Jordanien 2019
Das Erbe der Nabatäer

3. Oktober – 20. Oktober 2019

03.10.2019 Frankfurt – Amman „Landmark Hotel“

Es herbstet und wir sind happy, dass wir den Sommer noch etwas verlängern können.

Wie immer fliegen wir ab Frankfurt a.M. Heute zum Feiertag ist das Parkhaus rappelvoll und wir müssen ganz schön tief runter, bis wir einen freien Stellplatz bekommen. Am Checkin sind wir von Studiosus- und SKR-Reisenden umgeben, die ihren Mitreisenden und allen um sie herum Wartenden – egal ob die das wissen wollen oder nicht – innerhalb der Wartezeit ihre gesamten Reiseerfahrungen aufs Auge drücken. Kurz gesagt, wir sind von einer geballten Ladung Klugscheißer umgeben und sind schon jetzt extrem dankbar, dass wir wieder autark, ohne Reiseleiter und vor allem ohne Reisegruppe reisen können. Wir sind einfach nicht gruppenkompatibel.

Der Check-In geht zügig und der Security-Check reibungslos, obwohl schon wieder eine Frau „Studiosus“ vor uns steht, die alles besser weiß und kommentiert. Der Flug mit „Royal Jordan Air“ startet pünktlich. Die meisten Passagiere sind Einheimische. Wir stellen entsetzt fest, dass wir noch nie in einer so klapprigen Maschine (Airbus 320) geflogen sind. Überall ist was defekt, die Maschine ächzt und klappert, als ob sie sich gleich in ihre Einzelteile zerlegt. Es fehlt an Kissen und Decken, das Bordmenü besteht aus einem lapperigen, überwiegend trockenen Sandwich und mehr nicht. Dafür brüllt – die nächsten vier Stunden fast ununterbrochen – vor uns ein Säugling.

Es passiert selten aber diesmal sind wir froh, als wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen haben und die Maschine nicht in der Luft auseinander gefallen ist. Noch ahnen wir nicht, dass der Zustand des Fliegers mehr oder weniger die Mentalität des Landes widerspiegelt. Inzwischen ist es 20:30 Uhr Ortszeit in Amman, der Hauptstadt von Jordanien. Es ist noch angenehm warm aber die Luft ist ziemlich dunstig.

Die Einreise in das Land geht schnell, obwohl noch die Visa-Formalitäten abzuwickeln sind. Wir haben uns schon im Vorfeld online den „Jordan-Pass“ besorgt, der freien Eintritt für viele Sehenswürdigkeiten bietet und auch die Kosten für das Visum enthält.

Am Gepäckband bekommen wir dann unsere erste Reisetasche, in der die Bekleidung ist. Die zweite Tasche lässt sich dagegen nicht blicken. So haben wir zwar erst mal etwas zum Anziehen aber die Tasche mit den Schuhen, der Kosmetik und dem ganzen technischen und anderen Krimskrams ist nicht dabei. Na das fängt ja gut an! Wir gehen zum Schalter und erfahren, dass die Tasche beim Zoll steht. He???? Was hat denen denn nicht gefallen? Wir marschieren also rüber zum Zoll und dort stehen dann 3 herrenlose Koffer und unsere Reisetasche vor der Tür und Keiner ist da. Wir fackeln nicht lange, schnappen uns unsere Tasche und verschwinden. In Frankfurt hätte man diese herrenlosen Gepäckstücke schon gesprengt.

Zuerst müssen wir uns jetzt Bargeld, dann eine Telefonkarte von „Orange“ und unseren Mietwagen besorgen. Das geht aber sehr flott, denn alles bekommen wir direkt am Ankunftsterminal und schon eine Stunde später ist alles erledigt. Wir sitzen in unserem noch recht neuen Mitsubishi „Pajero“ und steuern durch den dichten Feierabendverkehr von Amman. Zuerst brauchen wir noch eine Tankstelle, denn der Tank ist gähnend leer. Zum Glück befindet sich gleich hinter dem Flughafen die erste Tankstelle. Nun leitet uns die Navi-App unseres Handys zuverlässig und wir sind froh, es zu haben denn in der Dunkelheit und bei dem Verkehr ist das eine wirkliche Hilfe. Rasch merken wir, dass die Jordanier zwar nett, aber beim Autofahren ziemlich stur sind. Gezeichnete Spuren auf der Straße gibt es nicht und jeder fährt so, wie er will. Wehe, wenn man die Spur wechseln will! Der Donnerstag Abend kommt hier unserem Freitag-Abend-Verkehr gleich. Freitags haben die Muslime frei und der Tag gehört Familie und Freunden. Am Vorabend wird schon mal mit dem “Wochenende” begonnen. So sehen wir auch, dass überall am Highway, auf Nebenstraßen oder einfach am Straßenrand Gruppen von Menschen zusammensitzen, gemeinsam essen oder Shisha-Pfeife rauchen. Entweder sie sitzen auf mitgebrachten Stühlen oder einfach auf dem Boden oder Bordstein.

Wir erreichen das „Landmark-Hotel“ ohne Probleme. Hier werden wir die nächsten drei Nächte bleiben. Das Hotel ist ziemlich nobel. Bevor wir vorfahren dürfen, empfängt uns der Security-Mann und wischt mit einem Stäbchen über unser Lenkrad, bevor er uns die Schranke öffnet. Fragend schauen wir uns an. War das ein Drogen- oder ein Sprengstofftest? Wir wissen es nicht. Jedenfalls werden wir eingelassen, ein Hotelangestellter kommt herbei geeilt, lädt unser Gepäck aus und ein anderer parkt uns den Wagen weg. Das Gepäck und auch wir werden noch einem Sicherheitscheck unterzogen, dann dürfen wir einchecken. Wir bekommen ein Upgrade für die Suite im 10. Stock. Ein hübsches großes Zimmer mit ordentlichem Kingsize-Bett erwartet uns. Im Aufzug treffen wir dann auch die klugscheißerischen „Studiosus“ vom Checkin wieder. Gut, dass das Hotel groß ist und sich die Gäste verteilen.

Für heute ist es dann auch langsam genug. Wir ordnen uns noch ein wenig und fallen dann müde ins Bett.

04.10.2019 Amman „Landmark-Hotel“

Der Wecker klingelt früh, denn wir haben viel vor. Wir werden zuerst einen Ausflug zu den Wüstenschlössern der Umgebung machen. So sind wir vom heutigen „Sonntag“ nicht tangiert und können schon mal ein paar der Sehenswürdigkeiten abarbeiten.

Das Frühstück ist etwas orientierungsbedürftig. Es gibt eine reiche Auswahl aber wir müssen uns erst mal herantasten an die fremden Speisen. Wir probieren uns durch und sind schon mal fasziniert von dem absolut knusprig, frischen Roggenbrot, das sehr sehr lecker schmeckt.

Nachdem wir gestern bei unserer Ankunft nicht mehr viel von der Stadt gesehen haben, „reiten“ wir gespannt aus. Amman wurde auf sieben Hügeln gebaut – inzwischen sind es schon zwanzig und die Stadt wirkt wie ein einziges Häusermeer, das sich die Hänge hinauf zieht. Schön ist die Stadt nicht und zu Fuß ist sie schon mal gar nicht zu bewältigen aber irgendwie faszinierend ist sie doch. Heute morgen ist noch wenig Verkehr, so dass wir auch nach rechts und links schauen können. Wir steuern erst mal die gestreifte Moschee auf einem der Hügel an. Gut, dass uns das Handy-Navi zielsicher leitet.

Vom Hügel aus haben wir einen guten Ausblick auf das Häusermeer und wir sind erstaunt und entsetzt, wie schmutzig es überall ist. Die meisten Häuser sind nicht gerade gepflegt und auf den Straßen liegt jede Menge Müll. Auch die meisten Autos sind fahrende Schrottkarren und viele von ihnen pusten in großen grauen Wolken fleißig Abgase in die Luft. Gut, dass wir Deutschen so verantwortungsbewusst sind und uns kaum noch trauen, ein Stück Fleisch zu essen, weil doch da die Kühe pubsen müssen. Jedes Gramm CO2, das wir einsparen, wird hier hundertfach in die Luft geblasen.

Als wir die Stadt verlassen, sind wir regelrecht entsetzt, was wir sehen. Da, wo der Müll an der Straße überhaupt etwas zusammengekehrt wird, wird er in eine Ecke geschoben und angezündet. Das viele Plastik stinkt natürlich gewaltig und russt rabenschwarz. Diese schwarzen Rauchsäulen begegnen uns an vielen Ecken sowohl in der Stadt als auch Außerhalb. Da wo nichts zusammengekehrt wird, liegt überall der Müll verstreut. Ganze Felder liegen voller Müll – ein Meer von Plastik und Dreck, wohin man blickt. Vor uns die Fahrzeuge drehen einfach die Scheibe runter und werfen ihren Müll in die Landschaft. Wir schütteln nur verständnislos den Kopf und sind total entsetzt. Schon wird uns klar, dass wir nach unserer Oman-Reise die hohen Erwartungen an dieses Land wohl nicht erfüllt bekommen. Obwohl der Oman ja nicht sehr weit entfernt ist, scheinen die Menschen hier eine völlig andere Mentalität zu haben.

Unsere Fahrt verläuft östlich von Amman in Richtung Saudi Arabien und Irak. Ein komisches Gefühl beschleicht uns, als wir auf den Wegweisern lesen, dass es nur 360 km bis zum Irak sind. Das erklärt dann auch dass wir ziemlich häufig an sehr gut gesichertem Militärgelände vorbei fahren. Dort stehen die Panzer und Fahrzeuge mit Schnellfeuergewehren auf dem Dach immer schon schuss- und einsatzbereit.

Die alten Wüstenschlösser bzw. das, was teilweise von ihnen noch übrig ist, befinden sich ziemlich in der Einöde. Viel mehr als Schafherden und ein paar Beduinenzelte gibt es eher selten zu sehen. Zuerst halten wir am „Qasr Kharana“. Dieses Wüstenschloss ist von Außen ein recht schmuckloser Kasten, der besichtigt werden kann. Es gilt als eines der am besten erhaltenen Wüstenschlösser Jordaniens. In der Mitte des Gebäudes gab es einen Innenhof und über zwei Etagen soll es 60 Zimmer gegeben haben. Die wahre Bedeutung des Gebäudes ist jedoch nicht bekannt.

Nachdem wir alles besichtigt haben, setzen wir die Fahrt fort und machen den nächsten Stopp am relativ kleinen „Qasr Al Amra“. Dieses soll ein ehemaliges Jagdschloss gewesen sein mit einem üppig bemalten Thronsaal und einem Bad im römischen Stil. Die Räume sind jedoch recht klein und man könnte meinen, hier stand das Bad im Vordergrund. Aus einem benachbarten Brunnen wurde die Anlage mit Wasser versorgt. Die reiche Wandbemalung, die man auch nach 1300 Jahren noch erkennen kann, wird derzeit restauriert.

Auf dem Weg in Richtung Azraq kommen wir am Flüchtlingslager al-Azraq vorbei. Dieses Lager wurde 2014 für Flüchtlinge aus dem syrischen Bürgerkrieg gebaut und ist in 6 Dörfer aufgeteilt ist. So weit das Auge reicht, sehen wir weiße Zelte und Baracken. Es heißt, dass ca. 40.000 Flüchtlinge im Lager leben. Man bekommt ein beklemmendes Gefühl, wenn man dieses Lager sieht – völlig in der Pampa und ohne Anschluss zur Außenwelt und man kann sich ein wenig vorstellen, wie sich diese Menschen fühlen müssen.

Wir fahren weiter in den kleinen Ort Azraq. In dessen Ortsmitte befindet sich „Qasr Al-Azraq“, eine Anlage aus schwarzem Basalt, bei der man noch die Umrisse sehen kann. In ihrer Mitte stand eine Moschee. Der Haupteingang besteht aus einer massiven schwenkbaren Granitplatte. Na das ist ja mal eine Eingangstür!

Gleich hinter dem Ort Azraq kann man noch die Steinhaufen des „Qasr Ain-Es-Sil“ sehen. Mehr als ein paar Grundmauern gibt es hier aber nicht zu sehen und ausgeschildert ist es auch nicht. Diesen Abstecher kann man sich wirklich schenken.

Dafür entdecken wir auf der Weiterfahrt zum „Qasr Al Hallabat“ noch ein kleines, schön restauriertes  Badehaus „Hammam As Sarah“, das wir dank eines nicht ganz geschlossenen Tores auch aus der Nähe besichtigen können.

„Qasr Al Hallabat“ liegt etwas abseits und bis dort hin werden die „normalen“ Touristen nicht gebracht. So sind wir hier dann auch die einzigen Besucher und können uns in aller Ruhe umschauen. Das eine Gebäude ist sehr schön restauriert, während der Hauptpalast aus schwarzem Basalt von außen eher wenig einladend aussieht. Dafür entdecken wir hier ein paar echte Highlights. Wir sehen wunderschöne Bodenmosaike mit Tiermotiven, wie etwa einen Flamingo, aufwändige Freskos und Stuckarbeiten. Besonders beeindruckend sind jedoch die Torbögen, bei denen man sich fragt, wie das seit dem 2. Jh. halten konnte. Noch immer verwöhnt uns die Sonne und stahlblauer Himmel liefert den würdigen Rahmen für diese kulturhistorischen Kleinode.

Auf einem Rundweg fahren wir zurück nach Amman, um dort noch den Berg mit der Zitadelle und den Herkulestempel zu besuchen. Wir sind etwas verwundert, dass hier noch so viel Publikumsverkehr ist aber dann wird uns klar, dass die Menschen alle zum Sonnenuntergang schauen hier hoch kommen. Schließlich kann man bis vor die Tür fahren – wenn man einen Parkplatz bekommt – so dass dieser Besuch keine große Anstrengung ist. Man hat von hier oben noch einmal einen schönen Ausblick auf die Stadt Amman, sieht die größte Flagge der Welt wehen, kann auf das benachbarte Amphitheater schauen und kann das Treiben um die riesigen Säulen des Herkulestempels beobachten.

Wir brauchen sehr viel Geduld, um diese Säulen ohne posierwütige Touristen ablichten zu können. Der Sonnenuntergang ist dagegen eher ernüchternd. Statt dessen fahren wir – aufgrund des starken Verkehrs im Schritttempo – durch die King Faisal Street und die Al Rainbow Street. In diesen Straßen ist so richtig was los und man kommt aus dem Schauen gar nicht heraus. Leider sind wir zu kaputt, um hier noch zu Fuß durch zu flanieren. Aber so geht es auch, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Zurück im Hotel werden wir heute von der Security nicht mehr kontrolliert. Darf man jetzt etwa kiffen, wenn man erst mal Hotelgast ist, oder was? Der Sinn der gestrigen Kontrolle erschließt sich uns nicht; aber egal. Wir sind hungrig. Auf der offenen Dachterrasse im 13. Stock essen wir Sushi, trinken einen leckeren jordanischen Wein, lassen uns von jordanischer Mucke beschallen, schnuppern den Shisha-Duft der vielen obligatorischen Wasserpfeifen und schauen von oben auf das Lichtermeer der Stadt. Auch jetzt am Abend lässt es sich noch wunderbar ohne Jacke aushalten. Gut, dass der Weg in unser Bett nicht mehr sehr weit ist!

05.10.2019     Amman „Landmark Hotel“

Für heute haben wir die Besichtigung des historischen Gerasa in der Stadt Jerash vorgesehen. Die Stadt befindet sich 46 km entfernt und bietet eine riesige römische Anlage mit zum Teil noch gut erhaltenen Gebäuden und Säulen. Das Gelände ist sehr weitläufig, steht unter dem Schutz der UNESCO und gehört zu den „Must See“ in Jordanien. Wir sind früh dort, parken vor dem Eingang und machen uns auf den Weg. Uns empfängt ein spektakulärer Torbogen – der „Hadrianus Arch“.

Wieder dürfen wir uns über stahlblauen Himmel freuen und werden von der Sonne verwöhnt. Schon am Hippodrome fällt uns auf, dass das Gelände extrem schmutzig, verwahrlost und vermüllt ist. Zwar treffen wir später ein paar Angestellte, die ein wenig Müll aufsammeln aber auch der wird wieder hinter der nächsten Ecke verbrannt. Man kann sich vorstellen, wie es stinkt und raucht, wenn Müllcontainer voll mit Plastikflaschen verbrannt werden.

Wir laufen über das „Forum Cardo“ – einen runden Platz, der von Säulen umsäumt ist. Eine Säulenallee „Gardo Maximus“ führt uns vorbei am „Nymphäum“ – ein den Wassernymphen geweihtes zweigeschossiges Gebäude mit reichen Fresken. Daneben befindet sich der oppulente Treppenaufgang zum „Artemis-Tempel“, der weiter oben auf dem Berg steht. Der „Artemis-Tempel“ hatte ursprünglich 32 Säulen, von denen noch 11 aufrecht stehen und an 9 von ihnen kann man noch die üppige Freskenverzierung erkennen. Der aus dem 2. Jh. stammende „Artemis-Tempel“ war eines der wichtigsten Bauwerke der Stadt und von seinem Standort oben auf dem Hügel kann man schön auf das Ausmaß der gesamten Anlage blicken. In der Nähe befindet sich noch das „Nord-Theater“, das noch sehr gut erhalten ist. Man kann sich gut vorstellen, wie hier Aufführungen stattfanden.

Von der gleich nebenan befindlichen Kirche „Church of Bishop Isaiah“ sind leider nur noch die Fundamente zu erkennen, aber dafür gibt es dort schöne Bodenmosaike zu bewundern.

Im großen Bogen laufen wir nun zum „Süd-Theater“, das sich jedoch nicht sehr vom „Nord-Theater“ unterscheidet. Es bietet lediglich mehr Sitzplätze. Nun steigen wir noch zum „Zeus-Tempel“ auf, der aber außer ein paar aufrecht stehenden Säulen und ein paar Mauern nicht viel zu bieten hat.

Nachdem wir viel Zeit zwischen den vielen römischen Steinen verbracht haben, verlassen wir am Nachmittag das Gelände ein wenig enttäuscht. Zum einen, weil derzeit leider die Aufführungen zum römischen Gladiatorentreffen und Wagenrennen im Hippodrom nicht statt finden und zum anderen, dass hier doch alles ziemlich schlecht gepflegt wird, obwohl die UNESCO fleißig Geld liefert. Trotzdem ist das alte Gerasa einfach sehenswert und ich habe nicht umsonst vom fotografieren eine Blase am Finger!

Der Parkplatz steht inzwischen voller Reisebusse und jeder Bus hat grundsätzlich während der gesamten Wartezeit den Motor laufen, damit der Bus schön klimatisiert wird. Auch wenn die Touris ein paar Stunden auf dem Gelände zubringen, läuft derweil der Motor vom Bus – von JEDEM Bus!

Auf dem Weg zurück nach Amman bieten die Landwirte der Umgebung ihre Ernte an der Straße an. Zur Zeit sind es überwiegend Tomaten, Auberginen, Zwiebeln, Granatäpfel, die wie gemalt aussehen, Trauben und Feigen. Wir wollen eigentlich ein Kilo Feigen kaufen, bekommen dann aber mehr als zwei Kilo und fallen schon im Auto gierig über die saftig reifen süßen Früchte her. Sie sind so lecker!

An der City Mall in Amman machen wir noch Halt, um ein wenig Reiseproviant und Rosenwasser einzukaufen. Die Mall ist recht modern und hier gibt es eine Menge internationaler Modemarken. Im Foot-Court der Mall essen wir dann gleich noch zu Abend – dann sind wir für heute fertig. Draußen hat es nun sogar zu regnen begonnen. Viel mehr als ein paar bescheidene Tropfen fallen aber nicht.

Der Security-Mann des Hotels kennt uns inzwischen schon und wischt nicht mehr über das Lenkrad, sondern fragt nach unserem Tag. Mit unseren Feigen im Arm, den klappernden Flaschen Rosenwasser und der Chipstüte im Einkaufsbeutel, dem Fotorucksack über der Schulter und der Shoppingtüte am Arm sind wir eine Augenweide, wenn wir durch die vornehme Hotellobby marschieren. Vorher muss das ganze Zeug dann noch durch den Sicherheitsscanner. Will nicht wissen, was die Angestellten denken. Die können ja nicht wissen, dass unsere Flaschen nur harmloses Rosenwasser enthalten.

Wir schaffen es gerade noch, unsere Route für morgen zu planen, bevor wir ziemlich kaputt in die Betten fallen.

06.10.2019     Amman – Dana „Dana Eco Camp”

Wieder sind wir früh reisefertig. Heute verlassen wir Amman in Richtung Süden. Wir geraten in den Berufsverkehr und es ist ganz schön anspruchsvoll, in dem Verkehrstrubel mitzuspielen. Die häufig dreispurigen Zufahrtsstraßen sind alle ohne Fahrbahnmarkierung und jeder fährt, wie es ihm einfällt. Dazu wird fleißig gehupt.

In der Stadt Madaba, die heute auf unserem Weg liegt, halten wir an der „Apostel Kirche“. Hier gibt es ein riesengroßes Bodenmosaik, das wir besichtigen. Rund um das Mosaik wurde ein Steg gebaut, damit man das Kunstwerk nicht betreten muss. Der vordere Teil des Kirchenschiffes, über den man sich dem Mosaik nähern könnte, ist ebenfalls abgesperrt. Als ich versuche, ein wenig durch die Absperrung zu fotografieren, werde ich vom Aufseher zurückgepfiffen. Dann verlangt er meine Kamera, steigt über die Absperrung und fotografiert mir gewissenhaft sämtliche gut erhaltenen Bodenmosaike. Ich bin total perplex über diese Geste.

Das berühmteste Mosaik von Madaba findet sich in der Kirche „St. Georg“. Es handelt sich dabei um eine Landkarte, die das einstige Palästina zeigt. Das Werk wird auch „Madaba-Mosaik“ genannt und stammt aus dem 6. Jahrhundert. Leider ist heute Sonntag und da findet gerade der Gottesdienst statt. Während dieser Zeit wird das Mosaik mit einem Tuch abgedeckt, damit es nicht beschädigt wird und warten, bis der Gottesdienst vorbei ist, wollen wir nicht, denn heute stehen noch einige Ziele auf dem Plan. So verzichten wir auf den Besuch dieser Kirche und gehen statt dessen schnell noch vor dem Gottesdienst in die „St. Josefs-Kirche“. Hier befindet sich auch der Schrein von Johannes dem Täufer und auch hier gibt es Bodenmosaike. Der Kirchendiener will uns noch in den Glockenturm schicken, aber das lehnen wir dankend ab. Dann lieber in die Katakomben runter, wo auch der Schrein steht. Nun ja, als Nichtchristen können wir nicht wirklich viel damit anfangen.

Wir fahren noch zum Archäological-Park, wo uns eine nette Frau eine Führung gibt und die vielen schönen Mosaike etwas erklärt. In den Grundmauern eines überdachten Kirchenschiffes gibt es zahlreiche, gut restaurierte Mosaike zu bewundern.

Da sich gleich nebenan die Mosaik-Schule befindet, besuchen wir die anschließend auch noch. Freundlich werden wir herein gebeten und bereitwillig wird uns erklärt, wie die Mosaike hergestellt werden. Junge Mädchen fertigen gerade kleinere Arbeiten an. Es ist interessant, ihnen dabei zuzuschauen.

Von Madaba fahren wir weiter nach „Umm Er Rasas“, eine große Ausgrabungsstätte, die einmal eine Siedlung war, umgeben von einer Stadtmauer. Da bisher nur ein kleiner Teil ausgegraben wurde, sieht man überwiegend Ruinen. Aus byzantinischer Zeit stammen Reste eines Turms, der von ersten christlichen Mönchen genutzt wurde. In den überdachten Ruinen der Stephanuskirche kann man die Reste von Bodenmosaiken aus der Zeit der Umayyaden sehen. Sie zeigen Stadtansichten aus Jordanien, Palästina und Ägypten.

Wir besichtigen ganz viele Steinhaufen, einige gut erhaltene Torbögen, die Reste der Kirche mit Bodenmosaiken, ein Kirchenschiff, das ebenfalls überdacht wurde, um die vielen Mosaike vor dem weitern Verfall zu schützen und eine gewaltige Stadtmauer. Auch hier wurde – dank UNESCO-Fördermitteln – 2007 ein modernes Visitor-Center errichtet, das inzwischen aber schon ziemlich vergammelt ist. Das Gelände der Ruinenstadt ist wenig gepflegt, Wege gibt es nur ein paar und so richtig lohnend ist der Besuch nicht. Gut, dass es auf dem Weg liegt.

Wir fahren durch das Mujib-Tal, das eine gigantische Berglandschaft zu unseren Füßen ausbreitet. Im Tal befindet sich die Mujib-Talsperre, die die knochentrockene Berglandschaft mit Wasser versorgt. Bis in große Höhen wird Gemüse angebaut.

Dhiban, Mujeb Valley

Die nächste Sehenswürdigkeit, die auf unserer Strecke in den Süden liegt, ist die Burg „Kerak“, die wir ebenfalls noch ansteuern. Die mächtige Burg thront über der Stadt auf einem Felsen. Viel zu sehen gibt es hier aber auch nicht. Man hat zwar einen schönen Ausblick, aber die Räume sind meist dunkel und leer. Da fällt es schwer, sich vorzustellen, was hier einmal war. Lange halten wir uns in dieser Burg nicht auf. Unser Tagesziel ist noch einige Kilometer entfernt und im Dunklen wollen wir dort nicht ankommen.

Wir wählen eine Route, die uns nicht auf direktem Weg auf dem Kings Highway ans Ziel führt sondern machen einen Umweg durch sehr spektakuläre Berglandschaft. Immer wieder sehen wir in der kargen, staubtrockenen Landschaft Beduinenzelte, in denen nomadisch lebende Großfamilien hausen. Ein großer fahrbarer Wassertank, ein eingezäumter Pferch für die Schafe und ein klappriger Kleintransporter sowie ihr „Haus aus Haar“ sind ihr ganzer Besitz und Komfort, der dann auch von Zeit zu Zeit als abenteuerliche Ladung umgezogen wird. Die Familien leben mitten im Dreck und es gehört schon einiges dazu, dass man ein solches Leben lebt.

Immer wieder halten wir an, um die spektakuläre Landschaft zu bestaunen. So nähern wir uns dem kleinen Ort Dana, der mitten im Dana Biosphären-Reservat liegt. Wir befinden uns auf 1500 Metern Höhe und vor uns fallen die Felsen steil ab. In „Dana Historic Village“, einem kleinen Ort direkt in der Felsenlandschaft, das nur aus Hotels und einer verfallenen alten Lehmsiedlung besteht, sollen wir uns melden, damit man uns den Weg ins „Dana Eco Camp“ beschreibt. Schon als ich im „Dana-Hotel“ auf die Toilette gehe und einen Blick in die Zimmer werfen kann, schwant mir, was uns erwartet. Eigentlich sollen alle Gäste ihr Fahrzeug auf dem angrenzenden Parkplatz abstellen und werden dann mit dem Pickup abgeholt. Da wir ein 4×4-Fahrzeug haben, fehlen offensichtlich die Argumente, warum wir nicht selbst fahren können. Im Vorfeld hatte das Hotel x-Mal per Whats-App mit uns kommuniziert und lange Anhänge mitgeschickt. Wir sollten unsere Buchung, die wir über booking.com gemacht haben, stornieren und bei ihnen direkt buchen. Dafür wolle man uns einen günstigeren Preis geben, dann war der gebuchte Raum nicht verfügbar (dafür Zelt mit Gemeinschaftsbad) usw. Es gab die letzten Tage regen Nachrichtenverkehr. Kein Wunder, dass die Bewertungen in booking.com so wenig und dünn sind.

Jedenfalls warten wir schon eine halbe Stunde in Dana Village und außer einem Whats-App-Hallo haben wir noch nichts gehört. Vor uns befindet sich ein Bergkessel und am gegenüberliegenden Hang sehen wir auf halber Höhe einen Pickup in Richtung eines Camps fahren. Bei einem Blick durch unser Fernglas sehen wir, dass das Camp schon voller Menschen ist. Wir fragen einen der umstehenden Männer, ob das das Camp ist und sie bestätigen es. Es sei „verry easy“, dort hin zu fahren. Noch überlegen wir, ob wir uns das geben, aber dann entscheiden wir uns doch, rüber zu fahren. Ein absolut normaler Weg, der mit jedem normalen Fahrzeug befahren werden kann, führt in das Camp. Hier sitzt alles voll junger Leute. Wir bekommen unser gebuchtes Räumchen, das eine spektakuläre Aussicht hat, aber ansonsten nicht mit weiteren Vorzügen punkten kann. Die Betten sind zusammengenagelte Bretter, der Nachttisch fällt auseinander, als wir ihn etwas auf die Seite schieben wollen und Platz ist in dem Raum nicht mal für zwei Taschen. Kurz – eine Bruchbude, die Eco ist, weil erst abends der Strom angeschalten wird. Wir sind froh, dass wir unsere Schlafsackinletts aus Seide dabei haben, denn die Bettwäsche sieht auch nicht aus, als würde man sich die Mühe machen, bei jedem Gast das Bett neu zu beziehen.

Das abendliche Dinner – man hat ja sonst keine Wahl – wird bei Kerzenschein als Buffet serviert. Aber hier wurde nicht etwa gekocht sondern das Essen wird drüben aus dem Dorf geholt; ist ja keine 5 Minuten Fahrt entfernt. 38 Leute zählen wir inzwischen und das einzige „Handfeste“, was es zu Essen gibt, sind Hackfleischbällchen (in Tennisballgröße) mit Soße. Die werden zugeteilt – einer für Jeden. Gut, dass wir heute noch nicht wissen, dass dieses „Dinner“ 20 JD (etwa 26 Euro) pro Person kostet.

Nach dem Dinner werden die Touren für morgen verkauft. Hier vom Camp aus kann man rein gar nichts unternehmen. Es ist auch viel zu steil, als dass man hier wandern könnte. Für jede Aktivität muss man einen Guide nehmen und wird irgendwohin gefahren – natürlich für teures Geld. Selbst der Pickup drüben vom Parkplatz ins Camp kostet 5 JD (6,50 €). Die Touren bekommt man für etwa 50 € aufwärts. Den einzigen Sinn, den dieses Camp hier am Hang macht, ist es, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Weder satt noch zufrieden ist für uns klar, dass wir hier keine zwei Nächte bleiben, auch wenn wir dadurch 70 JD verlieren und in Petra wesentlich mehr Geld bezahlen müssen. Der sinnvolle Einsatz unserer Zeit ist uns das allemal wert. Eigentlich wollten wir ja ohnehin in die „Feynan Eco-Lodge“, aber die war leider ausgebucht. Dieses „Dana Eco-Camp“ ist jedenfalls ein Reinfall. Die ganze Nacht kläffen streunende Hunde und dann quält mich auch noch ein Moskito und zersticht mir das ganze Gesicht.

07.10.2019     Dana Eco Camp – Petra “Sellar Hotel”

Das morgendliche Frühstück schafft es, das Dinner vom Vorabend noch in den Schatten zu stellen. Wir haben echt Not, etwas Essbares zu finden, das nach unserem Geschmack ist. Die abgestandenen Fladenbrote schmecken wie Pappendeckel und im Handumdrehen ist dann auch noch die Marmelade alle. Wir sind froh, als wir uns endlich wieder in unser Auto setzen und die Weiterfahrt antreten können.

Auf halbem Weg nach Petra besuchen wir noch die Burg „Shoubak“ (auch Shobak). Diese Burg wurden von den Kreuzrittern unter König Baldouin von Jerusalem im Jahre 1115 erbaut, um die Karawanenwege zwischen Syrien und Ägypten zu kontrollieren. Die auf einer Anhöhe errichtete Burg war die erste Festung, die vom Kreuzritterkönigreich jenseits des Jordan errichtet worden war.

Ein Teil dieser Festung, die auch unter dem Schutz der UNESCO steht, wurde instand gesetzt, damit man sich ein Bild von den Ausmaßen dieses Gebäudes machen kann. Von oben hat man einen schönen Ausblick über die Landschaft. Wir streifen ein wenig durch die alten Gemäuer. Auf dem Rückweg zum Parkplatz beobachten wir einen jungen Einheimischen, der – natürlich bei laufendem Motor – eine komplette großen Flasche Trinkwasser über die Scheiben seines PKW gießt und dabei den Scheibenwischer laufen lässt. Anschließend wirft er die Flasche ohne auch nur zu zucken, in die Burganlage. So viel zum Umweltverständnis der Einheimischen! Obwohl das Land so karg ist, scheint Wasser (noch) in ausreichender Menge vorhanden zu sein; na und über den Umgang mit Müll habe ich mich ja schon ausgelassen. Immer und überall fliegt alles in die Landschaft; egal, ob Mülltonnen vorhanden sind oder nicht. Hier hätte Fräulein Greta Thunberg mit ihren Jüngern mal so richtig zu tun und könnte zeigen, dass man Reden auch Taten folgen lassen muss. Wir kommen uns jedenfalls lächerlich vor, wenn wir überlegen, ob wir nicht in Zukunft unser Geschirrspülmittel im Geschäft wieder auffüllen sollen, damit die Plastikflasche ihre Daseinsberechtigung behält, während hier das Land buchstäblich mit Plastik zugemüllt wird – und das nicht in erster Linie wegen der – oder gar – von den Touristen.

Wir kommen am Mittag in Petra an und haben kein Problem, im „Sellar-Hotel“ auch für die kommende Nacht ein Zimmer zu bekommen. Nachdem wir eingecheckt haben, fahren wir uns orientieren, damit wir morgen früh keine Zeit verlieren. Für heute lohnt es sich nicht mehr, noch auf das Gelände vom historischen Petra zu gehen. So beschließen wir, nach „Little Petra“ zu fahren. Wir bewundern unterwegs die gigantische Sandstein-Kulisse und laufen in die Schlucht von „Little Petra“.

In „Little Petra“ gibt es auch zwei in den Stein gehauene Tempel und jede Menge Souvenirverkäufer. In der Schlucht ist es schön schattig und es geht ein angenehmes Lüftchen, so dass wir es gut aushalten können. Den ganzen Tag in der Sonne laufen, wird morgen eine Herausforderung.

Im Anschluss an diese kurze Wanderung fahren wir noch nach „Taybet Zaman“, wo es angeblich gute Sonnenuntergangs-Ausblicke geben soll. Im Moment steht die Sonne dafür aber recht ungünstig und schon gestern hatten wir gesehen, dass das mit dem Sonnenuntergang eher bescheiden ist.

Als wir uns auch dazu einen Überblick verschafft haben, steuern wir in Petra ein Restaurant (“Al Wadi”) an, das in Tripadvisor viele gute Bewertungen hat. Hier gibt es sogar frisch gepressten Fruchtsaft und wir können unser Depot an Vitamin C wieder auffüllen. Während ich mich für ein typisch beduinisches Gericht mit Schaf und Reis entscheide, wählt Uwe den Hühnchen-Grillspieß. Er bekommt „Pappedeckel“ (Maistortillas) dazu und wird nicht wirklich satt. Meine Portion ist dagegen nicht nur sehr schmackhaft sondern auch noch so reichlich, dass er von mir noch einen Teil essen kann. Hier kommen wir wieder her, denn es war wirklich lecker.

Jetzt fahren wir zurück ins Hotel, erledigen unseren „Bürokram“ wie Bilder sichern, Mails schreiben, googeln und Reisebericht tippen und versuchen, etwas früher schlafen zu gehen, damit wir morgen früh zeitig starten können.

08.10.2019     Petra “Sellar Hotel”

Pünktlich zur „Eröffnung“ des Frühstücks stehen wir um 6:30 Uhr im Frühstücksraum. Das Frühstück ist dann auch recht schnell erledigt, weil doch sehr überschaubar. Überhaupt muss man sagen, dass bei diesem – immerhin 4-Sterne-Hotel – Preis-Leistung überhaupt nicht stimmt. Allein für die Handtücher gilt – weiß lässt sich unterschiedlich interpretieren. Wenn meine Putzlappen allerdings so aussehen, werfe ich sie weg. Hier sollen wir uns damit abtrocknen, igitt! Überhaupt haben in Petra die Zimmerpreise schon utopische Größenordnungen erreicht, die natürlich von den Touristen zwangsläufig akzeptiert werden. Dieses Hotel ist fest in italienischer Hand und täglich werden ein bis zwei Busladungen von italienischen Touristen „abgeladen“. Das Personal – ausschließlich Männer – ist herablassend arrogant und überhaupt nicht freundlich.

Kurz vor 8 Uhr steuern wir das Visitor-Center von Petra an, lassen unsere Jordan-Pass-Tickets scannen und dürfen dann passieren. Dieser Jordan-Pass hat uns 80 JD gekostet, wir konnten ihn schon im Vorfeld der Reise online erwerben und er berechtigt zum freien Eintritt in viele Sehenswürdigkeiten Jordaniens. Bis jetzt haben wir erst ein einziges Mal extra Eintritt bezahlen müssen und das war 1 JD. Ansonsten hat sich der Pass für uns schon gelohnt, zumal er für 3 Tage in Petra freien Eintritt gestattet und das kostet normalerweise pro Person und Tag schon 50 JD.

Petra ist seit 1985 UNESCO-Weltkulturerbe und wurde in einem Wettbewerb 2007 in Lissabon zu einem der neuen sieben Weltwunder gewählt. Unsere Erwartungshaltung ist also entsprechend hoch.

Wir folgen dem Menschenstrom in Richtung Siq und schon jetzt werden wir mehrfach angesprochen, ob wir nicht mit einem Esel oder Pferd fahren wollen. Nein, wir laufen und wollen den Siq in vollen Zügen genießen – sofern das bei den vielen Menschen überhaupt möglich ist. Denn der einzige Weg nach Petra und wieder hinaus führt zu Fuß durch eine rund vier Kilometer lange vielfach gewundene Felsenschlucht Siq al-Mudlem (Schlucht auf arabisch „siq“), deren Wände zu beiden Seiten 200 Meter hoch aufragen und die teilweise nur drei Meter breit sind. Diese Schlucht ist mehr als einen Kilometer lang. Es wird immer enger und die Pferde, Kutschen und Esel galoppieren an uns vorbei. Man muss immer ein wenig aufpassen, dass man nicht umgefahren wird.

Am Ende der Schlucht, an der engsten Stelle, tut sich uns –  zuerst nur einen Spalt breit – ein unvergesslicher Anblick auf: die Fassade des „al-Khazneh“, bekannt als „Schatzhaus“ oder „Treasury“, unsterblich gemacht von Harrison Ford in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“. Wenige Schritte später können wir das überwältigende Schatzhaus des Pharaos, das „al-Khazneh“ – datiert ins Jahr 56 v. Chr. – in seiner vollen Pracht bewundern. Es ist gigantisch, was sich hier vor uns auftut und wir können uns kaum vorstellen, wie das von den Nabatäern vor mehr als 2000 Jahren ohne die heute zur Verfügung stehenden Hilfsmittel erbaut wurde. Allein die enormen Ausmaße dieses riesigen, in den dunkelrosafarbenen Sandsteinfelsen geschlagenen Gebäudes im griechischen Stil, mit einer Breite von 30 Metern und einer Höhe von 43 Metern stellt alles bisher Gesehene in den Schatten. Und tatsächlich – so viel hatten wir schon über Petra gelesen, gehört oder auf Bildern gesehen und doch bereitet einen nichts auf dieses Weltwunder der Neuzeit vor. Petra muss man mit eigenen Augen gesehen haben, um es zu glauben. Ob man es begreifen kann, bleibt dennoch dahingestellt.

Das Schatzhaus de Pharao wurde als Grab eines bedeutenden Nabatäerkönigs gemeißelt. Die Fassade ist reich dekoriert mit korinthischen Kapitelen, Friesen und Reliefs und sie wird gekrönt von einer riesigen Urne, die einer Legende nach den Schatz des Pharaos enthielt. Es ist Petras berühmtestes und am besten erhaltene Monument und doch nur eines von unzähligen architektonischen Wundern, die in Petra zu besichtigen sind, denn hinter dem „al-Khazneh“ erstrecken sich die Ruinen einer einst blühenden Stadt und eines wichtigen Handelszentrums, das bis zur Mitte des 1. Jh. die alten Karawanenrouten kontrollierte, die Arabien mit Nordafrika und dem Mittelmeerraum verbanden.

Bevor wir den großen Vorplatz vor dem Schatzhaus verlassen, bietet sich uns hier noch ein kleines Schauspiel. Hübsch zurecht gemachte Beduinenreiter stellen sich und ihre Pferde zur Schau, um für einen Werbefilm zu posieren. Auch Kamele und Esel warten wieder auf Kundschaft.

Wir wenden uns hinter dem „al-Khazneh“ der Fassadenstraße zu. Hier befinden sich zahlreiche nabatäische Gräber, die in die Felsen gemeißelt wurden. Die Fassaden werden von Treppenstufen, Pfeilern und gemeißelten Halbkreisen gekrönt. Als nächstes passieren wir das Theater, das weltweit das einzige Amphitheater ist, das vollständig in Felsen gehauen wurde.

Das nächste Highlight sind die Königsgräber, die aus dem „Urnengrab“, dem „Seidengrab“, dem „Korinthischen Grab“ und dem „Palastgrab“ bestehen. Diese vier nebeneinander liegenden Fassaden sind nicht minder gigantisch und beeindruckend. Allein die verschiedenen Gesteinsfarben sind besonders.

Die gigantische Königsgräber-Wand

Über die Säulenstraße, die wahrscheinlich mal die Haupteinkaufsstraße des antiken Petras war, bewegen wir uns in Richtung Kloster „Ad Deir“ doch zunächst passieren wir noch den großen Tempel, von dem noch einige Säulen erhalten sind und das Mädchenschloss „Qasr al-Bint“, von dem jedoch leider nur zwei Mauern erhalten sind, die auch noch durch einen Zaun geschützt werden. Dennoch, die verbliebenen Reliefs an den Mauern sind noch gut zu erkennen.

Bevor der beschwerliche Weg zum Kloster „Ad Deir“ beginnt, kann man sich im Restaurant des „Crown Plaza“ noch stärken, denn ab jetzt wird es anstrengend. Hinter dem Restaurant führt der Wanderweg links auf vielen Felsenstufen in Serpentinen rauf zum großartigen Grabtempel mit spektakulären Blicken ins Tal. Der Aufstieg könnte auch auf dem Rücken eines Esels oder Pferdes bewältigt werden, kommt aber wohl nur für Lebensmüde in Betracht, denn wenn Gaul oder Esel ausrutschen, dann gibt es kein Halten.

Am Ende des Aufstiegs wird man überrascht vom Anblick des „Ad Deir“-Klosters, das mindestens genau so imposant ist wie das Schatzhaus. „Ad Deir“ ist eines der größten Bauwerke in Petra. Es ist 47 Meter breit und 48 Meter hoch. Allein die Spitze ist 9 m hoch.

Auf einem Felsvorsprung gegenüber des Klosters verweilen wir eine Weile, bevor wir uns im benachbarten Restaurant einen frischen Fruchtsaft genehmigen. Zwar ist jetzt zum Nachmittag die Fassade des Gebäudes schön ausgeleuchtet, aber die Sonne scheint eben auch auf den beschwerlichen Weg, der hier hoch führt. Morgens ist wohl der Weg oder zumindest Teile von ihm eher im Schatten. Der Weg zurück ist der gleiche, wie der Hinweg aber hinunter geht es eindeutig besser. Auf dem Rückweg zum Siq machen wir noch einen Abstecher zur byzantinischen Kirche, in der es zwei schöne Bodenmosaike zu besichtigen gibt.

Inzwischen sind auch die Königsgräber von der Sonne angeleuchtet, so dass wir sie auch noch einmal besuchen, bevor wir wieder zum Schatzhaus laufen. Hier angekommen, verweilen wir noch etwas und lassen die Szenerie einfach auf uns wirken, bevor wir gegen 16 Uhr voller überwältigender Eindrücke und ziemlich laufmüde den Rückweg antreten.

Aber natürlich kommt es nicht in Frage, dass wir Schwäche zeigen und uns mit der Kutsche fahren lassen. Als wir endlich am Auto ankommen, sind wir sehr froh, den anstrengenden Tag geschafft zu haben. Jetzt brauchen wir nur noch etwas zu Essen und da wissen wir auch schon, wohin wir gehen. Im „Al Wadi“, dem Restaurant, in dem wir gestern schon gegessen haben, bekommen wir schmackhaftes Essen, leckere frisch gepresste Fruchtsäfte und kosten die süße Nachspeise Baklava, die uns äußerst gut schmeckt. Dabei lassen wir den Tag Revue passieren und stellen fest, wer immer Petra bereisen wird, dem wird es vielleicht so ergehen wie Thomas Edward Lawrence (besser bekannt unter „Lawrence von Arabien“), der in seinem Buch „Die sieben Säulen der Weisheit“ geschrieben hat, „Petra ist der herrlichste Ort der Welt“ und jede Beschreibung des Ortes müsse vor der eigenen Erfahrung mit der Stadt verblassen“.

Unsere Fitnessbilanz sagt, dass wir heute 27.500 Schritte (ca. 22 km) zurückgelegt haben, 87 Stockwerke aufgestiegen sind und dabei 250 Höhenmeter überwunden haben. Wir sind geschafft und froh, als wir endlich im Bett liegen. Morgen erwartet uns dann Petra Tag 2.

09.10.2019     Petra “Sellar Hotel”

Unseren zweiten Tag in Petra können wir etwas entspannter angehen, denn die meisten Sehenswürdigkeiten haben wir gestern schon besichtigt und fotografiert. Heute sind wir auf weniger touristischen Wegen unterwegs.

Es gibt in Petra mehr als 800 Monumente und 500 Grabstellen auf 264 Quadratkilometern, denn Petra ist viel mehr als die Fassade des Schatzhauses. Es gibt unzählige Routen, auf denen man „die rosarote Stadt der Wüste“ erkunden kann. Man sagt, in Petra haben einmal 20.000 Menschen gelebt.

Wir wählen heute zuerst den Aufstieg zum Opferplatz. Dabei ist es gar nicht so einfach, den richtigen Weg zu finden und wer Höhenangst hat, hat hier auch ein kleines Problem. Zum Glück hilft es mir, wenn ich durch die Kamera schaue.

Vom Opferplatz laufen wir ins „Wadi Farasa“ hinunter. Hier gibt es einen Komplex, der nicht so überlaufen und dennoch sehr sehenswert ist. Wir kommen vorbei an einem 4,5 m langen und ca. 2,5 m hohen Löwenrelief, aus dessen Maul einmal Wasser sprudelte. In der Schlucht angekommen, bestaunen wir ein Blockgrab, das vielfarbig gemusterte Wände hat. Es sieht aus, als hätte der Sandstein ein abstraktes Gemälde kreiert mit seinen unterschiedlichen Farben und Maserungen. Vom Blockgrab aus blicken wir schon auf das nächste Highlight – das Säulenportal des „Gartentempels“. Hinter diesem befindet sich das Grab des römischen Soldaten (Tomb of the Roman Soldier ) und gegenüber der „Bunte Saal“.

Hier treffen wir auch auf zwei Beduinenjungs die sich ein wenig ausruhen, bevor sie ihre Esel wieder als „Taxi“ bei den fussmüden Touristen anpreisen. Die beiden Jungs lassen sich auf meine Bitte hin gern fotografieren und offenbar findet mein Foto Gefallen, denn der Größere von ihnen fotografiert es sich vom Display ab.

Die jungen Beduinenmänner und auch schon kleinere Jungs schminken sich Augen mit schwarzem Kajal bzw. mit Holzkohle. Dadurch wirken ihre ohnehin schon großen dunklen Augen noch interessanter und geheimnisvoller. Außerdem tragen sie ihre Kopfbedeckung wesentlich verwegener, als es der gemeine Jordanier tut. Man meint immer, sie sind einem Seeräuber-Film entsprungen.

Als wir weiter durch die Schlucht wandern, treffen wir auf einen kleinen, etwa sechsjährigen Beduinen-Jungen, der uns Steine verkaufen will. Er ist scharf auf meinen kleinen Plüsch-Eisbären und fordert den ziemlich selbstbewusst-rotzig ein. Als ich eine leere Wasserflasche klein mache, um sie in den Rucksack stecken zu können, schaut er mir mit fragendem Blick zu und meint nur, ich soll sie hinter mir in den Tempel werfen. So viel zum Umgang mit Müll! Schon gestern hatten wir sogar bei einem Polizisten vor den Königsgräbern beobachtet, dass er seine leere Cola-Dose lieber in einen Busch zu seinen Füßen stellt, statt maximal sechs Schritte bis zum nächsten Mülleimer zu laufen.

Überhaupt sind die meisten Tempel und Höhlen voller Müll, stinken unglaublich nach Urin und/oder werden von den Beduinen bewohnt. Dann sind sie auch noch voller Tierdung, weil in ihnen auch die Esel, Pferde und Hühner untergebracht sind. Mit UNESCO-Weltkulturerbe hat das hier nicht wirklich etwas zu tun und wir fragen uns, was mit den vielen Fördermitteln gemacht wird.

Dabei ist auch der Blick in die Felsengräber und Höhlen sehr sehenswert, denn das Gestein der Felsen hat eine bemerkenswerte Farbe und Struktur. Manchmal meint man, hier waren Künstler am Werk, die das Innere kreativ gestrichen haben.

Nach dieser großen Runde schlendern wir noch einmal an den Königsgräbern vorbei, nehmen den Höhenweg, um einen Blick von oben auf das Amphitheater zu werfen und fotografieren auch das Schatzhaus „al-Khazneh“ noch von oben. Der schönste Platz, um diese Fassade von oben zu fotografieren ist jedoch von einem Beduinen belegt, der dafür 1 JD kassiert. Da ist er aber bei Uwe an der falschen Adresse, von wegen „das ist mein Platz“! Wir haben schließlich Eintritt bezahlt. Schlimm ist nur, dass die meisten Touristen anstandslos zahlen.

Heute verlassen wir das historische Petra etwas früher, denn wir wollen am Abend noch „Petra at night“ erleben und irgendwann müssen wir auch mal etwas essen. Das tun wir wieder im „Al Wadi“. Dort geht es schnell und schmeckt sehr gut. Vorher machen wir noch Halt im Back- und Süßwarenladen und stellen fest, wir sind im Paradies! Hier gibt es in X verschiedenen Sorten das Baklava, was wir gestern im Restaurant gekostet haben. Der Verkäufer lässt uns noch ein paar Stücke probieren und wir schlagen zu. Zwar ist das alles sehr süß, aber köstlich. Dem Kassierer ist es zu mühsam, die vielen kleinen Teilchen einzeln zusammenzuzählen. Er schätzt den Preis und wir bekommen noch einmal zwei süße Stangen in die Hand gedrückt. Oho, hier waren wir noch nicht das letzte Mal einkaufen!

Die Eintrittskarten für „Petra at night“ haben wir schon am Morgen gekauft. 17 JD pro Person (ca. 20 €) sind jetzt nicht unbedingt ein Schnäppchen, aber was soll´s. Um 19:45 Uhr finden wir uns am Eingang ein und sind die ersten in der Schlange. Pünktlich um 20 Uhr setzt sich die Menschenmenge mit einem Beduinen an der Spitze in Zweierreihe Richtung Siq in Bewegung. Der hagere Beduine hat nun alle Hände voll zu tun, um den Leuten beizubringen, dass sie die Klappe halten, den Anblick genießen, nicht so hetzen und in einer Reihe bleiben sollen. Schon auf dem Weg zum Siq sind aller zwei Meter Papiertüten mit Sand unten drin und einer brennenden Haushaltkerze aufgereiht. Einige der Felsvorsprünge sind ebenfalls mit diesen Kerzen-Tüten bestückt. Gerade beleuchtet der aufgehende Mond diese Szenerie noch und es ist wirklich ein hübscher Anblick.

Schweigend und genießend folgen wir dieser romantischen Wegbeleuchtung bis in den Siq. Hier, wo die Felswände teilweise aneinander stoßen, ist es bei dieser idyllischen Kerzenbeleuchtung noch schöner anzusehen. Bis zum Schatzhaus ist der Siq rechts und links mit Kerzen bestückt und sieht wunderschön aus. Vor dem „al-Khazneh“ breitet sich ein Lichtermeer von Kerzen-Tüten aus. Der ganze Platz ist mit diesen Tüten bestückt und zwischendrin liegen Bastmatten, auf die man sich setzen kann.

Später wird das Schatzhaus mit wechselndem farbigen Licht angestrahlt. Nun ja, das ist gewöhnungsbedürftig, die Farbwahl tut manchmal dem Auge weh aber ist halt Ansichtssache. Im Verlauf des Abends spielt ein Beduine auf verschiedenen Instrumenten. Das ist sehr schön. Schade, dass manchen Menschen der Respekt fehlt, einfach mal die Klappe zu halten und dem Vortragenden zuzuhören.

Wir verweilen noch eine ganze Weile im Siq, nachdem die Veranstaltung beendet ist. Auch den Rückweg genießen wir, denn inzwischen sind nicht mehr viele Menschen unterwegs. Die Kerzen brennen in den Tüten erstaunlich lange; nur hin und wieder fackelt mal so eine Tüte ab.

Obwohl es nun schon sehr spät ist, ist es immer noch angenehm warm, so dass wir nicht mal eine Jacke brauchen. Als wir dann endlich in unserem Auto sitzen, sind wir heilfroh, denn nach 29.185 Schritten bzw. etwa 23 km und 129 aufgestiegenen Etagen an diesem Tag sind wir nur noch kaputt und müde und fallen ziemlich geschafft um 23:30 Uhr ins Bett.

10.10.2019     Petra “Sellar Hotel”

Heute morgen legen wir uns nach dem Frühstück noch einmal hin, denn wir brauchen auch mal Erholung. Außerdem haben wir Petra im Prinzip abgearbeitet und brauchen heute vor allem das Nachmittagslicht, das die Königsgräber anleuchtet. Da genügt es, wenn wir mittags starten.

Gemütlich laufen wir ein letztes Mal durch den Siq, stehen andächtig vor dem Schatzhaus und beobachten die Menschenmenge, die sich hier tummelt. Ich habe heute das Teleobjektiv dabei, kann noch ein paar Detailaufnahmen machen und auch unbemerkt ein paar Schnappschüsse aufnehmen, denn mit den gestellten Bildern ist das so eine Sache.

Später laufen wir zur gegenüberliegenden Seite der Königsgräber um zu warten, bis die im Nachmittagslicht schön ausgeleuchtet werden. Ein paar Mal wechseln wir noch die Perspektive, laufen ein wenig umher und beobachten, wie die tagsüber so betriebsame Kulisse ganz langsam an Drive verliert.

Jetzt, nachdem die Sonne hinter den hohen Bergen verschwunden ist, schließen die zahllosen Souvenirverkäufer ihre Stände, wobei die meisten von ihnen ihre Auslagen einfach liegen lassen. Viele machen sich nicht einmal die Mühe, die Ware abzudecken. Nun kommen plötzlich aus allen Ecken Fahrzeuge zum Vorschein, mit denen die Souvenirverkäufer nach Hause fahren. Die Esel- und Pferdeführer treffen sich auf ein gemütliches Schwätzchen und so nach und nach verlassen die Menschen diese rosa Stadt. Tatsächlich beginnen sich die Berge nämlich rosa zu färben, nachdem die Sonne sie nicht mehr anleuchtet. Andächtig sitzen wir hoch oben auf einem Felsvorsprung und schauen ein letztes Mal in dieses historische Tal.

Die Felsenstadt Petra hat gigantische Ausmaße

Was würde ich darum geben zu wissen, wie es hier früher wirklich einmal ausgesehen hat und wie die Menschen gelebt haben. Wie viel Wahrheit steckt in den Erkenntnissen der Archäologen und Historiker wirklich? Nun, wir werden es nicht erfahren und müssen unsere eigene Fantasie bemühen. Wir verlassen die alte Stadt Petra erst nach Einbruch der Dunkelheit. Schon brennen wieder die ersten Kerzen am Weg in Richtung Siq denn heute wiederholt sich die Veranstaltung von gestern. Wir sind hungrig, gehen heute mal woanders essen und sind froh, endlich unsere Beine hochlegen zu können.

Obwohl wir heute – im Vergleich zu den letzten Tagen – nicht viel unternommen haben, sind wir wieder 17.400 Schritte (=13,6 km) gelaufen und 34 Etagen aufgestiegen. In Petra muss man echt gut zu Fuß sein. Immerhin sind wir in den drei Tagen unseres Aufenthaltes in Petra insgesamt 58 km gelaufen und man soll es nicht glauben, hier kommen welche mit Flipflops und Sandalen an.

11.10.2019     Petra “Sellar Hotel”

In Petra kennen wir jetzt jeden Stein. Zwar könnten wir mit unserem Jordan-Pass noch einmal auf das historische Gelände, aber das haben wir abgearbeitet. So bleibt heute eigentlich ein Tag übrig. Das Hotel umbuchen, hat nicht funktioniert, also tun wir etwas, was zwar Blödsinn ist, aber zumindest den Tag sinnvoll füllt. Wir fahren schon mal die zwei Stunden nach Aqaba. In diesem Ort am Roten Meer können wir baden und schnorcheln gehen, denn es soll im Aqua Marine Park eine sehr schöne Unterwasserwelt geben.

Mit Badesachen und Schnorchelausrüstung bewaffnet fahren wir nach Aqaba. Die Stadt ist Freihandelszone, so dass wir hier auch gute Chancen haben, uns mal eine Flasche Wein zu kaufen. Schon auf der Fahrt kommen uns mehr als 20 Reisebusse mit Touris entgegen, die heute ihren Tag in Petra verbringen werden. Allen gemeinsam ist das Schild an der Frontscheibe „Mein Schiff 5“. Ok, im Hafen von Aqaba liegt das riesige Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 5“ von TUI für2534 Passagiere und dahinter gleich noch ein anderes großes Passagierschiff. Wir steuern erst mal einen „Liqour Store“ an und bekommen endlich unseren jordanischen Wein. Der freundliche Verkäufer schenkt uns sogar noch einen Korkenzieher – der Mann denkt mit!

Aqaba liegt am äußersten Zipfel des Roten Meeres und gegenüber befindet sich schon Eilat, das zu Israel gehört. (Eilat ist die südlichste Stadt in Israel und hat den einzigen Zugang Israels zum Roten Meer. Die Länge des israelischen Küstenabschnitts beträgt nur knapp zwölf Kilometer.)

Wir steuern den Strand hinter Aqaba an, denn dort befindet sich der Aqua Marine Park – ein Unterwasser-Schutzgebiet.

Entgegen unseren Befürchtungen, dass heute zum Freitag, der bei den Muslimen dem Sonntag gleich kommt, am Strand die Hölle los ist, hält sich der Besucherandrang in Grenzen. Einige Strandabschnitte sind noch richtig leer und wir bekommen sogar ein Schattendach. Uwe geht schon mal die Lage im Wasser erkunden und kommt nach einiger Zeit reichlich frustriert wieder. Abgesehen davon, dass der Strand schmutzig ist, liegt auch im Wasser jede Menge Müll. Fische hat er so gut wie keine gesehen und die Korallen sind alle weiß – sprich abgestorben.

Wir beschließen, es noch ein Stück weiter unten bei Tala Bay zu versuchen. Das ist der letzte „Ort“ vor der Saudischen Grenze. In Tala Bay werden wir nicht ohne weiteres eingelassen, denn Tala Bay ist ein großes Resort, aber der Security-Mann, der uns kontrolliert, versteht so wenig englisch, dass er meint, wir wollen ins Restaurant. Freundlich lässt er uns ein, nachdem er eine Kopie unserer Pässe kopiert hat (wir rücken nämlich nur im Notfall unsere Original-Reisepässe raus). Tala Bay ist ein nobles Touristen-Resort, das sich insbesondere auf russisches Klientel eingerichtet hat. Hier gibt es Appartements und auch Hotels und das ganze Gebiet ist eine kleine Stadt mit allem Nötigen; einschließlich Wodka und Champagner im reich ausgestatteten Supermarkt.

Bei unseren Recherchen im Vorfeld der Reise hatten wir auch von einem U-Boot gelesen, das durch den Aqua Marine Park fährt. Das gelbe Boot hatten wir vorhin gesehen und deshalb sind wir eigentlich nach Tala Bay abgebogen. Und tatsächlich, als wir runter zum Yachthafen fahren, sehen wir dort das gelbe U-Boot liegen. Wir informieren uns, wann die Touren starten und woher wir die Karten bekommen. Das Büro ist gleich in der Nähe, die letzte Tour für heute beginnt um 14:30 Uhr. Wir kaufen Karten und essen dann gleich noch in einem der Restaurants am Hafen zu Mittag. Viel Zeit, das Ganze zu genießen haben wir zwar nicht, aber die Zeit reicht und wir sind satt, als das U-Boot ablegt. Insgesamt sind wir 14 Leute an Bord. Etwas irritiert nehmen wir unter dem Sonnendach Platz. Das Boot legt ab, fährt aus dem Hafen und ein Stück die Küste in Richtung Aqaba hoch. Dann öffnet der Skipper des U-Bootes eine Luke und wir dürfen in das Innere des Schiffes steigen. Hier gibt es große Panoramafenster, durch die wir die Unterwasserwelt sehen könn(t)en – wenn sie denn vorhanden wäre. Wir sehen Korallen, eine Menge Müll im Wasser und ein paar kleine Fische. Die Mehrzahl der Korallen ist weiß und damit abgestorben. Um den Tauchern überhaupt etwas bieten zu können, hat man hier Verschiedenes versenkt, in der Hoffnung, dass sich darauf eine künstliche Riffwelt ansiedelt. Wir treffen auf ein Flugzeug, einen Panzer und ein Schiffswrack. Selbst der so hoch gepriesene „Japanese Garden“, der Schnorchel- und Tauch-Hot-Spot schlechthin sein soll, ist weitgehend tot. Wir können an den Wracks Taucher beobachten, sehen einige Schwärme ganz kleiner Fische, ein paar Zebrafische, einige Seenadeln und ein paar größere Korallenbeißer aber prächtige Unterwasserwelt – darunter verstehen wir etwas anderes, seit wir am Ningaloo Reef geschnorchelt haben. Kurz, wir sind verwöhnt.

Es deprimiert uns, was wir hier zu sehen bekommen. Soweit wir das einschätzen können, sind mindestens 70 % der Korallen tot und der viel gepriesene Artenreichtum an Fischen hatte heute wohl auch gerade frei. Insgesamt war es eine wahnsinnig interessante Fahrt, die uns wertvolle Erkenntnisse gebracht hat. Ohne diese Erfahrung würden wir immer noch nach dem richtigen Schnorchel-Hotspot suchen und an uns zweifeln. So jedoch wissen wir, dass wir nicht weiter suchen brauchen und uns während unseres bevorstehenden Aufenthaltes in Aqaba ungestört dem Luxus unseres Hotels hingeben können.

Nach dieser lehrreichen Schiffsfahrt schauen wir uns noch etwas in Tala Bay um, bevor wir wieder die Fahrt Richtung Petra antreten. An zwei Polizeikontrollen müssen wir anhalten, werden aber freundlich durchgewunken. Wäre ja auch noch, wenn die uns unseren leckeren Wein wieder abnehmen würden. Unterwegs können wir in gigantischer Landschaft den Sonnenuntergang beobachten. In der Nachbarschaft picknicken ein paar einheimische Familien und die Kinder laufen uns hinterher. Das erste, was denen einfällt ist „Money“ und zur Untermalung zeigen sie uns die Bewegung von Daumen und Zeigefinger. Das ist genau das, was wir hier schon die ganze Zeit empfinden: Urlauber sind wandelndes Kapital und jeder will von dem „Kuchen“ etwas abhaben. Die Knirpse sind noch keine 7 Jahre alt und nicht etwa bedürftig.

Die karge Landschaft Jordaniens

Zurück in unserem Hotel in Petra können wir endlich den erworbenen Wein probieren. So haben wir wenigstens für unsere nächsten Stationen einen Sundowner. Morgen werden wir weiter zum Wadi Rum reisen.

12.10.2019     Petra – Wadi Rum „Wadi Rum Bedouine Camp“

Wir verlassen Petra in Richtung Wadi Rum. Über die landschaftlich schönere Strecke des Kings Highway über „Ras en Naqb“ brauchen wir zwar etwas länger, haben dafür aber spektakuläre Landschaft zu bestaunen. Von Petra nach Wadi Rum benötigt man maximal zwei Stunden Fahrzeit. So können wir uns viel Zeit lassen. Das Visitor Centre des Wadi Rum ist ein noch recht neuer und moderner Komplex, der allerdings schon wieder an allen Ecken vergammelt. Allein die Toiletten sind ein Grauen und es kann einen ärgern, wenn man sich überlegt, dass die UNESCO einen Haufen Geld in diese Schutzgebiete steckt und sie vergammeln in kürzester Zeit. Immerhin sind hier auch ein Teil unserer Steuergelder drin. Aber gut, wir können die Welt nicht ändern, also müssen wir akzeptieren, was wir vorfinden. Immerhin brauchen wir weder für uns noch für unser Auto Eintritt zu zahlen, denn auch hier gilt der Jordan Pass. Allein das Auto hätte 35 JD pro Tag gekostet. Nach dem Visitor Center kommt ein großer Parkplatz und auf dem müssen Besucher ihre Fahrzeuge abstellen. Von hier werden die Gäste der Camps auf Pickups umgeladen. Na das findet nicht unsere Begeisterung; schließlich fahren wir 4×4. Zwar haben wir vorsorglich ein kleines Gepäck für die nächsten drei Übernachtungen gerichtet, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Außerdem kostet dieser Parkplatz natürlich auch pro Tag Gebühren. Einer der „Parkplatzwächter“ hat inzwischen im „Bedouine Camp“ bei Mohammed angerufen und es dauert nicht lange, da kommt einer seiner Brüder. Erstaunlicherweise müssen wir nicht mal mit ihm diskutieren. Unser E-Mail, dass wir 4×4 fahren können, hat Wirkung gezeigt und es ist klar, dass wir das Fahrzeug mit ins Camp nehmen. Erst will uns der Guide beim Lunch im Restaurant am Parkplatz parken. Als wir das aber nicht wollen, bringt er uns ins Haus von Mohammed in Wadi Rum Village. Wir werden in ein Zimmer gebracht und sehen zum ersten Mal, wie die Häuser von innen aussehen. Der Boden des Raumes ist komplett mit einem Teppich ausgelegt und an den Wänden sind rundherum Polster angebracht. Zwischendrin liegen Armpolster, auf die man sich stützen und lehnen kann. In einer Ecke des Raumes schläft die zweijährige Tochter von Mohammed und in der Mitte des Raumes auf dem Boden steht ein Tablett mit Gläsern und einer Teekanne. Wir bekommen Tee eingeschenkt, der zwar pappsüß ist aber doch sehr aromatisch schmeckt. Im Raum läuft – auf 21 Grad eingestellt – die Klimaanlage und es ist sehr angenehm. Wir brauchen nicht in der prallen Mittagshitze schmoren. Er zeigt uns noch das Badezimmer und verlässt uns dann mit den Worten – wir sollen uns hier wie zuhause fühlen, um die nächsten Gäste zu holen, die ins Camp gefahren werden müssen.

Jordanisches Wohnzimmer

Wir warten hier auf … ja wissen wir auch nicht so genau. Nach einer Weile des Wartens kommt Mohammed, der Besitzer des „Bedouine Camps“ und Hausherr persönlich. Wir vereinbaren, dass wir noch eine Nachmittagstour machen und danach das Auto ins Camp holen. Derweil steht es bei ihm im Hof gut. Dann verschwindet Mohammend wieder und wir warten noch einmal. Jetzt warten wir auf Natascha, eine Irin mit ihrem Freund, die mit uns die Nachmittagstour machen sollen. Als die endlich eintreffen, können wir starten. Gleich am Eingang begrüßen uns riesige Felskomplexe, wie die bekannten „Sieben Säulen der Weisheit“ und überall ist der legendäre rote Sand, der das Wadi Rum ausmacht.

Heute ist erst einmal das Standardprogramm dran. Wir besuchen die Standardsehenswürdigkeiten, wie „Lawrence-Quelle“ (Ain Shelaleh), die ergiebigste Quelle des Wadi Rum, die permanent das ganze Jahr über Wasser führt, das Trinkwasserqualität hat. Die Quelle befindet sich ca. 3 km südlich des Dorfes Rum und hat interessante Felszeichnungen mit Inschriften. An dieser Quelle sollen sich Lawrence und seine Beduinen mit Wasser versorgt haben. Auch Reste einer nabatäischen Wasserleitung sind noch zu sehen.

Danach geht es weiter zum Jebel „Khazali“, einem Berg im Zentrum des Wadi Rum Schutzgebiets. Dort gibt es eine tiefe schmale Spalte von etwa 100 m Länge. Deren Innenwände sind mit zahlreichen thamudischen, nabatäischen und islamischen Inschriften sowie Felszeichnungen von Menschen und Tieren bedeckt. Bemerkenswert sind Zeichnungen von Fußsohlen, die wahrscheinlich eine religiöse Bedeutung hatten. Auch die Zeichnung einer gebärenden Frau ist zu sehen. Die Felszeichnungen und Inschriften der „Khazali-Schlucht“ gelten als eine der größten Sehenswürdigkeiten in Wadi Rum. Am Ende der Felsspalte gibt es mehrere von Menschen in den Felsen geschlagene Becken für das Auffangen von Wasser. Entsprechend stark frequentiert ist diese Schlucht auch.

Nun fahren wir weiter zur Sandstein-Felsenbrücke „Umm Fruth“, über die hier schier jeder der Besucher laufen muss. Wir haben kaum die Chance, diese Felsenbrücke ohne einen posenden Menschen abzulichten. Offenbar schaltet inzwischen bei den meisten Menschen der Verstand ab, wenn es darum geht, ein „besonderes“ Foto zu machen. Am „Lawrence Haus“, das kaum noch zu erkennen, weil verfallen ist, klettern wir noch auf einen Felsen, um die Aussicht über das Gebiet zu genießen. Eine schöne Kulisse ist es hier, aber in jeder Ecke steht ein Zeltcamp. Inzwischen gibt es im und außerhalb des Schutzgebietes mehr als 150 Camps, von denen über 60 bereits in Betrieb sind und weitere 40 derzeit gebaut werden. Angeblich hat die Regierung nun aber einen Schlussstrich gezogen, dass keine weiteren Camps mehr errichtet werden dürfen. Rechnet man im Schnitt mit 20 bis 30 Personen pro Camp dann kann man sich ausrechnen, was hier für ein Begängnis ist. Von Ruhe und unberührter Natur ist Wadi Rum schon lange weg und das ganze Gebiet ist großflächig platt gefahren, weil alle Fahrzeuge kreuz und quer durch die Gegend fahren.

Pünktlich kurz vor dem Sonnenuntergang werden wir ins „Bedouine Camp“ gebracht. Hier beziehen wir eines der festen Zelte. Noch ist es in ihm brütend heiß. Viel mehr als ein Doppelbett steht nicht drin, aber das war uns ja bewußt. Die Sanitäreinrichtung ist für alle und sie ist sauber und ordentlich.

Wir steigen noch auf den hinter dem Camp liegenden Felsen, um den Sonnenuntergang zu bestaunen, doch der ist für unsere Begriffe eher mickrig. Nun fährt einer der Cousins von Mohammed (der ganze Clan ist miteinander verwandt und hat das Wadi fest im Griff) uns ins Wadi Rum Village, damit wir unser Auto holen können. Er ist sehr skeptisch, als wir ihm sagen, dass er uns nicht zurück begleiten muss. Wir haben den Weg exakt im Navi und können es offline nutzen, auch wenn es hier kein Internet gibt. Wir ernten ein sehr skeptisches Gesicht und er lässt sich dreimal zeigen, ob wir wirklich den richtigen Weg im Navi haben. Dabei ist das überhaupt nicht schwer zu finden, denn hier ist hinter jeder Bergbiegung ein Camp und das Village ist gleich um die Ecke. Die Camps sind quasi immer in den Schatten der Berge gebaut und hinter jeder Biegung steht ein anderes Camp – keines mit Namen bezeichnet aber alle gehören den Cousins bzw. der Familie von Mohammed.

Wadi Rum

Wadi Rum

Wir fahren also allein mit unserem Fahrzeug zurück ins Camp und genießen den Luxus, nur bis zum Auto laufen zu müssen, wenn wir etwas brauchen bzw. wenn wir Platz im Zelt brauchen. Schade, dass der Wein tagsüber quasi gekocht wird und abends eher ein Glühwein als ein Genuss ist. Hier müsste man die Gewohnheiten ändern und morgens trinken, denn über Nacht kühlt er ja schön ab. Hm, das ist aber irgendwie auch nicht ideal!?

Inzwischen haben die Köche des Camps in einem Erdofen ein Feuer entfacht und gerade wird darin das Abendessen versenkt. Heute gibt es Hühnchen mit Gemüse. Das Gestell mit dem Essen besteht aus drei Etagen – in der unteren Lage gart der Reis.

Im Licht eines gemütlichen Lagerfeuers warten wir, bis zwei Stunden später das Abendessen aus dem Erdofen geholt wird. Es sieht sehr lecker aus und ist nicht das Einzige, was hier zum Essen aufgefahren wird. Das Abendbuffet ist sehr vielseitig, reichlich und schmackhaft. Wir schaffen es gar nicht, von allem zu kosten.

Nach dem Abendessen ist es Zeit, den Tag zu beenden, denn die warmen Temperaturen schlauchen auch ganz schön. Satt und zufrieden fallen wir ins Bett.

13.10.2019     Wadi Rum „Wadi Rum Bedouine Camp“

Mit Mohammed haben wir für heute eine Privattour zu den Sehenswürdigkeiten im nördlichen Teil des Wadi Rum vereinbart. Unser Guide und Fahrer für heute ist Abdulla, der uns kreuz und quer durch das nördliche Wadi Rum fährt, uns schöne Plätze zeigt und uns auch in die weiße Wüste bringt.

Wir halten bei einem Beduinen, der für uns die traditionelle Musik spielt und singt. Natürlich geht das nicht ohne den grundsätzlich üblichen süßen Tee zu servieren.

Wir bekommen von Abdullah, einem sympathischen jungen Beduinen und einem der unzähligen Cousins von Mohammed auch einen Einblick in die Familienverhältnisse des Clans. So erfahren wir, dass die Familie eigentlich aus Saudi Arabien stammt, die Familienmitglieder sowohl die jordanische als auch die saudiarabische Staatsbürgerschaft haben und sogar einige Familien in Frankreich leben. Alle Camps im Wadi Rum gehören Familienmitgliedern dieses Clans. Na immerhin bleibt das Geld in der Region.

Unterwegs treffen wir auf einen alten Mann mit drei Kamelen, der mit einem Touristen eine Kamelsafari macht. Die beiden zusammengebundenen Kamele sind aber heute irgendwie schlecht drauf und machen nicht mit. Eins von ihnen wälzt sich auf dem Rücken und schlägt mit allen Vieren um sich. Das andere Kamel zerrt auch in eine andere Richtung und der Tourist steht in respektvoller Distanz und bereut seine Entscheidung. Abdullah hält sofort an, um dem Mann zu helfen. Während die Beiden mit den zwei Kamelen beschäftigt sind und das eine mit etwas Nachdruck wieder auf die Beines stellen, nutzt das andere Kamel die Gunst der Stunde, schnappt sich das Lunchpaket des Touristen und macht sich über Orangen und Anderes her. Es ist eine skurrile Situation.

Nachdem wir nun schon eine ganze Weile durch die Gegend gefahren werden, ist es an der Zeit – zumindest sieht Abdullah das so – dass wir auch mal bewegt werden müssen. Also lässt er uns ein Stück allein laufen und fährt vornweg. Als wir nicht zeitnah kommen, fährt er uns wieder entgegen, weil er Sorge hat, wir verlaufen uns. Dabei gibt es nur einen möglichen Weg, den wir gehen können. Fürsorglich ist er also auch.

Später halten wir im Schatten der Berge, er rollte einen großen Teppich aus und kocht uns mit bescheidenen Mitteln ein äußerst schmackhaftes Mittagessen. Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell er das Essen zubereitet hat, wie vielseitig es ist und wie gut es schmeckt. Sogar ein Mittagsschläfchen ist drin, derweil läuft er um ein paar Berg-Ecken um einem seiner Cousins beim Kochen zu helfen.

Unsere Essensreste bekommen anschließend die beiden Kamele, die an den Felszeichnungen auf die nächsten Touristenfahrzeuge warten. Vorsichtshalber stecken sie auch mal selbst den Kopf in die Fahrerkabine um zu schauen, ob es da etwas für sie gibt. Sie bekommen das restliche Fladenbrot und Wasser aus der Flasche. Sieht lustig aus.

Wir fahren weiter quer durch die schöne Landschaft, die ständig ihr Gesicht verändert. Sogar große Sanddünen gibt es. Dort hinauf zu steigen, ist ziemlich anstrengend und schweißtreibend. Inzwischen muss Abdullah aber erst mal graben, denn er hat sein Auto festgefahren. Angeblich funktioniert der 4×4 nicht aber in Wahrheit hatte er wohl vor, mit uns in die Sanddüne zu fahren.

Abdullah zeigt uns auch zwei Wasserdämme, in denen die Nabatäer das Regenwasser von den Bergen aufgefangen haben.

Als letzte Station machen wir Halt an einer weiteren Felsenbrücke, die auch bestiegen werden kann. Wieder klettert hier jeder hoch, um auf dem schmalen Sandsteinsteg zu posieren. Richtig sauer werde ich, als ich eine junge französische Familie mit einem Kleinkind sehe, die ebenfalls den Berg hinaufkraxeln. Das Kind ist vielleicht zweieinhalb. Die Mutter hat Angst und das Kind auch und doch steigen sie den Berg hoch und posieren auf der Brücke. Für so ein Scheißbild riskieren die Leute inzwischen ihr Leben. Man hat das Gefühl, der Verstand schaltet bei den Leuten ab, wenn es um Selbstdarstellung geht. Hauptsache, man kann mit einem spektakulären Foto prahlen. Dabei vergessen die Leute, dass die Brücke aus Sandstein ist und Jeder, der darüber läuft, macht ein Stück davon kaputt. Irgendwann wird es diese Felsenbrücke nicht mehr geben. Das Beste wäre es, das Besteigen dieser Naturdenkmäler grundsätzlich zu verbieten.

Zurück im Camp vergeht die Zeit recht schnell, bis es wieder leckeres Abendessen aus dem Erdofen gibt. Auch heute ist das Camp mit 32 Leuten gut gefüllt und das Essen ist lecker, vielseitig und sehr reichlich. Kein Wunder, dass Mohammed  weitere 8 neue Zelte mit eigenem WC und Aircondition anbaut.

14.10.2019     Wadi Rum „Wadi Rum Bedouine Camp“

Heute Nacht war es sehr windig, richtig neblig und wahnsinnig warm. Wir haben gerade Vollmond, aber davon war nichts zu erkennen. Der Sternenhimmel ist quasi gerade nicht vorhanden. Aber es gibt hier sowieso schon viel zu viel Lichtquellen, so dass ein echter Nachthimmel gar nicht existiert.

Unsere heutige Tour soll in den südlichen Teil des Wadi Rum führen. Diesmal fährt uns Cousin Hamza und heute begleitet uns ein junges belgisches Paar. Die Beiden zeigen uns schnell, dass sie mit uns nichts zu tun haben wollen. Sie sprechen weder mit uns, noch mit dem Guide. Hamza fährt – im Gegensatz zu Abdullah gestern – im Schneckentempo und das heißt, viel zu zeigen gibt es heute nicht. So ist es dann auch.

Erst gibt es einen Aussichtspunkt und von da aus lässt er uns eine Stunde laufen. Das ist an sich jetzt nicht so schlimm, aber heute gibt es drei mögliche Wege und so verläuft sich das belgische Paar exakt dreimal. Wir laufen hinten dran und sind gut beraten, auf die Spuren im Sand zu achten. So sehen wir, wo zuletzt ein Auto gefahren ist. Immerhin scheint mittags um 11 Uhr die Sonne schon recht ordentlich. Hamza hat es sich derweil im Schatten gemütlich gemacht und wartet auf uns. Da muss er allerdings eine Weile warten, denn unterwegs treffen wir auf Beduinen, die im Schatten der Felsen mit Kameldung (schwarz) und Steinen (weiß) im Sand ein „Brettspiel“ spielen. Zwischendurch wird genüsslich an der Wasserpfeife gezogen. Die Männer nehmen die Sache sehr ernst und sind hoch konzentriert bei der Sache.

Auf dem weiteren Weg entdecke ich sogar eine kleine Wüstenlilie, die im Schatten der Felsen gedeiht.

Nachdem wir Hamza erreicht haben, fährt er uns wieder ein Stück und nur, wenn wir ihm aufs Dach klopfen, hält er an. Der südliche Teil, der sich bis an die Saudi-Arabische Grenze erstreckt, ist nichts Besonderes. Die Felsen sehen nicht anders aus als im gestrigen Teil des Wadi Rum. Lediglich weniger Fahrzeuge sind unterwegs.