Namibia und Botswana

vom 30. August 2007 bis 7. Oktober 2007

 

Eines der letzten großen Abenteuer für uns Europäer ist die Erkundung Afrikas. So oder so ähnlich hatten wir es irgendwo gelesen und dieses Abenteuer hat uns fest im Griff.

Nach intensivem Studium von zahlreichen Reiseführern und Reiseberichten im Internet, monatelanger Planung, die bereits im Oktober 2006 begann und wochenlang durchsurften Nächten stand endlich unsere neue Reiseroute fest und wir konnten uns der Feinplanung widmen. Diesmal sollte unsere Reise uns die Harnas-Farm in Namibia, das Central Kalahari Game Reserve (CKGR), das Okavangodelta in Botswana, die Viktoriafälle und die Stanley Safari-Lodge in Zambia, den Caprivi-Streifen und das Kaokoveld mit einem Besuch der Himba und der Epupa-Falls erschließen.

Schon im Dezember 2006 war der Flug gebucht, die ersten Lodges angezahlt, der Mietwagen bei African Tracks reserviert und die Tour fertig geplant. Nun mussten wir nur noch 9 Monate warten, bis wir endlich – diesmal zu viert – auf Entdeckungstour starten konnten. Eine lange Zeit für unsere Abenteuerlust und Sehnsucht nach Afrika.

30. August 2007        Frankfurt - Windhoek
Auf zu neuen Abenteuern. Pünktlich um 22:30 Uhr startet unsere Maschine ab Frankfurt und wir sind voller Erwartungen. Unser Gepäck hat sich bis Frankfurt sowieso schon auf wundersame Weise von 49 kg auf 40 kg abgespeckt und beim Checkin haben wir 4 zusammen nur noch 80 kg. Dieses Problem hat sich also schon mal in Luft aufgelöst. Unsere gesamte Fotoausrüstung wird staubgescannt und die Security schüttelt beim Durchleuchten der 3 Taschen nur noch den Kopf und verweigert bei Gepäckstück Nr. 4 die Arbeit. Filme, Kameras, Kameras, Filme. Wir hatten Marc heute Mittag noch schnell im Kauf einer Kamera bestärkt und so haben wir insgesamt 6 Kameras dabei, jede Menge Objektive und für uns viele viele Filme. Alles wird gewissenhaft staubgescannt und der Typ bei der Staubkontrolle will mit uns tauschen. Das Gewicht des Handgepäcks interessiert glücklicherweise keinen Menschen. Gottseidank.

Der Flug mit Air Namibia ist trotz einiger Turbulenzen gut wie immer und auch handgepäcktechnisch haben wir kein Problem und bekommen alles problemlos unter.

 

31. August 2007        Windhoek
Dank des Rotweins zum Abendessen haben wir ganz gut geschlafen und sind voller Tatendrang. Amos, ein Angestellter der Mietwagenfirma erwartet uns am Flughafen und so kann es gleich losgehen. Die Verleihfirma ist im Industriegebiet von Windhoek am Eros-(Inland)- Flughafen und wir sind beeindruckt, mit wie viel Geduld sich 3 Leute um uns kümmern und uns alle Details der beiden Wagen erklären. Valerie spricht sogar deutsch, was die ganze Prozedur etwas erleichtert. Als Camping-Frischlinge müssen wir auch den Aufbau des Dachzeltes erst einmal lernen (geht ganz easy) und alle gemachten Zusagen zur Ausstattung der Fahrzeuge sind 100-prozentig zutreffend. Die Dinge sind sauber, in gutem Zustand, die Schlafsäcke wie neu und auch das Satellitentelefon steht für uns bereit. Die Wagen sind 1 und 2 Jahre alt und machen einen guten Eindruck. Mal sehen, wie es um die Zuverlässigkeit steht. Wir haben jeweils einen 140-Liter-Tank (Diesel), 2 Ersatzkanister und auch sonst alles, was wir brauchen (hoffentlich). Nach fast 3 Stunden können wir uns in den Linksverkehr stürzen. Für Marc eine ganz neue Erfahrung. Die beiden Männer meistern es mit Bravour und die anfängliche Verwechslung von Blinker und Scheibenwischer ist nach einer kurzen Eingewöhnung schnell vergessen. Conny und ich nutzen mit Begeisterung die beiden mitgebrachten Tchibo-Walkie-Talkies, die nun so richtig strapaziert werden. Unsere Unterkunft in der Pension Uhland ist wie immer zweckmäßig und nach dem Aus- bzw. Umpacken können wir uns gleich dem Einkaufen widmen. Vorher müssen wir aber noch einen Abstecher zu Joe`s Beerhouse machen, denn wir haben Hunger und das Frühstück im Flieger war wirklich nicht so toll. Die Buschmann-Spieße bei Joe sind noch immer gigantisch und sehr sehr lecker (7 Sorten Fleisch). Sie geben uns genug Kraft für das anschließende Shopping. Wir haben schließlich eine lange Liste von Dingen, die wir noch unbedingt besorgen müssen. Angefangen bei A wie After Sun und Aufwaschmittel bis Z wie Zahnpasta will eine (gut vorbereitete) Einkaufsliste abgearbeitet werden. Zum Glück stehen uns dafür mehrere Supermärkte zur Verfügung. So vergeht der Nachmittag sehr schnell und wir gehen relativ zeitig schlafen, denn wir sind inzwischen alle doch recht müde.

 

1. September 2007    Windhoek
Die restlichen noch fehlenden Dinge unserer Einkaufsliste die wir für die Autos noch brauchen (Gurtspanner, Panzerklebeband, Arbeitshandschuhe), finden wir in einem Baumarkt. Natürlich müssen wir nun auch (endlich) das Craft Center noch genau inspizieren und Conny ist den Tränen nahe, als ein (Holz-)Hippo, mit dem sie gerade dabei ist sich anzufreunden, vor ihrer Nase einfach weggekauft wird. Nun wollen wir aber so ein Hippo! Aber das ist gar nicht so einfach. Das eine ist schön, aber zu klein und aus Eisenholz – also übergepäckverdächtig – das andere hat keine schönen Ohren oder ist zu hell oder guckt doof. Es ist einfach unglaublich schwierig ein Hippo zu finden, das vollkommen ist (das ist mit Hippos wie mit Männern!). Auf dem Holzmarkt werden wir aber dann doch fündig und ab sofort sind wir zu fünft. Unsere beiden Stöcke bekommen wir dort auch und so sind alle glücklich. Da heute zum Samstag die meisten Geschäfte schon um 14 Uhr schließen, ist unser Shoppingbummel schnell beendet und wir nutzen den Nachmittag um die Autos reisefertig zu beladen. Am Abend gehen wir wieder in Joe`s Beerhouse und sind froh, für heute reserviert zu haben denn es dauert nicht lange und der Laden ist rappelvoll.

     

2. September 2007    Windhoek – Harnas-Farm
Endlich ist es soweit und wir können auf Tour gehen. Die Wagen sind reisefertig beladen und so starten wir direkt nach dem Frühstück. Unsere heutige Etappe ist nicht sehr weit und führt uns zur Harnas-Farm. Schon auf dem Weg aus der Stadt fängt Connys Walkie-Talkie an zu zicken und wir beschließen, noch schnell am Airport ein ordentliches Funkgerät zu mieten. Das war allerdings unser Wunschdenken. Es gibt keine. So bastelt Conny ein wenig an dem Teil herum. Nachdem die Ursache für die Funktionsstörung ausgemacht ist, gelingt es ihr auch, die Sprechtaste zu überlisten und siehe da, es funktioniert wieder – mal sehen wie lange. Bis Gobabis ist die Strecke geteert und die erste Gravel Road ist gut zu befahren. In Harnas kommen wir gegen 14 Uhr an und sind die einzigen Gäste. Das verstehe doch wer will. Wir hätten anderes erwartet. Die Cottages sind sehr schön gelegen, nett ausgestattet und befinden sich in unmittelbarer Nähe des Löwengeheges. So haben wir das Löwengebrüll aus unmittelbarer Nähe und das hilft uns ungemein, später die Entfernung abzuschätzen, wenn wir in der freien Wildnis Löwengebrüll hören.

     

Um 16 Uhr ist die Besichtigung der Farm und da wir die einzigen Gäste sind können wir bestimmen, wie lange wir bei den einzelnen Tieren verweilen wollen. Das absolute Highlight im Garten der Eigentümer ist der 23 Jahre alte Gepard Goeters, der sich sofort von Uwe streicheln lässt und ihn ausgiebig abschleckt. Uwe braucht sich heute nicht mehr waschen – er ist sauber geleckt, total entzückt und bekommt nicht genug. Der Gepard lässt auch keinen Zweifel daran, dass Uwe sein absoluter Favorit ist und wir haben an dem Tag relativ wenig Chance, ihm ebenso nahe zu kommen wie Uwe. Marc ist das alles noch nicht wirklich geheuer und er hält noch sehr skeptisch den gebührenden Abstand.

     

Mindestens genauso herzig sind aber auch die vielen Äffchen und die 3 Löffelhunde. Die kleinen Äffchen sind so posierlich, wollen immer Küsschen geben und strecken ihre Pfötchen durchs Gitter. Bauch kraulen lieben sie ganz besonders und man findet eigentlich kein Ende, sich mit Ihnen zu beschäftigen. Hier könnten wir ewig verweilen. Sehr beeindruckend sind aber auch die beiden ausgewachsenen Löwen, die sich relativ frei in einem Teil des Wirtschaftstraktes bewegen und Uwe kann es sich natürlich nicht verkneifen, einen der Löwen wenigstens mal durch den Zaun zu streicheln. Da die Tiere von Hand aufgezogen wurden, hält sich das Risiko dieser Aktion in Grenzen.

     

Anschließend fahren wir zusammen mit zwei Guides (Etosha und Lukas) und zwei Volontären auf die Fütterungstour. Es werden die Paviane und Löwen gefüttert und zum Sundowner verweilen wir am Löwengehege. Bei Savanna und Löwengebrüll lassen wir einen beeindruckenden Tag zu Ende gehen und genießen diesen Sound, der für uns das schönste Geräusch der Wildnis überhaupt ist. Hier sind wir eins mit der Natur und viel zu schnell müssen wir zurück ins Camp denn es wird sehr schnell sehr dunkel.

Nach dem Abendessen gehen wir relativ zeitig zu Bett und lassen – wie immer – die Fenster weit offen, damit uns diese ganz besondere Stille, die nur von Tiergeräuschen und dem Gebrüll der Löwen unterbrochen wird, erhalten bleibt. Ich bin gerade eingeschlafen, als plötzlich irgend etwas neben meinem Kopf ins Bett springt und ich bin ziemlich erschrocken. Als Uwe das Licht anmacht, sitzt mit Unschuldsmiene eine der Katzen in meinem Bett und will wohl mit unter meine Decke. Das geht so aber nicht und Uwe hat die alternative Idee. Er nimmt eine der Kuscheldecken die wir nicht brauchen, legt sie auf die Sitzbank vor dem Fenster und morgens haben es sich dort 2 Katzen schön gemütlich gemacht.

 

3. September 2007    Harnas Farm
Heute morgen gehen wir wieder mit auf die Fütterungstour zu den Affen, Löwen, Leoparden, Carakals und Geparden. In das Gepardengehege fahren wir hinein und werden sofort von 12 Geparden umringt. Da wird es Marc schon ziemlich mulmig, aber er versteckt sich hinter seiner Kamera und vergisst dort seine Angst, denn die Nähe zu diesen herrlichen Katzen ist einfach zu beeindruckend. Wir wären am liebsten ausgestiegen, um den Tieren noch näher zu sein und viel zu schnell ist das Futter für die Geparden verteilt und diese Magie vorbei.

     

Im Gehege der Wildhunde muss die Futterstelle sauber gemacht werden und so muss einer der Volontäre, die nicht gerade gut gelaunten Wildhunde mit einem Stock auf Distanz halten, während der Guide die Futterstelle säubert. Eine nicht ganz ungefährliche Aktion. Schließlich sind die Tiere hungrig und eine ziemlich verrückte Meute. Auch einer der Löwen hat heute richtig schlechte Laune und kommt mit vollem Speed hinter dem Zaun auf mich zu gerannt, um kurz vor dem Zaun abzubremsen. Lukas ist über meine Reaktion begeistert, mit der ich einen Satz zurück gemacht habe aber eigentlich hätte ich das langsam tun müssen. Gut gesagt - daran muss ich noch arbeiten! Eine der Meerkatzen überrascht mit ganz frischem Nachwuchs und man kann das kleine Baby kaum sehen, so winzig ist es. Das hatten auch die beiden Guides noch nicht entdeckt. Nicht minder beeindruckend sind die Carakals in ihrem großen Freigehege. Diese Wüstenluchse mit ihren markanten Büscheln am Ohr haben eine wunderschöne Zeichnung im Gesicht und wir sind froh, diese herrlichen Raubkatzen einmal so nah erleben zu können.

     

So viele Erlebnisse machen hungrig und zurück im Camp fallen wir erst einmal über eine Portion Spaghetti Bolognese her. Voll lecker. So gestärkt genieße ich das Treiben am großen Affengehege und vergesse beim fotografieren, dass dort auch Strom drauf ist. Erschrocken über den doch recht kräftigen Stromschlag bin ich zukünftig etwas vorsichtiger. Zum Glück hat die Kamera nichts abbekommen. Wir verbringen den Nachmittag bei den Äffchen, die die Volonteers abends frisch gewickelt mit in ihre Unterkünfte nehmen. Ich kann mir gut vorstellen, dass einen so ein Affe ganz schön auf Trab hält. Einer der Affen – der Ausbrecherkönig – ist superschlau und wir schauen ihm lange bei seinem Spiel mit den Steinen zu. Es ist unglaublich, wie klug diese Tiere sind. Auch er liebt die Nähe zum Menschen und hängt sich zwischendurch an das Käfiggitter, damit wir ihm den Bauch kraulen können. Er genießt es sichtlich.

     

Neben den Affen gibt es hier im Garten noch eine Vielzahl anderer Tiere zu bestaunen. Auf der Wiese grasen 2 Strauße, von denen einer abends einen verrückten Tanz aufführt, als wäre er auf Ektasie, ein Buschbock und ein Impala fressen einem praktisch aus der Hand, viele Schildkröten laben sich am grünen Gras und ein großes Rudel Mangusten wohnt auch hier. Als Uwe bäuchlings die Mangusten fotografiert, klettern sie auf ihm herum und beschnuppern ihn von allen Seiten. Sie kosten sogar an seinem Finger, ob er schmecken könnte und schauen auch im Objektiv nach, ob es da etwas Essbares gibt. Wir lachen uns schlapp über dieses lustige Bild. Im kleinen Teich leben noch zwei ausgewachsene Krokodile und im angrenzenden Gehege sind weitere Geparden zu Hause.

     

Inzwischen sind 2 weitere Gäste angekommen und so verkürzen wir unsere Abendtour heute. Wir wollen mit Goeters schmusen und die Löffelhunde streicheln. Ansonsten können wir uns hier gut allein beschäftigen. Fotomotive gibt es genug. Die Löffelhunde schlafen vor lauter Begeisterung über das Kraulen fast ein und sind einfach nur knuffig, (auch wenn ihre „Zähnchen“ etwas anderes sagen). Goeters wird wieder ausgiebig geherzt und auch Marc überwindet sich heute und nähert sich ihm auf Streicheldistanz. Ein beeindruckendes Erlebnis.

     

Wir lassen den Abend bei einem Savanna gemütlich ausklingen. Die Katzen schlafen heute Nacht bei den neu angekommenen Besuchern.

4. September 2007    Harnas Farm – Ghanzi
Wir stehen bei Sonnenaufgang auf und die Tiere kommen bis an das Cottage. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von den Äffchen und können noch zuschauen, wie die gerade mit vollen Windeln von den Volontären wieder am Käfig abgegeben werden. Hier auf der Farm sind viele San beschäftigt und einige der San-Frauen sind gerade dabei, den Äffchen die randvollen Windeln abzunehmen und ihnen mit Wasser den Po zu reinigen. Keine sehr angenehme Arbeit und still halten die dabei auch nicht gerade. Ich möchte so eine Ladung wirklich nicht nachts im Bett haben. Dennoch ist die Arbeit mir den Tieren für die jungen Leute mit Sicherheit eine ganz tolle Erfahrung, die auch prägt.

     

Unser heutiges Tagesziel ist Ghanzi, als Ausgangspunkt für das CKGR. Dazu müssen wir die Grenze nach Botswana passieren. Wir fahren zurück bis Gobabis und dann auf dem Trans-Kalahari-Highway bis Ghanzi. Unterwegs ist absolut nichts los und der Grenzübertritt ist problemlos. Vor der Grenze tanken wir noch einmal voll.

Ghanzi ist ein ziemlich heruntergekommenes Nest mit vielen San, die aus der Kalahari zwangsumgesiedelt wurden. Entsprechend groß sind die Probleme und vor dem Bottle Store herrscht großer Andrang. In Ghanzi eine geeignete Unterkunft zu bekommen war recht schwierig. Die angemailten Lodges haben nie geantwortet und so haben wir uns für die eine Nacht im Kalahari Arms Hotel einquartiert. Die Chalets sind ok aber Essen wollen wir in dem Restaurant nicht. Jede Bahnhofskneipe hat mehr Flair und sauber ist etwas anderes.

Zuerst müssen wir uns mit botswanischen Pula versorgen und der bewachte Geldautomat vor der Barclay-Bank macht einen vertrauenswürdigen Eindruck. Wir heben 4.000 Pula ab und der Automat spuckt 3.000 Pula aus. Auf dem Quittungsbeleg stehen aber 4.000 Pula. Klasse, jetzt haben wir ein Problem und 1.000 Pula zu wenig. Gerade in dem Moment ist der Security-Mensch nicht da und so marschieren wir schnurstracks in die Bank. Das dauert und dauert. Inzwischen gehen Conny und ich in den angrenzenden Supermarkt und machen den Großeinkauf zum Überleben in der Kalahari, denn die nächsten 2 Nächte werden wir im CKGR campen. Dort sind wir völlig auf uns gestellt und müssen also unsere Gedanken zusammen nehmen, dass wir alles dabei haben und nichts vergessen. Die Steaks sind Super-XXL und auch sonst bekommen wir alles Notwendige. Allerdings ist das Obstangebot ziemlich mager und irgendwie sind die hier alle etwas lustlos. Wir haben gerade alles beisammen, als endlich auch Uwe und Marc kommen. Die Bank hat zugesagt, in einer Stunde einen Kassensturz am Geldautomaten zu machen und dann werden wir sehen, wie es weitergeht und was mit unseren fehlenden 1.000 Pula wird. So etwas sei noch nie vorgekommen. Klar, wer hebt hier auch 4.000 Pula ab??? Da Marc mit seiner Kreditkarte an den meisten Automaten kein Geld bekommt, brauchen wir aber eben größere Mengen Bargeld.

Als die Männer nach den 3 Stunden noch einmal zur Bank gehen, die glücklicherweise schräg gegenüber vom Hotel ist, waren beim Kassensturz tatsächlich die 1.000 Pula zu viel in der Kasse und so bekommen sie das fehlende Geld unproblematisch ausgehändigt. Das war echtes Glück und Marc kann es kaum fassen, wie unkompliziert das ging. Wir hatten ehrlich gesagt auch nicht damit gerechnet. Es war schon Glück, dass die Bank gleich nebenan ist. Wir werden in Zukunft nur noch an solchen Automaten Geld abheben.

In der Zwischenzeit haben wir noch den Ghanzi Craft Shop durchstöbert und einige hübsche Handarbeiten der San gefunden. Der Schmuck aus Straußeneierschale ist wirklich schön und muss natürlich mit. Unser Buschmann Uwe bekommt schon mal sein Jagdwerkzeug. Eine Tasche mit Speer, Pfeilen und Bogen.

Jetzt gilt es für heute nur noch unser Problem des Abendessens zu regeln. Klar ist, dass wir das Restaurant boykottieren werden. Eine kurze Rundfahrt durch den Ort macht schnell deutlich, dass die im Reiseführer angegebenen Beschreibungen total überholt und nicht mehr existent sind. Tasty Chicken gibt es nicht mehr und so beschließen wir, auf Selbstversorger umzusteigen. Wir besorgen uns im Supermarkt noch schnell ofenfrisches Brot, Würstchen und Käse und essen im Garten des Hotels an einem der Picknickplätze.

     

5. September 2007    Ghanzi – Piper Pan
Eigentlich hatten wir heute morgen gehofft, im Supermarkt um 8:00 Uhr noch einmal ofenfrisches Brot zu bekommen. Doch das ist noch lange nicht fertig. So bleibt uns nur das gestrige Brot und dann starten wir ins CKGR. Die Gravel Road bis New Xade ist ganz gut und dann endet der Weg in New Xade in der Siedlung der San. Rechts zeigt ein großer Wegweiser, der nicht zu übersehen ist, den Weg ins CKGR. In die Richtung, in die der Wegweiser zeigt, geht aber keine Straße. Man sieht lediglich einen schmalen tiefsandigen Weg, mehr oder weniger zugewachsen und eine Fahrzeugspur, die möglicherweise von gestern oder vorgestern ist. Wir fahren diesen Weg ein Stück und kämpfen uns durch den Tiefsand. Der Weg bessert sich nicht und unsere Zweifel werden größer. Das kann doch nicht der richtige Weg sein. Wir beschließen umzudrehen und noch einmal nach dem richtigen Weg zu suchen. Wahrscheinlich hat so ein Witzbold das Schild umgedreht. Da wir gerade die Luft etwas abgelassen hatten, um besser durch den Tiefsand zu kommen, muss erst einmal wieder die Luft aufgepumpt werden. Zum Glück haben wir in Windhoek noch einen Kompressor erstanden, denn das Aufpumpen von Hand ist echt mühsam und langwierig. Trotzdem kostet uns diese Aktion viel kostbare Zeit. Nachdem der Luftdruck wieder stimmt, drehen wir eine Runde durch New Xade, um nach dem richtigen Weg zu suchen. Das GPS weist zwar auch in die Richtung des Wegweisers aber wo ist die Straße? Die breite Gravelroad jedenfalls verliert sich in New Xade und wir ahnen, dass jetzt ein besonderes Erlebnis auf uns zukommt. Wir fahren wieder am Wegweiser vorbei und es wird klar, dass man den nicht umdrehen kann. Diese Piste ist der Weg! Also wieder Luft ab und noch mal ein Versuch, diese Piste zu befahren. Wir haben zwar viel Spaß und werden in jede Himmelsrichtung geschüttelt, aber das 70 km lang ist schon heftig. Mitten im Nichts bei Old Xade stoßen wir plötzlich auf 3 Grashütten und ein paar San, die sich offenbar der Umsiedlung widersetzt haben. Es mutet sehr komisch an und leider fehlt uns die Zeit um anzuhalten. Nach vielen mühsamen Tiefsandkilometern stehen wir endlich am Gate des CKGR. Doch hier ist der „Spaß“ noch lange nicht zu Ende. Bis zum Campsite Piper Pan erwarten uns noch 110 km und so langsam wir die Zeit knapp. Zwischendurch müssen wir immer wieder einmal anhalten, weil die beiden Reservekanister auf jedem Fahrzeug durch das ständige Geruckel locker werden und einige auch auslaufen. Ein paar Mal müssen die Männer die Kanister fest zurren, mit Panzerklebeband zukleben und wieder richtig platzieren. Nur gut, dass wir sie gleich von Anfang an auf den Dachgepäckträger gepackt haben. Das wäre auf der Ladefläche eine schöne Schweinerei geworden. Überhaupt haben wir ja etwas dazu gelernt und diesmal unser ganzes Gepäck in große Plastikmüllsäcke gepackt. Das sieht zwar komisch aus aber der Dreck bleibt wenigstens größtenteils am Sack hängen.

     

Unterwegs, wir glauben es kaum, begegnet uns ein Rangerfahrzeug und die Ranger machen uns darauf aufmerksam, dass einige Kilometer weiter links eine Löwin im Gebüsch direkt an der Straße sitzt. Unsere erste Löwin! Wir suchen uns die Augen aus dem Kopf. Meinten sie von sich aus links oder von uns aus? Vorsichtshalber suchen wir alles ab und da liegt sie – hellwach, ziemlich groß, verhältnismäßig dunkel und im Schatten. Sie hat keine Lust auf unser Interesse und trottet nach kurzer Zeit davon. Leider haben wir nicht so viel Zeit, weiter abzuwarten. Warum war sie so wach und aufmerksam, hatte sie vielleicht Nachwuchs? Schade, wir erfahren es nicht, denn wir müssen weiter. Auf uns warten noch ca. 70 km Tiefsand und wenn es dunkel wird, ist so eine Strecke nicht zu bewältigen.

Endlich sind wir am Gate und erfahren, dass diesen Monat schon 3 Touristen (!) an diesem Gate waren. Wow, welcher Zustrom! Bitte wieso war dann lt. Department of Wildlife and National Parks Maun angeblich die Campsite ausgebucht?? Das Registrierungsbuch reicht hier ein paar Jahre und geht zurück bis zum Jahr 2005.

     

Vom Gate aus haben wir noch ca. 1 Stunde Fahrzeit bis zur Piper Pan und erreichen sie gerade kurz vor dem Sonnenuntergang. Dem Honigdachs, den wir unterwegs auf der weiten Grasebene sehen, können wir leider keine weitere Aufmerksamkeit widmen, obwohl es sehr selten ist, dass man diese nachtaktiven Tiere im schönen Abendlicht zu sehen bekommt. Zu diesem Zeitpunkt können wir noch nicht abschätzen, wie weit wir noch fahren müssen. Im Nachhinein bedauere ich sehr, nicht doch angehalten zu haben.

So richtig können wir nicht erkennen, wo denn nun die Campsite ist. Auf jeden Fall stehen wir mitten in der Pfanne, sehen Fahrspuren und die Reste einer Feuerstelle und beschließen, dass dieser herrliche Platz in der weiten Ebene mit dem golden schimmernden Gras unser Nachtlager wird. Hier ist unser Stellplatz 1 und 2. Also Fahrzeuge so ausgerichtet, dass wir morgen Früh in den Sonnenaufgang gucken können und dann schnell die Zelte aufgebaut und Feuer gemacht. Die Zeit reicht gerade noch für einige wenige Fotos vom Sonnenuntergang und dann grillen wir uns unser Abendessen. Es gibt Steaks und Kartoffeln mit einer leckeren Käsecremesoße und natürlich Savanna. Schnell noch die Taschenlampen griffbereit gelegt und die Stirnlampen herausgekramt und dann können wir den wunderschönen Sternenhimmel mit der Milchstraße auf uns wirken lassen. In der Ferne blinken beim Anleuchten ein paar Augen, aber ansonsten ist nicht viel los. Einige Tiergeräusche können wir (noch) nicht zuordnen und das Löwengebrüll ist ganz weit weg. Wir genießen die unendliche Weite und absolute Stille unter Millionen von Sternen und gehen relativ früh schlafen. Die Fahrt war doch ganz schön aufreibend. Nachts hören wir die Löwen brüllen und den Cry of the Kalahari – das Heulen der Schakale. Diese Einsamkeit ist etwas ganz Besonderes.

     

 

6. September 2007    Piper Pan – Sunday Pan (CKGR)
Unser Tagesrhythmus passt sich der Natur an. Aus dem Dachzelt heraus genießen wir den Sonnenaufgang und kriechen dann aus unseren Schlafsäcken. Nachts so in der 3. oder 4. Stunde war es etwas frisch aber der tolle Sonnenaufgang entschädigt sowieso dafür. Zum Frühstück gibt es Rührei. Eine Herde Kudus flaniert in nächster Nähe an uns vorbei. Die Tiere haben überhaupt keine Scheu. Das trockene Grasmeer der Pfanne leuchtet golden im ersten Sonnenlicht. Gegen 9:00 Uhr sind wir startklar und fahren weiter zur Sunday Pan. Dort haben wir die Campsite für die nächste Nacht reserviert.

Am Rand der Pfanne kommen wir dann am eigentlichen Stellplatz der Piper Pan vorbei. Dort gibt es zwar Buschdusche und Buschtoilette, aber die Aussicht ist längst nicht so schön wie auf unserem Stellplatz vergangene Nacht. Unterwegs treffen wir auf Erdhörnchen, die wir noch ein wenig fotografieren. Die kleinen Nager sind einfach zu niedlich und ich könnte ihnen stundenlang zusehen. Bevor wir in Richtung Sunday Pan weiterfahren, folgen wir noch ein Stück dem Piper Pan Loop, treffen aber außer einem Schakal nichts Aufregendes.

     

Bis zur Sunday Pan sind es 167 km und wir fahren durch das legendäre Deception Valley. Das Valley ist eine Pfanne von ca. 60 km Länge und hier sehen wir auch einiges Wild. Die Tiere sind sehr, sehr scheu und nicht wirklich gut zu fotografieren. Ja, ich kann mir gut vorstellen, dass man sich hier wohl fühlt. Das Tal ist wunderschön und Marc und Delia Owen hatten tatsächlich ein ganz besonderes Glück, in dieser Gegen ihre Forschung zum Verhalten der Tiere machen zu können. Wir treffen heute immerhin auf 9 Autos.

     

Unterwegs fahren wir an diversen Campsites vorbei. Darunter Lethiahau, Lekhubu und Kori. Wir sehen nur ein Wasserloch, das noch Wasser hat. Alle anderen Löcher sind ausgetrocknet und es ist alles staubtrocken. Beim Prüfen der Reservekanister holt sich Uwe an einem der Dachgepäckträger eine oberflächliche Schürfwunde an der Brust, die später gut als Verletzung beim Kampf mit dem Löwen durchgeht. ;-)

Inzwischen sind wir ziemlich eingestaubt, um nicht zu sagen sauschmutzig, haben ständig dreckige Hände, tragen unsere Klamotten den 4. Tag in Folge, sehen aus wie die Schw... , riechen nach Rauch und fühlen uns sauwohl. Fakt ist, hier waren wir nicht das letzte Mal und schon jetzt bedauern wir, nicht mehr Zeit für diese herrliche Gegend eingeplant zu haben. Wir möchten diese Gegend unbedingt auch mal nach der Regenzeit sehen, wenn alles grünt und blüht und die Landschaft ein völlig anderes Gesicht bekommt. Die Ruhe und das Feeling hier begeistern uns total und auch an das Campen können wir uns gut gewöhnen.

     

Am Campingplatz Sunday Pan ist nichts los und wir sind auch hier die Einzigen. Immerhin gibt es auch hier Buschdusche (einen Eimer mit Löchern) und Buschtoilette (Plumpsklo). Es gibt aber auch kaum Tiere und sogar die Vögel sind rar. Leider ist die Pumpe am Wasserloch defekt und auch Uwe kann daran nichts ändern, obwohl er gern eine Dieselspende abgegeben hätte, damit die Pumpe wieder läuft. Das Problem ist wohl gravierender.

Conny und ich sammeln inzwischen noch etwas Holz für das abendliche Lagerfeuer, das dann für ein Großfeuer reicht. Jetzt können wir unsere Zelte aufbauen und das Abendessen grillen. Erst jetzt realisiere ich die unbekannten Geräusche, die tausendfach als Konzert zu hören sind. Es sind die Barking Geckos, jene bellenden Geckos, denen wir schon in der Namib begegnet sind. Es gelingt mir noch einige ihrer Löcher zu finden aber dann wird es leider schon zu dunkel, um sie noch fotografieren zu können. So bleibt uns nur, dem wunderschönen Geckokonzert zu lauschen, das die ganze Ebene erfüllt. Ich bin unendlich traurig, dass ich mich nicht schon gestern daran erinnert habe und außerdem hatte ich es doch gelesen, dass der Barking Gecko hier in der Kalahari anzutreffen ist. Schon das allein ist ein Grund noch einmal hierher zurück zu kommen.

     

 

7. September 2007    Sunday Pan – Leroo la Tau
Heute Nacht haben wir leider gar keine Tiere gehört. Lag es daran, dass wir so fest geschlafen haben oder gab es keine Tiere hier in der Nähe? Leider müssen wir heute früh beim Versuch Wasser zu kochen feststellen, dass wir gestern eine Dichtung für den Gaskocher verloren haben. Damit ist ein Gaskocher out of order. Dann geht eben heute alles etwas langsamer und wir können nicht synchron kochen. Rührei gibt es trotzdem und obwohl die Pisten bisher alles andere als sanft waren, haben wir noch keinen einzigen Bruch gehabt. Alle Eier und alle Flaschen sind wohlbehalten – toi, toi, toi.

Langsam finden wir unseren Rhythmus und um 9:00 Uhr sind wir abfahrbereit. Wir fahren zurück bis zum Deception Valley und auf der Cutline Road aus dem CKGR. Die Piste unterwegs staubt ganz gewaltig und manchmal verschwindet ein Auto vollständig in einer Staubwolke. Wieder werden wir ordentlich durchgeschüttelt. Das in kurzen Intervallen folgende Auf und Ab macht jeder Achterbahn Konkurrenz und die Beschilderung ist durchaus optimierbar. Tiere bekommen wir heute fast keine zu sehen, aber vielleicht sehen wir sie ja in dem Staub auch einfach nicht.

     

Trotzdem hat die Landschaft einen ganz besonderen Charme und diese Einsamkeit und unberührte Natur ist für uns etwas ganz Besonderes. Dabei ist das CKGR größer als Dänemark. Gerade fangen die ersten Akazien an zu blühen und verströmen einen betörend intensiven Duft.

       

Der Weg aus dem CKGR führt uns über Rakops und gerade als wir wieder auf die Hauptstraße fahren wollen, fasziniert uns eine gewaltige Windhose. So vergessen wir, in den Ort zu fahren um aufzutanken und machen uns statt dessen gleich auf den Weg zur Leroo la Tau-Lodge. Erst unterwegs wird uns unser Fehler bewusst und die nächste Tankstelle ist erst in Maun. Zwar haben wir noch genug Diesel aber besser ist besser. So wenden wir noch einmal und fahren die 20 km zurück nach Rakops. Dort haben wir einige Mühe in dem Kaff die Tankstelle zu finden. Laut Reiseführer wird diese Tankstelle noch von Hand betrieben. Falsch, die Tankstelle hat gerade brandneue Shell-Zapfsäulen bekommen, die noch einbetoniert werden. Vor lauter Begeisterung über diese Neuerung hatten sie vergessen, Treibstoff nachzubestellen und nun haben sie zwar neue Zapfsäulen aber keinen Diesel. Tja, wir sind hier in Afrika. Hoch gelobt sei unser 140-Liter-Tank. So nehmen wir das gelassen und machen uns auf den Weg zur Leroo la Tau-Lodge am Boteti. Insgesamt hinterlässt Rakops einen merkwürdigen Eindruck und dass nur ca. 100 km weiter eines der größten Diamantvorkommen lagert, sieht man dem Ort nun wirklich nicht an.

Bis zur Leroo la Tau-Lodge ist es nicht mehr weit und die Straße ist geteert. Wir müssen nur auf die Kühe und Ziegen aufpassen und die Abfahrt nicht verpassen. Allerdings fehlt eine Beschilderung und man vermutet hier nicht gerade eine Luxuslodge. Mehr nach Gefühl fahrend (und vom GPS darin bestärkt) finden wir die Lodge dennoch gut und stellen fest, dass wir neben einem älteren australischen Ehepaar schon wieder die einzigen Gäste sind. Die reisen morgen ab und dann sind wir hier allein. Das stört uns aber gar nicht und so haben wir wunderbare Ruhe.

     

Das Management der Lodge hat zum 01.09.07 gewechselt und wir werden mit der Erklärung begrüßt, dass hier viel renoviert werden muss aber wir schon ein Bett zum schlafen finden werden. Na toll bei dem Preis! Bis zu unseren Zelten , die gut ausgestattet sind, erhalten wir Geleitschutz. Es treibt sich ein Löwe auf dem Gelände herum. Das kann ja heiter werden, wenn wir jeden Pubs nur in Begleitung lassen dürfen. Wir begeben uns gleich auf unseren Abenddrive, der uns in das herrliche, breite Flussbett des Boteti führt, das seit 25 Jahren trocken liegt. Die Aussicht von der Lodge auf das Flussufer ist toll. Viele Zebras grasen hier. Wir sehen 2 Krokodile in einem kleinen Wassertümpel bzw. eines in der steilen Uferwand. Bis dahin hatten wir nicht gewußt, dass Krokodile so gut klettern können. Aber auch viele Gnus, Schakale, ein paar Impalas, 1 Elefanten, Hippos, 2 Ginsterkatzen, Stein- und Buschböcke, Wollkopf- und Kappengeier, Meerkatzen, 1 Giraffe und viele Vögel können wir beobachten. Insgesamt ist der Tierreichtum hier im Flussbett enorm und wir hätten es so nicht erwartet.

     

Die Lodge ist etwas unorganisiert und irgendwie scheint hier alles ziemlich langsam zu gehen. Immerhin müssen wir nach der Ankunft vom Drive noch fast 1 Stunde warten, bis wir endlich Abendessen bekommen. Das ist nicht wirklich luxuriös und rechtfertigt nicht den hohen Preis. Gut, wir werden satt. Ins Bett werden wir wieder geleitet und die Zeit reicht gerade noch bei spärlichster Beleuchtung rasch zu duschen, bevor der Generator abgeschaltet wird. Dafür sind die Betten XXL-Größe und wir schlafen super....

 

 8. September 2007    Leroo la Tau
bis uns morgens Löwengebrüll in unmittelbarer Nähe unseres Zeltes weckt. Leo scheint vor der Tür zu sitzen. Es dauert auch gar nicht lange, werden wir zum Morgendrive abgeholt. Uns vorher zu wecken (wie vereinbart), wurde unterlassen, weil die Angestellte Angst vor dem Löwen hat. So springen wir ungewaschen und ungekämmt in unsere Klamotten, die eh schon in der Ecke stehen. Macht aber nichts, da stehen wir drüber. Wir sind hier in Afrika und nicht auf dem Model-Contest. Der Morningdrive führt wieder direkt ins Boteti-Delta und dort stoßen wir auf einen frischen Zebra-Riß und zwei halbstarke Löwen. Daneben lagern schon die Geier und warten darauf, die Reste übernehmen zu dürfen. Mehr zum Fun jagen die beiden Löwen dann noch ein Gnu, das gerade trinken will, aber das Gnu bleibt den Beiden nichts schuldig und die Frage ist, wer jagt hier wen? Eine sehr beeindruckende Vorstellung die zeigt, dass die Rollen nicht immer klar verteilt sind.

     

Das Licht ist für diesen Spott noch nicht wirklich optimal und grundsätzlich bleibt der Fahrer auch in viel zu großer Distanz stehen, als dass gute Bilder möglich wären. So bleibt es eher beim Beobachten dieser Szenen. Ansonsten bietet die Tour heute außer ein paar Hippos, vielen Zebras und den Kuhantilopen nicht viel.

     

Nach der Rückkehr ins Camp gibt es dann ca. eine Stunde später auch „schon“ Frühstück. Die neuen Manager sind gerade dabei die Lodge, die jetzt zu Desert and Delta African Secrets Safari gehört, neu zu strukturieren. Wir könnten auch eine Menge guter Ideen beitragen, wie man hier ein erfolgreiches Konzept umsetzt. Schließlich haben wir schon sehr gut funktionierenden Service erlebt und die Lage der Lodge ist wirklich toll. Mit dem vorhandenen Personal ist das allerdings harte Arbeit.

Unterhalb der Lodge buddeln sie gerade 3 Löcher und schließen eine Pumpe an, um ein Wasserloch vor der Terrasse anzulegen – eine wirklich gute Idee, zumal das Wasser in nur 3-4 Meter Tiefe ist. Das erste Wasser steht bereits und nun müssen die Tiere das Wasserloch nur noch annehmen. Im Moment ist der Wind ungünstig und die Zebras am gegenüberliegenden Ufer haben im wahrsten Sinne des Wortes noch keinen Wind davon bekommen. Am Nachmittag dreht dann der Wind und die ersten Zebras trauen sich ans Wasser. Zwar sind sie noch sehr schreckhaft, aber ihr Durst ist größer als ihre Furcht. Uwe nutzt die freie Zeit und zieht mit dem großen Objektiv beladen näher in Richtung Wasserloch. Dort ist auf halber Höhe ein Plateau, von dem aus man die Tiere noch besser beobachten kann.

     

Wir verdümpeln den Nachmittag bei Savanna, beschließen morgen der Nxai Pan mit den Baines Baobabs noch einen Besuch abzustatten und warten auf den Abenddrive. Eigentlich sind wir jetzt auch so richtig neugierig geworden auf die Makgadikgadi-Pan, die sich an das gegenüberliegende Ufer des Boteti anschließt. Als ich einige Zeit später nach Uwe sehen will, ist der verschwunden und nur das große Objektiv steht noch auf dem Plateau. Hilfe, wo ist mein Mann??? Ein Stück entfernt wird noch fleißig an der Pumpe für das Wasserloch gearbeitet und durch das Tele kann ich sehen, wo mein Mann abgeblieben ist. Meinen Ingenieur hat die Neugier geplagt und er beguckt sich die Arbeiten an der Pumpe für das Wasserloch näher. War eigentlich klar, dass ihn das interessiert und entsprechend beeindruckt von den bescheidenen Mitteln, die den Leuten zur Verfügung stehen, kommt er einige Zeit später zurück.

Der Abenddrive bietet das nun schon gewohnte Spektrum an Tieren. Die 7 Hippos werden sogar mit einer Extraportion Heu/Stroh gefüttert und so erleben wir sie auch außerhalb des Wassers. Wir bleiben die einzigen Gäste in der Lodge und zusammen mit dem verbliebenen Personal (die Meisten haben sich frei genommen) essen wir zu Abend und werden dann ins Bett geleitet. Zügig wird der Generator abgedreht. Weit in der Ferne hören wir wieder die Löwen brüllen und die Schakale heulen. Für uns der schönste Sound Afrikas.

     

9. September 2007    Leroo la Tau – Maun
Wir lassen uns um 5 :30 Uhr wecken und hören die Löwen in weiter Entfernung brüllen. Es gibt hier sehr viele Vögel und die zwitschern vielfältig – ein wunderbares Konzert. Es bleibt uns noch die Zeit, den Sonnenaufgang zu fotografieren und eine Inspektion der Fußabdrücke am Wasserloch vorzunehmen. Heute Nacht war ein Leopard zu Besuch und 2 Hippos haben hier geschlafen. Das Wasserloch wird also gut angenommen.

Nach dem Frühstück brechen wir auf und steuern die Nxai Pan an. Wir nehmen eine Abkürzung quer durch die Makgadikgadi Pan und sind auch von dieser Pfanne begeistert. Ein wenig ist die Gegend mit der Kalahari vergleichbar und wird von riesigen weißen Salzpfannen durchsetzt. Tiere sehen wir wenig, weil kein Wasser in der Nähe ist.

Kurz vor den Baobabs, Uwe hat gerade vom Dach aus fotografiert, tritt er beim Abstieg die hintere Scheibe aus der Fassung. So basteln wir im Teamwork ca. 1 Stunde, um die Scheibe samt Rahmen wieder richtig reinzufummeln. Zwischendurch kommt natürlich prompt ein Auto der Nationalparkbehörde vorbei und verlangt nach unserem Permit. Um das zu bekommen müssen wir aber erst 17 km übelster Piste zum South Gate der Nxai Pan. Den Jungs ist es nicht möglich, uns ein Permit auszustellen, nur unsere Autonummern notieren sie. Nun bleibt uns nichts anderes übrig, als noch zum South Gate zu fahren, um dort unseren Eintritt zu entrichten. Eine total bekloppte Regelung. Zwischendurch kommt noch ein anderes Auto und bietet uns Hilfe an aber bei dem Gebastel brauchen wir vor allem Geduld. Irgendwann schaffen wir es mit vereinten Kräften und der Rahmen mit Scheibe sitzt wieder so, wie es sein muss.

     

Die Baines Baobabs sind aber wirklich einen Besuch wert und zählen nicht zu unrecht zu einem „Must“. Die uralten Affenbrotbäume in der weißen Pfanne bei stahlblauem Himmel sind ein überwältigender Anblick. Nachdem wir alles ausgiebig besichtigt und vor allem fotografiert haben, treten wir den Rückzug an.

     

Der Weg besteht häufig aus Tiefsandpassagen und auf halber Strecke treffen wir auf das Fahrzeug, das uns vor knapp 2 Stunden Hilfe bei der Reparatur unserer Scheibe angeboten hatte. Lorenzo saß seit mehr als einer Stunde bei brütender Mittagshitze im Tiefsand fest und war überglücklich uns zu sehen. Er und seine Frau hatten schon kräftig geschaufelt aber nicht berücksichtigt, dass der Hilux in der Mitte voll aufsitzt und auch bei freien Rädern so nicht loskommt. Sie hatten sich so richtig aufgeschaukelt und festgefahren. Dank intensiven Studiums einiger Reiseberichte ist die Lösung sofort klar – drumherum fahren und rausziehen. Gesagt, getan. Die Männer legen noch die Mitte der Vorderachse etwas frei und dann zieht Uwe ihn mit relativ wenig Anstrengung aus dem Sand. Seitdem haben wir italienische Freunde und Lorenzo lädt uns spontan zu einem Bier in seine Firma ein. Er erzählt uns noch, dass seine Firma ICC (Italtswana Construction Company) in nächster Zeit auf der Campsite der Baines Baobabs Sanitäranlagen baut und auch andere Campingplätze mit neuen Sanitäranlagen ausgestattet werden. Schon allein diese Nachricht ist für uns Lohn genug für unsere Hilfe. Leider müssen wir noch unser Permit bezahlen fahren und so plaudern wir noch etwas mit Lorenzo und setzen dann in der Kolonne mit Lorenzo an der Spitze unsere Fahrt fort. Der fährt jetzt ziemlich vorsichtig und als Uwe etwas zu nah an ihn heran fährt, passiert es. Jetzt sitzen wir im Sand fest. Sofort hält Lorenzo an und kann sich nun gleich revanchieren. Wir haben jede Menge Spaß. Am Abzweig zum South Gate trennen sich dann unsere Wege und versorgt mit einer Menge guter Ratschläge, wie wir die nächsten 17 km übelster Holper-/Buckel-/Tiefsandpiste überstehen könnten, starten wir, „...eine der übelsten Straßen in Botswana“ (so der Reiseführer) zu bezwingen.

     

Die Piste macht ihrem Ruf wirklich alle Ehre und mit jedem Kilometer steigt unsere Wut über diese kranke Aktion. Warum kann man nicht am Eingang, bevor man zu den Baobabs abbiegt, Eintritt entrichten? Wir sind ja gern bereit, Eintritt zu bezahlen aber es ist doch völlig hirnrissig, dafür 17 km hin und wieder zurück zu fahren. Gut, in Deutschland würde man die 17 km auf einer Backe fahren, aber hier ist das eine halbe Expedition, die uns mehr als 1 Stunde Zeit kostet - wenn wir uns nicht festfahren oder das Auto auseinander fällt – wohlbemerkt! Am Gate angekommen, sind die Männer beide in der richtigen Stimmung, ihre Meinung kund zu tun. Das machen sie auch beim Personal am Gate und lassen noch einen Chef antreten. Nachdem die Nationalpark-Jungs merken, dass wir richtig sauer sind, verweisen sie uns dann an die Zentrale Nationalparkbehörde Maun und Marc hat die Beschwerde im Kopf schon fertig formuliert. Die Krönung dieser Aktion ist dann noch der Eintrittspreis. Das Permit kostet etwa 60 Euro und wir fragen uns, haben wir jetzt die Bäume gekauft? Was passiert mit diesem Geld? Bei diesen Preisen müssten die Pisten doch wenigstens befahrbar sein? Wir verstehen die Welt nicht und machen uns mit Grauen auf den Rückweg. Die Piste ist so schlecht, dass es fast schon wieder Spaß macht und endlich an der Hauptstraße angekommen, sind die Männer zwar total geschafft aber wir können nur noch darüber lachen. Immerhin haben wir es ohne festfahren geschafft und die Fahrzeuge sind beide wohlauf. Im Moment nur ganz leise kündige ich an, dass ich trotzdem noch einmal hier her will!

Die Weiterfahrt bis Maun ist unproblematisch und die Straße geteert. So erreichen wir Maun recht zügig und sind echt gespannt, was uns dort erwartet. Immerhin wird Maun als heimliche Hauptstadt Botswanas, auf jeden Fall aber als „Safari-Hauptstadt“ gehandelt. Die Stadt am Thamalakane-River hat tatsächlich ein ganz besonderes Flair, das mit europäischen Maßstäben natürlich nicht zu messen ist. Hier sind Eselskarren und Geländewagen noch gleichberechtigt. Auf jeden Fall ist es eine touristische Hochburg und dient als Ausgangsbasis oder als Zwischenstopp bei der Durchreise. Zuerst tanken wir wieder voll und während des Tankstopps können wir schon mal das emsige Treiben um uns herum beobachten. Es ist total interessant. Wir haben uns für die nächsten 2 Nächte im Crocodile Camp einquartiert, das 15 km hinter der Stadt direkt am Thamalakane liegt. Die Chalets sind hübsch und zu Abend essen wir im Restaurant des Camps. Das Restaurant ist etwas lieblos und alles wirkt ein wenig vernachlässigt. Das Personal des Camps läuft in völlig zerschlissenen Kleidern herum, was i.d.R. auch ein Indiz für die Qualität des Managements ist.

 

10. September 2007  Maun
Unser Aufenthalt in Maun dient in erster Linie dazu, uns mit allen notwendigen Dingen für die bevorstehenden 3 Tage und Nächte Camping einzudecken (wenn wir aus dem Delta wiederkommen). Doch zuerst fahren wir noch am Airport vorbei, um im Büro von Ker & Downey unseren Flug ins Delta abzuklären und herauszufinden, wo unsere Autos bleiben können. Noch wissen wir nicht, wann morgen unser Flug ins Delta geht. Das Büro haben wir schnell gefunden und die Leute machen einen wirklich netten und kompetenten Eindruck. Wir vereinbaren einen Abflug auf 10:00 Uhr. Unsere Fahrzeuge können wir im Hof von Ker & Downey abstellen und das Gepäck wird in einem separaten Raum eingeschlossen. Beruhigt und mit einem guten Gefühl fahren wir nun nach Maun, um schon einmal einen Teil unserer Einkaufsliste abzuarbeiten und uns etwas zu orientieren. Dafür stehen uns mehrere Supermärkte zur Verfügung und das Warenangebot ist wirklich gut. Lediglich die Beschaffung einer neuen Dichtung für den Gaskocher erweist sich als unlösbares Problem und unser geliebtes Savanna ist überall ausverkauft. Erst in einem Hinterhof-Bottle-Store im Homeland werden wir fündig und kaufen zur Verwunderung der Angestellten den Bestand auf.

Nachdem das erledigt ist und mehr aus Langeweile landen wir auch in einem Klamottenladen und finden tatsächlich ein paar 7 Euro-Blusen, die gar nicht übel sind. Beim Versuch, die anprobieren zu wollen, wird uns dann klar gemacht, dass weiße Blusen nicht anprobiert werden dürfen – sie werden sonst schmutzig. Nun, das hätten wir verstanden, als wir aus der Kalahari kamen aber heute sind wir frisch. Ok, der Grundsatz gilt für alle und so kichern wir vor uns hin, als wir statt der weißen Bluse eine andere Farbe anprobieren.

Wir sehen in Maun sehr viele der stolzen Herero-Frauen mit ihren traditionellen Kleidern und der markanten Kopfbedeckung und es sieht schon etwas merkwürdig aus, wenn die Herero-Frauen dann in der Fastfood-Ecke des Supermarktes sitzen und ein Handy am Ohr haben. Auf jeden Fall herrscht in der ganzen Stadt reges Treiben. So langsam haben wir Hunger und als wir an einer Tanke noch Feuerholz kaufen, nehmen wir das dortige Mittagessen näher in Augenschein. Hier herrscht reger Andrang und die Gerichte, die angeboten werden, sehen wirklich appetitlich aus. Also entschließen wir uns, das auszuprobieren und jeder findet etwas für seinen Geschmack. Auf dem Bordstein der Tankstelle machen wir es uns im Schatten bequem und fallen gierig über unser Essen her, das wirklich lecker schmeckt. Das Ambiente ist etwas gewöhnungsbedürftig aber es stört uns nicht. Blöd dass keiner die Kamera dabei hat, um wenigstens mal ein Foto zu machen.

Auf dem Weg zurück zum Camp lassen wir noch unsere Gasflaschen auffüllen und Marc ist völlig fassungslos, unter welchen Bedingungen die Gasflaschenauffüllstation hier arbeitet. Irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen – Fehlanzeige.

Nachmittags müssen wir unsere 3 Gedanken zusammen nehmen und überlegen, was wir ins Delta alles mitnehmen. Das Gepäck ist auf Softbag und 12 kg begrenzt und so will gut überlegt sein, was wir alles brauchen. Das ist gar nicht so einfach aber am allerwichtigsten ist es natürlich, dass Uwe seine „große Tüte“ (Teleobjektiv) mitnehmen darf und wir die Fotoausrüstung komplett haben.

Den Sonnenuntergang genießen wir an der Bar des Camps, die unmittelbar an das Ufer des Thamalakane-River gebaut ist. Dort essen wir auch eine Kleinigkeit und genießen dann ausgiebig die unerwartet breite Vielfalt an Cocktails. Als Favorit kristallisiert sich sehr schnell – weil saulecker - der „Monkey on the Tree“ heraus und so nimmt schließlich jeder etwa 5 Affen mit ins Bett.

 

11. September 2007  Maun – Kanana Camp (Okavangodelta)
Nach dem Frühstück brechen wir gegen 9:00 Uhr auf und sind total gespannt, was uns heute erwartet. Für die nächsten 2 Tage und Nächte haben wir das Kanana-Camp mitten im Okavangodelta gebucht und da man dort nicht mit dem Fahrzeug hinkommt, werden wir in das Camp geflogen.

Die Fahrzeuge stellen wir bei Ker & Downey in den Hof und lassen unser restliches Gepäck einschließen. Glücklicherweise ist es kein Problem, dass wir schon wieder mehr Gepäck als das vorgegebene Limit haben. und so warten wir gespannt auf den Abflug. Der verzögert sich noch etwas und wir nutzen die Zeit noch für einen leckeren Latte im Kaffee an der Ecke. Die Company macht einen ausgesprochen gut organisierten und professionellen Eindruck und die ganze Zeit kümmert sich ein netter Angestellter um uns, der uns dann auch in die Abflughalle und bis zum Flieger begleitet. Aber zuerst lässt sich auch Ker & Downey wieder einmal eine „Absolutionserklärung“ unterschreiben, die alle Haftung ausschließt. In der Abflughalle müssen wir noch auf unseren Piloten warten, der dann mit ausgetretenen Schuhen, Löchern in den Socken und ein wenig wie ein zerstreuter Professor wortkarg angeschlurft kommt. Unser Pilot von Northern Air heißt Paul, ist Engländer, redet nicht viel aber kann (hoffentlich ) fliegen und das ist hier die Hauptsache. Mit uns fliegt ein weiterer Passagier und die 6-Sitzer Chesna ist wirklich nicht gerade groß – mehr so ein Spielzeugflieger. Die Ladeluke für das Gepäck ist winzig und größer dürfte das Objektiv wirklich nicht sein, denn sonst hätten wir uns draufsetzen müssen. Es ist aber kein Problem das Gepäck alles zu verstauen und nun können wir uns in den Flieger falten, was gar nicht so einfach ist. Jeder von uns ist mit einer Kamera behangen. Die Jugend macht es sich auf den hinteren Plätzen bequem (soweit man von bequem reden kann) und wir nehmen die Mitte.

     

Kurz nach dem Start wird bereits klar, dass die Luft in so einem Flieger ziemlich begrenzt ist und Conny wird hinter mir immer ruhiger. Ihr ist anzumerken, dass sie Probleme hat und das berühmte Tütchen liegt griffbereit. Etwas abgelenkt von der Faszination über das Okavangodelta zu fliegen, geht aber alles gut. Es ist ein erhebendes und nur schwer zu beschreibendes Gefühl, einen so tollen Überblick zu bekommen über ein Naturphänomen, das es in dieser Form nur einmal auf der Welt gibt und wir versuchen trotz des Gewackels, so viele Bilder wie möglich zu machen.

     

Wir sehen viele Tiere durch das Wasser laufen und können sehen, welche Landstriche überflutet sind und welche nicht. Die vielen bewachsenen Inseln und das frische Grün des Deltas sind ein großartiger Anblick. Wir sehen auch die Straßen, die eigentlich ins Delta führen aber teilweise überflutet und dann nicht mehr zu passieren sind. Hoffentlich treffen wir bei unserer Weiterfahrt nicht auf solche Wege.

     

Eigentlich viel zu schnell geht dieser ca. 30-minütige Flug zu Ende und wir landen auf einer Buschpiste. Trotz dieser Stoppelpiste legt Paul eine beeindruckend ruhige Landung hin, die mancher Pilot auf Asphalt nicht schafft. Man merkt ihm an, dass er das regelmäßig tut. Ein Guide der Lodge erwartet uns schon am Airstrip, uns werden Getränke angeboten und dann werden wir ins Camp gefahren. Dort steht das Personal schon Spalier zur Begrüßung und es herrscht eine sehr angenehme Atmosphäre. Paul kommt auch noch mit ins Camp und unser Mitreisender verschwindet im Angestelltentrakt. Es wird uns gleich ein leichtes Mittagessen serviert. Die Mahlzeiten werden an einer langen Tafel eingenommen und heute Mittag ist meine Tischnachbarin eine alte Dame, die ich auf 68-70 Jahre schätzen würde. Sie erzählt mir, dass sie die letzten 8 Monate als Krankenschwester im Tschad in einem Flüchtlingslager mit 30.000 Flüchtlingen gearbeitet hat und sich diese Reise jetzt sozusagen zur Belohnung gönnt. Ihre Schilderungen sind sehr eindrucksvoll und man merkt ihr an, dass diese Arbeit an die Grenze des physisch und psychisch machbaren geht. Ich kann nur den Hut ziehen vor dieser alten Dame und ihrer Zivilcourage.

Nach dem Essen bekommen wir unsere Unterkünfte gezeigt. Die Luxuszelte haben Ausblick auf das Delta und sind – wie schon gewohnt - sehr schön und mit allem Notwendigen ausgestattet. Das Hauptgebäude bietet einen herrlichen Ausblick auf das Delta, ist stilvoll ausgestattet und herrlich gemütlich.

     

Wir werden darauf vorbereitet, dass sich im Camp, das nicht eingezäunt ist, regelmäßig ein Elefant aufhält und dann ist erst einmal Siesta angesagt. Natürlich gehen wir jetzt nicht die Zeit verschlafen, wenn wir schon im Delta sind. Also inspizieren wir erst einmal die Gegend, verschaffen uns einen Überblick und suchen nach Fotomotiven.

Um 15:30 Uhr gibt es leckeren Kuchen und danach machen wir eine Motorbootsfahrt. Wir bekommen zahlreiche Vögel zu sehen, besuchen eine Brutkolonie, wo Marabus, Pelikane, Störche, Nimmersatt, Reiher, Ibisse und Komorane brüten, sehen Graufischer und Malachiteisvögel und genießen den seltenen Anblick von Wasserlilien und riesigem Papyrusgras. Unterwegs passieren Elefanten unseren Wasserweg und Hippos grunzen in der Nachbarschaft. Das Wasser ist glasklar und gar nicht so tief. Zum Sundowner auf dem Boot hat unser Guide eine Flasche Rotwein und einen Imbiss dabei und wir haben jede Menge Spaß, dass uns später die Leute vom zweiten Boot aus der Nachbarbucht fragt, was bei uns so lustig war (und bei ihnen nicht).

     

Es wird schnell dunkel und die Rückfahrt geht in vollem Speed, was bei den vielen Mücken und Fliegen einer fleischintensiven Vorspeise gleich kommt, wenn man nicht die Klappe hält. Auf jeden Fall haben wir so schon einmal einen guten Überblick über die Fauna und Flora des Deltas bekommen und die Hippos tragen mit ihrem Sound zu einer einmaligen Atmosphäre bei. Wir könnten ihrem Grunzen stundenlang zuhören. Die Guides hier sind allerdings sehr vorsichtig im Umgang mit den Hippos und wir können uns schon einmal von der Vorstellung befreien, dass wir hier Hippos im Wasser aus der Nähe zu sehen bekommen. Bei unserer Rückkehr von der Bootstour werden wir von der Managerin begrüßt und es brennt ein gemütliches Lagerfeuer. Der Kühlschrank steht mit allen alkoholischen und nichtalkoholischen Getränken zum freien Zugriff bereit und zum Zeitvertreib gibt es schon mal kleine Snacks. Wenig später wird zum Abendessen getrommelt. Das ist ein Brauch, den wir wahnsinnig lieben und das Trommeln könnte auch ewig andauern. Jeder hat seinen eigenen Stil und es ist einfach ein tolles Erlebnis, dem Klang der Trommeln zu lauschen.

Die Nacht ist erfüllt von dem Klang der „Klapperfrösche“, die sich anhören, als ob alle klöppeln. Es ist ein derart liebliches Geräusch, das unvergleichbar ist und eine wunderbare Ruhe und Atmosphäre ausstrahlt.

Relativ schnell nach dem Abendessen werden wir nach einem Amarula als Absacker zu unserem Zelt geleitet. Natürlich gehen wir nicht ohne die Hoffnung schlafen, dass die Hippos, die nachts aus dem Wasser kommen zum grasen, dies heute doch bitte vor unserem Zelt tun sollen. Das tun sie auch lautstark grunzend und planschend, aber vor dem Zelt der Kinder und die hören nicht. Dafür kommt uns heute Nacht der Elefant besuchen und ich kann ihn ganz nah am Zelt fressen hören, als er sich an den Bäumen um unser Zelt herum ein paar Ästchen zupft. Vor Zelt Nr. 1 hatte er sich länger aufgehalten und einen tiefen Krater gebuddelt, um an die Wurzeln des Baumes zu gelangen. Die Bewohner von Nr. 1 – ein italienisches Pärchen auf Hochzeitsreise - fanden das gar nicht so toll und haben die ganze Nacht kein Auge zugemacht.

     

12. September 2007  Kanana Camp (Okavangodelta)
Die Sonne ist noch nicht aufgegangen und wir hören noch immer die Äste knacken. Dem Eli scheint es im Camp auch zu gefallen und die Versuche des Personals, ihn zu vertreiben, fruchten wenig. Trotzdem steht kurz darauf ein Mädchen mit unserem Morgenkaffee und –tee vor dem Bett. Das nenn ich Service und ich überlege schon, wie ich mir das für Deutschland organisieren kann. Wie schön kann doch ein Tag beginnen! Natürlich beeilen wir uns, um den Eli noch zu sehen und bekommen Schimpfe vom Guide, als er sieht, dass wir mit unseren roten T-Shirts unterwegs sind. Elis können rot nicht leiden und werden aggressiv. Das stimmt tatsächlich – Uwe hat es ausprobiert und Eli hat reagiert und die Ohren gestellt. Nun ist unser Kleiderangebot aus oben beschriebenen Gründen im Moment nicht so umfangreich, dass wir eine elefantengerechte Farbe dabei hätten und so lassen wir von Eli ab und kümmern uns um unser Frühstück.

Für heute morgen haben wir uns entschlossen, entgegen unserer ursprünglichen Vorbehalte eine Mokorofahrt zu machen. Wir haben bis jetzt noch kein einziges Krokodil gesehen und so wie hier die Gäste behütet werden, muss das sicher sein. Nun wäre es bekloppt, ohne Kamera loszuziehen und so gehen wir einfach davon aus, dass wir heute nicht baden gehen werden und nehmen die leichte Version – jeder einen Body mit einem Objektiv – mit. Wir fahren mit zwei Mokoros und 2 Pohlern. Unser Pohler ist San und die Mokoros sind – entgegen der ursprünglich aus Holz gefertigten Einbäume - aus Plastik, also schon etwas komfortabler. Sie haben sogar einen Plastiksitz, werden vorher noch geputzt und dann kann es losgehen. Ich beschließe, nur im Notfall zu atmen, mich gar nicht zu bewegen und den Kopf nur minimal zu drehen.

     

Es ist eine sehr gewöhnungsbedürftige Angelegenheit und hat viel mit Vertrauen zu tun. Uwe sieht das lockerer und nach kurzer Zeit habe auch ich Vertrauen in das Gleichgewichtsgefühl unseres Pohlers und es wird eine unbeschreiblich schöne Tour. Wir gleiten lautlos über das Wasser und die Perspektive, so minimal über der Wasseroberfläche, ist einfach einmalig. Im Delta herrscht eine so friedliche Ruhe und nur ein paar Vögel zwitschern. Es dauert gar nicht lange, bekommen wir endlich auch einmal die „Klöppelfrösche“ zu Gesicht, die ein so wunderbar melodisches Konzert veranstalten. Sie sind nicht größer als eine Fingerkuppe des kleinen Fingers, sitzen an den Grashalmen im Wasser und haben eine wunderschöne Zeichnung - braun-weiße mit orangefarbigen Füßen. Ja für die hätten wir natürlich das Makro gebraucht und nicht das Teleobjektiv. Man hat doch immer das falsche Objektiv dabei! Dennoch freuen wir uns, diese Tierchen gesehen zu haben denn wir hätten nicht vermutet, dass sie so klein sind. Etwas später sehen wir dann auch noch 2 anders gefärbte Fröschlein – einer schöner als der andere - aber wirklich groß ist keiner von ihnen.

Im milden Morgenlicht sind die Wasserlilien besonders schön und aus einer der leicht lilafarbenen Lilien bastelt mir unser Pohler später eine Kette. Ich hatte sie am Vortag schon bei unserer deutschen Krankenschwester gesehen und mich gewundert, wo sie die her hat. Die Kette ist wunderschön und nach einem kurzen Zwischenstopp bekommt auch Conny ihre Kette. Der Zwischenstopp auf einer der kleinen Inseln wird kulturell untermalt indem unser Pohler ein für uns merkwürdiges Instrument spielt und ihm ganz wunderbare Klänge entlockt. Das Instrument ist ein Stock, der mit einem Lederstreifen zu einem Bogen gespannt ist. Durch eine kratzende Bewegung des Bogens wird das Lederseil in Schwingungen versetzt und die Wangen des San dienen dabei als Resonanzkörper. So entlockt unser Pohler dem Instrument ganz eigenwillige Töne und wir sind buff und fasziniert.

     

Während der Mokorofahrt hören und sehen wir viele Vögel, darunter Malachiteisvögel. Die beiden Pohler geben sich alle Mühe, so nah an die Vögel heranzufahren, dass wir sie ordentlich fotografieren können. Blöd nur, dass die Vögel bis 36 zählen können und immer dann still sitzen bleiben, wenn der Film voll ist. So ist die Angst zu kentern bald vergessen und wir haben eine wunderschöne und leider viel zu kurze Zeit auf dem Wasser: Die beiden Guides sind einfach Super. Beim Ausstieg ist für uns klar, dass wir diese Bootsfahrt heute Abend wiederholen werden.

     

Zurück im Camp nutzen wir die Zeit nach dem Essen für eine Dusche und inzwischen ist auch der Eli wieder da. Wir machen uns erst einmal auf die Suche nach weiteren Fröschen; werden aber leider nicht fündig. Inzwischen stehen wir in Matsch und Wasser und unseren imprägnierten Schuhen macht das auch nichts aus, aber mit Conny`s in die Jahre gekommenen Wanderschuhen ist das nicht mehr möglich, denn die beginnen bereits, sich aufzulösen. Zwar haben die sowieso nur Oneway gebucht – sprich die bleiben in Afrika – aber die Reise sollten sie noch aushalten. Wir werden nicht umhin kommen, die Schuhe mit Panzerband zu kleben, damit sie den Rest der Reise noch aushalten.

Gerade bauen die Angestellten einen Tisch auf mit kunstgewerblichen Arbeiten, die sie in ihrer Freizeit anfertigen. Darunter sind auch wunderschöne Armreifen aus getrocknetem Gras und Schilf und bei dem äußerst günstigen Preis müssen wir nicht lange nachdenken und kaufen den Bestand so gut wie auf.

     

Nach dem Kaffeetrinken geht es noch einmal raus und diesmal nehmen wir auf die Mokoro-Tour die Makros mit in der Hoffnung, noch einmal Frösche zu finden. Leider haben die Wasserlilien am Nachmittag ihre Blüten schon wieder geschlossen, dafür sind die Fliegen und Mücken jetzt so richtig wach. Unsere Pohler haben aber auch an Insektenspray gedacht und so wird die Fahrt genauso idyllisch wie am Morgen. Es versteht sich von selbst, dass der Eisvogel jetzt auf seinem Ast sitzen bleibt, weil wir ja das Makroobjektiv dabei haben. Für die Pohler ist es Ehrensache, uns noch einmal „Klöppelfrösche“ zu suchen, damit wir sie fotografieren können. Voller Begeisterung fahren sie dann mit uns zu einer kleinen Insel, wo eine Fischeule wohnt und zeigen uns mit großem Stolz diese prächtige, sehr große Eule. Nach der Mokorofahrt geht es zurück zum Motorboot und dort gibt es zu einem wunderschönen Sonnenuntergang wieder Rotwein und Häppchen.

     

Zurück im Camp hat inzwischen das Publikum gewechselt und der Smaltalk beim Abendessen ist heute richtig anstrengend. Eine deutsche Familie mit ausgeprägter Elefantenphobie und eine Handvoll Großkotze sind zuviel für unseren Geschmack und so gehen wir nach unserem obligatorischen Amarula-Absacker zeitig schlafen. Nachts kommt uns wieder der Eli besuchen. Die Büsche an unserem Zelt scheinen ihm gut zu schmecken und wir können aus nächster Nähe seiner Verdauung beiwohnen und lauschen, welches Zelt er als nächstes besucht. Auch das Hippo ist wieder unterwegs und steht direkt vor dem Zelt der Kinder. Diesmal hören sie es auch, aber die Taschenlampe versagt ihren Dienst. So bleibt das Hippo wieder inkognito.

 

13. September 2007  Kanana Camp (Okavangodelta) – Third Bridge (Moremi GR)
Wieder wird uns Kaffee und Tee ins Bett gebracht und wir können hören, dass Eli wieder oder immer noch im Camp ist. Zur Verstärkung bringt er auch schon mal seine Kumpels mit. Vor Zelt Nr. 1 ist heute morgen das Loch noch tiefer. Die Wurzeln scheinen seine Lieblingsspeise zu sein. Dort wohnt übrigens ein Teil der Familie mit der Eliphobie und die sehen heute morgen ziemlich zerknittert aus. *grins*

Leider ist unsere Zeit im Delta schon wieder vorbei. Bis der Flieger uns wieder abholt unternehmen wir noch einen kleinen Gamedrive, bei dem wir auch auf eine größere Gruppe Elefanten und auf Lechweantilopen treffen. Insgesamt hat es sich aber wirklich gelohnt, dass wir das - zugegebenermaßen viele - Geld für das Camp investiert haben. Ambiente und Service hier sind schon umwerfend.

     

Die Cesna, wieder mit 6 Plätzen, steht schon auf der Landebahn und unser Pilot ist diesmal John. Er macht einen wesentlich versierteren Eindruck und man würde ihm zutrauen, früher große Maschinen geflogen zu haben. John erkennt auch gleich, dass in der großen Tasche ein Objektiv ist und packt sie sorgfältig auf den letzten Sitz. Da wir heute allein fliegen, sitzt Uwe vorn, Marc und ich in der Mitte und Conny will wieder auf die letzte Sitzbank.

Der Stoppelhoppser hoppelt über die Piste und als wir bereits in der Luft sind, dreht John um und fliegt noch einmal in einer großen Kurve über die Landebahn. Was bitte soll das denn? Wir erfahren, dass man so die Piste kehrt.

     

Diesmal ist die Luft nicht ganz so stickig und es kommt wenigstens etwas Frischluft von irgendwo. Wir genießen wieder den Flug über das Delta und plötzlich sehen wir eine riesige Büffelherde die im Halbkreis durch das Wasser des Deltas wandert. Ein einmaliger Anblick, der uns unvergesslich sein wird. Uwe stupft den Piloten an, um ihm das zu zeigen und der guckt kurz. Plötzlich reißt der das Steuerruder herum und wir fliegen in einer steilen Kurve in Richtung dieser Büffelherde, um sie einmal im Kreis zu umrunden. Wir quietschen natürlich erst einmal über diese Achterbahnfahrt und sind einfach begeistert, dieses Naturschauspiel noch länger betrachten zu können. Natürlich versuchen wir zu fotografieren, auch wenn sicherlich alles verwackelt ist. Diese Erlebnis ist für uns dennoch unvergesslich und auch John gibt zu, so etwas noch nie gesehen zu haben. Wir sehen dann noch weitere Tiere im Delta, aber nicht in dieser großen Herde und so malerisch. Es war etwas ganz Besonderes. Dieser Flug verlangt auf jeden Fall nach einer Wiederholung, auch wenn uns klar ist, dass man so etwas im Leben nur einmal sieht.

     

John legt eine supersanfte Landung in Maun auf die Piste und wir werden von Ker & Downey abgeholt, nehmen unsere Autoschlüssel in Empfang und laden das Gepäck wieder ein. Jetzt müssen wir noch zügig die notwendigen Lebensmittel einkaufen, die beiden Reservekanister voll tanken und dann können wir starten. Die nächsten 3 Tage ist campen im Moremi GR und Chobe NP angesagt. Im Supermarkt lassen wir Steaks und gefrorene Hühnchenkeulen vakuumieren, schnappen uns eine große Packung Eier und Speck sowie die Zutaten für die leckere Käsecreme, arbeiten die restlichen Posten unseres Einkaufszettels ab und dann sind wir startklar. Da wir noch nicht so genau wissen, wie das mit den Veterinärkontrollen geht, kommen die Eier erst einmal in die Tasche mit der Kleidung. Geht zum Glück auch alles gut.

Unterwegs treffen wir auf ziemlich viele Autos und sehr häufig sind das auch Fahrzeuge der Firma ICC (Lorenzos Firma). Am South Gate werden gerade neue Sanitäranlagen gebaut. Der Eintritt von 1.160 Pula ist ganz schön heftig und man fragt sich schon, für was. Unsere Strecke ist auf der Karte nicht zu finden und die ganze Zeit warten wir, dass wir die First- und die Second-Bridge passieren, bis wir irgendwann vor der Campsite Thrid-Bridge stehen. Dort empfängt uns ein grasender Elefant unmittelbar am Straßenrand. Er lässt sich von uns überhaupt nicht stören und frisst gemütlich weiter. Wir machen schnell noch ein paar Bilder, bevor wir uns einen Stellplatz suchen. Leider sind kaum Stellplatznummern zu finden und so nehmen wir einen Platz, der uns geeignet erscheint, platzieren die Fahrzeuge und bauen auf. Der Eli ist noch immer da und so laufen wir zu ihm hin, um ihn im Sonnenuntergang richtig fotografieren zu können. Nachdem ich mich nach einer Fluchtmöglichkeit umgesehen habe, kann ich mich ihm bis auf 20 m nähern, ohne dass er auch nur Notiz von mir nimmt und es ist schon ein tolles Gefühl, dem Dickhäuter so nah kommen zu können (diesmal aber in tarngrün um ihn nicht zu verärgern).

     

Die Campsite an sich ist nicht wirklich schön – wir stehen mehr oder weniger ziemlich im Gestrüpp - und die Sanitäreinrichtungen sind in einem elenden Zustand. Es gibt gerade mal eine Toilette, eine Dusche und 2 Waschbecken und das ist für diesen relativ gut besuchten Platz entschieden zu wenig. Da ist Katzenwäsche und der Busch eindeutig die bessere Alternative und es wird höchste Zeit, dass Lorenzo mit ICC auch in Third Bridge ankommt.

Schon unterwegs haben wir am Horizont vier große Buschfeuer gesehen, die jedoch mindestens 100 km entfernt sind. Jetzt, nachdem die Sonne untergegangen ist, färbt das Feuer den Himmel glutrot. Der Elefant frisst noch immer und inzwischen liegt unser Fleisch auch auf dem Grill. Schnell ist die Nacht stockdunkel und wir machen noch ein paar Bilder von dem feuerroten Horizont, als ich schon von der anderen Seite des Camps das Klatschen höre.

     

Sofort ist klar, dass jetzt die Hyänen kommen in der Hoffnung, auch etwas vom Grillfleisch zu ergattern. Ab jetzt heißt es, das Abendessen zu verteidigen. Es dauert auch nicht lange, schleicht eine Hyäne um unseren Grill und wir müssen sie mit unserem Stock verjagen. Nun hören wir es hinter uns grunzen. 2 Hippos haben auch Hunger und kommen aus dem Wasser, um irgendwo zu grasen. Da aber einer der Camper seinen Wagen auf ihren Weg gestellt hat, sind sie richtig sauer und haben ziemlich schlechte Laune, die sie auch laut kund tun. Dieses Buschfeeling pur ist dann doch etwas zu viel Abenteuer für Marc und er weiß nicht so recht, ob er lachen oder weinen soll. Immer einen Blick auf den Horizont gerichtet, schmeckt ihm das heutige Abendessen nicht wirklich. Für uns ist nur wichtig, ob der Wind stärker wird und das ist nicht der Fall. Außerdem ist zwischen uns und dem Feuer noch Wasser, denn wir hatten ja beim Flug über das Delta gesehen, wie weit es sich verzweigt und dass überall Wasserarme dazwischen sind. So schlafen wir schnell ein. Nachts werde ich wach, als eine Gruppe Elefanten durch das Camp streift und einige Elis unmittelbar neben unserem Auto fressen. Es ist auch ein kleiner Elefant dabei und durch die Gaze des Fensters kann ich seinen Rüssel sehen, der gerade bis hoch reicht und an unserem Zelt schnuppert. Gut, das ist kein Problem, aber im Auto liegen noch Äpfel und Birnen und ich weiß, dass Elefanten Obst sehr lieben. Also hoffentlich ist sein Obsthunger nicht zu groß und er benimmt sich anständig. – Er tut es und morgens haben wir zwar den Abdruck eines Rüssels an der Scheibe aber ansonsten ist nichts passiert.

 

14. September 2007  Third Bridge – North Gate (Moremi GR)
Über Xakanaxa fahren wir heute zum North Gate Campsite und endlich lernen wir auch die legendären Brücken Third und Fourth Bridge kennen. Das Frühstück verschieben wir auf später und mit einer Tasse heißem Kaffe bzw. Tee bewaffnet, brechen wir nach Sonnenaufgang auf. Die Buschfeuer von gestern sind erloschen und es ist ein wunderschöner Morgen.

     

Nicht weit hinter der Campsite treffen wir auf eine sehr große Herde Büffel, die gemütlich grasend vorbeizieht. Es sind auch viele Kälber dabei und wir fragen uns, ob das die Herde sein kann, die wir bei unserem Flug aus dem Delta gesehen haben. Uns bleibt auf alle Fälle genug Zeit für viele Fotos, bevor wir weiterfahren. In Xakanaxa treffen wir wieder auf ICC und hier wird schon fleißig an den neuen Sanitäreinrichtungen gebaut. Schön, dann sind die nächstes Jahr auf jeden Fall fertig, wenn wir wiederkommen. Die Gegend um Xakanaxa ist so wunderschön, dass wir hier auf jeden Fall bald noch einmal herkommen.

     

Unterwegs, an einer schönen Stelle im Mopanewald legen wir eine Pause ein und bereiten uns erst einmal unser Frühstück zu. Eine Horde grüner Meerkatzen spaziert vorbei, hat aber offensichtlich keinen Appetit auf unser Rührei mit Speck und so lassen wir es uns gut schmecken. Nachdem alles wieder aufgewaschen und verstaut ist, setzen wir gemütlich unsere Fahrt fort. Hier im Norden ist der Tierbestand sehr reich, denn viele Flächen stehen unter Wasser. Besonders gut gefällt uns der Pardise Pool – ein traumhaftes Wasserloch und ein wunderschönes Fleckchen - und wir hätten hier ewig verweilen können. Gerade ist ein Elefant zum trinken gekommen und er genießt das Wasser sichtlich.

     

Nach zwei noch kalkulierbaren Wasserdurchfahrten stehen wir dann rund 20 km später aber doch vor überfluteter Piste und wir können noch nicht einmal das Ende des Weges sehen. (lt. Reiseführer. „Diese Strecke ist häufig wegen Überflutung gesperrt.“) Hier durch zu fahren, ist zu riskant und auf nasse Füße und stecken bleiben haben wir alle 4 keine Lust. Wir treffen noch 2 weitere Fahrzeuge, die sich auch die Gewissensfrage stellen, aber auch die entscheiden sich für den Rückzug. Also hilft nur umdrehen und die 20 km zurück bis Xakanaxa zu fahren.

Unterwegs müssen wir an einem Eli vorbei, der ziemlich schlechte Laune hat und seinen Anspruch an dem Gebiet ziemlich klar zum Ausdruck bringt. Das nützt aber nichts, wir müssen hier trotzdem lang und mit aufgestellten Ohren macht er uns klar, dass wir es ja nicht wagen, noch näher zu kommen. Nun müssen wir diesem Eli noch einmal auf die Pelle rücken und das quittiert er wieder nur mit wütendem Schnauben. Ich kann es ja verstehen, dass er sich in seiner Ruhe gestört fühlt. Schließlich dringen wir in seinen Lebensraum ein.

     

Am Campsite North Gate angekommen, suchen wir mal wieder unseren Stellplatz und können nur vermuten, wo der gebuchte Platz sein könnte. So beschließen wir, uns ein nettes Plätzchen zu suchen und wählen die Pfanne in der Nähe des Sanitärtraktes. So haben wir es bis zur Toilette nicht weit und einen schönen Überblick. Gerade angekommen machen Conny und ich uns schon mal auf die Suche nach weiterem Feuerholz für ein ordentliches Lagerfeuer als unser Auto Opfer eines Überfalls wird. Gerade schreit jemand und ich sehe sekundenschnell Meerkatzen in und wieder aus unserem Auto springen. Bevor wir überhaupt eine Chance zum reagieren haben, hat eines der Äffchen die Tüte mit Äpfeln hinter dem Rücksitz (man konnte sie nicht sehen!) aufgerissen, sich einen Apfel geschnappt und die Flucht ergriffen. Das zweite Äffchen ging allerdings leer aus. Also ab sofort alle Fenster und Türen schön geschlossen halten und immer mal wieder die freche Bande vertreiben. Wir können dann beobachten, dass sie sich immer auf Neuankömmlinge stürzen und mit dieser Methode richtig erfolgreich sind. Tja, die Tiere sind verdammt klug. Wir lachen uns schlapp über diese Aktion und sind froh, dass nicht wichtige Dinge geklaut wurden. Für unser Lagerfeuer hat ein Elefant schon vorgearbeitet und so schleppen wir in kürzester Zeit Holz für ein richtig gemütliches Feuer ran. Aus den umher liegenden Steinen bauen Uwe und Conny einen Doppelgrill und so können wir später unsere leckeren Hühnerschenkel grillen.

     

Inzwischen brauchen Conny`s Wanderschuhe eine kleine externe Unterstützung, damit sie nicht gänzlich auseinander fallen. Uwe „repariert“ sie gründlich mit Panzerklebeband. Das sieht witzig aus und erfüllt für eine Weile seinen Zweck. Wir tragen die Wanderschuhe ja sowieso nur, wenn wir das Auto verlassen, denn ansonsten haben wir die Flipflops an.

 

15. September 2007  North Gate (Moremi GR) – Savuti (Chobe NP)
Heute morgen ist es etwas frisch und über dem Wasser steht sogar ein wenig Nebel. Bis ich allerdings die Kamera positioniert habe, ist der so gut wie verzogen. Nachts haben uns nur ein paar Hyänen und Schakale umrundet und im ersten Morgengrauen sehen wir einige Tiere zum Wasser ziehen. Sobald die Sonne aufgeht, wird es warm und nach einem gemütlichen Frühstück brechen wir auf. Heute wollen wir nach Savuti in den Chobe NP.

Unterwegs am Dombo Hippo Pool treffen wir auf Hippos, die sich träge im Wasser aalen. Vergeblich warten wir auf etwas action, aber den Gefallen tun sie uns leider nicht. Mehr als auf- und abtauchen ist nicht drin und so setzen wir unsere Fahrt bald fort. Trotzdem ist auch dieses Gebiet hier wunderschön und durch das viele Wasser eben auch sehr tierreich.

     

Außerordentlich beeindruckend ist der Übergang vom Moremi in den Chobe NP. Wir können riesigen Elefantenherden zusehen, die zum trinken und baden an das Wasserloch kommen und die letzten Meter buchstäblich rennen, um endlich das Wasser zu erreichen. Es ist ein spektakulärer Anblick und wir sind von mehr als 200 Elefanten aller Altersklassen umgeben. Sooo viele Elis haben auch wir noch nicht auf einmal gesehen und sind sehr beeindruckt. Man sieht der Gegend aber auch an, dass es hier viele Elefanten gibt. Alle Mopanebäume sind auf eine handliche Größe gefressen und kein Baum ist höher als 2 Meter. Manchmal sieht der „Elefantenspielplatz“ ziemlich verwüstet aus und viele Bäume sind umgeknickt und herausgerissen.

     

Gegen 12 Uhr, wir haben gerade den Eingang zum Chobe NP passiert, meldet Marc sich mit einem platten Reifen. Ja, der Weg durch die Mopanewälder war teilweise auch recht heftig und einmal musste ich sogar aussteigen und einen Ast zur Seite biegen, damit wir überhaupt vorbei fahren können. Im lichten Mopanewald muss also erst einmal Rad gewechselt werden. Na gut, wir haben jeder 2 Ersatzreifen, da kann man das gelassen nehmen. Der Radwechsel geht zügig und so können wir bald darauf unsere Fahrt fortsetzen. Wir haben noch die Strecke bis Savuti vor uns und ich habe so einiges gelesen über diesen Weg. Angeblich ist in der Trockenzeit die Marshroad besser zu befahren und so tun wir, was empfohlen wird. Die grausigen Schilderungen, die ich über den Zustand dieser Strecke gelesen hatte, werden durch die Realität fast noch überboten und so ziehen sich die 70 km bis Savuti ziemlich endlos. Der Weg besteht nur aus tiefen Fahrrinnen, Buckeln, Löchern und ich weiß nicht was. So werden wir kräftig durchgeschüttelt und sind ziemlich am schwitzen, dass wir gut durch diese Strecke kommen. Unterwegs sehen wir auch kaum Tiere, da die Gegend sehr trocken ist. Erst kurz vor Savuti wird es dann grüner und tierreicher aber so richtig können wir das gar nicht genießen.

     

Selbst im Campsite Savuti ist Tiefsand und man muss aufpassen, sich nicht fest zu fahren. Der elefantensichere Sanitärtrakt wirkt schon etwas befremdlich aber immerhin scheint das die einzige Methode zu sein, die Elefanten von den Wasserleitungen fern zu halten. Auf jeden Fall gibt es hier mehr Duschen und Toiletten. Mitten im Camp grast friedlich ein Eli und endlich haben wir hier mal einen Plan, auf dem man sehen kann, wo welche Stellplätze sind. So ist es diesmal kein Problem, den gebuchten Stellplatz Nr. 8 zu finden. Der gefällt uns auch und so beschließen wir, noch nicht aufzubauen und erst noch ans nahe gelegene Wasserloch zu fahren. Insgeheim hoffen wir, Löwen zu sehen, denn jeder der nach Savuti kommt sieht Löwen!

Am Wasserloch ist nicht viel los und außer einem Elefanten und ein paar Impalas sind keine Tiere da. Dafür stellt Marc gerade fest, dass er den nächsten platten Reifen hat. So fahren die beiden schon einmal zurück ins Camp und etwa eine halbe Stunde später kommen wir nach. Als wir im Camp ankommen, sieht Marc zwar aus, als ob er schon mal den Motor des Fahrzeugs auseinander genommen hat, aber es ist ihm bisher nicht gelungen, das zweite Ersatzrad unter dem Fahrzeug herauszufummeln. Mit der Verlängerungsstange die Stelle zu treffen, an der man das Rad herunterkurbeln kann, ist auch echt eine Fummelei und so ist er schon entsprechend genervt. Deshalb verkneifen wir uns lockere Sprüche über sein Aussehen, schießen keine Fotos, und bedauern das später sehr. Uwe hat mehr Glück beim Ansetzen der Verlängerungsstange und dann ist das Rad schnell gewechselt. Marc hat sich eine Dusche im „Elefantenbunker“ und sogar ein neues T-Shirt verdient und sieht hinterher richtig neu aus. *grins*

     

Conny hat in der Zwischenzeit schon die Feuerstelle vorbereitet und so können wir zügig unser Abendessen grillen. Heute sind wieder Steaks mit Alukartoffeln dran. Blöd nur dass wir vergessen haben, noch einmal Alufolie nach zu kaufen. So müssen wir etwas improvisieren, aber das geht auch und alles läuft schon ziemlich routiniert ab. Mit Einbruch der Dunkelheit sind wir fertig und beschließen, zeitig ins Bett zu gehen, damit wir morgen früh bei Sonnenaufgang am Wasserloch sind. Wir hoffen nämlich immer noch auf Löwen.

So klettern wir in unsere Dachzelte. Es dauert gar nicht lange, melden sich die Savuti-Löwen lautstark zu Wort  - erst irgendwo im angrenzenden trockenen Flussbett und dann direkt im Camp. Wir werden plötzlich wach, als Tiere an uns vorbei jagen und so pfeifende Geräusche von sich geben (vermutlich Impalas). Dann hören wir in unmittelbarer Nähe Löwen hecheln und dann können wir ihnen beim Abendessen zuhören. Es schmatzt und Knochen knacken. Ach hätte ich doch nur die Augen einer Eule! Beim Leuchten mit der Taschenlampe kann ich in ca. 100 m Entfernung viele Augenpaare leuchten sehen und bekomme ein knurren zur Antwort. An mehreren Stellen im Camp – direkt vor uns in unmittelbarer Nähe– hören wir die Löwen brüllen. Tja, das ist ein Löwenkill für die Ohren aber da es stockdunkel ist und ich eben keine Eule bin, kann ich nichts sehen. Mist.

 

16. September 2007  Savuti (Chobe NP) – Kazungula Kubu-Lodge
Um 5:20 Uhr, noch vor Sonnenaufgang, klingelt der Wecker. Es ist noch stockdunkel und die Löwen brüllen in unmittelbarer Nähe auf der Campsite an 5 verschiedenen Stellen und keine 200 Meter entfernt. Sie müssen unmittelbar vor uns sein und wir können es kaum erwarten, dass es endlich hell wird. Ein wenig mulmig ist mir schon, als ich aus dem Zelt klettere. Andererseits haben die gerade gefressen, also was sollen die mit mir? Trotzdem sind wir froh, als endlich der Morgen graut und wir wieder etwas sehen können. Wir wollen so schnell wie möglich ans Wasserloch und hoffen, dass das Nachtmahl sie durstig gemacht hat. Wir suchen mit den Augen die Richtung ab, aus der das Brüllen kam, aber wir können keine Löwen und auch keinen Riß entdecken. Zu viele Büsche verdecken die Sicht. Hin zu laufen erscheint dann doch etwas zu gewagt und so bleibt uns die Hoffnung auf das Wasserloch.

Schnell bekommt jeder seinen Kaffee bzw. Tee und dann geht es an das nahe gelegene Wasserloch. Doch außer 3 Wildhunden, die von 5 Tourguides buchstäblich gejagt werden, gibt sich kein einziger Löwe die Ehre. Heute zum Sonntag scheinen die Tiere alle frei zu haben. Wir sind total frustriert. Nun haben wir die Löwen so nah gehört und trotzdem nicht gesehen. Das war m. E. die letzte Chance für uns, dieses Jahr Löwen zu sehen. An dem einen Tag, den wir in der Etosha Pfanne noch haben, brauchen wir ganz sicher nicht darauf zu hoffen, dass wir auf Löwen treffen. Nun, es hat nicht sollen sein und so müssen wir für die Savuti-Löwen noch einmal wiederkommen.

     

Gegen 9:15 Uhr müssen wir dann aufbrechen denn wir haben noch eine lange und schlechte Strecke vor uns. Wieder hält dieser Weg alle Grausamkeiten botswanischer Straßenzustände für uns bereit. Wir werden buchstäblich in jede Himmelsrichtung geschüttelt und dem einen oder anderen fliegt da schon auch einmal ein Koffer davon. Jedenfalls können wir diverse Fundsachen am Straßenrand ausmachen und haben bei Gegenverkehr die größte Not, nicht im Tiefsand stecken zu bleiben. Insbesondere dann, wenn Touris Schiß und keine Allraderfahrung haben, wird es richtig anstrengend. Wieder finden wir so ziemlich alle Straßenzustände und -beläge vor, haben den vollen Genuß und schlucken jede Menge Dreck. Im Tiefsand kracht uns plötzlich irgend etwas von unten gegen das Bodenblech und Uwe steigt aus und lässt sich auf die Knie neben dem Wagen fallen. Er rechnet damit, dass der Tank oder die Benzinleitung beschädigt ist und er das Loch irgendwie zudrücken kann. Von hinten muss dieser Kniefall jedenfalls total dramatisch ausgesehen haben. Unserem Fahrzeugunterteil ist jedenfalls nichts passiert. Statt dessen steckt ein faustdicker Stock im Aluminiumtrittbrett neben der Fahrertür. Es gelingt Uwe zwar, den Stock herauszuziehen, aber der hat ein dickes Loch hinterlassen. Tja, das können wir nun auch nicht ändern. Dafür sind wir vollkaskoversichert und er war weder zu schnell noch konnte er den Stock sehen. Wir könnten es auch einem Elefantenstoßzahn zuschreiben. *grins*

Unser Weg bis Kasane bzw. Kazungula zieht sich bis wir endlich im nördlichen Teil des Chobe NP und damit wieder auf geteerter Straße sind. Hier hat es kurz zuvor gebrannt und an einigen Straßenabschnitten brennt das dürre Gras sogar noch. Dort kann man sehen, dass nur das trockene Gras abfackelt und die Bäume und Büsche unversehrt bleiben. Es leuchtet ein, dass man durch diese Buschfeuer tatsächlich durchfahren kann.

     

Am nördlichen Eingang zum Chobe NP haben wir Glück, dass nicht noch einmal Eintritt fällig wird und wir mit dem Ticket von heute morgen passieren dürfen.

Kasane ist nicht annähernd mit Maun vergleichbar und eher klein und übersichtlich. Heute zum Sonntag ist hier „tote Hose“. Wir finden die Kubu-Lodge im Nachbarort Kazungula schnell und sind begeistert über dieses kleine Paradies am Chobe River. Die Lodge hat eine wunderschöne Parkanlage in die die beschaulichen Chalets gut integriert sind. Die Chalets sind naturnah ausgestaltet und urgemütlich. Es ist wenig los und schön ruhig. Den ordentlichen Wasserdruck nutze ich gleich erst einmal für eine längst fällige Haarwäsche.

     

Danach machen wir uns noch einmal auf den Weg nach Kasane um die beiden kaputten Reifen von Marc reparieren zu lassen. Conny und ich wollen einen Blick in den Craft Shop an der Chobe Safari Lodge werfen. Beim Aussteigen stellt Uwe fest, dass gerade auch der dritte Reifen an Marc`s Auto kräftig Luft verliert und in Kürze platt sein wird. Nun wird die Reifenreparatur zum vordringlichen Problem erklärt. Wir bleiben im Craft Shop und können alles ausführlich betrachten. Die Männer machen sich auf die Suche nach einer Reifenreparaturwerkstatt. Blöderweise sind wir ohne Geld und Kreditkarten aber da die Männer versprochen haben, uns hier wieder abzuholen, stellt das für uns (noch) kein Problem dar. Wir können ja nicht ahnen, dass sich die Suche nach einer Reifenreparaturwerkstatt zu einer echten Herausforderung gestalten wird. Inzwischen kennen wir längst jede Holzfigur in dem Laden persönlich und haben uns ein kleines Häufchen angelegt mit den Dingen, die wir gebrauchen können. Längst haben wir es uns auf der Bank vor dem Geschäft in den vielen Kissen gemütlich gemacht und überlegen schon, ob wir die Beine hoch legen oder doch in die Bar der Chobe Safari Lodge umsiedeln sollen. Die vorbeiflanierende Warzenschweinfamilie bringt zwar kurzzeitig etwas Abwechslung in die Warterei aber auch die sind schneller weg als unsere Männer wieder da. Mein Gott, wo bleiben die nur?? Endlich, nach mehr als einer Stunde Warterei kommt das Auto um die Kurve; aber das sitzt ja nur Marc drin. Wo bitte ist Uwe? Marc springt aus dem Auto und ist völlig aufgedreht. Er erzählt, dass die Tankstelle in Kasane vor einigen Tagen abgebrannt ist und der Reifenservice dort nicht mehr existiert. Irgendwie haben sie dann eine Adresse bekommen, wo Reifen repariert werden und das ist hier irgendwie ganz verwinkelt mehrere Querstraßen rein und hinter. Uwe wartet dort und hatte Marc geschickt, uns abzuholen. Uns wird himmelangst. Wird Marc diesen komplizierten Weg jemals wieder finden, damit wir Uwe einsammeln können oder habe ich hier gerade mitten in Botswana meinen Mann verloren? Hey, den brauch ich noch! Marc wäre der erste Mann den ich kenne mit einem guten Orientierungssinn. So aufgedreht wie er gerade ist, haben wir so unsere Zweifel und so fragen wir ganz vorsichtig, ob er denn sicher ist, dass wir das je wieder finden. Er meint, das sei ganz easy und kein Problem – alles im Griff. Wir müssen allerdings zweimal wenden, bevor wir die richtige Querstraße erwischen. Als klar wird, dass wir in das Homeland fahren, wo Sonntag Abend die Hölle los ist, kann Conny nur noch fassungslos fragen „wie, hier hast Du Papa abgesetzt?“. Sein „ja klar“ macht uns nicht gerade ruhiger und wir sind sehr erleichtert, als wir Uwe dann an der Straße stehen sehen. Um ihn herum ist ziemliches Gewusel und er ist eine kleine Attraktion, aber ihm macht das nichts aus. Inzwischen sind zwei der drei Reifen repariert. Bei einem der Reifen ist eine Reparatur nicht mehr möglich und Uwe soll für alles gerade mal 40 Pula zahlen. Er rundet großzügig auf und so kann die Großfamilie sich wieder ihrem gemeinsamen Sonntagsmahl widmen. Wir sind froh, dass alles erledigt ist und wir Uwe unbeschadet wieder haben. Marc ist von diesem Erlebnis sehr beeindruckt, zumal auch die Art, wie die Reifen geflickt werden, für ihn völlig neu ist. Ja, das war Afrika pur. Und schon wieder hat natürlich keiner die Kamera zur Hand.

Nun haben wir genug Abenteuer für heute und lassen den Tag bei einem gemütlichen Abendessen in der Lodge ausklingen.

 

17. September 2007  Kubu Lodge (Kazungula)
Heute tun wir gar nichts. Uwe entdeckt im Garten der Lodge eine ca. 1 m lange grüne Schlange, die er erst einmal für eine grüne Mamba hält und entsprechend hohen Blutdruck bekommt. Inzwischen sitzt sie in einem Busch, ist aber ziemlich nervös. Sie zu fotografieren erscheint uns doch etwas zu gefährlich. Inzwischen kommt Pinapel, der Gärtner dazu und erklärt uns, dass dies eine grüne Wasserschlange ist – aber eben auch giftig (unser Schlangenbuch sagt später „harmless“). Vor unseren Augen fängt er die Schlange mit einer Schlinge und wir können sie sogar anfassen. Sie hat eine ganz weiche Haut und fasst sich irgendwie gut an. Auf jeden Fall eine interessante Erfahrung.

Später lässt sich Uwe von seinem neuen Freund zeigen, wie man so eine Schlinge baut, mit der er die Schlange gefangen hat. „Man kann ja nie wissen.“ – unser Buschmann!

     

Wir nutzen den Tag zum relaxen und schlafen und genießen die Ruhe der Lodge. Uwe lässt von seinem neuen Freund noch das Auto waschen und eine Innenreinigung machen. Dafür lassen wir ihm dann ein kleines Überraschungspaket mit Klamotten und die Lebensmittelreste vom campen da.

 

18. September 2007  Kazungula – Livingston Victoria Fälle (Stanley Safari Lodge)
Heute wollen wir mit der Fähre von Kazungula nach Zambia übersetzen. An der Straße stehen unzählige LKW, die auf ihre Abfertigung warten und wir beschließen, an diesen vorbei zu fahren. Lt. Reiseführer werden PKW und Busse vorrangig behandelt. Die Ausreise aus Botswana gestaltet sich noch halbwegs transparent. Alles läuft irgendwie sehr lustlos ab und die Formalitäten mit den vielen Registrierungsbüchern sind schwer nachvollziehbar. Hinter uns in der Warteschlange steht ein junger Mann, der Uwe dann später bei den Formalitäten auf sambischer Seite hilft. Die Fähre selbst ist in einem gruseligen Zustand und man hält es eigentlich nicht für möglich, dass die überhaupt am anderen Ufer ankommt. Auf sie passt genau ein Bus oder LKW und 3 PKW. Bevor wir auf die Fähre fahren dürfen, werden wir von unzähligen Farbigen umringt, die uns irgend etwas verkaufen wollen. Wir reagieren natürlich nicht. Irgendwann - man kann noch nicht einmal erkennen, dass es sich um eine amtliche Person handelt – wird uns klar gemacht, dass Beifahrer zu Fuß auf die Fähre gehen müssen. Also gut, dann muss ich eben durch den Dreck laufen. Das dürfen wir aber auch nicht und werden von dem vorbeifahrenden Reisebus erst einmal in eine große Staub-/Dreckwolke gehüllt. Erst als alle Fahrzeuge auf der Fähre sind, dürfen auch die vielen Fußgänger drauf. Es herrscht ein absolutes Gewusel und man kann keinerlei System oder Struktur erkennen. Die Überfahrt ist zum Glück sehr kurz und wir sind auch nicht untergegangen. Die Frage des jungen Mannes, ob ich schwimmen kann, war aber sicherlich nicht so ganz unberechtigt. Er konnte nicht und so schien es ihn zu beruhigen, neben mir zu sitzen. Dank Offroadfahrzeug ist auch das Verlassen der Fähre kein großes Problem (für normale PKW aber schon) und dann stehen wir im nächsten Gewusel. Alle Fahrzeuge parken kreuz und quer, man muss über Stock und Stein, um ebenfalls irgendwo quer zu parken und die Einreiseformalitäten für Zambia abwickeln zu können. Alle möglichen Daten müssen in 2 Bücher und ein Formular eintragen, die Nummer des Formulars dann wieder in einem anderen Registrierungsbuch vermerkt werden. Zwischendurch macht der Grenzbeamte dann erst einmal 45 Minuten Mittagspause und eine lange Schlange wartet. Der freundliche junge Mannes aus der Warteschlange bei der Ausreise aus Botswana zeigt Uwe und Marc dann, wo sie überall hin müssen und welche Wege der Reihe nach zu absolvieren sind, damit alle Formalitäten ordnungsgemäß abgewickelt werden. Für diesen Grenzübertritt sind insgesamt rund 170 Euro „Eintritt“ zu zahlen. Ein stolzer Preis! Nun wird Uwe auch klar, was ihm die jungen Männer an der Fähre verkaufen wollten. Für 20 Pula wollten sie ihn in die Geheimnisse der Einreiseformalitäten einweihen. Eine unglaubliche Bürokratie die eher dazu dient, Touristen zu verschrecken als ins Land zu holen.

Während die Männer mit dem Papierkrieg beschäftigt sind, können wir inzwischen das Treiben beobachten. Einige Reiseveranstalter setzen tatsächlich ihre Gäste am Grenztor ab und die Touris müssen dann allein die Formalitäten machen. Das ist ja dann wohl das Letzte. Wenn schon eine organisierte Reise, dann will man bei so was aber auch betreut werden. Und dieses Vorgehen war kein Einzelfall.

Irgendwann haben es die Beiden geschafft und wir können endlich unsere Fahrt fortsetzen. Conny und mich wollte man an der Grenze noch nicht einmal sehen. Ich möchte gar nicht wissen, wie lange die LKW`s warten müssen, bis sie abgefertigt sind und übersetzen dürfen.

     

Insgesamt scheint Zambia noch ärmer zu sein als Botswana, macht aber insgesamt einen noch  freundlicheren und aufgeschlosseneren Eindruck als Botswana. Das Leben der Menschen findet unmittelbar an der Straße statt. Da wird Wäsche gewaschen, werden Versammlungen abgehalten, es werden gerade zwei Kühe geschlachtet und Holzkohle verkauft.

Wir haben Livingstone schnell erreicht und dieser Ort ist schon richtig erschlossen. Es gibt ein modernes Einkaufscenter und auch sonst scheint der Ort sich für den Tourismus zu rüsten. Die Stanley Safari Lodge befindet sich kurz hinter Livingstone und dank einer guten Beschreibung haben wir sie schnell gefunden. Die Lodge liegt auf einer Anhöhe und man hat von hier aus einen wunderschönen Blick auf die Ebene und die Victoriafälle, die man an ihrem Wasserdampf erkennen kann. Im Moment haben die Fälle sehr wenig Wasser, das täglich weniger wird. Mal sehen, ob es ausreicht, dass wir uns ein Bild von diesem Naturwunder machen können.

     

Der Empfang in der Lodge ist herzlich und unser „Bird-Room“ ausgesprochen idyllisch. Das Chalet ist nach vorn gänzlich offen und gewährt einen freien Blick auf die Fälle und den angrenzenden Mosi-oa-Tunya Game Park sowie ein Wasserloch. Sowohl Badezimmer als auch Toilette sind mehr oder minder im Freien und geben dem Ganzen ein besonderes Flair. Alles ist sehr geschmackvoll ausgestattet und der Service ist erstklassig. Wir können nicht nur wählen wann wir essen wollen sondern auch wo. Dabei gibt es unzählige Möglichkeiten, wo das Essen serviert werden kann. Wir entscheiden uns für einen netten Platz im Garten neben dem Pool und unser persönlicher Kellner muss abends ganz schön jonglieren, dass er die vielen Stufen im Dunklen alle trifft.

     

Nachdem jeder von uns sein Reich für die nächsten 2 bzw. 3 Tage inspiziert hat, wollen wir natürlich so schnell wie möglich die Victoriafälle sehen. Ein Guide bringt uns hin und begleitet uns. Den anfänglichen Beschreibungen zur erdgeschichtlichen Entstehung der Fälle lauschen wir nur mit halbem Ohr, denn unsere Aufmerksamkeit beanspruchen die vielen frechen Meerkatzen mehr. Endlich dürfen wir dann auch den ersten Blick auf die Wasserfälle werfen. Wow sind die groß. 110 Meter fällt das Wasser in die Tiefe und auch wenn jetzt nur noch relativ wenig Wasserkaskaden in die Tiefe stürzen, ist es ein spektakulärer Anblick.  Wir genießen den Panoramaweg und versuchen natürlich, das Naturschauspiel im Bild festzuhalten, auch wenn das nachmittägliche Gegenlicht nicht gerade optimale Bedingungen bietet. Wahrscheinlich hat der Guide noch nie so lange für diese Tour gebraucht wie mit uns. Trotzdem ist er ausgesprochen geduldig und freundlich. Schade, dass die Fälle schon vor Sonnenuntergang schließen und so müssen wir die letzte Strecke des Weges ziemlich zügig zurücklegen. Auf dem Weg zum Fahrzeug gönnen wir uns natürlich auch noch einen (bzw. mehrere) Blicke auf den großen Holzmarkt, auf dem wirklich auch tolle Arbeiten angeboten werden. Nach zähen Verhandlungen ersteht Uwe schon mal schnell ein wunderschönes Ebenholz-Hippo für seinen Schreibtisch. Hier müssen wir uns morgen noch einmal mit mehr Zeit umsehen.

     

Der Guide bringt uns zurück zur Lodge und kurze Zeit später können wir ein tolles Abendessen im Garten der Lodge genießen. Schade, dass die Gruppe Inder, die zwischenzeitlich angekommen ist, die herrliche Ruhe stört.

     

19. September 2007  Victoria Fälle (Stanley Safari Lodge)
Auch hier bekommen wir den Kaffee/Tee ans Bett gebracht. Bei dieser herrlichen Aussicht will man eigentlich gar nicht aufstehen. Heute soll aber in Livingstone Island gebadet werden. Das ist nur möglich, wenn der Sambesi sehr wenig Wasser hat. Erst dann kann man in den Pools direkt vor den Fällen baden. Da ich ziemlich Höhenangst habe, verkneife ich mir den Fun und gebe lieber den Hofberichterstatter. Gleich nach dem Frühstück bringt uns ein Guide zum Royal Livingstone Hotel und von dort geht es mit dem Motorboot auf dem Sambesi bis zu Livingstone Island.

     

Marc, Conny und Uwe schwimmen dem Guide hinterher zu den Fällen und ich nutze die Zeit, die beiden herrlichen Regenbögen über den Fällen zu fotografieren. Es ist ein traumhafter Anblick. Zwischendurch muss ich immer mal wieder die Kamera trocken wischen, wenn der Wind die Gicht herüberweht. Während dessen haben die 3 ihren ganz besonderen Nervenkitzel.  Der Guide fordert einen nach dem anderen auf, in einen Pool zu springen, der sich unmittelbar vor den Klippen befindet, über die das Wasser stürzt und in dem ca. 5 Leute Platz haben. Conny will zuerst springen, aber das lässt Uwe nicht zu und bevor sie sich irgendwie verletzt, springt er lieber zuerst. Das sieht für die Betrachter der Falls von der Zimbawe-Seite wohl sehr spektakulär aus. Auf jeden Fall kann ich beobachten, wie die alle ihre Ferngläser hoch reißen und angespannt zu der Gruppe hinüberblicken. Für die muss es wohl so aussehen, als ob da jemand seinen schlechten Tag hat und die Fälle runter springen will. Nachdem alle in den kleinen Pool gesprungen sind, wird jeder vorsichtig über die Felskante geschoben und kann so direkt die 110 Meter in die Tiefe schauen. Der Guide macht fleißig mit allen Kameras Fotos, die recht spektakulär aussehen. Wieder festen Boden unter den Füßen sind alle schwer beeindruckt von diesem einmaligen Erlebnis. Bei meiner Höhenangst bin ich allerdings nicht wirklich traurig, auf dieses Spektakel verzichtet zu haben.

     

Wir bekommen noch ein leckeres zweites Frühstück direkt auf Livingstone Island und das, obwohl ein Elefant die Freiluftküche hier ziemlich zerlegt hat. Nun gibt man sich alle Mühe, ihn mit allerlei Mitteln zu vertreiben. Da werden Chilischoten verbrannt, mit Petroleum getränkte Tücher aufgehangen, Seile gespannt u. a.  Ich finde, der Elefant hat einen wirklich guten Geschmack, sich ausgerechnet Livingstone Island als Wohngegend auszusuchen. Es ist wirklich schön hier.

Nach dem Lunch werden wir mit dem Boot zurück ins Hotel Livingstone gebracht und dort erwartet uns unser Guide, der uns in die Lodge bringt. Wir nutzen den Tag, um am Pool zu relaxen. Die indische Gruppe  ist unterwegs und so herrscht hier eine göttliche Ruhe. Man kann sogar die Wasserfälle hören.

Inzwischen hat Conny die Zeit genutzt, um ihre Sachen auszusortieren. Für die Kinder endet leider der Urlaub hier und übermorgen geht es zurück nach Deutschland. Klara, die Managerin der Lodge, hatte uns erzählt, dass die Leute auf dem Holzmarkt auch gern ihre Waren gegen Bekleidung eintauschen und so haben die Kinder eine Tüte mit Sachen zum handeln gepackt. Am Nachmittag nutzen wir die Zeit, um noch einmal in aller Ruhe über den Holzmarkt zu bummeln. Schließlich will jeder ein Hippo für seinen Schreibtisch und ich träume immer noch von einem großen, auch wenn ich nicht weiß, wie ich das nach Hause bringen soll. DHL lässt sich in seine Preise nicht reinschauen.

Wir lassen uns von Klara 100 US$ geben und stürzen uns in den Trubel. Keiner der Händler lässt zu, dass wir seinen Stand auslassen und jeder will natürlich verkaufen. Während wir recht schnell 2 wunderschön gezeichnete Ebenholz-Hippos für den Schreibtisch gefunden haben, gestalten sich bei Conny und Marc die Verhandlungen zäher. Sie kosten Marc seine Socken (die er an hat) und eine Hose gegen eine kleine Hippofamilie. Beide Seiten haben ziemlich Spaß an den Verhandlungen. Ein Salatbesteck, ebenfalls in Ebenholz, führt auch bei uns zu einem zähen ringen um den Preis. Am Ende sind beide Seiten zufrieden, auch wenn der Preis von 22 US$ nicht unbedingt ein Schnäppchen ist. Dafür ist es einmalig und eine wirklich wunderschöne und saubere Arbeit. Man darf schließlich auch nicht vergessen, dass die Menschen hier den Lebensunterhalt für eine Familie verdienen müssen und wohlhabend ist keiner von denen. So sehen wir das auch als eine Art Sponsoring. Einen der Verkäufer mit einem guten und soliden Angebot und bescheidenem Auftreten haben wir sofort ins Herz geschlossen. Er dagegen Marc`s alte adidas-Turnschuhe, die er im Moment trägt.

Wir sind eine Weile am überlegen, ob die beiden Figuren oder die beiden Masken besser zu uns passen. Letztlich fällt unsere Entscheidung auf die Figuren und wir können einen guten Preis mit ihm vereinbaren. Mehr zum Spaß bietet Marc dann seine Turnschuhe gegen die beiden Masken und die Liebe des Händlers zu den Schuhen ist so groß, dass Marc seine Masken bekommt. Der Händler freut sich diebisch, dass die Schuhe auch noch seine Größe haben und ist happy. Wir lachen uns schlapp denn nun steht Marc barfuß da. Zum Glück steht das Auto nur wenige Meter entfernt und Marc ist stolz auf seinen guten Deal. Conny versetzt noch ihr Kopftuch gegen einen Anhänger und zwei Ebenholzarmreifen mit Büffelhorn finden wir auch noch. So sind alle glücklich und wir kehren zur Lodge zurück. Der Weg zwischen Lodge und Parkplatz ist mit kleinen scharfkantigen Kieselsteinen aufgefüllt und den muss Marc nun barfuß bewältigen – keine echte Freude. Ich weiß nicht, ob er hier seinen Übermut bereut hat. Auf alle Fälle hatten wir alle viel Spaß und die erkämpften Gegenstände werden uns an diese tollen Erlebnisse zurück erinnern.

     

Abends genießen wir unser letztes gemeinsames Dinner und bedauern, dass für die Kinder der erlebnisreiche Urlaub nun schon fast zu Ende geht.

     

20. September 2007  Victoria Falls – Lianshulu Lodge (Mudum NP)
Heute ist der Tag des Abschieds. Hier trennen sich leider unsere Wege. Die Kinder bleiben noch 1 Tag in der Lodge und fliegen dann über Vic-Falls zurück nach Windhoek, wo ihr Anschlussflug geht. Der Airport Vic-Falls ist auf Zimbawe-Seite und sie haben möglicherweise noch ein kleines Abenteuer vor sich. Morgen wird der Mietwagen an der Lodge abgeholt und für den Transfer zum Airport ist ein Shuttle gebucht. Mal sehen, ob das alles so glatt geht.

Unsere Reise dauert noch 2 Wochen an und führt uns jetzt erst einmal in den Caprivi-Streifen zurück nach Namibia. Heute erwartet uns die Lianshulu-Lodge im Mudumu NP. Auf dem Weg nach Livingstone trauen wir unseren Augen nicht. Da stehen mitten auf der Hauptstraße mehrere Elefanten und sind gemütlich am fressen. Sie lassen sich von dem Verkehr auch nicht aus der Ruhe bringen und wer passieren will, der muss schon in einem ordentlichen Bogen um sie herum fahren.

Uns erwartet heute also wieder ein Grenzübertritt und eigentlich hat Uwe noch die Nase voll von der Einreise nach Zambia. Entsprechend ist er schon auf Einiges gefasst. Wir beschliessen, bis Katima Mulilo auf sambischer Seite zu fahren und in Katima Mulilo die neue Brücke zu nehmen. Angeblich geht das reibungslos. Schauen wir mal.

Unterwegs, die Straße ist geteert, sieht man auf sambischer Seite viele Fahrräder aber auch wirkliche Armut. Gerade sind wir an einem Viehmarkt vorbeigefahren und nun kommt schon wieder eine Veterinärkontrolle – diesmal in unsere Richtung. Die übertrifft dann alles bisher erlebte, denn hier gibt es nicht nur eine ordentliche Ladung Desinfektionslösung auf die Schuhe und die Reifen sondern die besprühen mit der Brühe auch unsere Hände. Anschließend dürfen wir das Zeug mit ein paar Tropfen Wasser (aber wirklich nur ein paar!) aus einem Kanister abspülen. So schlau, da nicht in Flipflops raus zu treten, bin ich schon lange und der Gedanke, das Zeug auch noch über meine Füße zu bekommen, gruselt mich. Wir danken dem lieben Gott, dass es Sprühwasser gibt und so sind wir erst einmal damit beschäftigt, das Zeug wieder abzuwaschen.

In Katima Mulilo passieren wir die Brücke und an der Grenze ist relativ wenig los. Die rechts und links stehenden Grenzhäuschen halten wir für das Sambische und das Namibische Häuschen und erst als Uwe den Namibischen Stempel in den Pass bekommt wird klar, dass wir die Sambische Grenze schon passiert haben müssen. Ich erinnere mich an Andreas mahnende Worte, dass wir das Häuschen nach der Brücke links nicht übersehen dürfen. Das galt aber für die Einreise und wir sehen keinen Grund, wozu wir den Stempel bei der Ausreise brauchen, wenn ihn Namibia nicht sehen will. Also sind wir defacto in Zambia noch gar nicht ausgereist. Die Grenzformalitäten sind überraschend einfach und es geht wirklich ganz unproblematisch. Links rein in die Registrierung und rechtes Häuschen Passport – nix Gebühren und keine Probleme.

Bis zum Abzweig ins Linyanti-Gebiet können wir geteerte Straße fahren und nach dem Abzweig in den Mudumu NP sind es noch 13 km bis zur Lianshulu-Lodge. Nach den Beschreibungen (und dem Preis) erwartet uns hier noch einmal eine echte Idylle und unsere Erwartungen sind entsprechend hoch. Statt dessen ist die Lodge ziemlich heruntergewirtschaftet und es ist nicht nachvollziehbar, wem hier das Management obliegt. Hier gibt es eine Menge Häuptlinge aber keine Struktur. Das Hauptgebäude ist hübsch gestaltet und hat eine schöne Lage direkt am Wasser. Die Anlage wirkt insgesamt sehr ungepflegt und verwildert und von den Chalets aus hat man vor lauter Geäst und Gestrüpp leider kaum Ausblick auf das Wasser. Gut, das hier ist ein Buschcamp aber es ist einfach schade, denn direkt am Ufer grasen regelmäßig die Hippos. Die Einrichtung der Chalets ist ziemlich abgewohnt und recht lieblos. Das Personal ist zwar nett aber Service gibt es kaum. Die Lodge ist fest in deutscher Hand; d. h. es sind ausschließlich deutsche Gäste hier. Wieder einmal ist als erstes die Absolutionserklärung zu unterschreiben, denn das Camp wird regelmäßig von Elefanten besucht. Die Hippos am Fluß hält man mit einem Elektrozaun auf Distanz.

     

Um 16:00 Uhr wird am Bootssteg Kaffe und Kuchen gereicht. Der heutige „Kuchen“ sind die Brötchen von gestern mit einem Klecks Marmelade und etwas Sahne und während wir uns fragend ansehen, sind die anderen Gäste entzückt. Wir machen die Bootstour mit, die uns zwar einen Überblick über das Gebiet verschafft, aber zum fotografieren recht ungeeignet ist. Dafür sind zu viele Menschen auf dem Boot und auf Fotografen wird keine besondere Rücksicht genommen. Der Guide fährt mitten in einen Hippo-Pool, (was aus unserer Sicht ziemlich riskant werden kann) und wir bekommen sogar den großen Kingfisher zu Gesicht. Da aber die Strömung hier überall sehr stark ist, lässt sich das Boot nicht halten und so bleibt es beim Betrachten des großen Vogels. Für uns sind 9 Deutsche auf einem Boot mindestens 7 zu viel und so verzichten wir auf weitere Bootstouren dieser Art. Unterwegs treffen wir auf ein weiteres Boot einer angrenzenden Lodge und können uns kaum das Lachen verkneifen. Die Passagiere sehen alle aus wie Statisten aus „Jenseits von Afrika“ und wir erwarten, dass um die nächste Kurve das Kamerateam kommt.

     

Am Bootsanlegesteg bekommen wir bei der Rückkehr eine Taschenlampe und werden dann zum Abendessen abgeholt. Da steht tatsächlich ein Begleitkomitee von 4 Leuten vor der Tür, um uns die paar Meter zum Essen zu geleiten. Dabei werden wir das Gefühl nicht los, dass die mehr Angst haben als wir. Nach dem Abendessen läuft dann das ganze Spiel noch einmal rückwärts ab und wir werden ins Bett geleitet. Mann das nervt! Sind wir hier im Busch oder im Kindergarten Krabbelgruppe? Im Busch hat uns auch keiner das Händchen gehalten! Nachts kommt der Eli wieder und frisst auch um unser Chalet herum aber bei dem vielen Gestrüpp hier kann er noch ein paar mal wiederkommen.

 

21. September 2007  Lianshulu Lodge
Den morgendlichen Gamedrive verkneifen wir uns und schlafen lieber aus. Die Lodge wird regelmäßig von Meerkatzen und Mangusten heimgesucht und so versuchen wir, die zu fotografieren. Wir verbringen den Tag mit relaxen und bereuen eigentlich schon, hier 3 Nächte gebucht zu haben.

Bei einem abendlichen Gespräch mit einem der Guides gelingt es Uwe dann, für morgen früh eine individuelle Birding-Extrabootstour für uns beide zu organisieren.

Nachts kommt wieder der Eli und versucht sich als Gärtner. Er schafft es aber auch nicht, hier ein wenig Ordnung zu machen und ich kann hören, wie er an unserer Lodge schnuppert. Schließlich hängen die Orangen gleich neben der Tür. Er zieht es aber dann doch vor, sich im Garten der Manager durchzufressen. Braver Eli!

 

22. September 2007  Lianshulu Lodge
Um 7:30 Uhr starten wir mit Eric, einem der Manager unsere Bootstour. Eric hat geübte Augen und kann uns allerhand interessante Vögel zeigen. Der Artenreichtum bleibt aber dennoch weit hinter dem im Kanana-Camp zurück. Nach der Bootstour frühstücken wir und brechen dann zu unserem eigenen Gamedrive auf. Eric hatte uns noch ein paar Tipps und eine Karte mitgegeben und so erkunden wir die Gegend auf eigene Faust mit dem Auto. Der von ihm empfohlene Hippo-Pool ist auch wirklich sehr schön und wir beschließen, hier heute Abend den Sonnenuntergang zu genießen.

     

Wasser gibt es nur am Rande des Mudumu NP, also da, wo der Kwando River fließt und so beschränken wir unsere Exkursion auf dieses Gebiet. Wir fahren an die Stelle, wo die Boma steht, d. h. die Fangzäune, mit denen die Wildtiere eingefangen werden. Dort können wir einen Malachiteisvogel beobachten. Wir bekommen auch ein paar Tiere zu sehen, aber wegen der mittäglichen Hitze sind das eher wenig. Inzwischen ist es einfach zu heiß und so beschließen wir, abends noch einmal los zu ziehen. Außer einem angefütterten Lodge-Krokodil haben wir auch hier noch kein einziges Krokodil gesehen und dabei dachte ich, es wimmelt hier von Krokos. Eigentlich wollte ich gern noch in das 13 km entfernte Lizauli Traditional Village, wo man die Lebensweise der hiesigen Einwohner besichtigen kann, aber irgendwie haben wir dann doch keine Lust und unsere namibischen Dollar sind im Moment auch knapp. Die Lodge kann uns keine geben und so wird es Zeit, dass wir nach Rundu kommen. (Rundu – zuletzt berühmt geworden für Kreditkartenbetrug am Geldautomaten.)

Zurück in der Lodge verbummeln wir noch etwas die Zeit, um später noch einmal zum Hippo-Pool aufzubrechen. In der Ferne sehen wir 3 Elis gemütlich anmarschieren und auf der anderen Seite trinken. Zwei Hippos kommen gerade vom grasen und begeben sich wieder ins Wasser. Auf der anderen Seite des Sees sehen wir hunderte von karminroten Bienenfressern, die dort trinken und sich ihre Höhlen in den Sand bauen. Das Problem ist nur, dass da, wo die Vögel sind, kein Weg ist und so umrunden wir das Gebiet ohne Erfolg. Nun wollen wir diese Vögel schon lange fotografieren und die Erfahrung, dass, wenn Uwe sich etwas in den Kopf gesetzt hat, er auch schon mal mit dem selbigen durch die Wand geht, kennen wir ja schon. Diesmal schnappt er sich kurz entschlossen seine „große Tüte“ und das Stativ und ich bekomme die Anweisung, bei Gefahr zu hupen. So marschiert er die 200 Meter am gut übersichtlichen Ufer entlang zu den Vögeln. Als Deckung dient ihm ein Baum und so kann er einige (hoffentlich gute) Bilder von den Vögeln machen. Ok, mein Sunset besteht nun aus beobachten. Die Hippos im Pool machen mich etwas nervös, denn sie beäugen die Situation ziemlich aufmerksam. Die 3 Elis, die da gemütlich unterwegs sind, stören mich dagegen wenig. Hier ist überall Wasser und sie können an jeder Stelle trinken. Was sollte ich sie da stören? Erst als die Elis nur noch rund 100 Meter von mir entfernt sind, fällt mir auf, dass sie nicht trinken wollen, sondern in die Richtung laufen, in der Uwe ist. So scheint es mir gerechtfertigt, ihn wenigstens mal auf die 3 jungen Bullen aufmerksam zu machen. Inzwischen kann ich meinen Mann schon nicht mehr sehen, denn er hat sich an die Vögel angerobbt. Also hupe ich. Zum Glück reagiert Uwe sofort – aber die Elis auch. Sie bleiben stehen. Uwe entscheidet sich für den Rückweg und so halte ich sie mit leichtem Trommeln auf die Windschutzscheibe etwas auf Distanz. Inzwischen haben sie ihren Rüssel aufgestellt und schnuppern nach uns. Uwe trabt in schnellem Tempo – soweit das schwere Objektiv + Stativ das zulassen, schwer atmend heran. Ok, die Elis sind harmlos, wandern weiter und gehen tatsächlich genau an die Stelle, wo Uwe war. Dort verjagen sie die Bienenfresser und trampeln deren frisch gebuddelte Löcher zu. Das war Adrenalin pur. Abends erzählen wir Eric unsere Beobachtung von den Bienenfressern und er meint auch nur, da hilft nur zu Fuß hingehen. Gut, das hatten wir gemacht. Schade, dass wir unsere Entdeckung morgen nicht weiter fortführen können. Bestimmt kommen die Vögel wieder.

     

Zwischendurch haben wir am Hippo-Pool kurzzeitig Handyempfang und erhalten eine Nachricht von den Kindern, dass sie gut angekommen sind. Wir sind erleichtert.

Wir fahren zurück zur Lodge und nach dem Abendessen gehen wir gleich zu Bett. Morgen haben wir eine relativ lange Strecke bis Rundu. Die Straße ist zwar geteert, aber wir wollen noch den Abstecher zu den Popa-Falls machen.

Gerade als wir ins Bett gehen wollen, werden Uwe plötzlich die Knie weich und ich muss ihn stützen, dass er nicht zusammensackt. Er klagt über Taubheit in den Händen, Schwindelgefühl, Druck und Enge in der Brust und ist kalt und schweißnass. Mir wird himmelangst. Das sind alles Anzeichen für einen Herzinfarkt. War das Erlebnis mit den Elis und der kleine Spurt unter der Last seiner Ausrüstung zu viel? Glücklicherweise schlägt sein Herz aber ganz ruhig und gleichmäßig und die Taubheit in den Händen legt sich schnell, als ich ihm die Hände massiere. Zwar schlafe ich irgendwann ein, aber so richtig schlafen kann ich nicht.

Erst als bei ihm das gesamte Abendessen den rückwärtigen Gang antritt und dann auch der Durchfall kommt, wird klar, dass die Kreislaufschwäche die erste Stufe einer schweren Magen-Darm-Infektion war. So ist Uwe die ganze Nacht unterwegs und will nur noch sterben. Ich kann mir vorstellen, wie es ihm geht und erinnere mich an meine Erkrankung damals in Tunesien. Die Frage ist, wo hat er das her?

 

23. September 2007  Lianshulu Lodge – Rundu
Noch bei Sonnenaufgang erbricht er und den ersten Tee, den ich ihm besorge, behält er auch nicht. An unsere heutige Abreise ist im Moment nicht zu denken und ich bereite das Management schon einmal darauf vor. Glücklicherweise wird unsere Lodge heute nicht gebraucht und so ist der Druck weg. Uwe ist total fertig, kraftlos und meint, so elend sei ihm noch nie gewesen. Alles, was er flüssig irgendwie zu sich nimmt, findet sofort einen Weg nach draußen und es ist fast nicht möglich, ihm wenigstens eine Tablette zu verabreichen. Glücklicherweise haben wir genügend Durchfallmittel dabei aber die vollbringen auch nicht gleich sofort Wunder und zuerst müssen sie mal drin bleiben. Während Uwe noch etwas schläft, habe ich schon mal ein wenig gefrühstückt und vorsorglich unsere Sachen gepackt. Mir ist klar; wenn wir hier weg wollen, dann muss ich den „Krankenwagen“ fahren. Irgendwann kurz vor 12:00 Uhr schafft Uwe es dann unter Einsatz aller Kräfte sich anzuziehen und bis ins Auto zu bewegen. Ok, dann muss ich heute die 500 km Linksverkehr bewältigen. Das geht aber alles besser als gedacht und ab der Teerstraße fährt das Auto eh fast von allein. Es ist komischerweise im Caprivi kein Verkehr und so ist auch egal, dass das Auto doch recht groß ist. Unterwegs bei Divundu gönne ich mir noch den Abstecher zu den Popa-Falls, die ja eigentlich nur Stromschnellen sind und bei Niedrigwasserstand am schönsten sein sollen.  Die Falls sind echt schwierig zu finden und ich mache erste Erfahrungen mit dem Tiefsand, den ich etwas zu zackig passiere. Beinah mähe ich dabei noch den Telegrafenmast um, der am Wegrand so blöd rumsteht. Das wäre zwar für unseren Kuhfang am Auto kein Problem, aber die angrenzende Rehabilitationsanstalt für Straffällige hätte eins. Lieber Gott lass uns bitte heute nicht noch einen Reifenschaden haben!

Direkt bei den Popa-Falls ist ein hübscher Campsite (ohne Komfort) innerhalb des Mahango GR. Die Fälle sind ausgesprochen nett und idyllisch gelegen. Es ist sehr schön hier und auch wenn Uwe das heute gar nicht interessiert, bin ich froh, den Abstecher gemacht zu haben. Wir hätten echt etwas verpasst.

     

Nachdem Uwe bis jetzt fast ausschließlich geschlafen hat, rafft er sich auf, doch wieder selbst zu fahren. Ich bin nach der Fotosession ziemlich alle und viel geschlafen habe ich letzte Nacht ja auch nicht. Mit vereinten Kräften – einer guckt, der andere lenkt – erreichen wir Rundu und so langsam stellt sich bei mir Hunger ein. Der passt natürlich so gar nicht zu Uwe`s momentaner Abneigung gegen Essen.

Unterwegs kommen wir an vielen Buschhütten vorbei und können uns eine Vorstellung davon machen, wie die Leute im Caprivi leben. Überall werden gerade frisch geschnittene Strohballen getrocknet, die für die Dächer der Strohhütten verwendet werden. Brennt das trockene Gras ab, haben die Leute hier in der Region kein Baumaterial für ihre Dächer. Das Wasser muss oft aus großen Entfernungen geholt werden und selbst Kinder, die gerade erst laufen können, werden mit einem viel zu großen Behältnis losgeschickt, um Wasser zu holen. Dabei ist es schon ein großer Fortschritt, dass in größeren Abständen Wassertanks stehen, aus denen sich die Leute der angrenzenden Ortschaften ihr Wasser holen können. Wege von 5 und mehr Kilometern sind dabei völlig normale Distanzen. Die Frauen mit ihren 20-25 Liter-Kanistern auf dem Kopf ringen uns echte Bewunderung ab. Wir bekommen noch nicht einmal ein Buch auf dem Kopf getragen. Oft ist ein Fahrrad der wertvollste Besitz einer Familie – echter Luxus - und auch das dient natürlich als Transportmittel.

       

Heute zum Sonntagabend tobt in Rundu der Bär und die Tambuti-Lodge liegt direkt am Beach. Hier ist gerade richtig Halligalli. Die Lodge ist unter schweizer Führung und die Bungalows sind zwar sauber, aber äußerst spartanisch ausgestattet und wirklich nur für 1 Nacht als Zwischenstation geeignet. Um Essen zu bekommen, müssen wir in eine der Lodges oben an der Hauptstraße. Vorher brauchen wir noch Geld aus dem Geldautomaten. Um Uwe nicht zu sehr zu quälen, bestelle ich mir Pizza zum mitnehmen. In der Zwischenzeit ihrer Entstehung lernen wir die Lebensgeschichte der kleinen namibischen Barangestellten kennen, deren Schwester mit einem Deutschen verheiratet ist und in Deutschland lebt. Schon beim Betreten der Location werden wir einem Sicherheitscheck wie beim Fliegen unterzogen und es fällt auf, dass die Security hier überall sehr präsent und sogar bewaffnet ist. Hat das mit der Nähe zur angolanischen Grenze zu tun? Die Lodgebetreiberin meint, es sei kein Problem mit den Angolanern und auch sonst wären die Sicherheitsvorkehrungen nicht anders als in Windhoek. Ist uns das in Windhoek nur nicht so aufgefallen? Na egal, es dient der Sicherheit. Auch das Lodgegelände wird von einem Security mit einer uralten „Flinte“ bewacht und da wir das erste Chalet haben, steht der buchstäblich vor der Tür und unserem Auto.

Ich ziehe mich mit meiner Pizza auf die Terrasse zurück und nachdem ich nicht alles schaffe, kann ich mit dem restlichen Viertel noch den Wachmann glücklich machen. Der fällt hoch erfreut und ziemlich gierig über das unerwartete Abendessen her.

Die Pizza war ziemlich fettig und gerade rechtzeitig fällt mir ein, dass wir seit Windhoek eine Flasche Whisky spazieren fahren. Mensch, warum nehmen wir die nicht, um unsere Magen zu desinfizieren, statt der Flasche die Welt zu zeigen? Also bekommt jeder einen kräftigen Schluck verordnet, der uns auch recht schnell in den Schlaf befördert. Hier im Caprivi ist es ziemlich schwülwarm und so geht es nachts fast nicht, auf den bereitgestellten Ventilator zu verzichten.

 

24. September 2007  Rundu – Etosha Pfanne
Das Frühstück hier ist ein echtes Trauerspiel und wir müssen schon sehr suchen, bis wir etwas zu Essen finden. Alles scheint abgezählt. Hier wird richtig gespart. Nur gut, dass sich unser Hunger ohnehin in Grenzen hält. Für 450 N$ kann man eben nicht mehr erwarten.

Dafür haben wir hier Netzempfang und telefonieren kurz mit Conny. Zu Hause ist alles ok und wir können beruhigt unsere Reise fortsetzen. Erst einmal tanken wir nach, versorgen uns mit Bananen, Äpfeln und Birnen und fallen dann pünktlich um 9:00 Uhr in eine Apotheke ein, um unseren Medikamentenvorrat aufzufüllen. Kompetent beraten und wieder gut ausgestattet können wir unsere Reise zur Etosha Pfanne fortsetzen. Heute erwartet uns die Mushara Lodge vor dem Osteingang der Pfanne unweit des Namutoni Gate. Unterwegs entscheiden wir uns für eine 100 km-Abkürzung über Gravelroad durch Farmland und gerade als wir an einer Wegkreuzung rätseln, wo die Straße weitergeht, kommt ein Farmer vorbei, der uns freundlich weiterhilft. Die Straße lässt sich gut fahren, so dass wir schon um 14:00 Uhr in der Mushara Lodge ankommen.

Die Lodge macht einen ausgesprochen guten Eindruck und ist mit sehr viel Liebe zum Detail ausgestattet. Sie fasst 30 Gäste, was gerade noch erträglich ist und die Chalets sind in angemessener Entfernung voneinander im Garten der Lodge platziert. Auf dem Gelände bewegen sich Kudus, Dikdiks, Warzenschweine, Spring- und Buschböcke und allerhand anderes Kleingetier frei.

Chalet  Bedroom  Lounge  

© by Mushara-Lodge

Um den Nachmittag nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, beschließen wir heute eine geführte Tour durch den Park zu machen und so fahren wir um 15:00 Uhr mit Petrus, unserem Guide in den Park. Das Personal am Eingang ist noch immer sehr unfreundlich aber wir sind sehr verblüfft, wie viel sich in Namutoni seit unserem Besuch im letztem Jahr schon verändert hat. Der Park hat dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen und es wird überall fieberhaft gebaut. Petrus erzählt, dass Halali und Okaukuejo schon vollständig renoviert wurden (war auch an der Zeit) und nun auch Namutoni total modernisiert wird. Das hat allerdings zur Folge, dass ab nächstem Jahr die Preise um 30 % angehoben werden sollen. Damit sind die Übernachtungspreise im Park dann aber höher als in den angrenzenden Lodges und man darf gespannt sein, wie diese Entwicklung weitergeht. Fakt ist auch, dass der Service im Park nicht stimmt und damit ein Missverhältnis zwischen Preis und Leistung entsteht. Das Hauptproblem - der Einschluss - ist damit auch nicht gelöst. Die Camps wären dann wieder attraktiver, wenn man die Möglichkeit hätte früher am Morgen den Park zu betreten und abends länger zu bleiben. Für die Campbesucher gelten aber die gleichen Schließzeiten und man spart nur die 20 Minuten bis zum Parktor.

Während unseres Aufenthaltes im Park gibt Petrus sich alle Mühe, uns Kätzchen zu zeigen. Es tun uns aber weder Löwe noch seine Artverwandten den Gefallen, sich zu zeigen und er ist ganz traurig. Auch unsere Zusicherung, dass dies kein Problem ist, hilft da wenig. Dafür werden wir und unsere Kamera in dem offenen Geländefahrzeug so richtig schön eingestaubt und ich bin froh, dass wir wenigstens die Jacken zum abdecken haben. Glücklicherweise sind die Kameras wirklich sehr robust und können einigen Dreck wegstecken, ohne gleich beleidigt den Dienst zu quittieren. Das wäre für unsere weitere Tour wirklich eine Katastrophe, auch wenn wir zur Sicherheit noch „den kleinen Bruder“ unserer Bodys, die Dynax 5 dabei haben.

     

Im schönen Abendlicht können wir noch eine Elefantenfamilie beobachten, die vom Baden kommt und auch ganz kleine Elis dabei hat und auch sonst sehen wir eine Menge Tiere. Merkwürdig ist, dass wir an 2 toten Zebras vorbeigefahren sind, die weder von Schakalen noch von Geiern angerührt wurden. Dafür wusste Petrus auch keine plausible Erklärung. Wie immer müssen wir uns dann ziemlich beeilen, um pünktlich zum Torschluss am Gate zu sein und so bleibt weder Zeit, das schöne Licht noch den Sonnenuntergang so richtig zu genießen – immer das Gleiche! Es war trotzdem ein sehr schöner Nachmittag und im Gegensatz zur „echten Natur“ sind eben die Tiere hier in der Pfanne auch weniger scheu.

     

In den letzten Tagen ziehen regelmäßig nachmittags ein paar „Fotowölkchen“ auf. Angeblich soll es in 1-2 Wochen die ersten kleinen Niederschläge geben. Da sind wir ja mal gespannt. In der Lodge stehen jedenfalls überall Regenschirme bereit.

Wir durchstöbern noch bis zum Abendessen den ziemlich ergiebigen Shop der Lodge und finden allerlei Brauchbares. Gerade fällt mir wieder ein, dass es hier ja auch die handgemalte Tischwäsche von Carole Nevin aus Cape Town gibt und ich habe die Qual der Wahl.

Das Abendessen ist gut und zum Abschluss bietet uns das Personal der Lodge noch eine Gesangs- und Tanzeinlage. Wieder einmal kann man sehen, mit wie viel Freude diese Menschen ihrer Arbeit nachgehen und dass hier offensichtlich auch das Klima und das Management stimmt.

 

25. September 2007  Etosha Pfanne
Wir haben gestern nicht darauf geachtet, wann der Park morgens öffnet und wollen natürlich unbedingt so zeitig wie möglich beim ersten Licht im Park sein. Deshalb haben wir uns gestern Abend ein Lunchpaket mit unserem Frühstück bestellt. Wir kochen uns schnell Tee und Kaffe und sind gerade dabei, das Auto zu beladen, als der Manager mit einem großen Korb zu uns an das Auto kommt und uns „unser Frühstück“ in die Hand drückt. Wir sind völlig perplex. Die haben uns tatsächlich einen ganzen großen Picknick-Korb gerichtet, in dem es wirklich an nichts fehlt. Das hat Stil! So ausgestattet freuen wir uns auf ein gemütliches Frühstück an einem der Wasserlöcher. Am Parkeingang müssen wir noch eine ganze Weile warten, bis das äußerst unfreundliche Personal endlich geneigt ist, Besucher einzulassen. Die Zahlungsmodalitäten sind noch immer sehr unkoordiniert und zeitaufwändig und so vergeht noch wertvolle Zeit bei schönem Licht, bis wir endlich die ersten Tiere fotografieren können. Petrus hatte uns gestern noch den Tipp gegeben, an das Goas-Wasserloch kurz vor Halali zu fahren. Da gäbe es auf jeden Fall Löwen. Das tun wir dann auch und tatsächlich treffen wir dort auf eine Gruppe von 7 Löwen. Die sind allerdings nicht wirklich aktiv und – von einigen Standortwechseln abgesehen, verschlafen sie mehr oder weniger den Tag. Wir verzichten darauf, von Wasserloch zu Wasserloch zu fahren und beobachten statt dessen das rege Treiben an diesem Loch. Viele Tiere kommen zum trinken und natürlich haben wir immer die Hoffnung, dass irgend etwas aufregendes passieren könnte. Tut es aber nicht. Dafür genießen wir ein komfortables Frühstück und freuen uns über die Artenvielfalt, die uns hier geboten wird.

     

Am Abend haben wir natürlich wieder den üblichen Stress, um rechtzeitig vor der Schließung den Ausgang des Parks zu erreichen. Es ist immer das Gleiche und den Sonnenuntergang zu würdigen haben wir erst hinter dem Tor Zeit. Dabei sind heute wieder so hübsche Wolken am Himmel. Auf dem Weg zwischen dem Namutoni-Tor und der Mushara Lodge fressen jede Menge Dikdiks an der Straße und man muss ganz schön aufpassen, dass man die kleinen Tierchen nicht überfährt.

     

Das Abendessen ist wieder sehr lecker aber heute gibt es keine Gesangseinlage des Personals.

 

26. September 2007  Etosha Pfanne (Mushara Lodge) – Opuwo
Heute setzen wir unsere Reise fort und Ziel soll das Ovamboland sein. Über Ondangwa und Oshakati wollen wir nach Opuwo. Ursprünglich hatten wir noch Ruacana mit einer Besichtigung der Falls eingeplant. Da der Kunene im Moment aber sehr wenig Wasser hat, liegen die Fälle trocken, weil alles Wasser durch die Turbinen des Wasserkraftwerks geleitet wird. Schade, aber nicht zu ändern. Das müssen wir uns zu einer anderen Jahreszeit ansehen, wenn der Fluß mehr Wasser führt.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und frischem Obst bis zum Abwinken starten wir nach einem längeren Plausch mit dem deutschen Manager der Lodge so gegen 9:00 Uhr. Zum ersten Mal ist der Himmel bewölkt. Marc, der Manager, ist deutscher Landwirt und etwa in unserem Alter. Mit seiner Frau zusammen betreibt er die Lodge seit ~ 2 Jahren. Seine Philosophie und Einstellung zum Management einer solchen Lodge ist interessant und er erzählt uns auch, dass gerade ein weiteres Tented-Camp im Bau ist. Die Luxuszelte werden im November in Betrieb genommen und haben dann auch ein besseres Raumklima . Für uns ist klar, dass wir hierher wieder kommen, weil Preis und Leistung stimmen und die Atmosphäre sehr angenehm ist.

Bis Oshakati ist die Straße geteert und wir fahren durch eine sehr schöne Landschaft mit vielen Seen, die allerdings im Moment größtenteils ausgetrocknet sind. In der Regenzeit muss diese Gegend wunderschön sein. Unterwegs müssen wir immer mal wieder Eseln ausweichen, die nicht der Meinung sind, dass eine Straße zum Fahren da ist. Sehr oft kommen hier offenbar keine Autos vorbei. An der Straße und auch in den einzelnen Siedlungen sehen wir häufig große, aus Ästen und Rinde geflochtene Körbe, die den Leuten hier als Vorratsbehälter dienen. Einmal können wir sogar zuschauen, wie solche überdimensionalen Gefäße (bis 2,5 m Durchmesser) hergestellt werden. Damit ist die Frage – Wie machen die das? – also auch geklärt.

Kurz hinter Oshakati biegt eine Straße nach links ab und wenn wir die treffen, können wir parallel oberhalb zur Etosha Pfanne fahren und sparen uns einen großen Bogen. Wir kommen dann fast direkt in Opuwo raus. Das Problem ist nur, dass die Straße weder einen Wegweiser noch eine Nummer hat. So fragen wir an der Tankstelle und der Tankwart nickt nur und zeigt auf den Weg hinter sich. Ok, gehen wir davon aus, dass er uns verstanden hat und dies der richtige Weg ist. Die Piste ist ganz gut befahrbar und unterwegs kommen wir immer wieder an vereinzelten Siedlungen vorbei. Später wird die Strecke etwas schwieriger zu befahren und hat auch einige Tiefsandpassagen. Insgesamt ist es aber kein großes Problem. Die Landschaft sieht ähnlich aus wie in der Etosha Pfanne und wechselt zwischen weitem Grasland, weißen Salzpfannen und lichten Mopaniwäldern. Rechts und links der Straße weiden viele Rinder und Ziegen und es dauert eine Weile, bis wir realisieren, dass die ausschließlich männlichen Hirten bereits Himbas sind. Vereinzelt sehen wir auch an den Viehtränken Himbafrauen sitzen mit ihrer ockerfarbenen Haut und dem (fast) Nichts als Lendenschurz und Röckchen. Immer wieder hoffen Anhalter darauf, mitgenommen zu werden. Dafür haben wir zwar Verständnis, aber es kommt für uns beim besten Willen nicht in Frage; auch wenn hier eher selten ein Fahrzeug vorbei fährt.

Tatsächlich trifft die Straße fast auf Opuwo und das erste, was wir sehen, ist ein Bottle Store und mehrere junge Himba-Frauen mit einer großen Flasche – vermutlich Palmwein, schon ziemlich betrunken. Kein schöner Anblick. Tja, die Probleme, die das Leben zwischen zwei Welten für die Himbas mit sich bringt, sind nicht zu leugnen. Trotzdem, oder gerade deshalb, üben sie – und vor allem die Frauen - auf uns eine magische Faszination aus.

Wahrnehmung ist unterschiedlich. In irgend einem Reisebericht hatte ich gelesen: „Opuwo ist ein Drecknest, das man so schnell wie möglich hinter sich lassen sollte“. Wir nehmen diesen Ort ganz anders wahr. Opuwo ist eine sehr lebhafte kleine Stadt und ein echter Schmelztiegel der Kulturen. Hierher kommen die Himbas zum Einkaufen, hier leben Hereros, Zembas, Ovambos, Angolaner und auch die anderen vielen Stämme sind vertreten. Allein die Hauptstraße auf und ab zu fahren ist ein echtes Erlebnis. Himbas stehen vor dem Supermarkt oder der Klinik oder erwerben an einem Verkaufsstand an der Straße ihre Ockerfarbe, die sie sonst aus dem 150 km entfernten Sesfontein mit dem Esel holen müssen. Zembas, Himbas und Hereros sitzen gemeinsam vor einer Hütte. Beim Metzger an der Straße wird gerade geschlachtet und der Sargbauer ist mit der Herstellung mehrerer grellbunter grüner und blauer Särge beschäftigt. Auf jedem Meter gibt es Neues, Faszinierendes und für uns Unbekanntes zu sehen. Keinen anderen Ort vorher fanden wir so interessant.

Durch den Ort weht ein heftiger Wind, der in regelmäßigen Abständen alles in dicken Staub einhüllt. Klar ist hier alles schmutzig und die angrenzenden Slums sind alles andere als idyllisch. Trotzdem prägen sie diesen Ort und er verliert nichts an seinem multikulturellen Charme. Das hier ist das pure – das echte Afrika, das noch nicht vom Tourismus geprägt ist. Hier gelten wir noch als Exoten und werden bestaunt.

Wir haben für die nächsten beiden Tage die „Opuwo Country Lodge“ gebucht. Die liegt wunderschön oben auf dem Berg und man hat einen herrlichen Blick auf die angrenzenden Gebirgsketten. Die Chalets sind designermäßig ausgestattet und bieten ebenfalls einen herrlichen Ausblick. Hier kann uns morgen früh die Sonne wecken. Es ist jetzt 15:30 Uhr und eigentlich hatten wir ja gehofft, heute noch eine Tour zu den Himbas machen zu können, aber dafür ist es schon zu spät und so buchen wir die Tour für morgen früh. 300 N$ pro Person sind zwar nicht ganz preiswert, aber darüber denken wir nicht lange nach und der Wunsch die Himbas zu treffen besteht schon zu lange, als dass wir jetzt knauserig werden. Zwar hatte uns Etosha, unser Guide in der Harnas-Farm ein Empfehlungsschreiben für seinen Bruder und eine Telefonnummer mitgegeben, der hier in Opuwo auch solche Touren organisiert, aber billiger wird es da mit Sicherheit auch nicht. Und u. a. wegen den Himbas sind wir schließlich hier.

     

Da der Wasserdruck trotz der Höhe der Lodge recht ordentlich ist, nutze ich die freie Zeit noch einmal für das Haare waschen, das bei der Länge meiner Haar immer ein besonderer und vor allem zeitraubender Akt ist.

Frisch „gestylt“ genießen wir am Pool der Lodge die tolle Aussicht und den schönen Sonnenuntergang. Da heute eine große französische Reisegruppe da ist, gibt es zum Abendessen Buffet. Die frische Brise, die hier oben weht, lässt aber natürlich auch das Essen schnell erkalten und so sind die Speisen alle kalt und lassen unser Herz nicht gerade höher schlagen (außer beim Preis).

     

27. September 2007  Opuwo (Country Lodge)
Um 8:00 Uhr beginnt unsere Himba-Tour, auf die uns Brigitte begleitet – ebenfalls eine Himba. Wir sind allein und werden von einem Angestellten des Hotels gefahren. Nach 30 Minuten Fahrzeit stehen wir vor einer Himbasiedlung, in der eine typische Großfamilie lebt. Brigitte bittet darum, dass wir empfangen werden und nach einiger Zeit dürfen wir ihr folgen. Vorher gibt es noch schnell einen kurzen Sprachkurs, damit wir wenigstens „Guten Tag“ (moro) und „Dankeschön“ (okuheba) sagen können. Zuerst sind nur ein paar Frauen und Kinder anwesend, die sich leicht lustlos in einen Halbkreis setzen. Sie waren wohl gerade mit ihrer Morgentoilette beschäftigt. Egal, wir sind zum fotografieren da – also draufgehalten.

     

Uwe fühlt sich unwohl und zögert noch etwas. Er muss sich erst überwinden. Klar, irgendwie werden die Leute hier ziemlich zur Schau gestellt und es wäre uns wesentlich lieber gewesen, wenn sie ihrer normalen Tätigkeit nachgegangen wären. Aber so ist es nun einmal. Bei mir überwiegt die Freude, endlich diesen ganz besonderen Volksstamm kennen lernen und fotografieren zu können. Brigitte versichert uns mehrfach, dass das Fotografieren kein Problem ist und so legen wir los. Zwischendurch erfahren wir viel über die Sitten und Bräuche dieses (teil-nomadisch lebenden Hirtenvolkes. Wir dürfen eine der Wohnhütten besichtigen, lernen, wie sich die Frauen parfümieren und erleben das Einreiben mit der Ockerpaste (gemahlener Ockerstein und Vaseline). Als ich scherzhaft meinen Arm hin halte, lässt sich die Himba-Frau nicht zweimal bitten und ich kann nur noch meine frisch gewaschenen Haare in Sicherheit bringen. Nun sieht zumindest mein rechter Arm auch aus wie Himba und das Zeug schmiert alles voll. Klasse Idee! Selbst meine Kamera riecht nach Himba. Betreten und Verlassen wird der Wohnkral ausschließlich mit der linken Seite zuerst. Außerdem lernen wir die Bedeutung des heiligen Feuers kennen und müssen aufpassen, dass wir auf keinen Fall zwischen dem Ahnenfeuer, dem Ahnenbaum und der Hütte, in der das heilige Feuer brennt, durchlaufen. Man muss also ganz schön aufpassen um sich nicht unbeliebt zu machen.

     

Mit einer Himba-Frau, die ungefähr in meinem Alter sein müsste, kommen wir dank der Übersetzung von Brigitte etwas ins Gespräch. Sie ist völlig fassungslos, dass ich nur 1 Kind habe und mein Alter nimmt sie mir wohl auch nicht ab. Sie will den Grund für unsere Kinderarmut wissen und guckt ziemlich verständnislos über unsere Erklärung. Kinder und Rinder bedeuten bei den Himbas Wohlstand und so sind wir wahrlich ziemlich arm in deren Augen.

Als nächstes haben die ~ 30 Frauen, die inzwischen immer zahlreicher erschienen sind, ihre zum Verkauf angebotene Ware vor sich ausgebreitet. Unter den Frauen ist sogar eine angeheiratete Herero mit ihrem markanten Kopfschmuck und auch zwei Zemba, die man an ihrem bunten Perlenschmuck erkennt. Die Frauen haben viele Ketten und Armbänder zu verkaufen aber wir möchten etwas kaufen, was zu Hause zur Deko dienen soll. So interessiert uns der vereinzelt angebotene Originalschmuck der Frauen sehr. Es entspinnt ein reger Handel in dem Brigitte uns hilft, einen fairen Preis zu erzielen. So erstehen wir zuerst einen schweren Messinghalsreif, eine Halskette (Ohumba) mit der obligatorischen weißen Ngoma-Schnecke (Tritonshorn), einer Seeschnecke von der Westküste und 2 Gefäße, die zur Aufbewahrung der Ockerpaste dienen. Jede der Frauen möchte jetzt etwas verkaufen und so entsteht ein reger Wettbewerb. Als wir dann noch um einen der kunstvoll gefertigten Gürtel feilschen, reißen sich alle Frauen ihre Gürtel vom Leib und jede bietet ihren Gürtel zum Verkauf an. Das gibt einen ziemlich zähen Handel aber der Gürtel geht letztlich doch zu einem fairen Preis in unseren Besitz über. Ich kann nicht widerstehen und muss auch noch so einen Kopfschmuck aus Ziegenfell haben, den die verheirateten Frauen tragen. Dieses Büschel aus Ziegenfell (Erembe) sieht zu goldig aus. Sofort reißen sich wieder alle verheirateten Frauen ihren Kopfschmuck vom Kopf und der schönste – einer alten Frau - geht in unseren Besitz über. Jetzt ist es aber genug und für die schönen Armreifen, Ketten, Puppen und Fußringe habe ich keinen Nerv mehr.

     

Mir tun die Frauen leid, die nichts verkaufen konnten aber dafür hat Brigitte eine Lösung. Für 50 N$ tanzen die Frauen noch für uns und so sind alle zufrieden. Brigitte trägt inzwischen unsere Errungenschaften. Der Tanz ist improvisiert, sehr kraftvoll und ein wenig aggressiv. Eine sehr merkwürdige Mischung mit viel Power. Zum Schluß verteilt sie noch unsere mitgebrachten Bonbons und ihr

     

Gastgeschenk in Form von altem Brot, Eiswürfeln (als schönes kaltes Wasser), Zucker und Maismehl. Für uns haben diese Dinge wenig Bedeutung; für die Menschen hier bedeuten sie das Überleben. Um an Maismehl zu kommen, müssen sie 30 – 40 km laufen (vorausgesetzt sie haben Geld), Wasser in 25 Liter-Kanistern heranschleppen und zu Essen gibt es täglich 2 mal Maismehl und Milch (mealie pap) mit nix. Einmal in 4 Wochen wird eine Ziege geschlachtet und dann gibt es Fleisch. Für uns unvorstellbar.

Männer haben wir leider bei unserem Besuch gar keine angetroffen. Die leben als Hirten bei ihren Rindern und werden dort von ihrer Zweitfrau betreut. Nur gelegentlich kommen sie ins Dorf. Schade, aber nicht zu ändern. Ohnehin sind die Männer teilweise nur noch schwer als Himbas zu erkennen, da sie sich schon sehr „normal“ kleiden und oft nur noch die Frisur ihre Herkunft verrät.

     

Nach unserem Ausflug in eine andere Welt werden wir zurück ins Hotel gebracht. Inzwischen ist es Mittag und wir fahren mit dem Auto runter in den Ort zum großen Supermarkt. Dort treffen wir wieder auf viele Himba-Frauen, die barfuß durch den Supermarkt schlendern, etwas schauen und dann wieder gehen. Die müssen sich fühlen wie wir damals im Intershop. Man kann nur schauen aber nichts kaufen.

Im Supermarkt holen wir uns zum Mittagessen gegrillte Hühnchen und verpacken anschließend im Hotel unsere neu erworbenen Himba-Schätze. Den Nachmittag relaxen wir und lassen das Erlebte auf uns wirken. Irgendwie war das trotzdem ganz schön anstrengend. Echt Schade, dass Conny und Marc nicht mehr mit dabei sein können.

 

 28. September 2007  Opuwo – Epupa Falls
Opuwo; das heißt wörtlich übersetzt, bis hierher und nicht weiter. Wir wollen aber weiter.

Noch einmal flanieren wir (fahrend) die Hauptstraße von Opuwo entlang mit schußbereiter Kamera auf dem Schoß. Ein paar der Straßenszenen muss ich versuchen einzufangen. Dazu gehört auch der hiesige Sargmacher, doch der hat heute nichts zu tun und ich habe Pech gehabt. Dafür wird heute überall an der Straße geschlachtet und viele Himbas sind auch wieder unterwegs.

     

Der Weg nach Epupa ist kein Problem und da alle Reviere trocken liegen, sind auch die Flußbettdurchfahrten kein Problem. Weit und breit ist kein Auto unterwegs und wir ziehen eine lange Staubfahne hinter uns her. Bei einem spontanen Fotostopp wäre es dann beinah passiert. Für uns unbemerkt – weil in der Staubfahne – hatte sich uns ein weiteres (Touri-)Fahrzeug genähert und nicht mit unserem plötzlichen Stopp gerechnet. Erst als wir aufgrund der Vollbremsung den Kies knirschen hören, sehen wir das Fahrzeug. Glücklicherweise ist der Bremsweg lang genug und es bleibt dem Fahrer noch Zeit zum Ausweichen. Er hatte wohl etwas geträumt. Ein Auffahrunfall hier in der Pampa hätte uns gerade noch gefehlt.

Die Landschaft hier ist bergig und sicherlich noch schöner, wenn es grün ist. Zwischendurch kommen wir an vielen Himbasiedlungen vorbei und es ist schon beklemmend, in welchen ärmlichen Verhältnissen diese Menschen leben. Wir haben noch eine Menge an Maismehl, Vaseline und ähnlich nützlichen Dingen dabei, doch ohne einen Guide möchten wir nicht in den Lebensraum dieser Menschen eindringen. Sie sprechen i. d. R. kein Englisch und nur zum gaffen wollen wir nicht kommen.

An einer Himbagrabstätte direkt an der Straße halten wir an und bestaunen die vielen, auf einen Stock aufgetürmten Rindergeweihe am Kopf des Grabes. Das eine Grab trägt keinen Namen, während das Andere eingezäunt ist und auch einen herkömmlichen Grabstein hat. Schade dass wir mit der Symbolik dieser Grabstätte nichts anfangen können.

     

In Epupa angekommen, beeindruckt die große grüne Oase am Kunene River, dem Grenzfluss zu Angola. Die Campsite und das Tented Camp befinden sich direkt am Kunene und sind wunderschön gelegen. Überall stehen Makalanipalmen. Schade, dass die Zelte so eng beieinander stehen und man kaum Privatsphäre hat. Am Toiletten- und Sanitärbereich der Zelte führt direkt der Weg entlang und der Vorbeikommende kann einem gleich das Toilettenpapier reichen. Nicht ganz optimal! Im Moment windet es ziemlich und gerade kracht ein Palmwedel herunter. Das ist ziemlich gefährlich und ich möchte so einen Wedel nicht auf den Kopf bekommen, zumal sie recht scharfe Zacken haben. Insgesamt sind die Zelte etwas kleiner als bisher gewöhnt und auch sehr spartanisch ausgestattet. Dafür entschädigt der Ausblick auf den Kunene und die Epupa Falls.

Nach leckerem Nachmittagskuchen laufen wir die wenigen Meter bis zu den Epupa Falls. Die Wasserfälle haben noch ausreichend Wasser, auch wenn das sicherlich kein Vergleich zu einer wasserreichen Zeit ist, in der dann das ganze Gebiet unter Wasser steht. Trotzdem sind die Fälle sehr sehenswert und die Kaskaden, die 40 Meter in die Tiefe stürzen reichen aus, um uns zu beeindrucken. Wir genießen den Anblick und verweilen an den Fällen.

     

Die mit Wasser gefüllten Pools sind ein Anziehungspunkt für die hiesige Bevölkerung. Hier werden Kinder gebadet, Wäsche gewaschen, Esel grasen, Kinder spielen und die Leute waschen sich in den Pools. Es wird uns also nicht langweilig und gelegentlich gelingt mir ein kleiner Schnappschuss.

     

Später, kurz vor Sonnenuntergang wiederholen wir unseren Besuch und ein kleines Himbamädchen kommt zu uns über die Felsen geklettert. Die Kleine ist ca. 3 Jahre alt und ziemlich aufgeweckt. Mit der Unbefangenheit von Kindern nimmt sie Uwe in Beschlag, krabbelt auf seinen Bauch und hat viel Spaß mit ihm. Die beiden verstehen sich blendend und vor lauter Lachen gehen auch schon mal ein paar Tröpfchen in die Hose. Da die Kleine keine trägt, eben in die von Uwe. Sein weißes T-Shirt ist hinterher reif für den Mülleimer und die Hose hat einen nassen Fleck – na und?

     

Den Inhalt unserer ersten Reissäcke und ein wenig Tee schenken wir dann einem der jungen Mädchen, die einen riesigen Berg Wäsche gewaschen hatte und mit ihrem Kleinkind da ist, das sie zwischendurch stillt. Das Mädchen ist gerade 18 Jahre alt, zwar Himba aber nicht in der traditionellen Kleidung. Das ist unsere gute Tat für heute und von dem Reis kann eine ganze Großfamilie satt werden.

Unser Abendessen in der Lodge ist hervorragend. Hier ist ein ausgezeichneter Koch am Werk. Auch die Unterhaltung mit einem älteren schweizer Ehepaar ist ausgesprochen interessant und so genießen wir das Dinner und die Ruhe am Fluß.

 

 29. September 2007  Epupa Falls
Der Morgen beginnt ohne Wasser, denn der Wassertank ist leer und es muss erst wieder die Pumpe in Betrieb genommen werden. Wir haben für heute noch einmal eine Himbatour gebucht (diesmal 320 N$/Person). Die soll eigentlich um 9:00 Uhr beginnen, doch wegen einer Fly-in-Safari starten wir erst um 10:00 Uhr mit der Managerin als Guide. Sie ist auf einer namibischen Farm aufgewachsen und spricht deutsch. Wir holen am Airstrip noch 6 Leute + Piloten ab und besuchen dann eine kleine Himba-Familie. Die besteht aus 4 Frauen und 7 Kindern und es sind sogar 1 Mann und 2 Hirten (Jungs so zwischen 12-14 Jahren) anwesend. Mel, unser Guide, kennt sich erstaunlich gut aus mit den Himbas und da alle Gäste Deutsche sind, spricht sie mit uns deutsch.

Die Gäste der Fly-in-Safari sind total ahnungslos und treten in weißen Hosen auf. Wir sind froh, dass wir bei unserem ersten Himbabesuch wenigstens „Guten Tag“ und „danke“ gelernt haben und als erstes begeben wir uns sowieso auf den Boden, um mit den Leuten in einer Augenhöhe zu sein. Das macht den ersten Kontakt sehr viel einfacher. Es versteht sich von selbst, dass wir für die Kinder wenigstens Bonbons dabei haben.

     

Wir können ausgiebig fotografieren, erhalten viele weitere Einblicke in die Himbakultur und können den Menschen auch bei ihren ganz normalen täglichen Verrichtungen zusehen. Hier soll gerade eine neue Hütte gebaut werden und einer der Frauen werden die Haare neu „aufgearbeitet“. Der Besuch in einer der Wohnhütten ist besonders beeindruckend und wir nehmen alle in der Hütte auf dem Boden Platz (adieu ihr weißen Hosen!). Stolz führt uns die Himba-Frau ihre Hochzeitskrone vor und wir erfahren noch viel Neues über das Nomadenleben.

     

So sind wir froh, dass wir die beiden Himba-Touren gemacht haben. Mit den Informationen aus beiden Touren haben wir schon einen guten Einblick in das Leben dieser Menschen erhalten und hoffentlich auch viele gute Bilder machen können. Dabei wollen wir nicht „diese armen Menschen“ fotografieren, sondern diese stolzen Nomaden porträtieren und ihre - zugegeben andere Lebensweise - dokumentieren.

Ich glaube ja, für die Himbas ist Touris gucken wie für uns fernsehen und irgendwie habe ich das Gefühl, dass die da auch ihren Spaß dran haben, der zusätzlich noch etwas einbringt.

     

Nach dem Besuch bei der Himbafamilie erhalten wir noch eine kleine Lektion über die Fauna und Flora und erfahren viel über den „Wunderbaum“ Mopane. Seine hustenlindernde Wirkung werde ich ausprobieren und lege mir gleich einen kleinen Vorrat an Samen an.

Anschließend fahren wir noch zu einem Himbafriedhof und erfahren viel über deren Totenkult und Glauben. Nun können wir auch die Grabstätte deuten, die wir unterwegs gesehen hatten.

Insgesamt war die Tour ausgesprochen interessant und kurzweilig und ihr Geld auf jeden Fall wert. Zwar sind die Temperaturen schon fast tropisch und man hält es nur im Schatten längere Zeit aus, aber auch darauf wurde geachtet und genügend Wasser für jeden gab es auch.

     

Zurück von der Tour nehmen wir einen leckeren Lunch und sind von der Leistung der Küche echt beeindruckt. Diese Qualität würde man hier im äußersten Norden Namibias nicht vermuten, zumal alle Lebensmittel aus dem ~250 km entfernten Opuwo herangeschafft werden müssen. Anschließend machen wir einen Bummel zum Souvenirshop gegenüber der Falls. Die Hornarmreifen sind zwar wirklich hübsch, aber die Preisforderungen der Mädchen etwas unverschämt und so verzichte ich. Obwohl die Kleine, der wir gestern den Reis geschenkt haben, mit zu der Verkaufstruppe gehört, werden wir gleichzeitig ziemlich massiv um Essen angebettelt. Da vergeht uns die Lust am Shopping. Schattenplätze an den Falls sind rar und so treibt uns der Kuchenhunger zurück ins Camp.

Inzwischen ist die Lodge vollständig ausgebucht und neben einer größeren deutschen Reisegruppe ist noch eine schweizer Gruppe der Meinung, das Camp gekauft zu haben. Es wird ungemütlich.

Wir relaxen noch ein wenig vor unserem Zelt. Am späten Nachmittag, als die namibische Seite der Fälle schon im Schatten liegt, begeben wir uns auf den Sundowner Hill, um von dort den tollen Ausblick auf die Fälle genießen zu können. Erst von hier oben hat man eine fantastische Sicht auf die Fälle in ihrer ganzen Schönheit und man erhält einen Überblick über die tatsächliche Größe und ihr Ausmaß bei hohem Wasserstand. Besonders die angolanische Seite ist wunderschön. An vielen Stellen stürzen sich Wasserkaskaden in die Tiefe und die Wasserpools sind mit viel Grün durchzogen. Bei hohem Wasserstand nach der Regenzeit muss das ein überwältigender Anblick sein und ist nicht weniger spektakulär als die Victoria-Fälle. Wieder einmal sind wir froh, dass wir dieses tolle Reiseziel kennen lernen konnten und der Abstecher hier her war jeden Kilometer wert. Überhaupt reift in uns der Wunsch, diese Gegend noch einmal nach der Regenzeit zu besuchen, wenn alles grün und wasserreich ist. (Gut, dann werden die Flußdurchfahrten nicht so easy sein.) Bestimmt waren wir hier noch nicht das Letzte mal, zumal auch Preis-Leistung der Lodge stimmt.

Uns war in den letzten Tagen aufgefallen, dass der Wasserstand des Kunene morgens und abends stark schwankt und beinah 1 m Höhenunterschied aufweist. Der Manager der Lodge bestätigt uns, dass dies mit den Ruacana Fällen zusammen hängt und im Moment alles Wasser durch die Turbinen geschickt wird. Nur nachts hat das Wasser freien Lauf. Wir haben also gut daran getan, auf einen Abstecher nach Ruacana zu verzichten.

Am Abend beeilen wir uns, unser Dinner einzunehmen. Die Schweizer und die Deutschen überbieten sich in der Schilderung ihrer Reiseerlebnisse und das ist mehr, als man aushalten kann. So genießen wir das leckere Essen und verschwinden schnell in unser Zelt. Es dauert dann auch nicht lange, stehen die ersten „Irrläufer“ vor der Tür und wollen bei uns schlafen. Bis alle ihr Bett gefunden haben, dauert es und wir müssen ein paar mal ungebetene Besucher abweisen. Man soll nur so viel trinken, wie man verträgt!

 

30. September 2007  Epupa Falls – Palmwag
Heute morgen stehen wir kurz vor 8:00 Uhr abreisefertig am Frühstücksbuffet. Die heutige Tour ist weit und wir haben keine Zeit zu verlieren. Es ist aber schon etwas schade, dass wir nicht erleben können, wie 21 Touris – zum Teil in weiße Hose und weiße Bluse gekleidet – nach der Himbatour aussehen, *grins* Wir scherzen noch etwas mit der Managerin und brechen nach dem Frühstück zügig auf. Bis Opuwo kennen wir den Weg. Dort an der Straße erstehen wir noch schnell für Conny ein Handvoll Ockersteine. Mal sehen, ob sie die so zermahlen bekommt, dass sie damit malen kann.

Kurz vor Opuwo steht ein alter Himbakrieger an der Straße und will mitgenommen werden. Der Mann sieht echt Klasse aus und ich hätte ihn wahnsinnig gern fotografiert. Man kann aber schlecht sagen, wir machen Bilder und Du erhälst auch etwas dafür aber Du musst trotzdem weiter zu Fuß gehen, denn mitnehmen wollen wir Dich nicht. Das geht nicht und so gibt es kein Bild von einem Himbakrieger. Vielleicht haben wir ja beim nächsten Mal eine passendere Gelegenheit.

     

Auch die Gravel Road hinter Opuwo in Richtung Sesfontein ist gut zu befahren. Landschaftlich ist die Gegend sehr schön und unterwegs sehen wir noch viele Himbasiedlungen. Ab Sesfontein sieht man dann aber kaum noch Himbas.

Die Fahrt bis Palmwag ist staubig und der Pass vor Sesfontein macht jeder Achterbahn Konkurrenz. Die Straße geht fast im 45°-Winkel bergab und immerhin befinden wir uns auf 1.500 Meter Höhe.

Wir erreichen Palmwag gegen 16:00 Uhr und beziehen unser Luxuszelt, das sich außerhalb des eigentlichen Lodegeländes befindet. Direkt vor uns ist ein Wasserloch, das aber leider fast vollständig trocken liegt. Gleich beim Checkin müssen wir mal wieder die „Absolutionserklärung“ (Haftungsausschluß) unterschreiben, denn ein Elefant – diesmal ein Wüstenelefant – kommt regelmäßig ins Camp.

     

Das Abendessen ist gut und das Personal bemüht, aber man spürt sehr schnell, dass hier das Management nicht stimmt. Die Palmwag-Lodge war die Lodge, die gerade im Internet einen neuen Manager sucht. Es liegt hier so Einiges im Argen und Preis und Leistung stehen in einem groben Missverhältnis. Den Ruf, den die Lodge hat, der rührt wohl eher aus vergangenen Tagen. Ok, wir sind verwöhnt, aber immerhin bewegt sich die Lodge in dem Preisniveau und da kann man entschieden mehr erwarten. Vieles ist modernisierungsbedürftig und Service gibt es defacto gar nicht.

Wieder einmal sollen wir ins Bett begleitet werden, denn der Eli frisst sich durch das Grün der Lodge. Wir schaffen unseren Weg aber gut allein und so gehen wir zeitig schlafen. Die angebotenen Touren der Lodge sind wenig spannend oder ziemlich teuer und so beschließen wir, morgen selbst zur Hoanib-Schlucht zu fahren, wo es ganzjährig Wüstenelefanten geben soll. Dazu benötigen wir lediglich ein Permit für das Konzessionsgebiet, das wir für 130 N$ an der Rezeption bekommen. Wir erhalten schon mal eine Karte mit den GPS-Koordinaten und werden morgen die Gegend auf eigene Faust erkunden. Uwe ist sowieso schon ziemlich enttäuscht, denn er hatte sich eingebildet, hier Nashörner zu treffen. Zwar ist die Lodge dem African Rhino Trust angeschlossen, aber das allein heißt ja noch gar nichts.

Schon den ganzen Tag über bläst eine steife Brise und sobald die Sonne an Kraft verliert, ist es ziemlich frisch. Nachts laufen Kudus und Springböcke direkt an unserem Zelt vorbei.

 

1. Oktober 2007        Palmwag
Heute morgen ist es lausig kalt und das ist noch ein Argument, das gegen eine geführte Tour spricht. In den offenen Geländewagen friert man sich ja den Popo ab! Das kommt also schon mal gar nicht in Frage.

Es kostet richtig Überwindung aufzustehen und im halboffenen Bad, durch das der kalte Wind bläst, zittern wir bei der Morgentoilette. Zum Glück wärmt die Sonne sehr schnell.

Die GPS-Koordinaten für das private Konzessionsgebiet hat Uwe gestern schon mal eingegeben und gleich nach dem Frühstück machen wir uns mit einem Permit und einem Lunchpaket ausgestattet, auf den Weg. Ein Eingang zum Konzessionsgebiet ist gleich hier um die Ecke und im Besucherbuch sind wir heute die 3. Besucher. Die Wege hier sind absolut grauenhaft und bestehen nur aus Steinen unterschiedlicher Größe. Zwischen Schotter, scharfen Schiefer- und spitzen Basaltbrocken ist alles vertreten und wir sitzen vorn regelmäßig auf Steinen auf. Ein wenig ist das hier wie Harakiri, was wir da gerade machen.

Wir können uns nur im ersten Gang fortbewegen und sind jeden Moment darauf gefasst, dass ein Reifen seinen Dienst quittiert. Ich könnte ihn verstehen! Dafür entschädigt die Landschaft 100-fach für diese Wege. Die Gegend ist sehr bergig und nach jeder Biegung und hinter jeder Kuppe hat man neue, spektakuläre Ausblicke.

     

Es dauert auch gar nicht lange, treffen wir auf einen Wüstenelefanten und gleich darauf sehen wir sogar eines der äußerst seltenen schwarzen Spitzmaulnashörner. Heute ist unser Glückstag, auch wenn es für vernünftige Fotos viel zu weit weg ist. Trotzdem die Gegend so steinig ist und nicht wirklich viel Vegetation hat, treffen wir auf einen unerwarteten Artenreichtum. Wir sehen die seltenen Hartmann-Bergzebras mit ihrer wunderschönen Zeichnung, treffen viele Oryxantilopen, Springböcke, Giraffen, Strauße, Schakale, Kudus, eine Herde Paviane, Klippspringer und Steinböckchen. Das ist wirklich mehr als wir erwartet haben. Bei dem grauenhaften Zustand der Wege kommen wir natürlich nicht sehr weit und heute die Hoanib-Schlucht zu erreichen, ist gar nicht daran zu denken. So entschließen wir uns um 14:00 Uhr, das Gebiet am zweiten Gate wieder zu verlassen. Dennoch hat sich unser Besuch hier mehr als gelohnt und der Guide am Tor kann es gar nicht fassen, dass wir ein Rhino gesehen haben. Mehr hätte uns jedenfalls keine Tour bieten können. Allerdings hat sich Uwe dafür auch ganz schön anstrengen müssen und für unser Auto war es auch ganz schön hart. Dennoch – weder unsere Reifen sind platt noch haben wir einen aufgeschlitzten Unterboden. Alles ist gut und wir sind zufrieden.

     

Nun überlegen wir, was wir morgen unternehmen. Entweder die 100 km bis Sesfontein fahren und oben noch einmal den Weg in die Hoanib-Schlucht versuchen oder über Springbok-Gate nach Torra Bay an die Küste fahren. Der Weg ist entfernungsmäßig ungefähr gleich lang und ein Permit brauchen wir da wie dort. Etwas Meerluft schnuppern wäre ja auch ganz schön, zumal Conny uns gerade per SMS vorsichtig mitteilt, dass in Deutschland Schei...wetter zu sein scheint.

Im Moment steht gerade einer der Wüstenelefanten hier vor unserem Zelt am trockenen Wasserloch und frisst sich am reichlich vorhandenen Elefantengras satt.

2. Oktober 2007        Palmwag
Wir haben uns entschlossen, bei Sesfontein noch einmal den Weg in die Hoanib-Schlucht zu versuchen. Diesmal erhalten wir das Permit an der Rezeption für 60 N$. Gleich nach dem Frühstück brechen wir auf.

Den Abzweig zum Elephant Song Campsite und zum Eingang der Hoanib-Schlucht kann man nur erraten aber in der Lodge hatte man uns gesagt, dass viele Wege zur Schlucht führen. Die Strecke selbst ist sehr schön, denn rechts und links säumen Bergketten die sandige Ebene. Wir sehen viele Strauße und Springböcke, die z. T. mit über 50 km/h neben dem Auto herlaufen.

     

Am Eingang der Schlucht ist noch das Flussbett des Hoanib zu durchqueren. Da wir aber nicht abschätzen können, wie tief das Wasser ist, wagen wir es nicht, es zu durchfahren. Wir müssen nicht unbedingt in die Schlucht und uns unnötig festzufahren, lohnt sich nicht. Wer weiß, wann hier mal wieder einer herkommt. Frische Fahrzeugspuren sind nicht zu sehen und auch weit und breit kein menschliches Wesen. Zwar kommt irgendwann eine Herde Kühe, die das Wasser passiert, aber wirklich überzeugt, da durch zu fahren, sind wir nicht. Der Kontrollposten ist auch nicht besetzt und die Campsite wurde schon lange nicht mehr besucht. So verweilen wir an dem Tümpel, fotografieren einige der Vögel und treten den Rückweg an, als plötzlich Wind aufkommt.

     

Auf dem Rückweg durch das Tal wird der Wind stärker und verursacht Sandstürme, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sieht. Gerade wollen wir einen sehr tief ausgefahrenen Weg mit vielen, z. T. knietiefen Sandspuren passieren, als uns plötzlich so eine Sandwolke vollständig einhüllt. Zusätzlich überholt uns noch unser eigener Dreck und aus allen Ritzen des Fahrzeugs kommt der Staub. Uwe hat keine Chance zu sehen, wohin er fährt. Jetzt hilft nur noch beten, dass wir nicht aufsitzen und jeden Moment rechne ich damit, dass wir uns festfahren. Als das Auto gerade irgendwie oben ist, hält er an und wartet erst einmal, bis die Dreckwolke sich etwas verzieht. Wir sehen nichts mehr, denn die Windschutzscheibe ist voller Sand. Kurz den Scheibenwischer betätigt, und wir haben wieder freie Sicht. Ok, Scheibenwischer taugen also nicht nur bei Regen und Schnee – wieder etwas gelernt. Inzwischen ist die ganze Gegend eine Staubwolke und wir sehen zu, dass wir hier wegkommen. Selbst die Affen flüchten sich in Felshöhlen und unter Felsvorsprünge. Nur die Bewohner von Sesfontein nehmen den Sandsturm mit einer völligen Gelassenheit. Das scheint hier regelmäßig so zu stauben.

     

3. Oktober 2007        Palmwag – Okonjima
Eigentlich hätten schon 2 Übernachtungen für Palmwag gereicht, aber heute geht es nun endlich zum letzten Highlight unserer Reise. Zwar kennen wir das schon, aber trotzdem – oder gerade deshalb – freuen wir uns riesig darauf. Die letzten verbleibenden Tage werden wir in Okonjima bleiben und da das Busch-Camp bereits sehr frühzeitig ausgebucht war und wir schon das zweite Mal hierher kommen, haben wir zu einem geringen Aufpreis die Buschsuite bekommen. Wir sind wahnsinnig gespannt, was uns da erwartet!

Unser Tag beginnt erst einmal mit einem platten Reifen hinten links. Wäre ja auch ein Wunder gewesen, wenn wir die Tour ohne Platten geschafft hätten. So macht sich Uwe gleich an die Arbeit und der Schaden ist schnell behoben. Es ist wieder saukalt heute morgen und der Wind bläst frisch. Sobald aber die Sonne scheint, wird es schnell warm.

Auf unserem Weg über Khorixas sehen wir unterwegs immer wieder Bergzebras, Kudus, Giraffen, Springböcke und Oryxantilopen. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass die hier in dem kargen und steinigen Bergland überhaupt etwas zu fressen finden. Hier scheint doch alles nur aus Steinen zu bestehen. Immerhin sind in dieser Gegend aber auch viele Welwitschias zu finden. Es ist immer wieder schwer vorstellbar, dass dieser auf den ersten (und auch auf den zweiten) Blick hässliche Haufen verwelkten Grünzeugs eine kleine botanische Kostbarkeit ist und 2000 Jahre und älter werden kann. Da die Samen der Welwitschia (auch die „Wundersame“ genannt) nur dann keimen, wenn es in der Namib richtig regnet, und dies zuletzt im Jahr 1934 geschah, wird davon ausgegangen, dass alle kleinen Pflanzen hier aus dieser Zeit stammen.

     

Am versteinerten Wald vorbei erreichen wir Khorixas schnell und im Vergleich zum letzten Jahr hat sich der Ort ganz schön entwickelt. Ab hier ist die Straße geteert und wir freuen uns schon auf die deutsche Bäckerei in Outjo. Dort holen wir uns unser Mittagessen in Form von Süßstückchen, die ihrem Namen alle Ehre machen. Wie immer ist der Laden rappelvoll und  man spricht überwiegend deutsch. In Outjo sehen wir sogar noch einige Himbafrauen und staunen, wie weit die herumkommen. Die Frauen haben sich weit in die Zivilisation gewagt und dafür werden sie von den Touris buchstäblich mit gezückter Kamera verfolgt. Da ist schon verständlich, dass sie für Fotos Geld verlangen. Nur in den Geschäften das Angebot anzuschauen ist schließlich auch nicht gerade toll. Würden sie arbeiten, um Geld zu verdienen, geht die Tradition verloren. Es ist ein ziemliches Dilemma und die Frage ist, wie lange wird es dieses stolze und außergewöhnliche Nomadenvolk noch geben?

Hinter Otjiwarongo stellen wir fest, dass wir keine genaue Wegbeschreibung für Okonjima dabei haben. Ich war der Meinung, die Farm ist an der B1 ausgeschildert. Uwe hat lediglich die Koordinaten in das GPS einprogrammiert. So biegen wir in die Farmpad 2515 ab. Das ist zwar vom Prinzip her richtig, weil die Straße in einem Bogen wieder auf die B1 trifft, funktioniert aber nur aus der anderen Richtung. Wir stehen nach 31 km an einem geschlossenen Farmtor. Mist, wir sind zu früh abgebogen. das muss der Hintereingang von Okonjima sein, nützt uns aber nichts. Wir müssen umkehren und das kostet uns gut 1 Stunde Fahrzeit. So kommen wir leider ½ Stunde zu spät an, um noch den Abenddrive mitmachen zu können. Dean, unser Guide vom letzten Jahr, erkennt uns auch gleich wieder und begrüßt uns herzlich Nach einer kurzen Begrüßung können wir dann unsere Suite in Augenschein nehmen und sind sprachlos. Die Buschsuite ist mehr als man sich vorstellen kann. Wir haben ein riesiges Haus mitten im Busch ganz für uns allein. Rings um uns herum ist freie Natur, kein Zaun, keine Geräusche, nur göttliche Ruhe.

     

Das Haus ist auf der Rückseite mit Zeltplanen, die man öffnen kann. So sitzt man faktisch mitten in der Natur. Wir haben einen eigenen Pool in Form eines großen Mokoros, ein beleuchtetes Wasserloch für die Tiere, eine große Terrasse mit mehreren Liege- und Sitzmöglichkeiten, Kamin im Haus und Grillstelle draußen, Wassertränken für die Vögel und natürlich auch eine riesige Außendusche. Die Betten, mit freiem Blick auf die Natur und das Wasserloch sind so riesig, dass man fast ein Telefon braucht, um sich „Gute Nacht“ zu sagen (ca. 4 x 2 m).

     

Alles ist absolut geschmackvoll im afrikanischen Stil eingerichtet und jedes der Gegenstände ist ein Unikat. Hier stimmt auch das kleinste Detail und allein die Frage, ob duschen oder baden stellt einen (formal) vor eine schwierige Entscheidung, weil mehrere Varianten zur Auswahl stehen. Auch eine vollständig ausgestattete Küche mit zwei großen Klimaschränken voller Weiß- und Rotwein, Gefrier- und Kühlschrank fehlen nicht. Die „Hütte“ ist echt der Hammer und wir wissen wirklich keinen Grund, weshalb wir hier wieder abreisen sollten. Das wäre der Platz, an dem wir leben möchten – nur leider geht uns hier zu schnell das Geld aus. Aber ein würdiger Abschluss unseres tollen Urlaubs ist es allemal und wir sind froh und dankbar, dass wir mal wieder zu diesem Glück gezwungen wurden. Also genießen wir erst einmal unseren Luxus in absoluter Abgeschiedenheit und die Zeit bis zum Dinner vergeht viel zu schnell.

     

Am Abend kommt auch Sanel. Mit ihr als Guide haben wir letztes Jahr den Geparden-Drive gemacht. Sie kommt auf uns zugestürmt und umarmt uns zur Begrüßung. Wir sind ziemlich sprachlos, dass sie uns nach einem Jahr wieder erkennt und wir freuen uns, dass wir sie wieder treffen und es ihr gut geht.

Die Busch-Lodge ist voll ausgebucht und entsprechend viele Leute (~20) sind da. Wir lernen ein nettes britisches Ehepaar kennen und haben viel Spaß. Santa ist Anästhesistin und indischer Abstammung, ihr Mann hat den typischen trockenen englischen Humor.

Nach dem Essen nehmen wir natürlich noch die Nachtfütterung der Stachelschweine mit. Kaum ist das Futter ausgeschüttet, kommen etwas 15 Stachelschweine und 2 Honigdachse zur nächtlichen Fütterung. Man meint, die Tiere sitzen schon hinter den Felsen und trommeln mit den Füßchen, wann denn nun endlich ihr Abendessen geliefert wird. Diesmal haben wir die 400-er Filme dabei und mal sehen, ob uns dieses Jahr bessere Bilder gelingen (sie sind gelungen!).

     

Wir lassen den Abend noch gemütlich bei einem Feuer im Kamin ausklingen und beobachten die nächtlichen Besucher an unserem Wasserloch. Hier kommen Warzenschwein, Kudu, Oryx, Pavian, Perlhühner, Franklin, Buschbock und Steinbock zum trinken her. Eigentlich sind die Tage hier viel zu kurz! Natürlich bei geöffneter Zeltplane schlafen wir in diesem Paradies göttlich.

     

4. Oktober 2007        Okonjima
Den morgendlichen Cheetah-Walk sparen wir uns und schlafen aus. Zum Lunch erfüllt Uwe das Versprechen, das er Conny gegeben hat und isst tatsächlich 2 Buschmannomeletts. Mein Gott, die sind so reichhaltig und zugegeben auch lecker. Da lagert sich doch eins direkt am Hosenbund ab. Nach dem Lunch wollen wir noch einmal zur Beobachtungshütte laufen, vor der die Stachelschweinfütterung stattfindet. Erstens störten uns gestern Abend einige Grasbüschel, die etwas die Sicht auf die Fütterung versperren und zweitens wollen wir natürlich die verlorenen Borsten einsammeln. Unterwegs, kurz vor dem Ziel, treffen wir auf eine Lady in weißem Jeep. Sie haben wir bisher hier noch nicht gesehen. Beim Versuch, vor dem Hide einen Steinbock aus der Nähe zu fotografieren, spricht sie uns dann an. Zuerst gibt es Mecker, weil wir dem Steinbock zu nahe gekommen sind und weil wir überhaupt hier sind. Obwohl Dean gesagt hatte, wir können uns frei bewegen und durch das gesamte Gebiet wandern, ist Donna Hannsen – eine der Besitzerinnen von Okonjima erst einmal etwas anderer Meinung. Nachdem die – trotzdem freundliche – Mecker erledigt ist, bekommen wir noch viele gute Tipps und Ratschläge von ihr und man merkt ihr an, dass ihr die Tiere sehr am Herzen liegen. Es ist sehr interessant und beeindruckend, was sie alles weiß. Verständlich ist es ja, dass sie erst einmal davon ausgeht, unbedarfte Touris vor sich zu haben. Als sie merkt, dass wir nicht so blauäugig sind und schon wissen, was wir tun, bekommen wir noch weitere Wandertipps und erhalten die „Absolution“. Nun dürfen wir auch in diesem Gebiet wandern. Blöd nur, dass am Hide gerade gearbeitet wird. Einer der Mitarbeiter räumt auf und macht sauber und so können wir nur die restlichen verbliebenen Borsten einsammeln. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Wenigstens die störenden Grasbüschel können wir dezent umtreten.

     

Für den Rückweg folgen wir Donnas Empfehlung und nehmen einen Weg, der uns direkt zu unserer Suite führt. Dort relaxen wir für den Rest des Tages. Der Nachmittagsdrive geht heute zur Gepardenfütterung und wir sind gespannt, unsere 7 Lieblinge wieder zu sehen. Leider sind im Moment nur 6 Geparden da. Einer ist krank und auch von den verbliebenen 6 sieht einer nicht wirklich gesund aus. Sein Fell hat kahle Stellen und er ist sehr mager. Dass dies an seinem hohen Alter liegen soll, scheint uns nicht ganz plausibel. Goeters – der Harnas-Gepard - war auch alt, aber der sah besser aus.

Uwe ist erst einmal stinksauer. Vor der Tour hatte ihm der Guide zugesagt, dass er mit seiner „großen Tüte“ vorn auf dem Beifahrersitz sitzen darf und dann kommt da so eine britische Tussi und macht einen auf kaputten Rücken. Hallo, wer es hier im Kreuz hat, der hat das falsche Reiseland gewählt! Der sollte besser auf europäischen Straßen unterwegs sein, statt sich auf afrikanischer Gravelroad durchschütteln zu lassen. Ihre Kamera mit dem 300-mm-Objektiv kann sie jedenfalls ganz gut halten.

Arnold, unser Guide, nimmt sich mit der Fütterung viel Zeit und wir haben Glück, dass die Kätzchen so ruhig sind. Wahrscheinlich haben sie heute schon einige Häppchen bekommen. Wir können ausgiebig fotografieren und toben uns aus. Da wir glücklicherweise beide unseren Bohnen- bzw. hier Reissack zur Stabilisierung der Kamera dabei haben, kann Uwe das große „Geschoss“ ganz gut auflegen und ist später froh, nicht vorn gesessen zu haben, denn Arnold gibt sich alle Mühe, ihm nicht im Weg zu sein. Für die Tussi blieb auf ihrer Seite nicht viel Kätzchen übrig und Angst hatte sie auch noch.

     

Unser anschließender Besuch bei den Wild-Dogs ist weniger ergiebig. Die Wildhunde haben es nicht so mit dem fotografiert werden und ziehen sich in den hinteren Teil ihres Geheges zurück. Das kennen wir ja schon vom letzten Jahr. Wunderschön sind die Tiere trotzdem mit ihrem 3-farbig gefleckten Fell.

Der anschließende Sundowner ist neu und ersetzt die Vorstellung des African Cat-Programms mit einem Besuch der Klinik und der Vorstellung des eigentlichen Programms von Okonjima. Wir finden das sehr schade und sind froh, dass uns Sanel letztes Jahr einen umfassenden Überblick über das African Cat-Programm und die Arbeit mit den Katzen gegeben hat. Leider wollen die meisten Leute eben nur die Großkatzen sehen und interessieren sich nicht für den Grund, warum die Tiere eigentlich hier in großen Gehegen leben und nicht in der Freiheit.

     

Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es wieder ziemlich frisch und windig. Diese kühlen Temperaturen sind für uns hier in Afrika eine ganz neue Erfahrung.

Nach dem Dinner fahren wir wieder mit zur Nachtfütterung der Stachelschweine. Die beiden Honigdachse erscheinen heute nicht. Dafür freut sich eine Ginsterkatze über die reichliche Fleischportion.

     

Wir lassen den Tag am gemütlichen Kaminfeuer ausklingen und beobachten die Besucher an unserem Wasserloch.

     

5. Oktober 2007        Okonjima
Wieder nutzen wir den Luxus hier und schlafen lieber aus, als schon kurz vor 6:00 Uhr zu einer der Aktivitäten aufzubrechen. Die Walks kennen wir schon vom letzten Jahr. Eigentlich wollen wir heute vor dem Frühstück zu den Löwen, aber da ist zu und schon um 7:00 Uhr deren Fütterung beizuwohnen, ist uns zu früh.

Wir ordnen noch ein wenig unsere Restbestände, Uwe organisiert uns eine Wagenwäsche und dann widmen wir uns den vielen Vögeln und anderen Tieren, die uns hier umgeben. Heute Nachmittag gehen wir zum Leoparden-Drive. Die letzten Touren waren sehr erfolgreich und wir sind gespannt, ob wir Glück haben und Leoparden sehen.

     

Paul macht als Guide mit uns den Leopardendrive und nachdem Uwe gestern bei den Geparden mit dem großen Objektiv und dem Reissack ganz gut klar kam, verzichtet er heute auf den Platz neben dem Beifahrer. Außer uns nehmen noch 2 ältere britische Ehepaare an dem Drive teil. Paul sammelt unterwegs noch einen Arbeiter der Farm auf, der für das Beseitigen der Hindernisse bei evtl. Offroad-Fahrten zur Suche des Leoparden zuständig ist.

Die beiden machen die Suche nach dem Leoparden spannend. Trotzdem der Leo mit einem Sender ausgestattet ist, dauert es ziemlich lange, bis sie ihn endlich orten können. Dafür sehen wir bei der Fahrt durch das Gelände noch eine ganze Menge Tiere und auch Hartmann-Bergzebras. Ich wusste gar nicht, dass die hier auf Okonjima leben.

Endlich haben wir dann den Leo gefunden. Es ist MJ – Mahatmas Junior. Der liegt im Gras und hat heute keine Lust auf Touris. So verdrückt er sich immer mal wieder um den Busch herum und Paul gibt sich alle Mühe, ihm zu folgen, damit alle ihn bestaunen und natürlich fotografieren können. Richtig interessant wird es erst, als einige Giraffen in unmittelbarer von uns stehen und MJ die Witterung aufnimmt. Plötzlich ist er hellwach und schleicht davon. Paul fährt noch einmal über Stock und Stein, um ihm zu folgen. Wieder hat sich MJ ins Gras gelegt und nun stört fast kein Grashalm mehr. Wunderschön anzusehen, liegt er da im letzten warmen Licht der Sonne. Wir nutzen diese Gelegenheit für zahlreiche Fotos und können gar nicht genug bekommen.

     

Leider hatte Paul das Fahrzeug erst einmal so platziert, dass die Gäste auf den hinteren Sitzbänken auch gut sehen können. Die allerdings haben sich inzwischen alle nach hinten umgedreht und fotografieren Giraffen! Uns verschlägt es fast die Sprache. Wir haben das seltene Glück, 5 Meter vor einem Leoparden zu stehen, dessen Anblick weder von störenden Zweigen noch hohem Gras beeinträchtigt wird und die fotografieren Giraffen! Paul ist sichtlich sauer und fährt nun endlich so, dass wir die optimale Position haben, das „Kätzchen“ in seiner vollen Pracht fotografieren zu können. Das tun wir dann auch ausgiebig und erst als ein zweiter Jeep mit Gästen aus dem Main Camp ebenfalls einen Blick auf MJ werfen möchte, trennen wir uns schweren Herzens. Das war ein wirklich tolles Erlebnis, diese prächtige Großkatze aus nächster Nähe betrachten zu können.

     

Als wir ins Camp zurückkehren, ist inzwischen unser Auto von 2 Angestellten supersauber geputzt worden. Die haben es tatsächlich geschafft, den Staub innen und außen zu beseitigen. Und das kostet noch nicht einmal etwas, sondern gehört hier zum Service. Wir hatten schon einen Teil unserer Bestände, wie Reis, Maismehl, einige Dosen Bier und andere Restbestände in der großen Aufwaschschüssel bereitgestellt und das war wohl Motivation genug. Dennoch; wir sind glücklich über den sauberen Wagen. Unsere Bestände und die restliche Bekleidung müssen langsam weg und so packen wir alles zusammen und morgen früh ist für die Bescherung.

     

6. Oktober 2007        Okonjima – Windhoek
Wieder einmal denken wir an Hausbesetzung, denn eigentlich wollen wir hier nicht mehr weg. Es fallen uns nicht viele Gründe ein, weshalb wir hier wieder weg gehen sollen. Das sehen Andere natürlich anders und so fügen wir uns der Vernunft und unserem Schicksal. Leider geht somit auch unser herrlicher Urlaub langsam zu Ende. Wir freuen uns, dass wir ihn in der Form machen konnten und was wir alles erlebt haben. Auf jeden Fall reichen die Eindrücke eine Weile, um davon zehren zu können und die nächste Reiseplanung haben wir auch schon im Kopf. Es versteht sich von selbst, dass wir Namibia und Botswana wieder mit in unsere Reiseplanung aufnehmen.

Noch einmal schlafen wir aus, packen schweren Herzens unsere Sachen und genießen noch einmal das leckere Buschmann-Omelett. Inzwischen spielt Uwe Weihnachtsmann bei den beiden Angestellten, die unser Auto so toll gereinigt haben und leuchtende Augen sind der Dank. So kommen die Sachen an die richtige Adresse.

Die Fahrt zurück nach Windhoek ist wenig aufregend und dank der Teerstraße geht das zügig. In Okahandja besuchen wir noch die beiden Holzmärkte, aber da ist uns zu viel Trubel und so schöne Sachen wie an den Vic-Falls haben sie nicht. In der Pension Uhland bekommen wir ein Zimmer, obwohl hier wieder etwas schief gelaufen ist. Unsere ursprüngliche Reservierung für diese Nacht war irrtümlich für den 6. September vorgesehen. Bei unserem Reisestart haben wir das dann hier vor Ort korrigiert und noch einmal für den 6. Oktober reserviert. Heute haben sie zwar einen Kretschmar auf der Liste stehen, aber der heißt Thomas und hat eine Münchner Adresse. Gut, dass wir zeitig genug da sind. Ob der Thomas noch anreist, wissen wir nicht. Hauptsache wir bekommen unser Zimmer.

Gerade als wir zur Pension abbiegen wollten, sehen wir noch Santa mit ihrem Mann die Straße hoch laufen. Die beiden sind gestern in Okonjima abgereist und fliegen heute zurück nach England. Dass wir sie hier noch einmal treffen, hätten wir nicht gedacht. Wir plaudern noch eine ganze Weile mit den beiden, die auch irgendwie den Tag vertrödeln, bis sie abgeholt und zum Flughafen gebracht werden.

Heute ist Samstag und da schließen die meisten Geschäfte leider schon um 14:00 Uhr. So macht es wenig Sinn, noch zu einem Shoppingbummel aufzubrechen. Da wir sowieso noch Fotos von Windhoek brauchen, machen wir eine kleine Stadtrundfahrt. Im Park am Tintenpalast stehen gerade die herrlichen Jacarandabäume in voller (lila) Blüte und eine große Hochzeitsgesellschaft fotografiert fleißig. Wir schauen dem Treiben eine Weile zu. Es kitzelt uns zwar, uns hier einmal zu versuchen, aber das Brautpaar zu fotografieren ist eine echte Herausforderung. Schwarze Haut und schwarzer Anzug und schwarze Haut und weißes Brautkleid ist für jede Kamera der Supergau. Da die Blitzgeräte in der Pension liegen, ist jedes Bild überflüssig. Noch einige Brautpaare geben sich hier nacheinander ein Stelldichein für ihre Fotosessions, die alle nur von Angehörigen gemacht werden. Einen professionellen Fotografen kann sich hier keiner leisten.

       

Wir kehren in die Pension zurück und da so langsam Hunger aufkommt, fahren wir ein letztes Mal in Joes Beerhouse. Da ist heute die Hölle los und Oktoberfest mit Bandmusik. Ach nein, das müsste nun wirklich nicht sein! Außerdem sieht es total bescheuert aus, wenn die schwarzen Mädchen im Dirndl stecken. Gemütlich ist es hier heute jedenfalls nicht und frisch wird es auch schon wieder. So genießen wir unser Abschlussessen und fahren bald darauf zurück in die Pension.

 

7. Oktober 2007        Windhoek – Frankfurt
Schluchz, nun ist unsere Urlaub leider schon zu Ende. Um 16:00 Uhr geben wir den Wagen ab und um 20:00 Uhr geht unser Flieger. Was machen wir also mit dem Tag?

Hier nur rumlungern und die Zeit tot schlagen, kommt nicht in Frage. Also entscheiden wir uns dafür, den 20 km vor Windhoek liegenden Daan Viljoen Game Park zu besuchen. Das ist das Naherholungsgebiet der Windhoeker und wahrscheinlich entsprechend gut besucht. Es gibt sogar einen Stausee und einiges Wild wird uns auch versprochen. Tatsächlich ist die Gegend schön und das bergige Gebiet ist sicherlich in grünem Zustand noch schöner. Wir sehen Gnus, Bergzebras, Oryxantilopen, Springböcke, Kudus und Klippspringer. Uwe kommt noch einmal in den Genuss, Offroad zu fahren und schon ist unser Auto hinten wieder schmutzig. Der Trail ist allerdings nicht sehr lang und jetzt in der Mittagshitze stehen die Tiere irgendwo im Schatten der Bäume. Man könnte hier auch wandern, aber es gibt kaum Schatten und so richtig Lust haben wir darauf auch nicht. Schließlich haben wir auch unsere ganzen Sachen im Auto.

So fahren wir noch an den Stausee, der sehr schön gelegen ist. Es gibt hier einige Campingplätze, jede Menge Grillstellen und sogar sanitäre Einrichtungen. Vor dem Restaurant beobachten wir noch eine Zeit lang die Klippspringer und einen Pavian und bedauern, nicht näher an die ohnehin viel zu flinke Bergagame kommen zu können, die mit ihrem roten Kopf und dem leuchtend blauen Körper sehr fotogen ist.

In der Hoffnung, dass in der Autovermietung auch jetzt schon jemand anwesend ist, machen wir uns auf den Weg ins Industriegebiet. Dank der Eintragung im Stadtplan finden wir es auf Anhieb; nur leider ist da noch niemand da. Wir hatten 16:00 Uhr vereinbart. Uwe versucht, im benachbarten Hotel telefonisch jemanden zu erreichen und zum Kommen zu überreden. Er erreicht zwar jemanden, aber da um 16:00 Uhr 5 Fahrzeuge erwartet werden, haben wir keine Chance eher dran zu kommen.

Also verwarten wir die wertvolle Zeit und schwören uns, dass wir das nächste Mal erst am Abreisetag aus Okonjima anreisen. So verbummeln wir nicht 2 Tage. Nach und nach trudeln die anderen Fahrzeuge ein und auch die Leute von der Autovermietung kommen eher. Bis alle Fahrzeuge abgenommen sind, dauert es eine Weile. Über unser Loch im „Trittbrett“ sind sie natürlich nicht gerade begeistert, aber Amos hat wohl schon eine Idee, wie man das reparieren kann. Gut, wir haben Vollkaskoversicherung und vorsätzlich oder fahrlässig haben wir auch nicht gehandelt.

Es ist überhaupt kein Problem, dass wir einige Sachen, wie Kühlbox, Kompressor und andere Kleinigkeiten, bei der Autovermietung bis nächstes Jahr einlagern und so steht dort schon ein Sack mit Dingen für unseren nächsten Urlaub – getreu dem Motto. „Ich hab noch einen Koffer in ...“. Wenn das klappt, stocken wir unser Außenlager nächstes Jahr noch etwas auf. Immerhin sichern sie sich so ihre Kunden. Wir sind mit dem Fahrzeug hoch zufrieden. Preis, Leistung und Service stimmen und so werden wir nächstes Jahr auf jeden Fall wieder ein Auto bei African Tracks mieten. Fragt sich nur, ob wir unser Fernweh bis nächstes Jahr September bezwingen können oder nicht auch langsam dazu übergehen, zweimal im Jahr zu fahren. Schon jetzt wollen wir eigentlich nicht weg und am liebsten würden wir die ganze Reise gleich noch einmal von vorn beginnen. Unsere Sucht hat offensichtlich fortschreitenden Charakter!

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