in urwaldähnlichem Wald befinden soll. Nach Aussage unseres Guides hat der Wasserfall im Moment aber kaum Wasser, so dass er ihn auslässt. Das können wir nun glauben oder nicht.

Kurze Zeit später erreichen wir das kleine Bergdorf Sanda, wo wir im idyllischen Boutique Resort unsere Villa beziehen. Das Resort ist inmitten von Kaffee- und Kakaoplantagen hübsch angelegt.

Guide und Fahrer verabschieden sich bis übermorgen von uns, denn wir werden hier zwei Nächte verbringen und morgen steht nur eine Wanderung mit einem lokalen Guide auf dem Programm. So fahren die Beiden zurück nach Denpasar, um uns übermorgen wieder abzuholen. Und schon geht das Gefeilsche um den morgendlichen Start wieder los. Da loben wir uns doch Kelik, bei dem gab es keine Diskussionen.

Wir schauen uns im üppigen Garten der Anlage noch etwas um, bevor wir recht früh mit der Sonne schlafen gehen.


06.05.2014      Sanda (“Boutique Villas”)

Heute Morgen steht eine Wanderung durch die angrenzenden Kaffee- und Kakaoplantagen an. Uns begleitet ein junger Angestellter des Resorts und erklärt uns unterwegs viel Wissenswertes über die Pflanzen am Wegesrand. Wir sehen und verkosten eine Menge exotischer Früchte, die hier mehr oder weniger wild wachsen. Teilweise ist der Weg sehr abenteuerlich, so dass wir noch Wanderstöcke geschnitzt bekommen (unsere Trekkingstöcke liegen gut geschont in der Reisetasche der Villa).

Völlig verdreckt und mit patschnassen Schuhen (sowohl innen und außen) sind wir nach gut drei Stunden Wanderung zurück. Nun haben wir schon wieder den ganzen Tag frei und wissen vor Blödheit nicht, was wir machen sollen. Irgendwie ist man hier gefangen, denn auf der viel befahrenen Straße entlang zu spazieren, ist keine gute Idee und um uns herum sind hohe Reisfelder und Urwald.

Aber auch der Tag vergeht rasch, obwohl am Pool liegen so gar nichts für uns ist. Im Garten finden wir allerlei Kleingetier, dass ausgiebig fotografiert wird. Sogar ein Mantis-Pärchen (Gottesanbeterin) bei der Paarung können wir beobachten.


07.05.2014      Sanda – Mengwi („Puri Taman Sari“)

Eigentlich wollten wir schon um 7:30 Uhr zur Weiterfahrt starten und haben uns dann von Guide und Fahrer auf 8:00 Uhr hochhandeln lassen, weil die Beiden zu Hause in Denpasar übernachtet haben. Nun ist es schon 8:45 Uhr und wir warten immer noch auf die Zwei. Endlich um kurz vor 9 Uhr kommen sie und erzählen was von Stau. Das trägt nicht unbedingt zu unserer Besänftigung bei. Kurze Zeit später stehen wir in Belimbing vor den berühmten Reisterrassen, die mit zu den schönsten Reisterrassen Balis zählen – und inzwischen ist das Licht bescheiden. Längst wurde das weiche Morgenlicht von einem Dunstschleier abgelöst, der die Struktur der Terrassen vermatscht. Wir haben eine Mordswut im Bauch, denn hier fehlt uns nun definitiv die verlorene eineinhalb Stunde. Daran ändern auch die zahmen Flughunde nichts, die hier an einem Ast abhängen und so aus unmittelbarer Nähe betrachtet werden können.

Auch die noch folgenden Reisterrassen machen uns nicht zufriedener, denn meist ist der Reis schon sehr hoch, so dass die Struktur der Terrassen weitgehend verschwindet.

Wir fahren zum Palast Puri Agung Kerambitan, wo im Hof eine Frau mittleren Alters gerade Laub zusammenkehrt. Wir halten sie für eine Angestellte, bis sich herausstellt, dass sie die Schwiegertochter des Hausherren – dem letzten König – ist. Sie führt uns ein wenig herum, macht gleich noch Werbung in eigener Sache und stellt uns auch ihren Sohn vor, der uns dann noch den Haustempel zeigt. Im Umgang mit dieser Frau zweiter Kaste verkrampft unser Guide zusehends und erklärt uns später, wie schwierig es ist, wenn vierte Kaste auf zweite Kaste trifft. Allein die Sprache sei schon eine andere. Derweil müssen auch Königs und ihre Nachfahren sehen, dass Geld ins Haus kommt und so organisiert die Schwiegertochter pompöse Hochzeiten im Palast, vermietet Zimmer und gibt balinesischen Kochunterricht.

Nachdem wir genug gesehen haben, ist eigentlich das Tagesprogramm für heute schon erschöpft. Wir beschließen, den in der Nähe von Tabanan befindlichen Affenwald von Sangeh, der für morgen auf dem Programm steht, gleich noch mit zu besuchen. Im Affenwald befindet sich der nicht zugängliche Tempel Alas Kedaton. Hier haben wilde Horden grauhaariger Langschwanz-Makaken die Oberhand. Ehe wir uns versehen, stellt uns der Guide eine Führerin zur Seite, die uns zum Kauf von Erdnüssen animieren will. Nein, wir werden diese Affen nicht füttern! Zutrauliche Affen sehen wir auch so genug. Nun müssen wir aufpassen, wohin wir treten, denn die Affen kacken überall hin. Es gibt stinkende Tretminen, wohin man geht. Wir umrunden die Anlage einmal, sehen wieder ein paar zahme Flughunde, die für Fotoaufnahmen her halten müssen und dann bringt uns die Frau zu ihrem Verkaufsstand. Hier erwartet sie natürlich, dass wir ihr etwas abkaufen. So also funktioniert das! Wir brauchen aber nichts und kehren zum Wagen zurück. Es ist noch nicht einmal 13 Uhr und wir sind schon wieder fertig mit dem Programm. In einem Straßenlokal essen wir Mittag, dann bringen uns die Beiden in Mengwi in unsere Unterkunft, die wir die nächsten drei Tage bewohnen werden. Wir sind in einem ehemaligen Palast einquartiert. Der Puri Taman Sari ist eine großzügige Anlage, eingebettet in Reisfelder und einen schönen Garten. Allerdings schon wieder total abgelegen.

Wir beschließen, heute zum Sonnenuntergang schon mal den Meerestempel Pura Tanah Lot (16. Jh.) zu besuchen. Er ist eines der berühmtesten Bauwerke Balis, malerisch auf einer Felseninsel gelegen und den Meeresgottheiten gewidmet. Bei unserer Ankunft ist auf dem Parkplatz schon mal die Hölle los. Wir umrunden erst einmal den Tempel, so weit das möglich ist. Anschließend statten wir den am Fuße der Felsen hausenden schwarzweiß gestreiften Seeschlangen (Nattern-Plattschwänze) einen Besuch ab. Obwohl die Schlangen hochgiftig sind, werden sie als Wächter des Tempels angesehen. Einmal in das Loch schauen kostet 10.000 Spielgeldzettel. Die meisten gläubigen Besucher berühren dann auch diese hochgiftigen Schlangen, obwohl man noch nicht einmal sieht, wo deren Kopf ist.

Nun suchen wir uns einen guten Platz für den Sonnenuntergang. Im Gegenlicht hebt sich die kleine Felseninsel mit dem Tempel scheerenschnittartig von der Umgebung ab. Leider gibt es heute keinen sehr spektakulären Sonnenuntergang, aber schön ist es doch, sich hier die frische Meeresbrise um die Ohren blasen zu lassen.

Im Dunklen kehren wir zum Parkplatz zurück, lassen uns in unsere Unterkunft bringen und fallen müde ins Bett. Als wir zum Dinner geholt werden sollen, schlafen wir längst tief und fest.


08.05.2014      Mengwi („Puri Taman Sari“)

Wir brechen weit vor dem Frühstück auf, um das erste Morgenlicht am Tanah Lot Tempel zu erleben. Außerdem sind morgens nur vereinzelte Besucher da. Die Kassenhäuschen am Parkplatz sind noch verweist; den Eintritt von 30.000 Spielgeldzetteln sparen wir. Der Guide begleitet uns zu den Restaurants, von wo aus man den besten Blick auf den Tempel hat. Heute Morgen ist es fast noch schöner als gestern Abend, denn noch ist es sehr friedlich hier. Es dauert allerdings nicht sehr lange, dann kommen die ersten Touris. Wir bekommen noch ein paar hübsche Fotos vom stillen Tempel, wechseln auch auf den benachbarten Golfplatz, um von dort an den Strand zu gelangen und sind erschrocken, als uns das Wasser über die Füße schwappt. Das Meer ist pisswarm!

Der berühmte Meerestempel Tanah Lot

Schon können wir den ersten australischen Surfern zusehen, die sich mutig in die Brandung begeben. Wir laufen langsam zurück zum Parkplatz, machen unterwegs noch an einem Markt halt, um Obst einzukaufen und werden dann zurück zum Hotel gebracht. Es ist jetzt 8:30 Uhr und unser Tagesprogramm bereits erschöpft. Wir beschließen, auf eigene Kosten (20 Euro) noch einmal eine Abendtour zum Tanah Lot zu machen. So vereinbaren wir, dass uns die Jungs um 14 Uhr wieder abholen.

Wir frühstücken jetzt erst einmal und erkunden dann etwas das Gelände. Das ist aber rasch erledigt und dann pflanzen wir uns auf die königlichen Sitzmöbel und schauen den Frauen zu, die ihre Opfergaben zusammenbasteln. Dieses Nichtstun macht müde und faul – ist so gar nichts für uns. Als wir zurück in unser Zimmer kommen, wird das gerade geputzt. Der Reisigbesen, mit dem der Boden gefegt wird, liegt quer auf unserer Zudecke! Es gibt Dinge, die will man besser nicht sehen!

Um 14 Uhr brechen wir noch einmal zum Meerestempel auf. Vorher wollen wir noch zu Mittag essen. Da das im Programm mit vorgesehen ist, achtet der Guide sehr genau darauf, dass es möglichst billig ist. So bietet er uns eine „Warung“ an. Das ist ein Straßenimbiss, bei dem die Speisen unter primitivsten Bedingungen (sowohl hygienisch als auch in der Herstellung) zubereitet werden. Wir lehnen ab. Unterwegs in einem etwas besseren Straßenrestaurant kehren wir dann ein. Alles, was über 110.000 IRp (ca. 7 Euro) – für Beide – kostet, lässt sich der Guide dann aber von uns erstatten. Wie immer teilen wir uns Nudeln und Reis; also keine große Völlerei. Aber egal, ein durchfallfreier Urlaub ist uns wichtiger.

Am Tanah Lot-Tempel ist wieder Hochbetrieb und wir kämpfen uns durch die Menschenmassen (dabei ist jetzt Nebensaison und touristisch ansonsten kaum etwas los). Wir parken den Guide am Eingang, der ganz glücklich darüber ist, nicht schon wieder mit zu müssen und laufen gemütlich zu unserem Fotospot. So richtig toll wird der Sonnenuntergang allerdings auch heute nicht. Zumindest haben wir es aber versucht und schön war es hier am Meer auf jeden Fall.

Während wir zum Hotel zurück gebracht werden, beginnt wieder die Diskussion und Feilscherei um den morgendlichen Start. Diesmal braucht es ein paar klare Worte unsererseits. Wir sind diese Diskussion endgültig leid. Dabei war das eine wichtige Vorgabe unserer Reiseplanung, denn wir möchten sowohl morgens das schöne Licht nutzen als auch morgens möglichst als Erste an den Sehenswürdigkeiten sein.

Mal sehen, ob die Ansage jetzt Wirkung zeigt.


09.05.2014      Mengwi („Puri Taman Sari“)

Pünktlich um 7:30 Uhr stehen Guide und Fahrer zur Abfahrt bereit. Zuerst geht die Fahrt zum Schmetterlingspark Wanasari; 30 Minuten von Mengwi entfernt. Der öffnet um 8 Uhr, so dass wir die ersten Gäste sind. Uns umflattern wunderschöne Schmetterlinge, die aber selten bereit sind, sich irgendwo auf einer Blüte niederzulassen. Dann bringen uns zwei Angestellte die frisch geschlüpften Schmetterlinge. So können wir die wunderschönen Falter in aller Ruhe bewundern und auch fotografieren. Auch riesengroße Stabheuschrecken, Blattschrecken und einen großen Hirschkäfer können wir aus nächster Nähe bestaunen. Ein sehr interessanter Besuch.

Nun fahren wir weiter in die Berge zum Tempel Pura Luhur Batukaru. Am Südhang des 2276 m hohen erloschenen Vulkans Batukaru steht der kleine Bergtempel in 825 m Höhe. Für 10.000 Spielgeldzettel bekommen wir einen Sarong umgebunden und werden mit den Tempelregeln vertraut gemacht. Diese Regeln sind in unserer Gedankenwelt sehr befremdlich.

Nächste Woche wird ein großes Fest gefeiert und es beginnen bereits die notwendigen Vorbereitungen. So sitzen hier die ganzen Frauen eines Dorfes und basteln Schälchen, Körbchen und ich weiß nicht was, für dieses Fest. Dabei sind sie festlich gekleidet und nehmen diesen kollektiven Basteltag sehr ernst. Keine verzieht auch nur eine Miene.

Wir schauen ihnen noch eine Weile zu, besichtigen dann die Tempelbauten, soweit wir sie betreten dürfen und laufen hinunter zu einer Quelle und einem kleinen Teich mit einer winzigen Insel in seiner Mitte. Die urwaldähnliche Vegetation verleiht dem Ort etwas Besonderes.

Nun fahren wir in Richtung Jatiluwih, südöstlich, am Hang des 2276 m hohen Gunung Batukaru. Um Jatiluwih sollen sich die schönsten kunstvoll angelegten Reisterrassen Balis befinden.

Zuerst werden wir noch in ein Restaurant gebracht, das sich mal wieder auf die Abfütterung von Touristen spezialisiert hat. Hier trudeln nach und nach alle die Touris ein, die wir zuvor am Tempel getroffen hatten. Eine Stunde Essenszeit wird vorgegeben und gegessen wird vom Buffet.

Nach dem Essen fahren wir den Reisterrassen entgegen. Das Ganze hat nur einen Haken – der Reis steht im Moment ca. 70 cm hoch und so sieht man von den Terrassen nicht wirklich viel. Auch das berühmte und von der Unesco als Weltkulturerbe gelistete älteste Anbau- und Bewässerungssystem (Subak) von Bali – ein komplexes architektonisches Meisterwerk – ist kaum zu sehen, so hoch und dicht steht der Reis. Der Name „Jatiluwih“ heißt „ergreifende Schönheit“ und diesen Namen trägt der Ort mit seinen saftig grünen Terrassen, die sich am Hang des Gunung Batukaru in die steilen Schluchten hinunterziehen, nur zu Recht. Wir machen zahlreiche Fotostopps und bedauern immer wieder, dass wir von den kunstvoll angelegten Terrassen nicht genug sehen können. Dazu müssten wir im August hier sein, doch da ist Hochsaison und hier dann die Hölle los.

Clever sind die Anwohner hier jedenfalls, denn Besucher mit dem Auto müssen eine Maut von 10.000 Rp p. P. zahlen und gegenüber den Reisterrassen gibt es viele kleine Lokale.

Zahlreiche Fotos später verlassen wir diese spektakuläre Gegend, um gegen 15 Uhr zurück zum Hotel zu fahren. Guide und Fahrer haben es jetzt eilig, denn sie wollen zurück nach Denpasar fahren. Hoffen wir mal, dass sie morgen Früh pünktlich wieder da sind.

Wir machen noch einen kurzen Spaziergang durch das Dorf, schauen den Frauen beim Dreschen des geernteten Reises zu und packen dann unsere Sachen für die Weiterreise, denn Morgen geht es in den Norden von Bali.


10.05.2014      Mengwi – Munduk („Puri Lumbung Cottages“)

Überpünktlich stehen Guide und Fahrer zur Abfahrt bereit. Zuerst besuchen wir in Mengwi den Reichstempel Pura Taman Ayun, einen der schönsten balinesischen Garten-Tempel. Der um 1740 erbaute Reichstempel liegt auf einer Flussinsel in von Lotosblütenbedecktem, ruhigen Gewässer. An seinem Ufer stehen blühende Bäume. Der Haupthof ist zusätzlich von einem inneren Wassergraben umgeben. Die hübschen Bauten in der Anlage haben bis zu neun Strohdächer übereinander und sie sind von einem Wassergraben umgeben in dem rosafarbene Lotusblumen wachsen. In einer Arena nebenan finden Hahnenkämpfe statt. Zuerst steigen wir auf den Glockenturm, um einen Gesamtüberblick über die schöne Anlage zu bekommen. Dann würden wir uns gern die hübschen Tempelbauten der Anlage näher betrachten, aber in diesen Hauptteil der Tempelanlage dürfen wir leider nicht hinein. Schade, so müssen wir uns damit begnügen, die Anlage zu umrunden und über eine Mauer hinein zu schauen. Das ist nicht unbedingt das, was wir möchten. Frauen wird es übrigens wieder mit großen Lettern verboten, die Anlage zu betreten, wenn sie ihre Menstruationsblutung haben. Von Männern mit Geschlechtskrankheiten z. B. ist dagegen keine Rede. Damit wird der Tempel nicht „beschmutzt“ oder entweiht. Als ob Frauen sich das freiwillig ausgesucht haben!

Nachdem wir fotografisch versucht haben, das Beste aus der Situation zu machen, fahren wir weiter in die Berge. Als Nächstes steht in Candi Kuning, dem größten Ort der Gegend in 1200 Metern Höhe, der Besuch eines Marktes an. Hier wird das regional angebaute Obst und Gemüse verkauft. Allerdings entpuppt sich dieser Markt als große Touristenfalle, denn hier halten alle Touristenfahrzeuge und die Preise sind extrem überzogen. Man muss schon mächtig handeln, um einigermaßen akzeptable Preise zu erzielen.

Auch Erdbeeren gibt es hier zu kaufen, aber auf die vergeht uns der Appetit, als wir sehen, wie sie „gewaschen“ werden.

Wir kaufen ein paar Maracujas und Pomelos, außerdem erstehen wir zu Spottpreisen Vanilleschoten. Nun fahren wir weiter zum Westufer des Bergsees Danau Bratan (Bratan-See), im Hochland von Bedugul, am Fuß des 2096 m hohen Gunung Catur. Hier steht einer der meistfotografierten Tempel Balis, der Wassertempel Pura Ulun Danu Bratan. Schon wegen seiner malerischen Lage ist dieser Wassertempel einen Besuch wert. Ein Teil der 1663 erbauten Anlage liegt auf zwei kleinen Inseln in Ufernähe. Auf der äußersten Insel steht ein dreistufiger Meru (balinesische Pagode), in dem der Gott Shiva in seiner Gestalt als Schöpfer und seine Gemahlin Parvati in ihrer Manifestation als Dewi Danu, Göttin der Gewässer, verehrt werden. Im größeren Tempelkomplex am Seeufer stehen u. a. ein siebenstufiger Meru für Brahma und ein dreistufiger Lotusthron (Padmasana) für die Hindu-Trinität Brahma-Vishnu-Shiva.

Im Süden der Anlage sind die Schreine für die Vorfahren der Rajas von Mengwi untergebracht. Das Besondere an dieser wunderschönen Anlage ist, dass sie auch noch eine buddhistische Stupa beherbergt, in der fünf meditierende Buddhastatuen sitzen. Für die balinesischen Hindus ist dieser Tempel sehr wichtig.

Heute, zum Samstag pilgern in großen Gruppen Gläubige zum Tempel, um, begleitet von Musikgruppen, Opfergaben darzubieten und den Segen für alles Mögliche zu holen. So erleben wir mehrere Prozessionen, können die vielen Opfergaben bestaunen und zusehen, wie die Menschen ihre Götter anbeten – leider wieder nur als Zaungäste. Von den Opfergaben werden auf jeden Fall viele Ratten, Tauben, streunende Hunde und Katzen satt.

Nachdem wir von diesem Trubel hier genug gesehen und fotografiert haben, werden wir zum Essen gefahren. Klar, dass es hier in der Nähe ein Touristenrestaurant gibt, in dem die Massenabfütterung stattfindet. Wie immer: eine Stunde Zeit, Essen vom Buffet, Getränke selbst bezahlen. Von 5 Gerichten sind zwei bereits leer, es ist gemütlich wie auf dem Hauptbahnhof aber egal, wir haben was im Magen. Der anschließende Desinfektionsschluck Whisky aus der Wasserflasche (wie bei heimlichen Säufern) wird es schon verdaulich machen.

Nun fahren wir noch weiter hinauf zu den beiden Zwillingsseen Buyan und Tamblingan. Diese Seen sind nichts Besonderes, der Ausblick durch einen Dunstschleier vermatscht, so dass wir uns nicht lange aufhalten.

Wir setzen die Fahrt fort. Über eine schmale, kurvenreiche Straße erreichen wir das Bergdorf Munduk mit gleichnamigem Wasserfall. Hier laufen wir einen recht steil abfallenden aber gut ausgebauten Weg durch üppige Dschungelvegetation, bis wir vor dem 30 m hohen Wasserfall Air Terjun Munduk, auch Melanting-Wasserfall genannt, stehen. Wider erwarten ist nicht viel los, so dass wir den Wasserfall fast für uns allein haben.

Nun geht es den ganzen Weg wieder bergauf, aber inzwischen sind wir ja schon gut trainiert. Unser 14 Jahre jüngerer Guide dagegen pfeift buchstäblich auf dem letzten Loch. Hier rächen sich die unzähligen Zigaretten, die er am Tag verkonsumiert.

Am Auto angekommen, bringen uns die Beiden gegen 15 Uhr in das nahe gelegene Puri Lumbung Cottages Resort, denn unser heutiges Tagesprogramm ist bereits am Ende. Als wir in unsere Unterkunft geführt werden, scheint der Weg kein Ende zu nehmen. Mitten in dichter Vegetation haben wir dann endlich unser Cottage erreicht, das wunderschön gelegen, sehr sauber und liebevoll ausgestattet ist. Wir sind angenehm überrascht. Beim Blick von unserer Terrasse bietet sich uns ein atemberaubender Ausblick. Eingerahmt von Bergketten können wir bis zum Meer schauen. Die grandiose Aussicht wird von unzähligen Grillen noch vertont, die zirpen, als ob eine ganze Batterie Nadeldrucker arbeiten.

Den Rest des Tages verbummeln wir notgedrungen und werden dafür mit einerm tollen Sonnenuntergang und Fernsicht bis zum Meer entschädigt.


11.05.2014      Munduk – Kintamani („Lake View Hotel“) – Ubud („Samhita Garden“)

Gleich am Morgen besuchen wir den Gitgit-Wasserfall, der sich in der Nähe des Ortes Git Git befindet. Eigentlich wollte der Guide uns diesen Wasserfall ausreden, weil so viele Verkaufsstände am Wegesrand errichtet wurden, aber diesmal bestehen wir auf den Besuch. Jetzt, am frühen Morgen sind noch kaum Verkaufsstände offen, so dass wir wenig von den Verkäufern belästigt werden. Auch am Wasserfall, an dem die Wassermassen gut 40 Meter aus der Höhe stürzen, sind zu so früher Stunde kaum Menschen. Auf der linken Seite des Wasserfalls steht ein kleiner Schrein, den wir auch noch schnell bewundern.

Anschließend setzen wir die Fahrt in Richtung Batur-Massiv fort.

Unterwegs im kleinen Ort Sangsit besuchen wir noch den Pura Beji Tempel. Dieser Tempel aus dem 15. Jh. hat viele Reliefs zu bieten, aber noch viel interessanter sind die umfangreichen Vorbereitungen für große Tempelzeremonien, die unmittelbar bevorstehen. Da wurden bereits vier Spanferkel gegrillt, in großen Töpfen köchelt die Suppe, Frauen wickeln Wurstteig in Bananenblätter, der Tempel ist mit unzähligen weißen und gelben heiligen Schirmen dekoriert, ein „Amtsschreiber“ notiert eifrig die Spendengaben und der heilige Priester hat alle Hände voll zu tun, die vielen Opfergaben zu weihen und zu verwalten.